The hype is real – but is it worth it?
Woman DownNach einiger Zeit Stille war wohl jeder Fan gespannt auf News von Colleen Hoover – immerhin hat der Verlag die Veröffentlichung ziemlich groß aufgebauscht und auch die Buchbeschreibung inklusive einzelner ...
Nach einiger Zeit Stille war wohl jeder Fan gespannt auf News von Colleen Hoover – immerhin hat der Verlag die Veröffentlichung ziemlich groß aufgebauscht und auch die Buchbeschreibung inklusive einzelner ,LeserInnenstimmen' trieb die Erwartungshaltung in die Höhe …
The hype is real – but is it worth it?
Ich habe „Woman Down“ als Hörbuch gehört – hervorragend gesprochen von Marlene Rauch. Aufwendig beworben mit Aussagen wie „für alle Fans von ›Verity‹“, „grandioser Romantic Thriller“ oder »Wohl das Abgründigste, was ich je geschrieben habe.« war ich immer in vorfreudiger Erwartung auf einen dramatischen Plottwist, verfolgte die Storyline gebannt in der Hoffnung auf eine Wendung und wartete auf den Nervenkitzel. Nun … Ich warte noch?!
Dabei war die Geschichte um eine eigentlich erfolgreiche, jedoch nach einem Shitstorm in ihrem Schreiben gelähmte und verunsicherte Autorin insgesamt nicht schlecht. Um zurück zu ihrer alten Stärke zu finden und endlich ein überfälliges Manuskript zu beenden, flüchtet sich Petra Rose in eine abgeschiedene Hütte inmitten der Natur. Als plötzlich ein Detective vor ihrer Tür auftaucht, traut Petra ihren Augen nicht. Denn Nathaniel Saint erinnert sie an den Protagonisten ihres aktuellen Projekts und wird augenblicklich zu ihrer Muse, zu einem Quell der Inspiration. Was als Recherchearbeit beginnt, als Pusch für ihre Kreativität, wird zu einem leidenschaftlichen Rollenspiel … das unerwartete Ausmaße annimmt.
CoHos Stil ist wie gewohnt sehr klar, eindringlich und bildreich. Es war leicht, sich in Petra und ihren Struggle hineinzuversetzen; die Befangenheit, die der Gedanke, erneut in die Öffentlichkeit zu treten, in ihr auslöst, und die Belastung, die die Schreibkrise für Petras Karriere und ihre finanzielle Situation bedeutet, nachzuvollziehen.
Rege bringt Hoover den Wandel der Branche zur Sprache, den Stress des AutorInnendaseins, den immerwährenden Druck, Ansprüche zu erfüllen, und Kritiken standzuhalten. Mit der Zeit – heißt mit den Trends und der gewünschten/geforderten Social-Media-Präsenz – zu gehen. Gerade Letzteres sorgt zwar einerseits für einen persönlicheren Kontakt zu LeserInnen/Fans, bietet andererseits jedoch eine gewisse Angriffsfläche, während zugleich die Anonymität des Internets die Hemmungen für Hass und Hetze schmälert.
Wir bekommen somit einen ziemlich guten und authentischen Einblick in die alltäglichen Probleme der Menschen, die uns mit ihrer feingeschliffenen Fantasie unterhalten. Trotz des Vorwortes könnten einige Erwähnungen und Aussagen darauf hindeuten, dass „Woman Down“ Parallelen zu Colleen selbst aufweist …
Zurück zur Story: In Nathaniels Nähe empfindet Petra Aufregung und Kribbeln, kann sich dem Reiz, in die Rolle ihrer Fiktion zu schlüpfen, nicht entziehen, und das ist es doch, was Petra wollte … Die Schriftstellerin ist so im Flow wie schon lange nicht mehr, die Ideen sprudeln über – dank des attraktiven Cops, seiner Berufserfahrung und seiner Offenheit ist sie davon überzeugt, einen realistischen Romantik-Thriller auf Papier bannen zu können.
Durch verschiedene Einblicke in das Leben der Protagonistin wird sie zu einer greif- und nahbaren, nicht fehlerfreien Person. Die eine oder andere Nebenfigur brachte Abwechslung und viele Dialoge waren interessant. Im Gegensatz zu der abrupten Vertrautheit zwischen Petra und Saint, der sich ohne Zögern, ohne Abwägen auf dieses ‚Experiment‘ einlässt.
Hier fehlte es mir beidseitig an Glaubwürdigkeit, und auch später wirkt alles eher überstürzt und oberflächlich. Weder eine romantische Anziehung noch Prickeln, keine Gefühle oder größere Spannungen sind zu vernehmen. Selbst die kleinen Überraschungen, die die LeserInnen aus dem Konzept bringen könnten, schienen regelrecht eingeworfen. Die Handlung vergeht ruckzuck, (relevante) Ereignisse bleiben rar und es mangelt kontinuierlich an Tiefe, Entwicklung, Intensität und Emotionen. Ehrlich gesagt haben mich auch die letzten Kapitel nicht vom Hocker gehauen, war doch die Auflösung in weiten Teilen vorhersehbar.
Wie gesagt: Letztlich ist „Woman Down“ nicht schlecht – weder die Idee noch den Stil betreffend –, doch im Vergleich zu den medial bewusst hoch geschürten Erwartungen blicke ich eher unbefriedigt auf diese Geschichte, die meiner Auffassung nach weit entfernt ist von einem Thriller, zurück.