Starke Themen, schwache Umsetzung
Two steps away - London Hearts 2Two Steps Away erzählt die Geschichte von Pippa, die nach Jahren wieder auf ihre Jugendliebe Ben trifft. Damals hat er ihre Gefühle nicht erwidert und ist überstürzt nach Amerika gegangen, was bei beiden ...
Two Steps Away erzählt die Geschichte von Pippa, die nach Jahren wieder auf ihre Jugendliebe Ben trifft. Damals hat er ihre Gefühle nicht erwidert und ist überstürzt nach Amerika gegangen, was bei beiden Spuren hinterlassen hat. Nun arbeiten sie gezwungenermaßen wieder zusammen und müssen sich nicht nur mit ihrer Vergangenheit, sondern auch mit ihren eigenen Unsicherheiten, Erwartungen und Verletzungen auseinandersetzen. Parallel dazu kämpft Pippa mit dem enormen Druck ihrer Eltern und ihrem Wunsch, beruflich wie privat endlich ihren eigenen Weg zu gehen. Unterstützt wird sie dabei von ihrer WG, ihren Freundinnen und den beiden warmherzigen Omas, die immer wieder als moralischer Kompass dienen.
Das Buch hatte definitiv starke und schöne Momente wie die Darstellung der Elternbeziehung. So schmerzhaft sie ist, so stimmig ist sie auch. Die Szenen mit den Eltern erklären viel von Pippas Verhalten, ihrem Perfektionismus und ihrer Angst zu scheitern.
Auch die Omas und ihre Rolle in all dem hat mir persönlich gut gefallen. Ein absolutes Highlight. Warmherzig, humorvoll, liebevoll – sie bringen Tiefe und Leichtigkeit zugleich in die Geschichte. Ihre Regeln sind charmant und geben dem Roman eine besondere Note.
Und auch Ben als Figur/ Love interest mochte ich, auch wenn ich ein wenig gebraucht habe, um ihn greifen zu können. Seine Entwicklung, seine Einsicht in die Fehler der Vergangenheit und seine Loyalität haben überzeugt. Auch dass er Brillenträger ist, finde ich erfrischend, weil es selten vorkommt.
Und was man auch nicht vergessen darf: Trotz aller noch folgender Kritikpunkte hat die Chemie zwischen Ben und Pippa für dich funktioniert, und das Happy End fühlte sich verdient an.
Es gab aber auch Aspekte, die für mich nicht funktioniert haben und teilweise echt schwierig sind, wenn sie in Büchern so dargestellt werden.
Zu Beginn mochte ich die WG und ihre Freundschaft aber diese Sympathie ist mir sehr schnell verloren gegangen und konnte auch nicht mehr zurück gewonnen werden. Die Mädchen erscheinen in einigen Szenen nicht als gute Freundinnen, sondern als übergriffig sowohl Pippa als auch Ben gegenüber. Sie lassen die beiden die Gespräche nicht unter vier Augen führen und verhalten sich dabei extrem unangenehm und unreif. Vor allem aber, dass sie es an Bedingungen knüpfen, dass Ben Pippa auf ein Date einladen „darf“ fand ich sehr fragwürdig. Hier wird Emanzipation nicht als das vermittelt, was sie sein sollte, sondern als herunter machen von Männern.
Hinzukommt die Art, wie in der Darstellung von Sexualität in dem Buch. Hier hatte ich die größten inhaltlichen Bedenken.
- Die Sexszene wirkte für mich gewollt und nicht organisch.
- Besonders störend war Pippas Gedanke, sie würde „hundert Jahre Emanzipation über Bord werfen“, wenn sie sich hingibt. Für mich vermittelt das ein falsches Bild: Selbstbestimmte Sexualität ist Emanzipation und Hingabe bedeutet nicht, feministische Werte zu verraten.
Da das Buch sich selbst als feministisch einordnet, finde ich diese Darstellung widersprüchlich und problematisch.
Hinzukommen sehr viel Zufälle, die zusammenspielen müssen, damit sich Ben und Pippa immer wieder begegenen und das Ende hätte gerne auch ein wenig runder sein dürfen. Auch werden die Motivationen mancher Figuren (z.b. der Eltern) nicht ganz klar.
Two Steps Away hat stark begonnen, mit einem wunderschönen Cover, einer warmen Nebenfigurenwelt und einer spannenden Ausgangssituation. Doch im Verlauf haben einige problematische Darstellungen – besonders rund um Sexualität, Feminismus und die WG-Dynamik – die Leseerfahrung leider getrübt.