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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 09.02.2026

tolles Buch

Das Signal
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Meinung: Ich habe bereits einige Bücher von Ursula Poznanski gelesen und mochte ihren Stil jedes Mal doch auf dieses hier war ich wirklich wahnsinnig gespannt. Und was soll ich sagen? Ich wurde definitiv ...

Meinung: Ich habe bereits einige Bücher von Ursula Poznanski gelesen und mochte ihren Stil jedes Mal doch auf dieses hier war ich wirklich wahnsinnig gespannt. Und was soll ich sagen? Ich wurde definitiv nicht enttäuscht. Viola Decker ist Innenarchitektin, deren Leben von einem Moment auf den anderen zerbricht. Ein Unfall in ihrem eigenen Zuhause verändert alles: Der baufällige Weinkeller stürzt ein, Viola überlebt doch sie verliert ein Bein. Zurück aus dem Krankenhaus ist nichts mehr wie vorher. Nicht nur ihr Körper ist plötzlich eingeschränkt, sondern auch ihr gesamtes Leben.
Ihr Mann Adam wirkt zunächst wie der perfekte Partner: hilfsbereit, fürsorglich, immer zur Stelle. Doch sehr schnell schleicht sich ein Gefühl ein, das mich beim Lesen nicht mehr losgelassen hat: Irgendetwas stimmt hier nicht. Adam trifft Entscheidungen über Violas Kopf hinweg, verhindert ihre Selbstständigkeit und engagiert ohne Rücksprache sogar eine Pflegerin. Viola ist plötzlich gefangen im Erdgeschoss ihres Hauses, in ihrem eigenen Körper und in einem Leben, das nicht mehr ihr gehört.

Dank bildhaften und flüssigen Schreibstil, wurde eine Atmosphäre aufgebaut, die mich komplett in den Bann gezogen hat. Ich bin nur so durch die Seiten geflogen. Besonders stark fand ich die Ausarbeitung der Figuren, allen voran Viola. Ihr Kampfgeist und ihr Wille, sich nicht in eine Opferrolle drängen zu lassen, waren für mich absolut nachvollziehbar. Ich saß oft da und dachte: Ja. Genau so würde ich auch reagieren.
Das Bedrohliche an der Geschichte ist, dass die Angst nicht irgendwo draußen lauert sondern mitten im eigenen Zuhause. Dieses Gefühl von Misstrauen, das sich immer weiter ausbreitet, war unglaublich beklemmend. Lange wusste ich nicht, wem ich trauen kann. Jeder scheint etwas zu verbergen, jeder hat seine eigene Agenda.
Als plötzlich immer wieder Gegenstände aus Violas Reichweite verschwinden, greift sie zu technischen Hilfsmitteln: GPS-Tracker sollen ihr helfen, Kontrolle und Ordnung zurückzugewinnen. Anfangs wirkte das fast paranoid und ich gebe ehrlich zu, dass ich kurz gezweifelt habe, ob Viola nicht vielleicht übertreibt.
Doch je weiter ich gelesen habe, desto klarer wurde: Ihre Angst ist erschreckend berechtigt.
Besonders spannend fand ich, dass auch Viola selbst nicht frei von Geheimnissen ist. Lange bleibt offen, was sie verschweigt und genau dieses Rätsel hat mich zusätzlich an die Geschichte gefesselt. Viola lässt sich nicht einfach gehen… sie zerbricht. Und genau das hat mich emotional richtig getroffen.
Allerdings muss ich auch sagen: Die Spannung konnte für mich nicht durchgehend auf demselben Level gehalten werden. Im Mittelteil gab es ein paar kleinere Längen, und einen Teil der späteren Auflösung habe ich relativ früh kommen sehen. Das Ende war schlüssig und plausibel, aber nicht ganz so überraschend, wie ich es mir erhofft hatte.
Trotzdem hatte ich wirklich tolle Lesestunden.

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Veröffentlicht am 02.02.2026

tolles Buch

Der Briefladen, in dem die Zeit stillstand
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Meinung: Manchmal reicht ein Blick auf ein Cover und ein Titel, um zu spüren: Dieses Buch wird etwas mit mir machen. Genau so ging es mir hier. Schon bevor ich die erste Seite aufgeschlagen habe, war ...


Meinung: Manchmal reicht ein Blick auf ein Cover und ein Titel, um zu spüren: Dieses Buch wird etwas mit mir machen. Genau so ging es mir hier. Schon bevor ich die erste Seite aufgeschlagen habe, war da diese leise Vorfreude und sie wurde nicht enttäuscht. Hyoyeong steht an einem Wendepunkt in ihrem Leben. Sie ist müde, suchend, braucht einen Neubeginn. Diesen findet sie in einem kleinen Briefladen in Seoul einem Ort, an dem die Zeit langsamer zu laufen scheint und Menschen einander auf eine ganz besondere, stille Weise begegnen. Das anonyme Briefsystem, bei dem Fremde einander schreiben, ohne sich zu kennen, ist das Herz dieser Geschichte. So unscheinbar und doch so tief berührend. Seite für Seite hatte ich das Gefühl, mitten in diesem Laden zu stehen, umgeben von Worten, Gedanken und leisen Hoffnungen.
Der Schreibstil ist sanft, feinfühlig und unglaublich atmosphärisch. Er schreit nicht, er flüstert und gerade dadurch geht er direkt ins Herz. Ich habe mich vollkommen fallen lassen können. Die Charaktere wirken echt und nah, mit all ihren Sorgen, Ängsten und kleinen Sehnsüchten. Niemand ist perfekt, jeder trägt etwas mit sich, und es war wunderschön zu sehen, wie sich manche von ihnen langsam verändern und wachsen.
Besonders geliebt habe ich den Aufbau mit Briefen, Tagebucheinträgen und Textpassagen. Jeder Brief fühlte sich an wie ein kleiner Blick in eine fremde Seele manchmal traurig, manchmal hoffnungsvoll, aber immer ehrlich. Die Atmosphäre des Buches ist so warm und tröstend, dass ich mir beim Lesen immer wieder gewünscht habe, dieser Briefladen würde wirklich existieren. Ein Ort, an den man nach einem anstrengenden Tag gehen kann, um kurz innezuhalten, durchzuatmen und sich weniger allein zu fühlen.
Dieses Buch war für mich wie eine Umarmung.
Absolute Leseempfehlung

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Veröffentlicht am 30.01.2026

tolles Buch

Die Housesitterin – Ein Traum von einem Job. Oder?
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Meinung: Ich mag die Bücher von Emily sehr und war entsprechend gespannt auf ihr neues Werk. Cecilia steckt im Leben fest finanziell wie auch emotional. Nach dem Tod ihrer Mutter hält sie sich mit Online-Nachhilfe ...


Meinung: Ich mag die Bücher von Emily sehr und war entsprechend gespannt auf ihr neues Werk. Cecilia steckt im Leben fest finanziell wie auch emotional. Nach dem Tod ihrer Mutter hält sie sich mit Online-Nachhilfe und Jobs als Housesitterin gerade so über Wasser. Als sie schließlich auf einer einsamen Ostseeinsel in der luxuriösen Villa der Familie Waldner landet, wirkt das zunächst wie ein Glücksgriff: Ruhe, Meer, Abstand von allem. Doch diese Stille fühlt sich schnell falsch an. Zu leer. Zu beobachtend. Und man spürt früh: Cecilia ist nicht ohne Grund hier. Das Setting auf der Insel hat mich sofort gepackt. Dieses Gefühl von Abgeschiedenheit zieht sich beklemmend durch das gesamte Buch. Über allem schwebt ständig etwas Ungesagtes, als würde jede Figur ein Geheimnis mit sich herumtragen. Genau diese Atmosphäre hat mich neugierig gemacht, auch wenn die Spannung für mich nicht durchgehend auf gleich hohem Niveau blieb.
Der Schreibstil ist bombastisch, fesselnd und sehr flüssig. Die Kapitel haben eine angenehme Länge, sodass man schnell vorankommt. Die Charaktere blieben für mich jedoch etwas auf Distanz, und ich konnte nicht zu allen eine echte Bindung aufbauen. Cecilia war mir anfangs nicht sofort sympathisch, aber je weiter ich las, desto besser konnte ich ihre Handlungen nachvollziehen.
Die Erzählweise aus drei Perspektiven hat mir gut gefallen, da sie Abwechslung bringt und tiefere Einblicke in verschiedene Figuren ermöglicht. Auch die Rückblicke in die Vergangenheit fand ich gelungen und bereichernd für die Geschichte.
Der Mittelteil hat sich stellenweise etwas gezogen und enthielt ein paar Wiederholungen, was den Lesefluss kurzzeitig gebremst hat, aber nicht tragisch. Das letzte Drittel hingegen war genial: Tempo, Spannung und überraschende Wendungen waren endlich voll da. Hier zeigt die Geschichte, was wirklich in ihr steckt. Das Ende hat mich überrascht und insgesamt sehr zufrieden zurückgelassen.
Absolute Leseempfehlung

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Veröffentlicht am 03.01.2026

tolles Debüt

Marsolleks Morde / Die Achte Linie
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Meinung: Dieses Buch lag über ein Jahr ungelesen bei mir. Still. Fast vergessen.
Der Einstieg fiel mir ehrlich gesagt nicht leicht. Ich musste mich erst hineinfinden, stolperte stellenweise über den Rhythmus ...

Meinung: Dieses Buch lag über ein Jahr ungelesen bei mir. Still. Fast vergessen.
Der Einstieg fiel mir ehrlich gesagt nicht leicht. Ich musste mich erst hineinfinden, stolperte stellenweise über den Rhythmus und fragte mich kurz, ob die Geschichte mich wirklich packen würde. Doch dann kam dieser Punkt, dieser Moment, an dem ich merkte: Jetzt hat es mich. Ab da ließ mich das Buch nicht mehr los.
Gemeinsam mit Hauptkommissar Lukas Marsollek tauchen wir in einen verstörenden Mordfall ein. Wieder ist das Opfer eine zierliche Brünette. Wieder diese seltsamen, fast schon ritualhaften Schnitte. Und dann diese geometrischen Muster, die sich langsam wie ein dunkler Schleier über den Stadtplan legen. Die Signatur des Täters ist kalt, berechnend und sie kriecht einem unweigerlich unter die Haut. Je mehr sich das Puzzle zusammensetzt, desto beklemmender wird das Gefühl beim Lesen.
Der Schreibstil ist leicht und flüssig, was den Kontrast zur Brutalität der Taten noch verstärkt. Man gleitet förmlich durch die Seiten und merkt oft erst zu spät, wie tief man bereits in dieser düsteren Welt steckt. Besonders intensiv empfand ich die wechselnden Perspektiven zwischen den Ermittlern und dem Täter. Dem Mörder so nah zu kommen, ihn bei seinen Taten zu begleiten, seine Gedanken mitzuerleben, das war verstörend, beklemmend und unglaublich eindringlich. Diese Passagen haben mich stellenweise richtig frösteln lassen.
Die detaillierten Beschreibungen der Morde sind hart, schonungslos und nichts für schwache Nerven. Aber genau diese Konsequenz macht diese Story so wirkungsvoll.
Hier wird nichts beschönigt, nichts abgeschwächt und genau das mag ich.
Auch die Figuren haben mich überrascht. Sie fühlen sich echt an, greifbar, menschlich. Besonders Lukas Marsollek konnte ich schnell nah kommen. Und dann ist da Aki bester Freund, Kollege, Ruhepol. Die Dynamik zwischen den beiden bringt Wärme in eine ansonsten sehr dunkle Geschichte. Ihre Dialoge lockern auf, schenken kleine Atempausen und haben mir mehr als einmal ein Lächeln entlockt.
Das Ende hat mich zufrieden zurückgelassen und fühlt sich stimmig an. Vor allem aber hat es mir gezeigt, welches Potenzial in dieser Autorin steckt.
Kein Buch für Zartbesaitete, aber für alle, die düstere, intensive und schonungslose Krimis lieben, eine klare Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 13.12.2025

tolles Buch

Kälteeinbruch
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Meinung: Mit diesem Buch hat Jan-Erik Fjell mich einmal mehr daran erinnert, warum ich seine Romane so sehr schätze. Seine Geschichten sind leise, düster und gehen mir jedes Mal unter die Haut. Der norwegische ...


Meinung: Mit diesem Buch hat Jan-Erik Fjell mich einmal mehr daran erinnert, warum ich seine Romane so sehr schätze. Seine Geschichten sind leise, düster und gehen mir jedes Mal unter die Haut. Der norwegische Winter ist dabei weit mehr als nur Kulisse, er wird zu einer bedrückenden, fast erdrückenden Präsenz, die mich Seite für Seite begleitet hat. Der Einstieg hat mich sofort gepackt. Ein Kleinkrimineller, eine abgelegene Waldhütte und ein versiegelter Laster. Als sich die Türen öffnen und zwei verängstigte Kinder zum Vorschein kommen, war mir schlagartig klar: Diese Geschichte wird keine einfache sein, aber eine, die mich nicht mehr loslassen wird. Parallel dazu begleitet man Kommissar Anton Brekke bei der Aufklärung eines grausamen Mordes. Fjells Schreibstil ist ruhig und flüssig, ohne dabei an Intensität zu verlieren. Besonders beeindruckt hat mich, wie ehrlich und ungeschönt er seine Figuren zeichnet. Niemand ist nur gut oder böse, jeder trägt seine eigenen Abgründe in sich. Anton Brekke ist erneut alles andere als ein klassischer Ermittler. Arrogant, spielsüchtig und emotional verschlossen und gerade deshalb wirkt er so erschreckend real. Trotz (oder vielleicht wegen) seiner Schwächen habe ich ihn schnell ins Herz geschlossen.
Die zunächst getrennten Handlungsstränge fügen sich nach und nach zusammen. Man fühlt sich den Ermittlern stellenweise überlegen, um kurz darauf wieder in Zweifel zu geraten. Die Spannung entsteht nicht durch schnelle Action, sondern durch das langsame, unaufhaltsame Zusammenziehen der Schlinge. Besonders die Szenen rund um die Kinder waren schwer auszuhalten und definitiv nichts für schwache Nerven.
Am Ende fügt sich alles zu einem stimmigen Gesamtbild zusammen. Durchdacht, emotional und mit einer Intensität.

Eine Empfehlung meinerseits

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