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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 29.01.2026

Berührend gedacht, nicht ganz tief genug umgesetzt

Himmelsfeuer
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"Himmelsfeuer" ist ein berührender Coming‑of‑Age‑Roman über Familie, Heimat, Gefühle und den Weg zu sich selbst. Die Geschichte spielt im Norden Schwedens und behandelt Themen wie Identität, Selbstfindung ...

"Himmelsfeuer" ist ein berührender Coming‑of‑Age‑Roman über Familie, Heimat, Gefühle und den Weg zu sich selbst. Die Geschichte spielt im Norden Schwedens und behandelt Themen wie Identität, Selbstfindung und die Balance zwischen eigenen Wünschen und den Erwartungen der Gemeinschaft. Die Idee ist stark und die Themen sind zeitgemäß und wichtig.

Leider konnte mich der Schreibstil persönlich nicht ganz überzeugen. Die Sätze wirken häufig zu kurz und abgehackt, was im Hörbuchformat noch stärker auffällt. Dadurch entsteht ein etwas unrunder Erzählfluss, und ich konnte nicht so tief in die Geschichte eintauchen, wie ich es mir gewünscht hätte. Ich hätte mir mehr innere Tiefe und Nuancen gewünscht, um die Charaktere und ihre Konflikte noch intensiver zu erleben.

Für jüngere Leser:innen kann der Stil hingegen gut funktionieren. Die junge Clique, ihre Dynamik und die direkten Emotionen könnten genau die richtigen Zielgruppen ansprechen und fesselnd sein. Vielleicht liegt es also an meiner eigenen Leseerwartung – für mich war es stilistisch einfach nicht ganz passend.

Insgesamt hat "Himmelsfeuer" spannende Ansätze und behandelt wichtige Themen, hinterlässt aber bei mir einen leicht distanzierten Eindruck. Ein Buch, das sich für junge Leser*innen gut eignet, für mich persönlich aber eher solide, statt herausragend ist.

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Veröffentlicht am 14.01.2026

Suite 11: Geheimnisse hinter eleganten Fassaden

The Woman in Suite 11
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"The Woman in Suite 11" entführt in ein luxuriöses Hotel in der Schweiz und setzt auf eine elegante, leicht beklemmende Atmosphäre, wie man sie von Ruth Ware kennt. Im Mittelpunkt steht erneut Lo Blacklock, ...

"The Woman in Suite 11" entführt in ein luxuriöses Hotel in der Schweiz und setzt auf eine elegante, leicht beklemmende Atmosphäre, wie man sie von Ruth Ware kennt. Im Mittelpunkt steht erneut Lo Blacklock, die versucht, beruflich und persönlich einen Neuanfang zu wagen. Doch aus einer scheinbar harmlosen Recherche entwickelt sich schnell eine Geschichte voller Misstrauen, Andeutungen und unterschwelliger Bedrohung.

Die Stärke des Romans liegt klar in seiner Stimmung. Die abgeschiedene Kulisse, der Kontrast zwischen äußerem Luxus und innerer Unsicherheit sowie die psychologische Perspektive der Hauptfigur erzeugen eine leise, konstante Spannung. Lo wirkt verletzlich und menschlich, was sie weiterhin zu einer glaubwürdigen Erzählerin macht – auch wenn man ihr Zögern und Grübeln nicht immer geduldig folgt.

Allerdings bleibt die Handlung insgesamt eher zurückhaltend. Der Spannungsbogen baut sich langsam auf und setzt mehr auf Atmosphäre als auf überraschende Wendungen. Einige Entwicklungen sind absehbar, und der große Wow-Moment bleibt aus. Gerade Leserinnen und Leser, die einen temporeichen Thriller erwarten, könnten das als zu ruhig empfinden.

Trotzdem ist "The Woman in Suite 11" ein solides, gut geschriebenes Buch, das Fans von psychologischen Thrillern mit Fokus auf Figuren und Stimmung zufriedenstellen dürfte. Kein Highlight im Werk der Autorin, aber eine ordentliche, angenehm zu lesende Geschichte für zwischendurch.

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Veröffentlicht am 03.12.2025

Starke Themen, etwas zu viele Details

Wo der Wolf lauert
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"Wo der Wolf lauert" ist ein Roman, der sofort durch seine dichte Atmosphäre und die starke psychologische Ausrichtung auffällt. Ayelet Gundar-Goshen greift ein komplexes, gesellschaftlich relevantes Thema ...

"Wo der Wolf lauert" ist ein Roman, der sofort durch seine dichte Atmosphäre und die starke psychologische Ausrichtung auffällt. Ayelet Gundar-Goshen greift ein komplexes, gesellschaftlich relevantes Thema auf und verbindet es mit einer sehr persönlichen, emotionalen Perspektive. Im Fokus steht Lilach, deren scheinbar stabiles Familienleben durch ein tragisches Ereignis erschüttert wird. Ihre innere Zerrissenheit, Zweifel und Schutzinstinkte sind bemerkenswert authentisch dargestellt.

Besonders gelungen ist die Thematik: Die Autorin beleuchtet Vorurteile, Identität, Angst und die Frage, wie gut man die eigenen Kinder eigentlich kennt. Die psychologische Genauigkeit und der Blick auf die unterschwelligen Spannungen des Alltags erzeugen eine stete Grundspannung, die lange trägt.

Allerdings wirkt der Roman an einigen Stellen zu detailliert. Manche Beschreibungen und innere Monologe wiederholen sich oder führen in Szenen, die wenig Mehrwert bieten. Dadurch gerät der eigentlich starke Spannungsbogen gelegentlich ins Stocken. Einige Abschnitte fühlen sich eher wie Füllmaterial an und mindern die Dynamik, die der Geschichte guttun würde.

Trotz dieser Schwächen bleibt der Roman ein intensives, nachdenklich stimmendes Leseerlebnis, das vor allem durch seine psychologische Tiefe überzeugt. Wer atmosphärische, vielschichtige Romane mag und bereit ist, sich auf langsame, detailreiche Passagen einzulassen, wird hier definitiv fündig.

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Veröffentlicht am 11.09.2025

Monstergott im Zwielicht

Monstergott
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"Monstergott" ist ein literarisch ambitionierter Roman, der große Themen aufgreift: Glaube, Schuld, Selbstbestimmung, Geschlechterrollen und das alles eingebettet in das Leben einer konservativen Freikirche. ...

"Monstergott" ist ein literarisch ambitionierter Roman, der große Themen aufgreift: Glaube, Schuld, Selbstbestimmung, Geschlechterrollen und das alles eingebettet in das Leben einer konservativen Freikirche. Die Geschwister Esther und Ben wachsen in einem Umfeld auf, das sich äußerlich modern gibt, aber innerlich strikt normativ ist. Immer wieder entsteht bei der Lektüre das Gefühl: Hier stimmt etwas nicht, aber was genau das wird erst nach und nach klar.

Positiv hervorzuheben ist Schmitts Sprache: klar, oft eindringlich, mit vielen Details, die das Innenleben der Charaktere spürbar machen. Die Ambivalenz zwischen Zugehörigkeit und Rebellion, zwischen Liebe und Unterdrückung, gelingt ihr gut. Die Konflikte sind echt, und die Spannung, wie weit Esther gehen kann, ohne ihre Wurzeln zu verlieren oder wie sehr Ben sich den Erwartungen beugt, ist konstant vorhanden.

Allerdings konnte mich das Buch nicht völlig überzeugen. Einige Entwicklungen wirken zu abrupt: Entscheidungen, innerer Wandel oder Erkenntnisse der Figuren werden manchmal zu plötzlich oder ohne tieferes Vorleben im Text übergangen. Dadurch verliert die Geschichte stellenweise an Glaubwürdigkeit. Auch bleibt das Ende etwas offen, was zwar passt zu vielen der aufgerissenen Fragen, aber mich persönlich ein wenig ratlos zurückgelassen hat.

"Monstergott" ist wichtig, unbequem und mit viel Potenzial aber leider nicht ganz konsequent in der Umsetzung. Wer gerne über Glaubenswelten nachdenkt und ambivalente Charaktere schätzt, findet hier Stoff zum Weiterdenken.

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Veröffentlicht am 22.08.2025

Wenn Anderssein verboten ist

1000 und ich. Zweifle nicht, zögere nicht, hinterfrage nicht.
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In dieser Story stolpere ich in eine Welt, in der Konformität keine Option ist, sondern Vorschrift. Die namenlose Protagonistin, schlicht „8“ genannt, lebt in Surdus, umgeben von Mädchen, die sich alle ...

In dieser Story stolpere ich in eine Welt, in der Konformität keine Option ist, sondern Vorschrift. Die namenlose Protagonistin, schlicht „8“ genannt, lebt in Surdus, umgeben von Mädchen, die sich alle gleich verhalten und aussehen. Ihre Einzigartigkeit, ihr Anderssein, macht sie zur Gefahr. Und genau das weckt eine unterschwellige Spannung, die sich durch das ganze Buch zieht. Der Auslöser ist simpel: Ein Blick von einem anderen Mädchen, und alles kippt. Die Flucht beginnt.

Der Roman setzt eher auf Atmosphäre als auf Action. Die Sprache ist knapp, fast lakonisch. Das schenkt dem Text eine gewisse Klarheit, lässt aber gleichzeitig vieles in der Schwebe. Gefühle bleiben diffus, Charaktere wirken eher angedeutet denn lebendig. Die dystopische Kulisse ist zwar stimmig, bleibt aber vage skizziert. Was jedoch besonders gelungen ist: die Frage, was es bedeutet, ein Einzelner zu sein – und wie viel Mut das kostet. Doch leider entspricht das Werk insgesamt eher einer zarten Andeutung als einem kraftvollen Aufbruch. Eine solide Lektüre, die neugierig macht, aber nicht ganz berührt.

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