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Veröffentlicht am 17.01.2026

The hype is real – but is it worth it?

Woman Down
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Nach einiger Zeit Stille war wohl jeder Fan gespannt auf News von Colleen Hoover – immerhin hat der Verlag die Veröffentlichung ziemlich groß aufgebauscht und auch die Buchbeschreibung inklusive einzelner ...

Nach einiger Zeit Stille war wohl jeder Fan gespannt auf News von Colleen Hoover – immerhin hat der Verlag die Veröffentlichung ziemlich groß aufgebauscht und auch die Buchbeschreibung inklusive einzelner ,LeserInnenstimmen' trieb die Erwartungshaltung in die Höhe …



The hype is real – but is it worth it?



Ich habe „Woman Down“ als Hörbuch gehört – hervorragend gesprochen von Marlene Rauch. Aufwendig beworben mit Aussagen wie „für alle Fans von ›Verity‹“, „grandioser Romantic Thriller“ oder »Wohl das Abgründigste, was ich je geschrieben habe.« war ich immer in vorfreudiger Erwartung auf einen dramatischen Plottwist, verfolgte die Storyline gebannt in der Hoffnung auf eine Wendung und wartete auf den Nervenkitzel. Nun … Ich warte noch?!

Dabei war die Geschichte um eine eigentlich erfolgreiche, jedoch nach einem Shitstorm in ihrem Schreiben gelähmte und verunsicherte Autorin insgesamt nicht schlecht. Um zurück zu ihrer alten Stärke zu finden und endlich ein überfälliges Manuskript zu beenden, flüchtet sich Petra Rose in eine abgeschiedene Hütte inmitten der Natur. Als plötzlich ein Detective vor ihrer Tür auftaucht, traut Petra ihren Augen nicht. Denn Nathaniel Saint erinnert sie an den Protagonisten ihres aktuellen Projekts und wird augenblicklich zu ihrer Muse, zu einem Quell der Inspiration. Was als Recherchearbeit beginnt, als Pusch für ihre Kreativität, wird zu einem leidenschaftlichen Rollenspiel … das unerwartete Ausmaße annimmt.


CoHos Stil ist wie gewohnt sehr klar, eindringlich und bildreich. Es war leicht, sich in Petra und ihren Struggle hineinzuversetzen; die Befangenheit, die der Gedanke, erneut in die Öffentlichkeit zu treten, in ihr auslöst, und die Belastung, die die Schreibkrise für Petras Karriere und ihre finanzielle Situation bedeutet, nachzuvollziehen.

Rege bringt Hoover den Wandel der Branche zur Sprache, den Stress des AutorInnendaseins, den immerwährenden Druck, Ansprüche zu erfüllen, und Kritiken standzuhalten. Mit der Zeit – heißt mit den Trends und der gewünschten/geforderten Social-Media-Präsenz – zu gehen. Gerade Letzteres sorgt zwar einerseits für einen persönlicheren Kontakt zu LeserInnen/Fans, bietet andererseits jedoch eine gewisse Angriffsfläche, während zugleich die Anonymität des Internets die Hemmungen für Hass und Hetze schmälert.

Wir bekommen somit einen ziemlich guten und authentischen Einblick in die alltäglichen Probleme der Menschen, die uns mit ihrer feingeschliffenen Fantasie unterhalten. Trotz des Vorwortes könnten einige Erwähnungen und Aussagen darauf hindeuten, dass „Woman Down“ Parallelen zu Colleen selbst aufweist …

Zurück zur Story: In Nathaniels Nähe empfindet Petra Aufregung und Kribbeln, kann sich dem Reiz, in die Rolle ihrer Fiktion zu schlüpfen, nicht entziehen, und das ist es doch, was Petra wollte … Die Schriftstellerin ist so im Flow wie schon lange nicht mehr, die Ideen sprudeln über – dank des attraktiven Cops, seiner Berufserfahrung und seiner Offenheit ist sie davon überzeugt, einen realistischen Romantik-Thriller auf Papier bannen zu können.

Durch verschiedene Einblicke in das Leben der Protagonistin wird sie zu einer greif- und nahbaren, nicht fehlerfreien Person. Die eine oder andere Nebenfigur brachte Abwechslung und viele Dialoge waren interessant. Im Gegensatz zu der abrupten Vertrautheit zwischen Petra und Saint, der sich ohne Zögern, ohne Abwägen auf dieses ‚Experiment‘ einlässt.

Hier fehlte es mir beidseitig an Glaubwürdigkeit, und auch später wirkt alles eher überstürzt und oberflächlich. Weder eine romantische Anziehung noch Prickeln, keine Gefühle oder größere Spannungen sind zu vernehmen. Selbst die kleinen Überraschungen, die die LeserInnen aus dem Konzept bringen könnten, schienen regelrecht eingeworfen. Die Handlung vergeht ruckzuck, (relevante) Ereignisse bleiben rar und es mangelt kontinuierlich an Tiefe, Entwicklung, Intensität und Emotionen. Ehrlich gesagt haben mich auch die letzten Kapitel nicht vom Hocker gehauen, war doch die Auflösung in weiten Teilen vorhersehbar.


Wie gesagt: Letztlich ist „Woman Down“ nicht schlecht – weder die Idee noch den Stil betreffend –, doch im Vergleich zu den medial bewusst hoch geschürten Erwartungen blicke ich eher unbefriedigt auf diese Geschichte, die meiner Auffassung nach weit entfernt ist von einem Thriller, zurück.

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Veröffentlicht am 09.01.2026

Weder sonderlich romantisch noch fantastisch oder gar aufregend

Kingdom of crystal Hearts
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„𝐊𝐢𝐧𝐠𝐝𝐨𝐦 𝐨𝐟 𝐜𝐫𝐲𝐬𝐭𝐚𝐥 𝐇𝐞𝐚𝐫𝐭𝐬“ führt uns auf den Kontinent Brillant, der aus vier Reichen besteht und von einer Königin regiert wird, deren Grausamkeit und Härte ihr vorauseilen. Anlässlich des 20. Geburtstages ...

„𝐊𝐢𝐧𝐠𝐝𝐨𝐦 𝐨𝐟 𝐜𝐫𝐲𝐬𝐭𝐚𝐥 𝐇𝐞𝐚𝐫𝐭𝐬“ führt uns auf den Kontinent Brillant, der aus vier Reichen besteht und von einer Königin regiert wird, deren Grausamkeit und Härte ihr vorauseilen. Anlässlich des 20. Geburtstages ihres Sohnes reist Rhaella nun durch das Land – hält dekadente Feierlichkeiten und protzige Festivitäten ab, während große Teile des Volkes, die Gemeinen, hungern und verzweifeln, täglich unzählige Menschen in den Minen sterben, um dem Adel zu noch mehr Macht und Reichtum zu verhelfen. Die Rebellion sieht jetzt den Zeitpunkt gekommen, dem Schrecken ein Ende zu bereiten, das Volk endlich von der Regentin und dem unbeteiligten, gleichgültigen Thronfolger zu befreien.
Veränderung muss her, ein Wandel, bevor noch weitere Leben enden …

Elodie Cabot lebt seit jeher in Granat, dem Armutsviertel von Karmenit, und ist seit dem Verlust ihrer Eltern Teil des Widerstands. Nachdem auch ihre geliebte Schwester verschwand, wurde die Wut der jungen Jägerin, ihr Rachedurst, ihr Wunsch nach Vergeltung mit Händen greifbar. Ihr Part beim Attentat auf die Königin war klar, doch alles kam anders. Plötzlich teilt sich Elodie unter dem Namen Lady Magnolia Burbon mit der Regentin eine Kutsche, pilgert mit ihr von Reich zu Reich, schläft in den weichsten Betten und speist exzellent. Über ihr das Damoklesschwert, immer die Angst im Nacken, als einfache Gemeine enttarnt, als Hochverräterin gehängt zu werden. Nur ihrer Zofe ist es zu verdanken, dass Elodie als Adelsmitglied – wenn auch unkonventioneller, vorlauter Art – vernommen wird. Bis die Vorsicht schwindet … und die Ereignisse eine dramatische Wendung nehmen …

♡ »𝐈𝐡𝐫 𝐤𝐨𝐞𝐧𝐧𝐭 𝐦𝐢𝐜𝐡 𝐬𝐜𝐡𝐥𝐚𝐠𝐞𝐧, 𝐈𝐡𝐫 𝐤𝐨𝐞𝐧𝐧𝐭 𝐦𝐢𝐜𝐡 𝐛𝐫𝐞𝐜𝐡𝐞𝐧.
𝐀𝐛𝐞𝐫 𝐠𝐥𝐚𝐮𝐛𝐭 𝐧𝐢𝐜𝐡𝐭, 𝐝𝐚𝐬𝐬 𝐈𝐡𝐫 𝐦𝐢𝐜𝐡 𝐣𝐞𝐦𝐚𝐥𝐬 𝐛𝐞𝐡𝐞𝐫𝐫𝐬𝐜𝐡𝐞𝐧 𝐰𝐞𝐫𝐝𝐞𝐭.« ♡

Positiv hervorheben möchte ich den Stil von Sina Brings, der insgesamt wirklich schön – heißt: bildreich, klar und gefühlvoll – war. Schnörkellos werden wir durch die Geschichte geführt, sehen die Missstände des Kontinents, spüren den Schrecken der Bevölkerung, wenn Rhaellas Name fällt. Unrecht und Leid ziehen sich unterschwellig durch die Seiten, Angst und Gewalt.
Elodie, die uns durch die Erzählung führt, wirkt in vielen Momenten wie eine starke Persönlichkeit. Auch ihre Situation – begonnen in ihrer verlustreichen Vergangenheit über ihren Platz in der Rebellion, ihren Feuereifer, den Sturz der Herrschenden, wenn auch blutig, einzuleiten, bis hin zu ihrer jetzigen verqueren Position – war nachvollziehbar dargelegt. Jedoch mangelte es u. A. an einer griffigen Ausarbeitung dem Romance-Plot und dem männlichen Loveinterest betreffend.
Denn Rafe Tharendor von Eldorin – auffällig durch seinen Blick, intensiv und dunkel – ist mehr Statist als tatsächlich integriert, was nicht an seiner Wortlosigkeit liegt. Woher also die romantischen Gefühle kamen oder wie die Magie in dieser Welt funktioniert, bleibt lediglich eine Ahnung. Denn auch in Sachen Worldbuilding konnte der Romantasy nicht überzeugen. Dafür kam es, wie zu erwarten, zu einer expliziten Szene. Ob ich diese, im Angesicht der Umstände und der vorherrschenden Stimmung, Rafes allgegenwärtiger Distanz, so passend fand? Eher nicht. Ich kann diesem „Hauptsache Spice“ nichts abgewinnen. Hier wäre der Aufbau einer glaubhaften und nachvollziehbaren emotionalen Verbindung oder Einblicke in die Edelsteinmagie weitaus relevanter gewesen.

Zusätzlich irritiert der Stillstand, in den die Handlung zügig abdriftet. Wiederholende Informationen, kreisende Gedanken, immer gleiche Abläufe und sich ähnelnde Formulierungen sowie Elodies Gefühlswirrwarr – hin- und hergerissen zwischen Zukunfts- bzw. Todesangst, der Zuneigung für den stummen Prinzen und dem Zweifel ob ihrer Tat – sorgen trotz der relevanten Punkte, die Brings einfließen lässt, für Eintönigkeit. Dabei erwacht in der vermeintlichen Lady, während sie Stunde um Stunde mit Rafe und Medicus Renauld verbringt, etwas, das sie den Hass auf den Adel, die Verteufelung einer gesamten Gesellschaftsschicht, hinterfragen lässt.
Dass die Atmosphäre durchweg beklemmend ist, Misstrauen durch die Seiten fließt, eine unbestimmte Vorsicht, untermalt die Zustände von Brillant und die Anspannung der Hochverräterin. Auch die einen oder anderen (vielleicht vorhersehbaren) Wendungen und Gänsehaut verursachenden Momente gibt es im Verlauf, aber leider traf auch das viel zu rasche Ende nicht meinen Geschmack.

„Kingdom of crystal Hearts“ ist ein solider, wenn auch oft zäher und unspektakulärer Roman, in dem die Autorin mit Rafes Handicap Aufmerksamkeit für stumme Menschen/Gebärdensprache generiert und einige wichtige, aktuelle Themen anschneidet – sei es die weitverbreitete Armut, die dem Überfluss der Oberen gegenübergestellt wird, der Versuch, gegen Ungerechtigkeiten aufzubegehren, und die Tatsache, dass wir letztlich alle gleich sind.

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Veröffentlicht am 17.11.2025

Solide Neuerzählung einer starken, unterschätzten Frau der Mythologie.

The Witch's Heart - Das Verhängnis
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Als großer Fan unterschiedlicher Mythologien und Freundin von frischen Adaptionen kam ich natürlich nicht um „The Witch's Heart – Das Verhängnis“ herum. Auch die Sage um Angrboda ist für mich keine Unbekannte ...

Als großer Fan unterschiedlicher Mythologien und Freundin von frischen Adaptionen kam ich natürlich nicht um „The Witch's Heart – Das Verhängnis“ herum. Auch die Sage um Angrboda ist für mich keine Unbekannte und so fiel es mir leicht, mich in den diversen Verstrickungen, Gegebenheiten und Beziehungen zurechtzufinden. Erschwert hat mir das Dranbleiben jedoch Genevieve Gornichecs Stil, der einerseits detailreich und atmosphärisch, andererseits sehr ausschweifend und öfter holprig war. Daran änderte auch nichts der zarte Tonfall und die eindringliche, merklich bemühte Beleuchtung von Angrbodas Innerem.
Zwar kamen die Kulisse und das typisch nordische, harsche Feeling wunderbar zur Geltung, die Handlung selbst verlor sich mMn aber in einer wankelmütigen Erzählweise, in wenig greifbaren Reaktionen wie auch in einem zu einfachen, weichen Ende.
Ebenfalls nicht optimal ist die Gliederung, die keine Kapitel, sondern lediglich drei große Teile umfasst. Zogen sich der erste und letzte Abschnitt aufgrund des Gefühls von Ziellosigkeit und Stillstand, bringt der zweite „Spaß“, Spannung(en) und Offenbarungen, wirft die LeserInnen in ein emotionales Chaos, schockiert mit grausamen Sequenzen und überrascht mehrfach.

Soll nicht heißen, dass die restliche Geschichte ausschließlich einer zähflüssigen, schwermütigen Masse gleichkommt – denn auch hier gab es stellenweise berührende und starke Passagen, eine deutliche Veränderung, ein Umschwung. Es gab Liebe und Verrat, Tragik und Verlust. Eine Mutter, die kämpft. Die sucht. Sich befreit. Abwechslung bringen neben der Kulisse weitere Figuren wie Loki – der in seiner Rolle als Täuscher und Lügner aufgeht, unberechenbar und unterschätzt –, Hel und Skadi, eine getreue, loyale Freundin. Fenrir und Jörmungandr, Ragnarök und die den nordischen Gottheiten angedachte Mentalität – egoistisch, selbstherrlich, machthungrig – wirkten zudem der Authentizität zuträglich.

Alles in allem ist „The Witch's Heart – Das Verhängnis“ eine gute Interpretation einer der seltener betrachteten Mythen und ein Roman, der von dem Schmerz einer Frau erzählt, die sich weigerte, sich zu fügen, die immer wieder aufgestanden ist, Opfer brachte und bis zum Schluss gegen Unterdrückung und Ausgrenzung kämpfte. Keine Story für zwischendurch, keine, die vom ersten Satz an fesselt, sondern eine, die ihre Tragweite subtil offenbart, mit Höhen, die mitreißen, und Tiefen, die es lohnt, zu überwinden.

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Veröffentlicht am 06.11.2025

Es fing so vielversprechend an...

Where Good Girls go to Die (Good Girls 1)
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Ganz ehrlich? Diese Romance landete vorrangig wegen des Titels auf meiner Must-have-Liste. Als ich dann noch „Second Chance“ gesehen habe, war es um mich geschehen.

„Where Good Girls go to Die“ erzählt ...

Ganz ehrlich? Diese Romance landete vorrangig wegen des Titels auf meiner Must-have-Liste. Als ich dann noch „Second Chance“ gesehen habe, war es um mich geschehen.

„Where Good Girls go to Die“ erzählt die Geschichte von Olivia Mae Conner, die nur durch einen Zufall und nicht ganz freiwillig wieder in ihrer Heimatstadt und bei ihrem Bruder landet. Und wo Mason ist, ist auch Parker fckg James nicht weit – der Mann, der ihr das Herz gebrochen hat, wegen dem sie vor vier Jahren aus Tennessee geflüchtet ist. Noch immer geht Parker Liv unter die Haut, weckt den unangenehmen Stich in ihrer Brust, der nie aufhörte, wehzutun. Düster, tätowiert, erfolgreich – und verlobt.
Die Schwester seines besten Freundes wieder um sich, in seiner Nähe, zu wissen, bringt den Künstler um den Verstand, ihre Anwesenheit, ihre spritzigen Antworten kratzen an seinen Nerven. Dabei wird er in wenigen Tagen Emily heiraten – vorhersehbar, ruhig und sicher. Sicher nicht das, was zu seinem Wesen, zu seinem Lebensstil oder zu seinen FreundInnen passt, aber ungefährlich.
Doch je mehr Zeit er mit Liv verbringt, je besser sie einander wieder und neu kennenlernen, umso heftiger kribbeln die verdrängten Erinnerungen und Gefühle, Leidenschaft, die nie vergangen ist, Sehnsucht, die niemand sonst je stillen konnte …

Holly Renee lässt uns aus wechselnder Perspektive und sowohl im Jetzt als auch im Damals an dieser zweiten Chance teilhaben, sodass das emotionale Chaos, die Wehmut und der wachsende Zwiespalt eine greifbare Basis bekommen.
Obgleich ich in der Realität kein Fan von Untreue bin, von „Zweite-Wahl-Beziehungen“, war diese verzwickte Situation sowie die Entscheidung, die nicht nur Parker treffen muss, der Dynamik und der Aufregung zuträglich.
Die Rückblicke eröffnen langsam jene Missverständnisse, die den Bruch der Liebenden, die gebrochenen Herzen, verursachten. Doch was in der Vergangenheit auf jugendliche Impulsivität und Scham zurückzuführen ist, auf verletzten Stolz und bodenlose Enttäuschung, ist heute schlicht die fehlende Kommunikation zwischen zwei Erwachsenen. Das Drumherum schleichen und Hineininterpretieren, was Lesende wie mich auf unbefriedigte Art aufstöhnen lässt. Ebenso schade ist das beachtliche Tempo in der Gegenwart, das keine stimmige oder stimmungsvolle Entwicklung zulässt – alles geschieht und verändert sich Schlag auf Schlag, ohne tiefgründige Gespräche oder ernstzunehmende Konflikte. Diese Erzählweise vermittelt den konstanten Eindruck von Oberflächlichkeit, von fehlenden Augenblicken und relevanten Schritten, und führt dazu, dass einige Szenen halbgar bleiben – „zumindest mal erwähnt“ eben. Dabei empfand ich den Anfang als vielversprechend und Renees Stil – abgesehen von einigen Fehlern im Text und Wortwiederholungen – insgesamt als sehr gefühlvoll. Der direkte, oft (selbst)ironische Ton schenkt der – hier und da melancholischen, von verlorener Liebe und Herzschmerz gespeisten – Romance etwas Echtes und Unterhaltsames.

Großteils sind die Protagonisten interessante, da weder glatte noch fehlerfreie Charaktere, und ich war wirklich gespannt, welche Hürden und Wahrheiten sich diesem längst überfälligen Gemeinsam in den Weg stellen werden. Aber beide reagierten vor allem im fortschreitenden Verlauf öfter zu abrupt, zu einfach, was die seichte 0815-Nuance nur verstärkte. Das ändert jedoch nichts daran, dass Parker mit unerwarteter Verletzlichkeit, kleinen Gesten, zum Schmachten verführt.
Das Aufgreifen von Tattooartists und -studios wie die Figuren um Liv und Parker brachten Abwechslung mit sich, wobei Staci – mit ihrer lockeren, unverblümten Art und ihrer Büchersucht – die meisten Coolness-Points einheimste.
Spätestens in den letzten Kapiteln hat mich Holly Renee jedoch durch unnötiges, unpassendes Drama und zuuuuu viiiiiel Spice (wo es doch klärende, ernste Worte gebraucht hätte) verloren – nichtsdestotrotz hält „Where Good Girls go to Die“ nicht nur Tiefen, sondern auch Höhen, einige bewegende Momente und vielleicht ja sogar eine zweite Chance für die Liebe bereit…

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Veröffentlicht am 28.10.2025

Wichtige Themen ummantelt von einer 0815-Mafia-Romance

Calisto's Revenge - Eine Liebe wie Sterne
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„Calistos Revenge“ führt uns zum dritten Mal in die „Eine Liebe wie Sterne“-Welt, doch ist wie schon Band zwei als eigenständiger Roman lesbar. Nicht nur das Cover hebt sich von den beiden Vorgängern ab, ...

„Calistos Revenge“ führt uns zum dritten Mal in die „Eine Liebe wie Sterne“-Welt, doch ist wie schon Band zwei als eigenständiger Roman lesbar. Nicht nur das Cover hebt sich von den beiden Vorgängern ab, auch wird die Story als besonders dark beworben und dementsprechend für LeserInnen ab der Volljährigkeit empfohlen.

Statt im Urlaub zu entspannen, findet sich Marija Fradkow nach einer Feierlichkeit in den Fängen einer Gruppierung der russischen Mafia wieder. Gezeichnet von ihrer traumatischen Vergangenheit, die sie noch immer viel zu oft überrollt, von der sie sich jedoch weder definieren noch einschränken lässt, bietet sie ihren Entführern mutig und stolz die Stirn. Denn sie hat schon Schlimmeres überlebt …
Vadim Kamenev wurde etwas für ihn ungemein Wertvolles gestohlen. Um es zurückzuerlangen, schnappt er sich etwas, von dem er denkt, dass es Roman Fradkow am Herzen liegt: Seine Nichte. Eigentlich soll Marija als Pfand herhalten, doch die Prinzessin wird zu Kamenevs Verbündeter. Und zu so viel mehr …

Erzählt wird aus wechselnder Perspektive, sodass wir von Anfang an verfolgen können, wie sich die Protagonisten kennenlernen und einander näherkommen. Nach und nach kristallisieren sich neben Geheimnissen auch bewegende Geständnisse heraus, sodass viel Raum für eigene Spekulationen und aufwallendes Interesse bleibt.
Der Mafiaboss ist bereit, zu töten, sein Revier und seine Männer gnadenlos zu verteidigen. Wenn auch etwas Raubtierhaftes, Berechnendes in seinem Auftreten liegt, ist nicht zu übersehen, dass etwas Gutes in ihm schlummert. Präzision, Beschützerinstinkt, Humor und zumindest ein gewisses Maß an Geduld – doch diese strapaziert seine Gefangene ziemlich schnell über.
Marija ist eine schlagfertige Frau mit magischen Fähigkeiten und einem ausgesprochen genauen Gedächtnis. Vehement wehrt sie sich dagegen, erneut in eine Opferrolle gepresst zu werden. Sind ihre Hintergründe, ihr schmerzhaftes Schicksal, auch berührend, ihre Stärke bewundernswert, kam ich nicht umhin, des Öfteren eine Teenagerin in ihr zu sehen – eine, die unnötig Geld ausgeben, provozieren und mit dem Fuß aufstampfen muss.
Die Tatsache, dass ihr Onkel sie tatsächlich wiederhaben will, aber aus anderen Gründen, als von ihren Kidnappern angenommen, führt zu der Koalition mit Vadim. Seine Expertise in illegalen Gefilden sowie die Skrupellosigkeit, mit der der Russe und seine treuen Männer vorgehen, könnten in Kombination mit Marijas internem Wissen, ihrer Wut und ihrem Verlangen nach Gerechtigkeit eine Win-win-Situation und den Sturz ihres Gegenspielers ebnen – oder die Magierin und den Mafiosi zu Fall bringen.

Aufgrund des Marketings hatte ich auf eine spannende Dark-Romantasy-Story gehofft, in der sich Gefahren und Dunkelheit durch die Seiten ziehen. Bekommen habe ich eine „einfache“ Mafia-Romance mit einem Hauch Fantastik, in der zwar die Dynamik der Charaktere unterhaltsam, jedoch nicht sonderlich „Enemies“ war. Es gab einige Uneinigkeiten, aber abgesehen weniger Szenen schwang nie etwas wirklich Bedrohliches mit. Statt das vorhandene Konfliktpotenzial zu nutzen, wurde hauptsächlich der leichtere Weg gewählt. Dementsprechend fehlte es mir in der letztlich seichten, flotten romantischen Komponente an Dynamit, funkensprühenden Momenten, aufgeregtem Prickeln.
Heißt nicht, dass gänzlich auf unerwartete Turbulenzen, Tod, Blut und Verluste verzichtet wurde, nur waren diese eben nicht schockierender oder gewaltvoller als für Romance, die in Mafia oder Dark eingeordnet werden, typisch.
Ebenfalls ein Kritikpunkt: Das Magiesystem – die übernatürlichen Gegebenheiten –wird innerhalb der Handlung zu keiner Zeit erklärt oder stimmig beleuchtet. Es gibt sie eben, die Magie, wie auch – zugegeben zauberhafte – fantastische Wesen existieren.
(→ Im eBook/Print findet sich vor dem Beginn eine Zusammenfassung, diese fehlt im Hörbuch.)
Jaumanns Stil ist unkompliziert zu lesen; einerseits reich an Bildern, Gefühlen und Witz. Andererseits gab es Dialoge, die wenig Authentizität versprühten, Wortwiederholungen und Formulierungen, die unrund wirkten.

Wie die Inszenierung der bewegenden Schicksale, die wir zwischen den Zeilen ergründen, sind auch die Themen emotionaler Natur. Es sind solche, die nahegehen, die Erkennen und Verständnis entfachen. Nicht nur platziert die Autorin Figuren mit Handicaps und macht erneut auf Sklaverei und Kastensysteme aufgrund von Herkunft und Können aufmerksam. In „Calistos Revenge“ erhalten auch Frauen, die (unfreiwillig) kinderlos sind/bleiben, still unter dem Umstand und der Ursache, die vielfältiger Natur sein kann; unter unsensiblen Äußerungen und Ratschlägen leiden, die dringend nötige Sichtbarkeit.
Ebenfalls unglaublich wichtig ist die Enttabuisierung von (Kindes-)Missbrauch und die deutliche Botschaft: Schuld trägt einzig der/die TäterIn – und alle (Mit-)Wissenden, die sich nicht in der Handlungspflicht sahen, sich aus der Verantwortung zogen!
Widmung und Kern der Romance sind herzzerreißend – und allein daher ist dieses Buch schon lesenswert. Wem das nicht reicht: Wie wäre es mit Nixen, Cerberus oder Fairies?

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