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annuschkar

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 01.01.2026

Gute Geschichte, die etwas blass bleibt

Nachtkommando
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Es ist kein nervenaufreibender Thriller, aber ein guter Krimi. Buchreihen rund um deutsche Ermittler von 1920 bis in die 1950er ist ja genau mein Ding, weswegen auch der zweite Teil der „Dunkles Berlin“ ...

Es ist kein nervenaufreibender Thriller, aber ein guter Krimi. Buchreihen rund um deutsche Ermittler von 1920 bis in die 1950er ist ja genau mein Ding, weswegen auch der zweite Teil der „Dunkles Berlin“ Reihe von Scarrow nicht fehlen darf.

Der ehemalige Rennfahrer Horst Schenke steckt mit seinem Team eigentlich in einem ganz anderen Fall, als er von Ruth (bekannt aus Teil 1) gebeten wird, sich den Fall eines toten SS-Arztes anzusehen. Dessen Frau glaubt nämlich nicht an den offiziellen Grund des Selbstmordes.
Genauso wenig wie ein befreundeter Journalist von Horsts Verlobten Karin glaubt, dass die Häufigkeit der Sterbefälle von Kindern in der Potsdamer Schiller-Klinik Zufall sind.

Scarrow verwebt diese beiden Ansätze zu einem Krimi, der sich mit den Auswirkungen der Nürnberger Gesetze und dem Wunsch zur „Reinhaltung und Erhaltung der arischen Rasse“ auseinandersetzt. Wir bekommen es wieder mit gefährlichen historischen Charakteren (wie Heydrich) zu tun und tauchen in das dunkle Kapitel der Euthanise ein.

Die Auflösung des Falles ist an sich recht gut gelungen, jedoch vollführt dafür einer der Hauptakteure eine 180 Grad Wendung des Charakters, die sich sehr unnatürlich anfühlt.

Die moralische Frage nach richtig und falsch, nach der Möglichkeit sich zwischen Auflehnung und Resignation zu entscheiden ist enorm wichtig, mir aber etwas zu deutlich von Historischer Retrospektive eingefärbt.

An sich eine gute Geschichte, die aber etwas blass bleibt was die Ausarbeitung des Settings und der Charaktere angeht. Berlin ist vielleicht auch einfach mittlerweile zu abgenutzt für solch eine Reihe.

Veröffentlicht am 01.01.2026

Alles in allem, kann man es durchaus lesen

Anna O.
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Anna O. schläft seit vier Jahren, seit sie angeblich zwei Menschen erstochen haben soll. Bisher konnte sie niemand aufwecken, dass soll Dr. Ben Prince nun aber ändern.

Wie viele Wahrheiten gibt es? Und ...

Anna O. schläft seit vier Jahren, seit sie angeblich zwei Menschen erstochen haben soll. Bisher konnte sie niemand aufwecken, dass soll Dr. Ben Prince nun aber ändern.

Wie viele Wahrheiten gibt es? Und gibt es die eine objektive Wahrheit überhaupt? Anna O. ist ein Psychothriller übers Schlafwandeln, über ungerechte Gesundheitssysteme, über Opfer von Karrieregeilheilt und Bürokratie. Die ersten 200 Seiten ist es mir schwer gefallen einen Kopf an den kurzen Kapiteln und wechselnden Perspektiven zu bekommen. Es fließt viel Weltliteratur und Philosophie mit ein, aber die eigentliche Handlung tritt auf der Stelle. Dann nimmt es etwas Fahrt auf und man hat das Gefühl endlich etwas besser zu verstehen um was es eigentlich geht, aber das hält nicht lange an.

Die komplette Geschichte als auch der Aufbau der einzelnen Kapitel ist antiklimatisch, viel Gesprochenes ist redundant und der letzte Teil muss viel zu viel erklären und Löcher stopfen, weil es auf den vorherigen Seiten versäumt wurde. Es ist ein solides Gedankenspiel mit einer erwartbaren Auflösung und einer brillanten Idee, aber mir fehlt einfach Substanz. Bei allem. Außerdem ist die stilistische Umsetzung in meinen Augen einfach nicht gut genug, es verpufft viel Potential.

Im Laufe des Buches werden auch immer wieder Einträge aus Annas Notizbuch wiedergeben, nur leider schreibt kein einziger Mensch so in sein Notizbuch - man hätte es auch einfach Rückblende nennen können.

Alles in allem, kann man es durchaus lesen - ein wirklich guter Psychothriller ist es aber nicht. Um den Geist ähnlich zu stimulieren, könnte man auch Jean-Paul Sartres „Entwürfe für eine Moralphilosophie“ lesen.

Veröffentlicht am 01.01.2026

Wenig Spannung, aber dafür mit Plottwist

Trümmertote
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1949 liegt ein großer Teil von Berlin immer noch in Trümmern. Bei Aufräumarbeiten wird eine mutmaßliche Hinrichtungsstelle gefunden, die einer aufstrebenden jungen Bande gehören soll, die Berlin in Chicago ...

1949 liegt ein großer Teil von Berlin immer noch in Trümmern. Bei Aufräumarbeiten wird eine mutmaßliche Hinrichtungsstelle gefunden, die einer aufstrebenden jungen Bande gehören soll, die Berlin in Chicago 2.0 verwandeln wollen und deren Einfluss bis in den Polizeiapperat von West-Berlin reicht. Wem kann Kommissar Oppenheimer noch vertrauen?

Band 7 der Oppenheimer-Reihe ist gewohnt stark darin, die konfusen Zeiten in den späten 40ern aufzudröseln. Der Zerfall in Ost und West, das Leben unter Besatzungsmächten, der unglaubliche Berg an Bürokratie im Kompetenzendschungel wird bildhaft vor Augen geführt und mit einer Prise Lokalkolorit aufgehübscht.

Leider enttäuscht mich diesmal die eigentliche Handlung, denn wirklich Spannung kommt bei mir nicht auf. Das Auflösen des Falles ist von zu vielen Zufällen abhängig, es wirkt hier und da etwas einfallslos und der Antagonist Jo löst bei mir keine weiteren Gefühle aus. Ein Jugendlicher, der zu viele Krimis gesehen hat und eine Gangsterbande nach dem Vorbild von Al Capone gründen möchte könnte unglaublich spannend sein, ist es aber irgendwie nicht.

Ein kleiner Plottwist hat für mich das Ruder dann zum Glück noch etwas herumgerissen, sodass ich am Ende halbwegs zufriedengestellt war, dennoch konnte dieser Teil für mich nicht an die vorherigen anknüpfen. Außerdem habe ich ein Exemplar erwischt, was auch noch über einige Rechtschreibfehler verfügt, die den Lesefluss nochmal anders beeinträchtigt haben.

Veröffentlicht am 08.01.2026

Eher enttäuschend als fesselnd

Der Trip – Du hast dich frei gefühlt. Bis er dich fand.
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“Der Trip” ist in meinen Augen ein sehr schwacher Strobel, da das gesamte Buch über keinerlei wirkliche Spannung erzeugt werden kann.

Evelyn ist Mitte fünfzig, forensische Psychologin und seit dem Verschwinden ...

“Der Trip” ist in meinen Augen ein sehr schwacher Strobel, da das gesamte Buch über keinerlei wirkliche Spannung erzeugt werden kann.

Evelyn ist Mitte fünfzig, forensische Psychologin und seit dem Verschwinden ihres Bruders vor zwei Jahren auf einem absteigenden Ast. Nun arbeitet sie mit ihrem Ermittlerkollegen und gleichzeitigem Ex-Freund an einem Fall eines Serienmörders, dessen Phantombild verdächtig aussieht wie ihr verschwundener und totgeglaubter Bruder. Wir beobachten Evelyn dabei, wie ihre eigene psychische Verfassung immer weiter abnimmt und wie sie dennoch versucht den Fall auf eigene Faust zu lösen, immer gefangen zwischen der Hoffnung ihren Bruder lebend zu finden und dem Wunsch, dass er nicht der Täter ist.

Bevor sich in der zweiten Hälfte des Buches ein wirrer Road Trip entfaltet, ist fast jede Szene davor repetitiv und beinah unlogisch. Dabei treffen wir auf bekannte und unbekannte Gegenspieler und sollen fleißig auf eine Falsche Fährte gelockt werden, damit kurz vor Ende alles einfach verpufft. Es findet keine richtige Auflösung statt, keine wirkliche Erklärung für das was passiert ist und vor allem dafür wie unprofessionell Evelyn sich verhält.

Mir ist es in der Gesamtheit etwas zu undurchdacht und zusammengewürfelt und hat mich eher enttäuscht als gefesselt.

Veröffentlicht am 01.01.2026

Bloodguard - gute Prämisse ohne Tiefgang

Bloodguard
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100 Kämpfe bis auf den Tod muss Gladiator Leith überstehen um den Rang eines Bloodguards zu erhalten und die Möglichkeit zu haben seine sterbende Familie ins Königreich Arrow nachzuholen und zu retten. ...

100 Kämpfe bis auf den Tod muss Gladiator Leith überstehen um den Rang eines Bloodguards zu erhalten und die Möglichkeit zu haben seine sterbende Familie ins Königreich Arrow nachzuholen und zu retten. Die Königsfamilie verkörpert alles, was er verabscheut, doch die Elfenprinzessin Maeve bietet ihm einen Deal an, der unschlagbar ist. Wie weit geht man um die zu retten, die man liebt? Und wie weit geht man, wenn man gar nicht weiß, was eigentlich der Wahrheit entspricht?

Die Prämisse des Buches klang so unglaublich gut und auf Instagram habe ich auch nur Positives gehört, also durfte das E-Book bei mir einziehen. Vier Tage lang habe ich mich durch 630 Seiten gekämpft ohne wirklich zu wissen wofür. Es findet keinerlei Worldbuilding statt, wir werden mit wahllosen Szenen konfrontiert, mit Magiesystemen und verschiedenen Reichen, mit Ogern, Elfen, Menschen, Zyklopen, Mondpferden und vielem mehr ohne etwa erklärt zu bekommen.

Warum handeln die Personen so wie sie es tun? Wer sind diese Personen überhaupt? Es gibt Namen über Namen, Arten über Arten, die alle über Eigenheiten und Besonderheiten verfügen, die in der Kürze der Zeit überhaupt nicht zum Tragen kommen können.

Politik, Intrigen und Komplotte habe ich einfach nicht verstanden, weil mir überhaupt nicht klar war, warum mich da gerade etwa schockieren soll. Es wurde nichts aufgebaut, kein foreshadowing betrieben, keine Hinweise versteckt - die Story ist flach, unausgereift und zu schnell.

Die deutsche Übersetzung (zumindest im E-Book) strotz vor Grammatikfehlern. Teilweise so arg, dass ich Sätze mehrmals lesen musste um überhaupt verstehen zu können, was dort gewollt wird. Auch die Auswahl von bestimmten Übersetzungsoptionen erzeugt eine seltsame Atmosphäre. Außerdem gibt es einige Rechtschreibfehler.

Die Grundidee ist spannend, mit den gewählten Figuren wäre einiges machbar, der Einsatz von blutrünstiger Gewalt macht Spaß, aber es ist zu überladen, nicht ausgearbeitet und stilistisch platt, sodass ich hier eher das Gefühl habe, da wollte jemand noch unbedingt auf den „Romantasy“-Hype aufspringen, bevor es zu spät ist.