Zwischen Gabe und Schicksal verloren
Das Dreizehnte KindErin A. Craig schafft mit Das dreizehnte Kind eine düstere, märchenhafte Atmosphäre und überzeugt mit einem sehr schönen, bildhaften Schreibstil sowie starkem Worldbuilding. Die Welt wirkt durchdacht, ...
Erin A. Craig schafft mit Das dreizehnte Kind eine düstere, märchenhafte Atmosphäre und überzeugt mit einem sehr schönen, bildhaften Schreibstil sowie starkem Worldbuilding. Die Welt wirkt durchdacht, unheimlich und stellenweise etwas gruselig.
Trotz dieser Stärken fiel mir das Hören nicht durchgehend leicht. Vor allem im Mittelteil empfand ich die Geschichte als sehr informationslastig und stellenweise unterfordernd, wodurch sie sich unnötig in die Länge zog. Das Buch erklärt viel, nutzt dieses Potenzial aber nicht konsequent aus. Es fehlte mir häufiger an Dynamik, Zuspitzung und Handlung, um dauerhaft gefesselt zu bleiben.
Dabei ist die Grundidee äußerst vielversprechend: Hazel als dreizehntes Kind, dem Tod versprochen, ihre Gabe als Heilerin und der moralische Konflikt zwischen Retten und Loslassen bieten eigentlich enormes erzählerisches Potenzial. Umso bedauerlicher war es für mich, dass genau diese Aspekte – ebenso wie der Pakt mit dem Tod oder Hazels innerer Konflikt – nicht tief genug ausgearbeitet wurden, dafür aber - für mich- viele andere nicht so interessante bzw. unwichtige Dinge. Auch zentrale Figuren wie ihr Pate blieben für mich überraschend blass.
Handlungsstränge, die anfangs viel Raum einnahmen und Spannung aufbauten, verliefen später weitgehend im Sande. Das Ende kam plötzlich und es fühlte sich eher wie ein harter Schnitt als wie ein runder Abschluss an.
Unterm Strich ist es ein sprachlich starkes, atmosphärisches Buch mit einzelnen sehr intensiven Momenten, das mich jedoch insgesamt nicht vollständig überzeugen konnte. Vom Titel und der Prämisse her hatte ich mir deutlich mehr Tiefe und Konsequenz erhofft.