Die etwas andere Rezension
Nussknacker und MausekönigGestern, am 25.12.25, waren mein Lebensgefährte, meine Mom und ich im örtlichen Theater und haben uns „Der Nussknacker“ angesehen – genauer gesagt eine Neuinterpretation des Balletts von Tschaikowski. ...
Gestern, am 25.12.25, waren mein Lebensgefährte, meine Mom und ich im örtlichen Theater und haben uns „Der Nussknacker“ angesehen – genauer gesagt eine Neuinterpretation des Balletts von Tschaikowski. Was uns dort erwartet hat, hatte mit dem klassischen Stück allerdings nur noch am Rande zu tun: viel Ausdruckstanz statt Ballett, ein futuristisches Bühnenbild, hinzugefügte Figuren und Handlungsstränge, ein Onkel Drosselmeyer, der eher an den verrückten Hutmacher aus Alice im Wunderland erinnerte und ein Nussknacker, der aussah wie eine Mischung aus Bäckergeselle und Gebirgsjäger der Bundeswehr – falls Letztere jemals in Schneetarn und rot-weiß geringelten Strümpfen zum Orientierungsmarsch antreten sollten.
Besonders in Erinnerung geblieben ist mir eine Szene mit Pudelmütze und Skibrille tragenden Hausmeistern, die schneeschippend über die Bühne zogen und offenbar den Tanz der Schneeflocken darstellen sollten. Insgesamt fühlte ich mich weniger wie im Theater, sondern eher wie in einem experimentellen ARTE-Kunstfilm, nur leider nicht in dem klassischen Ballett, auf das ich mich eigentlich gefreut hatte.
Die Inszenierung sorgte bei mir zudem für erhebliche Irritationen in Bezug auf die Originalgeschichte von E. T. A. Hoffmann, die ich fast jedes Jahr um Weihnachten herum lese. Also habe ich mir zu Hause sofort mein altes Nussknacker-Buch aus dem Regal geholt – ein Arena-Kinderbuchklassiker, den ich vor rund 30 Jahren zu Weihnachten geschenkt bekam – und noch einmal nachgelesen. Einfach, um sicherzugehen, dass ich meinen Sinnen noch trauen kann und um zu prüfen, welche Figuren tatsächlich zur Geschichte gehören und welche frei dazuerfunden wurden, etwa eine Schneekönigin.
Man mag mich nun für einen Kulturbanausen halten, aber der klassischen Geschichte kann ich deutlich mehr abgewinnen als einer künstlerischen Neuinterpretation auf der Bühne. Der Nussknacker ist und bleibt für mich die schöne Erzählung von Marie Stahlbaum, die einen scheinbar hässlichen Nussknacker lieb gewinnt und in ihm mehr erkennt, als er nach außen zeigt. Es ist eine Geschichte über kindliche Fantasie, die ganze Märchenwelten erschaffen kann – eine Fähigkeit, die uns Erwachsenen im Angesicht von Alltag und Realität größtenteils verloren gegangen ist. So sehr verloren, dass aus einer verspielten Kindergeschichte ein verkopfter Kunstfilm für die Bühne gemacht wird.
Nun ja. Wenigstens waren die meisten Kostüme wirklich schön.