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Veröffentlicht am 17.02.2026

Zwei Frauen in zwei Zeitebenen, unterschiedlich und doch verbunden.

Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel
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Kriegsende, Güstrow 1945. Die Russen vor den Toren der Stadt, versteckt sich die 14jährige Marlen in einem alten Forsthaus. Dort findet sie nicht nur ein kleines verstecktes Bild, sondern in ihrer Retterin ...

Kriegsende, Güstrow 1945. Die Russen vor den Toren der Stadt, versteckt sich die 14jährige Marlen in einem alten Forsthaus. Dort findet sie nicht nur ein kleines verstecktes Bild, sondern in ihrer Retterin Wilma eine Art Ersatzmutter. Wilma nimmt sie mit nach Hause, zieht sie auf wie ein eigenes Kind und lehrt sie, so zu malen wie sie selbst es kann.
In Berlin, 2023, bekommt Hannah einen Gruß, von Martin (Papa). Er hat sich nie um seine Tochter gekümmert, warum ist es ihm jetzt auf einmal wichtig? Irgendwie fühlt sie sich verpflichtet und besucht ihn und seine perfekte Frau Lulu, lernt ihre Geschwister kennen. Gleichzeitig zieht ihre beste Freundin Rubi aus. Rubi, die sie vor Jahren nach Güstrow begleitet hat, um ein altes Bild zu suchen, das Hannahs Großmutter gehört hat.
Alena Schröder erzählt gekonnt auf zwei Zeitebenen. Einerseits von der Nachkriegszeit, dem harten Leben, den Gefahren, den alten und neuen Ideologien. Und in der Jetzt-Zeit, von einer jungen Frau, die sich etwas verloren fühlt und ihre Wurzeln erkundet.
Während das titelgebende Bild für Marlen eine große Bedeutung entwickelt, hat es in Hannahs Geschichte eher eine Nebenrolle.
Ich habe mich in beiden Zeiten gut zurechtgefunden - wohlgefühlt wäre ein falsches Wort, angesichts der Erlebnisse der beiden Frauen. Hannah ist ebenso wie Marlen unter Frauen aufgewachsen, wurde von ihnen unterstützt und gefordert.
In Wilmas Haus erlebt Marlen eine eigenwillige Dynamik. Wilmas Mann ist im Krieg verschollen und weder sie noch ihre Haushälterin Burgel scheinen ihn zu vermissen. Nachdem Wilma für ihren Mann ihre Karriere als Malerin aufgegeben hat, kann sie sich nach seinem Verschwinden wieder ihren Bildern widmen und sie finden im neuen DDR-Regime großen Anklang. Marlen ist von Anfang an fasziniert, von den Farben, den Techniken. Sie erweist sich als gelehrige Schülerin. Doch ihr Herz schlägt vor allem für das kleine gefundene Bild, das sie immer wieder bemalt, Farbschichten abkratzt und neue aufträgt. Wut, Verzweiflung, Liebe, all das bringt sie auf die Leinwand. Marlens eigene Kunst ist ganz anders als die Wilmas, die die Zeit widerspiegelt.
Hannah dagegen treibt vor sich hin. Nach dem Auszug ihrer Freundin fühlt sie sich verloren, der wieder aufgetauchte Vater verwirrt sie. "Komm mal klar, Hannah", hört sie immer wieder die Stimme ihrer Freundin Ruby in ihrem Kopf. Doch das ist für sie nicht so leicht. Sie fragt sich, wo ihre Wurzeln liegen, wie schwer Verwandtschaft wiegt ...
Ich bin leider erst beim dritten Teil in diese Trilogie eingestiegen. Auch wenn ich an manchen Stellen das Gefühl hatte, von diesem oder jenem Part wüsste ich gerne mehr, konnte ich den Geschehnissen gut folgen.
Ich habe lange auf den Paukenschlag gewartet, der diese beiden Handlungsstränge zusammenführt. Tatsächlich war es ein kleiner, subtiler Gong - für Leser:innen der ersten beiden Bände war er sicher etwas lauter. Aber gerade das hat mir überraschend gut gefallen, auch wenn das Gefühl bleibt, das ein kleines Stückchen fehlt.
Fazit:
Zwei Frauen in zwei Zeitebenen, unterschiedlich und doch verbunden.

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Veröffentlicht am 10.02.2026

Ein unterhaltsamer, leichter Roman, etwas zu viel zu schnell.

Das letzte Kind hat Fell
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"Noch ehe jemand widersprechen konnte, tauchte der Ober erneut auf und stellte Fellina unaufgefordert einen Napf mit Wasser vor die Schnauze. "Seht ihr? Der Hund kommt immer zuerst", kommentierte Angelika ...

"Noch ehe jemand widersprechen konnte, tauchte der Ober erneut auf und stellte Fellina unaufgefordert einen Napf mit Wasser vor die Schnauze. "Seht ihr? Der Hund kommt immer zuerst", kommentierte Angelika zufrieden."
Kapitel 6
So hat sich Angelika das nicht vorgestellt! Das Häuschen in Portugal, in dem sie mit Gatten Hans den Ruhestand verbringen will, ist fertig, die letzten Kisten noch nicht mal ausgepackt, da vergräbt Hans sich schon wieder in seinen Büchern und der Alltag schleicht sich ein. Dann auch noch Streit mit dem Nachbarn, dessen Katzen sich in Angelikas Beeten verewigen ...
Als Angelika Hans endlich zu einem Ausflug überredet hat, läuft ihnen prompt eine streunende Hündin über den Weg. Kurzerhand adoptiert Angelika sie und die Hündin vertreibt nicht nur Nachbars Katzen, sondern auch die Langeweile. Als dann Tochter Sandra und Enkel Finn anreisen, sind auch sie ganz begeistert von der Hündin Fellina.
Sandra arbeitet seit einer gescheiterten Ehe und finanziellen Pleite als LKW-Fahrerin. Sie hat alles getan, um Finn eine solide Grundlage zu schaffen. Doch der verbringt sein Leben lieber mit Partys, anstatt seinen Master zu machen. Doch in letzter Zeit wollen ihm das und seine kurzen Tinder-Begegnungen mit Männern auch kein Vergnügen mehr zu bringen.
Ich mag Tessa Hennigs Bücher und hier haben wir einige sehr schöne Elemente. Der Ruhestand in einem warmen Land, das Kümmern um einen herrenlosen Hund, etwas Selbstfindung bei Sandra und Finn.
Durch Fellina lernen sie Alexander kennen, der nach einem schweren Schicksalsschlag ein zurückgezogenes Leben mit seinen Fellnasen in der Hunde-Auffangstation führt. Doch Sandra lockt ihn aus seinem Schneckenhaus. Dass Fellina nicht nur ein Wirbelwind ist, sondern auch auf deutsche Kommandos hört und ein feines Näschen für verbotene Substanzen hat, sorgt für Kopfzerbrechen - und einige Schwierigkeiten. Denn das weiße Pulver, das sie aus einem Haus holt, beschert der Familie ungebetene Aufmerksamkeit ...
So sehr mit diese Elemente gefallen haben, manches war mir etwas zu flach. Finns Suchen nach Fun, wie er es nennt, seine kreisenden Gedanken darüber, dass er doch nicht für die Steuer arbeiten will, andererseits sein Neid auf erfolgreiche Studienkollegen. Dann Sandra, die den Männern gänzlich abgeschworen hat und unter ihnen auf ihrem Brummi ihre Frau steht.
Am Ende überschlagen sich die Ereignisse, da passiert mir dann zu viel zu schnell. Finns Wandlung, der feindselige Nachbar, Alexander, die Aufregung um Fellina, das braucht für mich etwas mehr als eine Woche. Da hätte etwas weniger gereicht oder etwas mehr Zeit erfordert.
Dennoch ein unterhaltsamer, leichter Roman über ein neues Leben - für alle.
Fazit:
Ein unterhaltsamer, leichter Roman, etwas zu viel zu schnell.

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Veröffentlicht am 08.01.2026

Eine ungewöhnliche Geschichte mit kantigen Protagonisten - auch aufgrund der wenigen Seiten etwas zu rasch erzählt.

Flockenwirbel in den Highlands
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"Jedes Gebäude erzählt eine Geschichte. Dieses hier erzählt von Vorher und Nachher, von Fundamenten, die erschüttert, aber nicht zerstört wurden. Meine Aufgabe ist, beim Wiederaufbau zu helfen - aber nur, ...

"Jedes Gebäude erzählt eine Geschichte. Dieses hier erzählt von Vorher und Nachher, von Fundamenten, die erschüttert, aber nicht zerstört wurden. Meine Aufgabe ist, beim Wiederaufbau zu helfen - aber nur, wenn der Besitzer bereit ist, mich durch die Tür zu lassen."
Kapitel 2, Rhona
Neil Morrison zieht nach seiner Zeit beim Militär in ein abgelegenes Cottage in den Highlands. Schwer gezeichnet, seelisch wie körperlich. Er hat seine Beine verloren, und jeglichen Selbstwert. Rhona MacLeod soll ihm dabei helfen, sein Haus auf seine neuen Bedürfnisse abzustimmen. Doch Neil wehrt sich, gegen ihre Hilfe, den Umbau und auch gegen seine Gefühle ...
Was für eine ungewöhnliche Geschichte! Ich glaube, ich habe noch nie von einem Protagonisten mit so einschneidenden Erlebnissen gelesen. Sehr ungewöhnlich, absolut berührend.
Das Buch ist abwechselnd aus Rhonas und Neils Perspektive erzählt, das zieht mich immer besonders in die Geschehnisse. Rhona ist feinfühlig, ohne mitleidig zu sein. Sie fordert Neil heraus, spricht oft fast schon poetisch - vom Haus, aber meistens ist damit mindestens ebenso sein Bewohner gemeint. Rasch fühlt Rhona sich von Neil angezogen. Doch er hat jeglichen Glauben verloren, an sich selbst, seinen Wert und die Liebe.
Als ein Unwetter die Highlands erschüttert, müssen die Bewohner zusammenhalten. Und auch Neil erkennt, was noch in ihm steckt.
Mir hat "Flockenwirbel in den Highlands" sehr gut gefallen, auch wenn ich die Flocken vergeblich gesucht habe. Gerade die ungewöhnlichen und kantigen Protagonisten haben es mir sehr angetan!
Das Buch hat im Print 108 Seiten, was mir etwas zu wenig war. Ich finde, diese ungewöhnliche Geschichte hätte eine größere Bühne verdient, denn so haben sich die Ereignisse etwas zu sehr überschlagen.
Ich kenne keinen der Vorgängerbände, deshalb haben mir manchmal ein paar Infos gefehlt - hier wäre ein Personenverzeichnis hilfreich gewesen.
Dennoch hat es mich gut unterhalten und berührt, vielen Dank für diese schöne Lesezeit!
Fazit:
Eine ungewöhnliche Geschichte mit kantigen Protagonisten - auch aufgrund der wenigen Seiten etwas zu rasch erzählt.

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Veröffentlicht am 26.12.2025

Adventzeit in einer Kleinstadt in Colorado - Liebe und etwas schwere Themen inklusive!

Schneeflockenfunkeln
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"Ich blickte nach oben und entdeckte dicke graue Wolken am Nachthimmel. Immer mehr Schneeflocken rieselten nach unten und berührten mein Gesicht."
Kapitel 16
Lynn hat ihren Job gekündigt und flüchtet sich ...

"Ich blickte nach oben und entdeckte dicke graue Wolken am Nachthimmel. Immer mehr Schneeflocken rieselten nach unten und berührten mein Gesicht."
Kapitel 16
Lynn hat ihren Job gekündigt und flüchtet sich zu ihrer geliebten Tante Rebecca nach Starwood in Colorado. Rasch ist sie verzaubert von der winterlichen Kleinstadt - und von Miles. Miles hilft seinen Eltern auf der Weihnachtsbaumfarm. Seit einem schlimmen Erlebnis lebt er sehr zurückgezogen, doch Lynn holt ihn aus seinem Schneckenhaus.
Ich liebe Winter-Weihnachts-Liebesromane. Dabei braucht es nicht viel! Etwas Weihnachtsstimmung, ein paar lustig-romantische Begegnungen, Schnee ... Hier liefert Veronika Weiss voll ab! Auch ich hab mich gleich in das Städtchen Starwood verliebt! Dazu das kleine vegane Café von Ivy, die wie Lynn ein Swiftie ist und ihr rasch eine Freundin wird - herrlich! Taylor Swift wird dann auch ordentlich Platz eingeräumt. Wohl, weil die Autorin selbst Fan ist und eventuell auch, um junge Leserinnen anzusprechen. Für diese waren mir aber Lynns Erlebnisse zu heftig, vor allem ihr Umgang damit.
Lynn hat in der Arbeit sehr gelitten, vor allem unter IHM. Wer das ist und was vorgefallen ist, erfahren wir erst spät. Auch das Verhältnis zu ihrer Mutter ist sehr schwierig, diese will eine perfekte Karriere für Lynn und versteht ihre Kündigung nicht.
Miles leidet unter den Folgen einen Erlebnisses, über das wir auch lange im Dunkeln gelassen werden. Gemeinsam finden die beiden wieder Freude am Leben und unterstützen sich. Miles hilft Lynn dabei, in Weihnachtsstimmung zu kommen und zaubert ihr einen besonderen Adventkalender, süß!
Was mir beim Lesen ein wenig wehtat: Miles Geschichte und sein Verhalten in der Vergangenheit sprechen eindeutig für eine schwere Depression. Dass ihn nun Lynn, die selber unter heftigen Panikattacken leidet, allein durch ihre gemeinsame Zeit "heilt" geht für mich gar nicht. Es steht mir nicht zu, über das Ausmaß von jemandes Leid zu urteilen, aber ich habe ehrlich gesagt mit Schlimmerem gerechnet, was Miles passiert ist, als dem tatsächlich Geschehenem. Dafür waren Lynns Erlebnisse an ihrer Arbeitsstelle wirklich traumatisch, aber etwas merkwürdig dargestellt. In der Realität läuft so etwas meist leider subtiler.
Ich mag es, wenn auch ernste Themen einfließen, aber in diesem Fall habe ich das Gefühl, es wurde ein Fass aufgemacht, das man so nicht stehen lassen kann. Ein kurzes Kapitel von wegen "Ein Jahr später" in dem das kitschige Weihnachten ein Jahr später und ein Hinweis, dass die beiden mit professioneller Unterstützung ihre Erlebnisse aufgearbeitet haben, hätte mir schon gereicht. Schon allein um Menschen, denen es so ähnlich wie den beiden geht, zu zeigen: Du musst da nicht allein durch.
Fazit:
Adventzeit in einer Kleinstadt in Colorado - Liebe und etwas schwere Themen inklusive!

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Veröffentlicht am 27.11.2025

Die Lehren Buddhas nicht als Religion sondern als Weg zur Lebensverbesserung - ein interessanter Gedanke mit guten Impulsen.

Die Kunst, nicht auf alles zu reagieren
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"So gesehen ist der andere stets ein neuer Mensch und es ist nur unser Starrsinn, wenn wir daran festhalten, was jemand in der Vergangenheit getan oder zu uns gesagt hat. Tatsächlich können wir uns dafür ...

"So gesehen ist der andere stets ein neuer Mensch und es ist nur unser Starrsinn, wenn wir daran festhalten, was jemand in der Vergangenheit getan oder zu uns gesagt hat. Tatsächlich können wir uns dafür entscheiden, dem anderen als einer völlig neuen Person zu begegnen."

Kapitel "Umgang mit schwierigen Zeitgenossen"

Ryushun Kusanagi ist buddhistischer Mönch. In seinem Buch "Die Kunst, nicht auf alles zu reagieren" möchte er uns den Buddhismus nicht als Religion, sondern als Weg zur Verbesserung des Lebens näher bringen.

Dabei greift er einige Themen auf wie "Erst begreifen, dann reagieren" oder "Die Meinungen anderer Leute", die wohl jeden von uns hin und wieder beschäftigen.

Besonders gefallen haben mir die fünf Hindernisse, Vergnügen, Wut, Unmotivation, Unruhe und Misstrauen sowie der oben zitierte Gedanken. Wir sind niemals derselbe Mensch wie gestern, und doch beurteilen wir unsere Mitmenschen nach den Taten von gestern oder vor Jahren. Auch die Erkenntnis, dass jeder Mensch in einer Form leidet und wir so alle im selben Boot sitzen, ist mir sehr in Erinnerung geblieben.

Persönlich mag ich kleine Anekdoten, die die zuvor beschriebene Lektion verdeutlichen. Meist geht da bei mir der sprichwörtliche Knopf auf. Hier jedoch haben diese oft für mehr Verwirrung gesorgt und ich habe mich gefragt, was der Beratete jetzt gelernt und für sich verbessert hat.

Dennoch haben mir einige Aussagen sehr gut gefallen und werden mir in Erinnerung bleiben. Der Vorstellung, dass alle unsere Gedanken, Gefühle nur Illusionen sind und wir nach eingehender Betrachtung unseres Inneren die Augen öffnen und die Realität sehen sollen, bereichert meinen Alltag. Auch geistert mir der Satz "Ich bejahe, dass ich ich bin" nun schon seit Tagen positiv durch den Kopf.

Mit der Formulierung des "Herzens" habe ich mir mit zunehmender Seitenzahl schwer getan. Glücklicherweise habe ich ein physisch gesundes Herz, doch ständig von einem verlangenden, wütenden, hungrigen ... (also irgendwie krankem) Herzen zu lesen hat mir Unbehagen bereitet. Auch wenn dies vermutlich die korrekte Übersetzung ist, habe ich irgendwann angefangen, das Wort "Herz" für mich in "Geist" umzuwandeln.

Fazit:

Die Lehren Buddhas nicht als Religion sondern als Weg zur Lebensverbesserung - ein interessanter Gedanke mit guten Impulsen.

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