Konnte es nicht aus der Hand legen
Das wirkliche Leben„Das wirkliche Leben“ von Adeline Dieudonné
In einer kleinen Reihenhaussiedlung in Frankreich wachsen die beiden Geschwister auf. Alles wirkt nach außen idyllisch, doch im Innern spielt sich der alltägliche ...
„Das wirkliche Leben“ von Adeline Dieudonné
In einer kleinen Reihenhaussiedlung in Frankreich wachsen die beiden Geschwister auf. Alles wirkt nach außen idyllisch, doch im Innern spielt sich der alltägliche Horror ab. Das Mädchen, als Ich-Erzählerin, versucht ihren kleinen Bruder vor den Grausamkeiten, die sich in ihrer Familie abspielen zu bewahren. So spielt sie mit ihm auf dem Schrottplatz oder in den Maisfeldern in der Nähe ihrer Siedlung. Und wenn der Eiswagen kommt, strömen alle Kinder der Umgebung der süßen Verlockung entgegen. Bis dahin läuft die Geschichte auf sanfte Art vor sich hin. Als Leser ist man auf der Hut vor dem sadistischen Vater. Die eigentliche Tragödie kommt deshalb unerwartet und explosionsartig. Ich weiß noch, wie mir beim Lesen die Kinnlade heruntersank. Unglaublich aus dem Hinterhalt hatte mich die Geschichte gepackt und ich war unfähig das Buch aus der Hand zu legen. Die kindlichen Versuche der Protagonistin der Situation zu entkommen sind rührend, aber auch bewundernswert. Die Autorin schreibt so intensiv, überraschend und präzise, dass dieses Buch schon jetzt eines meiner Jahreshighlights darstellt.