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Veröffentlicht am 06.02.2026

Konnte es nicht aus der Hand legen

Das wirkliche Leben
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„Das wirkliche Leben“ von Adeline Dieudonné
In einer kleinen Reihenhaussiedlung in Frankreich wachsen die beiden Geschwister auf. Alles wirkt nach außen idyllisch, doch im Innern spielt sich der alltägliche ...

„Das wirkliche Leben“ von Adeline Dieudonné
In einer kleinen Reihenhaussiedlung in Frankreich wachsen die beiden Geschwister auf. Alles wirkt nach außen idyllisch, doch im Innern spielt sich der alltägliche Horror ab. Das Mädchen, als Ich-Erzählerin, versucht ihren kleinen Bruder vor den Grausamkeiten, die sich in ihrer Familie abspielen zu bewahren. So spielt sie mit ihm auf dem Schrottplatz oder in den Maisfeldern in der Nähe ihrer Siedlung. Und wenn der Eiswagen kommt, strömen alle Kinder der Umgebung der süßen Verlockung entgegen. Bis dahin läuft die Geschichte auf sanfte Art vor sich hin. Als Leser ist man auf der Hut vor dem sadistischen Vater. Die eigentliche Tragödie kommt deshalb unerwartet und explosionsartig. Ich weiß noch, wie mir beim Lesen die Kinnlade heruntersank. Unglaublich aus dem Hinterhalt hatte mich die Geschichte gepackt und ich war unfähig das Buch aus der Hand zu legen. Die kindlichen Versuche der Protagonistin der Situation zu entkommen sind rührend, aber auch bewundernswert. Die Autorin schreibt so intensiv, überraschend und präzise, dass dieses Buch schon jetzt eines meiner Jahreshighlights darstellt.

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Veröffentlicht am 25.01.2026

Rot-weiße Ferien

Ein Sommer in Schweden
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Endlich Sommerferien und endlich soll es für die Geschwister Ole, Lotta und Alfred nach Schweden gehen. Doch leider vorerst ohne Mama, denn die muss als Kommissarin zu Hause noch einen Fall lösen. Dabei ...

Endlich Sommerferien und endlich soll es für die Geschwister Ole, Lotta und Alfred nach Schweden gehen. Doch leider vorerst ohne Mama, denn die muss als Kommissarin zu Hause noch einen Fall lösen. Dabei geht es doch zu ihrer guten Freundin Katrin, die nach Schweden ausgewandert ist. Doch schon bald ist die Traurigkeit verschwunden, denn in Schweden warten nicht nur Elche, Mittsommer und Bullerbü auf die drei, sondern auch Katrins Kinder und damit neue Freunde. Neben einer unbeschwerten Zeit mit vielen neuen Eindrücken, erwartet die Kinder auch eine spannende Detektivgeschichte. Dieser Kinderbuch-Reiseführer bringt uns die Region in Südschweden näher. Auch ein Abstecher nach Stockholm erwartet die kleinen und großen Leser. Wir erfahren einiges über die Besonderheiten des Landes, wie das Mittsommerfest, Kulinarisches oder einige wichtige Worte auf Schwedisch. Schweden ist für uns ein Traumreiseziel und dieses Buch hat es uns als Familie nähergebracht. Für die Eltern sind einige wertvolle Tipps für Sehenswürdigkeiten und Ausflüge dabei, und die Kinder freuen sich über die spannende Geschichte. Sehr gut haben uns auch die Illustrationen gefallen. Denn die sind sehr stilvoll und detailreich. Und hat dieses Buch so richtig Lust auf Schweden gemacht. Also nicht nur für den Urlaub selbst sondern schon zur Vorbereitung darauf sehr zu empfehlen.

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Veröffentlicht am 12.01.2026

Schonungslos

Ellbogen
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Wir lernen Hazal kurz vor ihrem achtzehnten Geburtstag kennen. Sie ist in Berlin geboren und aufgewachsen. Ihre Eltern sind streng und gewalttätig. Bisher hat sie kaum Gutes erfahren und erwartet es auch ...

Wir lernen Hazal kurz vor ihrem achtzehnten Geburtstag kennen. Sie ist in Berlin geboren und aufgewachsen. Ihre Eltern sind streng und gewalttätig. Bisher hat sie kaum Gutes erfahren und erwartet es auch nicht. Weder von ihrer Familie noch von der Gesellschaft. Sie fühlt sich auf der Verliererseite des Lebens. An ihrem achtzehnten Geburtstag will sie feiern, mit ihren Freundinnen so richtig ausgelassen sein, doch es kommt anders und der Tag endet in einer Katastrophe.
Dieser Roman ist schonungslos brutal. Hazal lebt in einem vielgepriesenen sicheren Land und ist doch gefangen in einem Alptraum aus Perspektivlosigkeit, Gewalt und Verachtung. Ein Absatz in Fatma Aydemirs Roman beschreibt es so treffend. Da heißt es sinngemäß: Sie sehen erst auf uns, wenn wir etwas schlimmes anstellen, vorher sind wir unsichtbar. Nicht Hazal ist die erste die die Ellenbogen rausstreckt, um sich Platz zu verschaffen. Vorher ist sie ihr ganzes Leben gegen zig Ellenbogen gelaufen, von ihnen gestoßen und verletzt worden. Niemand hat sich für sie interessiert, niemand hat sich um sie gekümmert. Das schmälert nicht ihre Tat. Die ist grausam und unverständlich. Aber ich habe auch nicht das Gefühl, dass der Roman versucht zu rechtfertigen oder zu erklären. Ich hatte nur wenig Sympathie mit Hazal, dennoch habe ich viele ihrer Handlungen aus der Situation heraus verstanden. Am Ende bleibt eine gewisse Traurigkeit, einen Menschen kennengelernt zu haben, von dem man annehmen muss, dass er niemals richtig glücklich sein wird.

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Veröffentlicht am 09.01.2026

Raffiniert

Fabula Rasa oder Die Königin des Grand Hotels
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Der neue Roman von Vea Kaiser beginnt in den 80er Jahren in Wien. Angelika Moser arbeitet als Buchhalterin im Grand Hotel Frohner. Zahlen, Struktur und Ordnung, das ist genau ihre Welt. Umso gegensätzlicher ...

Der neue Roman von Vea Kaiser beginnt in den 80er Jahren in Wien. Angelika Moser arbeitet als Buchhalterin im Grand Hotel Frohner. Zahlen, Struktur und Ordnung, das ist genau ihre Welt. Umso gegensätzlicher ihr Privatleben. Hier geht sie gerne in die Clubs der Stadt, schlägt sich die Nächte um die Ohren, tanzt, feiert und schläft wenig. Sie sprüht vor Energie, Lebenslust und Zukunftsplänen. Als Kind einer alleinerziehenden Hausmeisterin kommt sie aus ärmlichen Verhältnissen, doch sie schafft im „Frohner“ den Sprung in eine Leitungsposition. Nun selbst alleinerziehende Mutter eines kleinen Sohnes steht sie vor vielen schier unlösbaren Problemen. Anstatt zu verzweifeln, geht sie einen ganz anderen Weg. Im Laufe der Jahre wird sie zur Millionenbetrügerin, zweigt Geld des Hotels heimlich auf ihr eigenes Konto ab. Was aus der Not heraus geboren wird, entwickelt sich zur Selbstverständlichkeit.
Die Geschichte hat mir richtig gut gefallen. Die Frau ist wirklich mit allen Wassern gewaschen. Was sie tut, ist Unrecht und dennoch entwickelt man eine gewisse Anerkennung vor ihrer Raffinesse und ihrem Charme. Wirklich geschädigt hat sie niemanden, denn das Geld wurde jahrzehntelang offensichtlich nicht vermisst. Und es zeigt damit auch die Kluft, die zwischen der reichen Wiener Gesellschaft und den Menschen, die für sie arbeiten herrscht. Während die einen das Geld in Saus und Braus zum Fenster hinauswerfen, wissen die anderen kaum, wie sie ihre Miete bezahlen sollen. Und doch haben alle denselben Arbeitsplatz. Und die einen würden ohne die anderen nicht existieren können. Angelika Moser war da nicht so scheu, sich zu nehmen, was ihr zustand. Sie hat sich von dem Geld der Frohners ein kleines Luxusleben finanziert und ihrem Sohn eine bessere Zukunft ermöglicht. Der Roman basiert auf einer realen Person, was es für mich nur noch interessanter gemacht hat. Obwohl Angelika Moser bestimmt nicht zu bewundern ist, hat ihre Geschichte doch einen hohen Unterhaltungswert. Vea Kaiser hat mich tief abtauchen lassen in eine Welt voller Glamour, Schein und Trug und in eine ganz tolle Stadt.

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Veröffentlicht am 30.12.2025

Bitteres Idyll

Der Honigmann
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Im Vorstadtidyll Fischbach ist die Welt noch in Ordnung. Tim und Fine lieben diesen Ort, in dem sie mit ihrer 8-jährigen Tochter Carla leben. Die Kleine lebt hier einen wahren Kindertraum, in Geborgenheit ...

Im Vorstadtidyll Fischbach ist die Welt noch in Ordnung. Tim und Fine lieben diesen Ort, in dem sie mit ihrer 8-jährigen Tochter Carla leben. Die Kleine lebt hier einen wahren Kindertraum, in Geborgenheit groß werden, immer Freunde zum Spielen und ganz viel Natur, die sie barfuß durchstreifen darf. Gegenüber der Fischbacher Grundschule lässt sich ein Mann nieder, der ein Geschäft eröffnet. Hier gibt es viel schnuckeliges Dekozeug und jede Menge Honig. Die Mütter und Kinder lieben diesen Laden und den Honigmann, denn er hat immer ein offenes Ohr für alle. Doch dann finde eine Mutter etwas Beängstigendes über den Honigmann heraus. Das Gerücht läuft wie ein Lauffeuer durch den Ort und Fischbach entwickelt sich zu einem brodelnden Vulkan. Ein Ereignis zieht das andere nach sich. Aus dem lieben Nachbar wird eine suspekte Person, die Freundin wird zur Feindin, Meinungen drehen sich wie ein Fähnchen im Wind und die Idylle wird zum Alptraum ohne Erwachen. Ich habe dieses Buch förmlich verschlungen. Hier wandelt sich eine Gesellschaft von einer Weintrunkenden-dauerlächel-Grillparty zu einem geifernden, wütenden Mob. Genial fand ich den Schachzug, dass der Honigmann selbst gar nicht zu Wort kommt. Die Zerstörung findet um ihn herum statt. Die Eltern zerfleischen sich selbst in dem Bemühen nur das Beste für die eigenen Kinder zu wollen. Und leider muss ich sagen, dass uns der Wandel von Menschen, die wir für stabil und verlässlich hielten, seit der Coronazeit nur allzu vertraut ist. Wo aus Freunden oder Nachbarn plötzlich Nudeln-hortende Straßenseitenwechsler wurden. Peter Huth ist hier eine exakte Zeichnung einer Gesellschaft im Ausnahmezustand gelungen. Spannend zu lesen und spannend auch, sich selbst zu fragen, was hätte ich getan?

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