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Veröffentlicht am 17.03.2026

Einsame Privatinsel in der Ostsee

Die Housesitterin – Ein Traum von einem Job. Oder?
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Cecilia hat offenbar einen Traumjob, sie ist Housesitterin und lebt wochenlang in hochherrschaftlichen Häusern fremder Menschen. Ihr aktueller Auftrag führt sie auf eine private Insel in der Ostsee. Die ...

Cecilia hat offenbar einen Traumjob, sie ist Housesitterin und lebt wochenlang in hochherrschaftlichen Häusern fremder Menschen. Ihr aktueller Auftrag führt sie auf eine private Insel in der Ostsee. Die Besitzer sind ihr jedoch zumindest in Teilen vertraut, denn der Sohn des Hauses, Johannes, ist seit einigen Monaten Cecilias Freund. Als kurz nach Cecilia auch Freunde von ihr auf der Insel eintreffen, scheint es kein gewöhnlicher Housesitter-Auftrag zu sein.

Das Szenario ist hinlänglich bekannt, macht aber immer wieder Spaß und lädt zum Mitraten ein: Wer von den Personen auf einer Insel oder in einem anderweitig isolierten Ort ist Täter oder Täterin? Die Anzahl der Verdächtigen ist begrenzt, deswegen muss der Handlungsaufbau etwas kniffelig sein, um nicht allzu offensichtlich zu wirken. Das ist der Autorin durchaus gelungen, mit einigen Wendungen gelingen überraschende Richtungswechsel. Nicht alles erschien mir logisch. Wer erlaubt einer Housesitterin, Freunde in das zu hütende Haus einzuladen? Selbst wenn man es verheimlichen sollte, muss man mit versteckten Überwachungskameras mit Liveübertragung durch die Besitzer rechnen. Insgesamt ein solider Krimi/Thriller, der weniger durch Schockmomente unterhält, als durch die zunächst undurchsichtige Geschichte.

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Veröffentlicht am 15.03.2026

Eine Vorlesung

Die zitternde Frau
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Von diesem Buch hatte ich mehr autobiografischen Inhalt erwartet. Siri Hustvedt befällt während einer Rede ein unerklärliches körperliches Zittern, das sich aber nicht auf ihre Stimme überträgt und das ...

Von diesem Buch hatte ich mehr autobiografischen Inhalt erwartet. Siri Hustvedt befällt während einer Rede ein unerklärliches körperliches Zittern, das sich aber nicht auf ihre Stimme überträgt und das sie sich nicht erklären kann. Sie war zuvor weder aufgeregt noch nervös. Fortan hat sie Angst, dass dieses Zittern sie erneut unverhofft bei öffentlichen Auftritten befällt. Sie vermutet einen Zusammenhang mit dem Tod ihres Vaters, denn während einer Gedenkrede trat das Zittern erstmals auf.

In diesem schmalen Band (218 Seiten) beschäftigt sich Hustvedt mit der Entwicklung der Neurologie und Psychologie. Sie kommt zwar immer wieder auf ihre eigene Krankheit zurück, deren Auslöser sich nicht eindeutig klären läßt, beschreibt aber hauptsächlich zahlreiche Aspekte der Neuropsychologie. Themen wie Hysterie (Konversionsstörung), Krieg, Erinnern, Philosophie, einzelne Krankheitsbilder (z.B. plötzliches Verstummen, Splitbrain) und zahlreiche personalisierte Beispiele, unterschiedliche Theorien und deren Vertreter:innen, sowie das Schreiben als Therapie sind nur einige Punkte, die hier angeschnitten werden.

"Mein Symptom hat mich von den alten Griechen bis zum heutigen Tag geführt, in Theorien und Gedanken hineinschnuppern lassen, denen vielfältige Weltanschauungen zugrunde liegen. Was ist Körper, und was ist Geist? Ist jeder von uns ein singuläres oder ein plurales Wesen? Wie erinnern wir Dinge, und wie vergessen wir Sie?" (S. 78)

Für mich war das etwas uferlos und hatte den Charakter einer Überblicksvorlesung an der Uni. Wer jedoch selbst mit solchen oder ähnlichen Symptomen zu kämpfen hat, für den mögen die vielen Ansätze eine Bereicherung sein, um sich intensiver damit auseinandersetzen zu können.

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Veröffentlicht am 02.03.2026

Zwänge überwinden

Wo Licht ist
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Ally Moberley wächst im viktorianischen Manchester auf. Ihre strenge, puritanische Mutter macht ihr das Leben schwer, der Vater - ein erfolgreicher Künstler - hält sich aus der Erziehung heraus. Ally hat ...

Ally Moberley wächst im viktorianischen Manchester auf. Ihre strenge, puritanische Mutter macht ihr das Leben schwer, der Vater - ein erfolgreicher Künstler - hält sich aus der Erziehung heraus. Ally hat Potential und ihre Mutter möchte, dass sie als eine der ersten Frauen in England Medizin studiert. Ally will die Erwartungen unbedingt erfüllen und schlägt einen beschwerlichen Weg voller Hindernisse ein, denn Frauen haben kaum etwas zu sagen in dieser Zeit, von Gleichberechtigung kann noch keine Rede sein.

Der Klappentext klang so vielversprechend, allerdings spielt ein Großteil der Handlung vor dem Studienbeginn, ca. die letzten 100 Seiten beschäftigen sich dann mit dem Medizinstudium. Zuvor erleben wir die Kindheit und Jugend von Ally und ihrer Schwester May, die von der - man kann es nicht anders sagen - herzlosen und gefühlskalten Mutter bestimmt wird, deren Lebensinhalt die "Arbeit" im Frauenhaus ist. Lichtblicke sind die wenigen Momente, wenn der Vater oder einer seiner Künstlerfreunde den Mädchen Aufmerksamkeit schenkt. Die Figur des Alfred Moberley ist an das künstlerische Multitalent William Morris angelehnt. Daher werden auch die Kapitel des Romans jeweils mit einer ausführlichen Beschreibung eines von Moberleys Bildern eingeleitet, deren Entstehungsgeschichte im nachfolgenden Text einfließt. Das ist so glaubwürdig gemacht, dass ich die Bilder zunächst gegoogelt habe.

Obwohl der Text viele wichtige Themen der Zeit aufnimmt und sehr gut recherchiert ist, hat er mich nicht so erreicht, wie ich es mir gewünscht habe. Abgesehen davon, dass die Figur der Mutter ein einziger Aufreger ist, war mir der Text vielfach zu sperrig, emotionslos und nüchtern. Was natürlich auch den Zustand im Haus der Familie Moberley widerspiegelt. Die Kapitel haben teilweise große Zeitsprünge gemacht und man musste sich vieles hinzudenken. Darüberhinaus blieben auch einige Figuren (Aubrey) und Geschehnisse (Colsay-Episode) recht unscharf.

Wer Romane mit historischem Anspruch mag und sich auf den Schreibstil einläßt, der wird viel über die Lage der Frauen im viktorianischen England und den Beginn der Frauenbewegung erfahren.

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Veröffentlicht am 02.01.2026

Eine verrückte Geschichte

Das Nachthaus
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In der Tat! Wer sollte Richard Elauved auch glauben, dass sein Freund Tom in einer Telefonzelle vom Hörer aufgesogen wurde, zumal die Nummer, die gewählt wurde, plötzlich nicht mehr im Telefonbuch zu finden ...

In der Tat! Wer sollte Richard Elauved auch glauben, dass sein Freund Tom in einer Telefonzelle vom Hörer aufgesogen wurde, zumal die Nummer, die gewählt wurde, plötzlich nicht mehr im Telefonbuch zu finden ist. Tja, es sieht düster aus für Richard, der nun verdächtigt wird, den Verschwundenen einfach von einer Brücke geschubst zu haben. Einzig die Schulschönheit Karen glaubt ihm. Als Richard herausfindet, dass der Telefonanschluss zu Ballantyne gehörte, dem sogenannten Nachthaus im Spiegelwald, ist er schon mitten drin in dieser verrückten Geschichte.

Ich wollte den Roman schon lange lesen, weil ich so viele begeisterte Besprechungen darüber gelesen hatte. Tatsächlich habe ich es an einem Sonntag durchgelesen, allerdings kann ich mich den Lobeshymnen nicht ohne Weiteres anschließen. Mich hat es nicht derart gepackt, wie viele andere. Mir war das einfach alles zu viel Wahnwitz, der mich dann auch nicht so fesseln konnte; aber natürlich wollte ich die Lösung wissen. Es gibt zahlreiche gut durchdachte Kniffe und Ideen, die die Handlung und die Jugendlichen auf ihrer Suche nach dem Geheimnis voranbringen. Der zweite Teil beginnt überraschend und schlägt dann nochmal einen Haken, um in einem Schluss zu münden, den man bereits aus anderen Büchern oder Filmen kennt.

Wer auf die Verbindung von Fantasie, Horror und Jugendbuch mit Krimielementen steht, wird hier voll auf seine Kosten kommen. Womöglich hat es mich einfach enttäuscht, weil ich kein Fan der ersten beiden Genres bin.

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Veröffentlicht am 02.01.2026

Exzentrisch

Die Perserinnen
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Die persische Familie Valiat ist seit der Revolution von 1979 getrennt. Während ein Großteil in den USA im Exil lebt, sind Großmutter und eine Enkelin im Iran geblieben. Auf ungemein exzentrische und eigentümliche ...

Die persische Familie Valiat ist seit der Revolution von 1979 getrennt. Während ein Großteil in den USA im Exil lebt, sind Großmutter und eine Enkelin im Iran geblieben. Auf ungemein exzentrische und eigentümliche Weise gehen die Frauen der Familie durchs Leben. Zu Beginn des Romans werden wir geradezu in die Handlung geworfen und müssen zunächst die vielen Protagonistinnen sortieren. (Ein Stammbaum wäre wahnsinnig hilfreich gewesen.) Mitten im Trubel des noblen Skiortes Aspen setzen die Valiats durch ihr Verhalten noch einen drauf, da werden nicht nur wie selbstverständlich Drogen konsumiert, da wird mit Luxusarmbanduhren im Schnee rumgeworfen und Tante Shirin, die gerade auf Kaution aus der Arrestzelle geholt wurde, droht wegen versuchter Prostitution ein Prozeß.


Durch die Ich-Perspektive von Frauen aus drei Generationen blättert sich die Familiengeschichte einer einstmals einflussreichen Sippe auf, der nichts geblieben ist, als ihr Geld. Während ein Teil der Vergangenheit und dem Verlorenen nachtrauert, versuchen andere, den Blick endlich nach vorne zu richten.


Ich bin schwer in die Handlung mit ihren übersprudelnden Figuren hineingekommen, auch weil die Perspektive so häufig wechselt, es war teilweise wie im Schleudergang. Dann erfährt man aber doch einiges über das Land Iran, die Revolution und die Auswirkungen; allerdings wird auch vieles nur angerissen, was man gerne hätte vertiefen können. Der Fokus liegt jedoch auf der Familie und der Aussicht auf eine Versöhnung aller.

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