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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 10.01.2026

Gelungener Auftakt einer Young-Adult-Mystery-Reihe - geheimnisvoll, spannungsgeladen und mitreißend

Maskenmeer
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Lucy, Richard, Marco und Marlene gehen im fiktiven Königreich von Wellenland auf ein Elite-Internat und sind beste Freunde. Das normale Leben der Jugendlichen wird allerdings durcheinander geworfen ls ...

Lucy, Richard, Marco und Marlene gehen im fiktiven Königreich von Wellenland auf ein Elite-Internat und sind beste Freunde. Das normale Leben der Jugendlichen wird allerdings durcheinander geworfen ls unbekannte und maskierte Männer Angst und Schrecken verbreiten und immer mehr Angestellte aus dem Schloss entführen. Bald sind sie selbst Zielscheibe der maskierten Männer, die stets mit einer unheimlichen weißen Maske auftreten. Doch was wollen die Männer von den Freunden? Und was haben die Zeichen damit zu tun, die eine verstorbene Person schickt und die eigentlich nichts den Freunden zu tun hat?

"Maskenmeer" ist ein toller Auftakt der "Wellenland"-Reihe und auch ich als weniger eingefleischte Mystery- und Fantasy-Leserin bin hier auf meine Kosten gekommen!
Die Geschichte ist mit knapp 640 Seiten ziemlich umfangreich - nach ein paar Startschwierigkeiten nimmt die Handlung aber immer mehr an Fahrt auf. Die Kapitel sind recht lang und aus drei unterschiedlichen Perspektiven geschrieben, wobei die Ich-Perspektiven von Lucy und Richard den größten Teil einnehmen. Man ist auch sofort mitten im Geschehen und lernt die vier Freunde mit ihren Charaktereigenschaften besser kennen. Vor allem Lucy und Richard sind dabei stets präsent und man fühlt sich sofort mit einer oder mehrerer Personen verbunden. Oft dachte ich beim Lesen, dass ich mich in meiner Jugend auch direkt mit der Clique verstanden hätte.
Die vielen Namen zu Beginn der Handlung waren für mich ziemlich verwirrend, auch die Beziehungen zueinander konnte ich zunächst nicht einordnen. Vielleicht wäre hier ein Personenverzeichnis oder -diagramm hilfreich gewesen. Auch eine Karte mit wichtigen Punkten und Orten von Wellenland könnte ich mir gut vorstellen. Die Geschichte hat generell ihre Längen und einige Situationen und Beschreibungen ziehen sich für meinen Geschmack zu sehr in die Länge, dadurch wurde der Lesefluss, gerade am Anfang, etwas gebremst.
Nicht nur die Charaktere sondern vor allem Wellenland an sich, Wellenstadt und das Internat werden toll und detailreich beschrieben. Gerade das altehrwürdige Internatsgebäude konnte ich mir beim Lesen sofort vorstellen, es hat mich in seinen Bann gezogen und auch die Lehrer dort runden das Bild eines prächtigen Internats in dem Königreich ab. Ebenso detailreich wird beispielsweise auch das Schloss samt Königspaar beschrieben.
Von Beginn an herrscht eine bedrohliche, nicht ganz greifbare Atmosphäre, die sich durch die gesamte Handlung zieht. Immer weiter baut sich die Spannung auf, die dritte Erzählperspektive trägt dazu bei. Beim Lesen merkt man schnell, dass man niemandem so wirklich trauen kann - wer spielt ein falsches Spiel und wer hängt in den Entführungen mit drin? Die Lage in Wellenland spitzt sich immer weiter zu und die Entführungen finden bald nicht mehr nur im Schloss statt. Niemand ist mehr sicher. Über allem steht stets die Frage: wer sind die Maskierten und welche Rolle hat dabei die Clique? Nur häppchenweise setzt sich das Puzzle zusammen, die Hinweise werden nur nach und nach gestreut. Bis zum Schluss wartet man auf den großen Knall, der sich im Laufe der Handlung immer weiter abzeichnet. Der Knall kommt dann auch - aber in Form eines großen, bitterbösen Cliffhangers, der mich fast verzweifeln lässt, weil ich unbedingt wissen will, wie es weitergeht.

"Maskenmeer" ist ein gelungener Auftakt einer Young Adult-Mystery-Fantasy-Reihe, der nicht nur Jugendliche in seinen Bann zieht. Mit ein paar kleinen Kritikpunkten kann ich das Buch jedem empfehlen. Auf jeden Fall verdient das Buch mehr Aufmerksamkeit und Beachtung!

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Veröffentlicht am 07.01.2026

Packender und spannender Thriller, der einen selbst am eigenen Verstand zweifeln lässt

Der Nachbar
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Die Strafverteidigerin Sarah Wolff hat vor elf Jahren eine traumatische Erfahrung gemacht und zieht zum Beginn der eigentlichen Handlung mit ihrer Tochter an den Stadtrand von Berlin. Sie scheint nun endlich ...

Die Strafverteidigerin Sarah Wolff hat vor elf Jahren eine traumatische Erfahrung gemacht und zieht zum Beginn der eigentlichen Handlung mit ihrer Tochter an den Stadtrand von Berlin. Sie scheint nun endlich angekommen zu sein, auch wenn ihr ihre Monophobie (die Angst, alleine zu sein) immer noch zu schaffen macht. Sie und ihre Tochter leben sich gut ein, bis immer mehr seltsame Dinge im Haus passieren. Was sie nicht ahnt: sie hat einen Nachbarn, durch den ihr Leben bald komplett aus den Fugen geraten wird...

Mein allererster Fitzek - und ich bin überrascht, aber auch zwiegespalten.
Die Handlung wird aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt und spielt auf mehreren Zeitebenen. Die Kapitel sind meist recht kurz, was den Lesefluss erleichtert, die meisten Kapitel enden auch mit einem Cliffhanger, was einen sofort weiter lesen lässt. Beim Lesen ist man schnell in einem Sog und gleichzeitig Albtraum gefangen, aus dem man selbst kaum entkommen kann. Immer tiefer taucht man ein in die manchmal verwirrende, aber immer spannende Handlung.
Mal wollte ich das Buch aus dem Fenster werfen, dann wieder bis spät abends weiter lesen - Sebastian Fitzek gelingt es auf eine ganz eigene Art, den Leser immer wieder zu ködern. Nur häppchenweise werden Hinweise enthüllt bzw. dachte ich beim Lesen, jetzt durchzublicken, bis die nächste Sackgasse kam. Der Erzählstil ist sachlich und manchmal fast nüchtern, gerade in Sarahs Perspektive. Dennoch schafft es vor allem die Handlung, mich immer wieder selbst an meinem Verstand und meiner Wahrnehmung zweifeln zu lassen.
Die Vorkommnisse in Sarahs Haus beginnen harmlos, steigern sich jedoch schnell in einen echten Albtraum. Stets ist die unterschwellige, düstere Stimmung spürbar, die sich durch das ganze Buch zieht.

Die Handlung an sich ist sehr spannend, an einigen Stellen jedoch für mich auch etwas unrealistisch und weit hergeholt. Gerade das Ende ist in sich schlüssig, aber konnte mich nicht vollkommen überzeugen.
Ich werde mir noch weitere Fitzek-Bücher vornehmen, "Der Nachbar" war schon mal ein guter Auftakt für mich.

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Veröffentlicht am 06.01.2026

Gute Fortsetzung der "Housemaid"-Reihe, reicht für mich nicht ganz an den Vorgängerband heran

Sie kann dich hören
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Millie Calloway hat angefangen, zu studieren und arbeitet nebenbei im Haushalt der Garricks um ihr Studium zu finanzieren. Ihr Ziel ist es, einen Abschluss zu bekommen und sich mit ihrem neuen Partner ...

Millie Calloway hat angefangen, zu studieren und arbeitet nebenbei im Haushalt der Garricks um ihr Studium zu finanzieren. Ihr Ziel ist es, einen Abschluss zu bekommen und sich mit ihrem neuen Partner Brock ein gutes Leben aufzubauen. Douglas Garrick ist freundlich, doch seine Frau Wendy lebt im Gästezimmer des Penthouses und Millie hat die Anweisung, das Zimmer nicht zu betreten und nicht mit ihr zu sprechen. Doch Millie wäre nicht Millie, wenn sie nicht alles tun würde, um Wendy zu helfen, denn Douglas scheint nicht der fürsorgliche Ehemann zu sein, als der er sich ausgibt. Millie gerät immer tiefer in die Probleme der Garricks hinein und ist bald selbst in Gefahr.

Auch Band 2 der "Housemaid"-Reihe ist erneut spannend geschrieben, kommt für mich aber nicht an den ersten Band heran.
Von Anfang an herrscht eine bedrückende und düstere Grundstimmung, man ahnt, dass im Haus der Garricks ein Geheimnis wartet. Die Geschichte ist wie der erste Band überwiegend aus Millies Ich-Perspektive geschrieben, der Erzählstil eher sachlich. Die Kapitel sind eher kurz, was einen beim Lesen durch die Seiten fliegen lässt, Millies Gedanken, die für mich manchmal nicht ganz nachvollziehbar sind, bremsen für mich ein wenig den Lesefluss.
Die ganze Zeit fiebert man beim Lesen dem Plottwist, den die Autorin stets geschickt einbaut, entgegen, ich war überrascht, wie falsch von den Charakteren am Ende gespielt wurde. Die zweite Perspektive in der zweiten Hälfte des Buches hat einiges aufgeklärt, war aber nicht mehr ganz so überzeugend und überraschend, weil vieles bereits von Millie aufgedeckt wurde oder man als Leser bereits eine Ahnung hatte, wie sich alles aufklärt.
Band 2 hat den gleichen Aufbau wie der erste Band und spielt erneut mit dem Gegensatz der reichen und nach außen hin perfekt wirkenden Familie und der mittellosen Millie. Wahrscheinlich auch deshalb war die Geschichte nicht mehr ganz so verblüffend und mit Aha-Momenten gespickt wie der erste Band.

"Sie kann dich hören" ist eine gute Fortsetzung der Reihe, kann jedoch nicht ganz mit dem Vorgängerband mithalten.

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Veröffentlicht am 14.12.2025

Spannender Krimi mit Einblick in Polizei- und Ermittlungsarbeit und den Gedanken eines Psychopathen

Schonungslos offen
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Alexandra Rau ist Polizeikommissarin, gemeinsam mit ihrem Assistenten Isidor Rogg klärt sie Verbrechen auf. Als eine Serie von vermissten Personen die Region erschüttert, arbeiten die beiden und das gesamte ...

Alexandra Rau ist Polizeikommissarin, gemeinsam mit ihrem Assistenten Isidor Rogg klärt sie Verbrechen auf. Als eine Serie von vermissten Personen die Region erschüttert, arbeiten die beiden und das gesamte Team unter Hochdruck den oder die Täter zu finden. Ohne jede Spur versuchen die beiden, ein Täterprofil zu erstellen - nichtsahnend, dass der Täter nicht schläft und sich durch die Einmischung der Polizei in seine Taten provoziert fühlt. Gerade Alexandra möchte er am liebsten ausschalten. Dazu sind ihm alle Mittel recht und bald ist sie ebenso in großer Gefahr...

Das Cover passt für mich nicht richtig zum Inhalt des Krimis und hat mich nicht sofort angezogen. Der Klappentext allerdings verspricht einen psychologisch dichten und spannenden Krimi - und ich wurde nicht enttäuscht!
Das Buch ist aus zwei Sichtweisen geschrieben: den Großteil nimmt der Erzählstrang rund um die Polizei- und Ermittlungsarbeit und Alexandra ein, der zweite, sehr interessante Teil beschäftigt sich mit Tagebucheinträgen des Täters. Man ist somit direkt mittendrin in den Ermittlungen und auch im Kopf eines Psychopathen. Nicht immer leicht auszuhalten, wenn er seine Gedanken schildert, aber dafür umso spannender und düster ist die Atmosphäre - gerade weil man als Leser den Ermittlern immer einen Schritt voraus ist.
Alexandra war mir sympathisch, auch wenn ich nicht jeden Gedanken nachvollziehen konnte. Man folgt ihr gerne bei ihren Ermittlungen und merkt schnell, dass mit Herzblut bei der Sache ist. Oft verbissen, aber immer motivierend führt sie ihr Team an. Isidor war mit von allen am sympathischsten, man schließt ihn mit seiner lockeren und unbedarften Art direkt ins Herz.
Ein kleiner Kritikpunkt sind für mich die manchmal etwas hölzern wirkenden Dialoge, was der Spannung aber keinen Abbruch tut. Mit ein oder zwei kleinen Detailänderungen im Handlungs- und Erzählsprung wäre die Geschichte für mich noch runder geworden, beispielsweise wenn die Identität des Täters noch länger verschleiert gewesen wäre und man als Leser, ebenso wie Polizei, lange im Dunkeln tappt. Das ist allerdings auch Kritik auf hohem Niveau. Der Krimi lässt sich gut lesen, der Erzählstil lässt einen durch die Seiten fliegen und man ist neugierig, wie die Ermittlungen weiter gehen. Mit dem Ende hätte ich so nicht gerechnet, die Autorin hat mich hier mehr als ein mal überrascht. Generell versteht die Autorin ihr Handwerk und hat hier einen tollen und kurzweiligen Krimi geschaffen. Auf jeden Fall gibt es eine Leseempfehlung von mir!

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Veröffentlicht am 20.11.2025

Ein Blick mehr als zwanzig Jahre zurück - Vergangenheitsbewältigung mit interessanter Herangehensweise

Die Ausweichschule
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Der Autor ist elf Jahre alt und Schüler des Gutenberg-Gymnasiums in Erfurt als am 26. April 2002 der ehemalige Schüler Robert Steinhäuser 16 Menschen erschießt und danach sich selbst. Der Schock und das ...

Der Autor ist elf Jahre alt und Schüler des Gutenberg-Gymnasiums in Erfurt als am 26. April 2002 der ehemalige Schüler Robert Steinhäuser 16 Menschen erschießt und danach sich selbst. Der Schock und das Trauma sitzen bei allen tief, damals wie heute. Mehr als zwanzig Jahre später kommt dem Auto das Ereignis wieder in den Sinn. Er fragt sich, ob er nach so langer Zeit die Wunden nochmal aufreißen sollte? Und überhaupt darf? Ist er dafür genügend traumatisiert?

Da das Buch auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis 2025 stand und der Klappentext mich direkt abgeholt hat, habe ich begeistert dazu gegriffen.
Das Buch ist nicht einfach zu lesen, gibt es doch keinen wirklichen roten Faden. Der Autor erzählt aus der Ich-Perspektive: von seinen Erinnerungen an den Amoklauf, dem Bericht, der damals verfasst wurde, seinen Gedanken, ein Buch zu dem Thema zu schreiben und auch Alltägliches von heute. Dort liegt für mich auch der Knackpunkt: der Autor versucht, viele Themen aufzugreifen und schweift oft ab in seiner Geschichte. Er besucht beispielsweise ein Theaterstück eines Dramatikers, mit dem er zuvor am Telefon über seine Erinnerungen an den Amoklauf spricht. Dieser Handlungsstrang wechselt sich ab mit Erinnerungen, Alltäglichem und Überlegungen. Gekennzeichnet oder betitelt wird dies nicht und man muss sich immer wieder neu zurecht finden.
Mehr als interessant sind dafür seine Überlegungen, inwieweit er sich dem Thema des Amoklaufs mehr als zwanzig Jahre später "annähern" darf. Hat er überhaupt das Recht dazu, so viele Jahre später? Er hat den Täter damals gesehen, aber wie klar sind seine Erinnerungen daran noch? Wie viel wurde dazu erfunden in den Erinnerungen? Diesen Fragen widmet er sich vorsichtig, ehrlich und immer wieder innehaltend. Es ist nicht immer einfach zu lesen, durch die Abschweifungen verliert man selbst öfters den roten Faden beim Lesen. Das Thema ist interessant und sensibel und trotzdem aktueller denn je.

Für mich hätte "Die Ausweichschule" verdient den Deutschen Buchpreis gewonnen, es widmet sich einem wichtigen und sensiblen Thema, das auch nach über zwanzig Jahren noch im Gedächtnis sowohl aller Beteiligten als auch von wahrscheinlich ganz Deutschland ist. Die Herangehensweise ist dabei interessant und mit ein paar Abstrichen kann ich das Buch auf jeden Fall weiter empfehlen.

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