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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 10.03.2017

Ein schwieriger Fall

Pyjamamord
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Tillmann Halls, ehemaliger Profiler in der USA, ist gerade dabei, seinen Boden aufzuräumen, als Kommissar Bruckner erscheint. Die beiden Männer hatten sich längere Zeit nicht gesehen und kamen kurz auf ...

Tillmann Halls, ehemaliger Profiler in der USA, ist gerade dabei, seinen Boden aufzuräumen, als Kommissar Bruckner erscheint. Die beiden Männer hatten sich längere Zeit nicht gesehen und kamen kurz auf ihren letzten Fall zu sprechen.
Bruckner war dabei den falschen Leuten auf die Füße getreten und wurde deshalb aufs Abstellgleis geschoben. Jetzt hat er sich selbst einen Fall gesucht, der von der Polizei eigentlich als schlechter Scherz zu den Akten gelegt wurde. Er bittet Halls um Hilfe.
In der letzten Zeit waren zu unterschiedlichen Zeitpunkten drei Schaufensterpuppen nahe der Autobahn gefunden wurden. Sie waren mit einem Pyjama begleitet und wiesen menschliche DNA auf. Allerdings fehlte jeglicher Hinweis auf mögliche Tote.
Erneut hat der Autor einen spannenden Krimi geschrieben, der mich als Leser letztendlich in die finsteren Tiefen der menschlichen Psyche führt. Wie schon bei den Vorgängerromanen könnte man auch hier sagen: Der Weg ist das Ziel.
Als Bruckner einen Text in die Zeitung setzen lässt, um den mögliche Täter zum Reagieren zu veranlassen, springt ein Journalist auf den Zug auf. Es kommt zu einer unerwarteten Wendung, die plötzlich in die richtige Richtung weist.
Der Schriftstil des Buches zeichnet sich durch seine Detailgenauigkeit aus. Das betrifft nicht nur die exakte und umfassende Beschreibung der Handlungsorte, sondern insbesondere auch die einzelnen Etappen der Ermittlungsarbeit. Das Geschehen wird von Halls erzählt. Dadurch werde ich als Leser auch darüber informiert, wie der neue Fall seine Arbeit als Immobilienmakler tangiert. Zum einen sieht er die Häuser, die sie für ihre Ermittlungen besuchen, mit ganz anderen Augen als Bruckner, zum anderen kann es durchaus passieren, dass er dabei auf eigene Klienten trifft. Die Geschichte ist spannend geschrieben. Puzzle für Puzzle nähern sich die beiden nicht nur dem Täter, sondern vor allem den Hintergründen des Geschehens.Zu den sprachlichen Höhepunkten gehören die fein herausgearbeiteten Dialoge.
Das Buch hat mir sehr gut gefallen.Allerdings habe ich bis zuletzt nicht nachvollziehen können, was eigentlich in dem kranken Hirn des Täters vorging. Kann das Ringen nach Aufmerksamkeit und Perfektion solche Ausmaße annehmen?

Veröffentlicht am 09.02.2017

Echte Freundschaft

Leonie: Die rätselhafte Höhle
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Leonie lebt seit drei Monaten im Green Valley. Ihre Lehrerin hat ihnen verkündet, dass sie einen Klassenritt mit den Pferden unternehmen werden und drei Tage zelten. Leonie und ihre Freundinnen freuen ...

Leonie lebt seit drei Monaten im Green Valley. Ihre Lehrerin hat ihnen verkündet, dass sie einen Klassenritt mit den Pferden unternehmen werden und drei Tage zelten. Leonie und ihre Freundinnen freuen sich darauf. Doch dann stellt sich heraus, dass Tiffys Vater finanzielle Schwierigkeiten hat.
Der Autor hat ein abwechslungsreiches und spannendes Kinderbuch geschrieben. Obwohl ich die Vorgängerbände nicht kannte, hatte ich kein Problem, mich in der Geschichte zurecht zu finden.
Gemeinsam überlegen die Mädchen, wie sie Tiffy helfen können. Dabei geht es mehr um Hilfe zur Selbsthilfe. Gut werden auch die Verhältnisse in Leonies Familie wiedergegeben. Leonie wird ernst genommen und kann sich mit ihren Problemen an die Eltern wenden.
Natürlich sorgt der Klassenritt für zusätzliche Überraschungen.
Der Schriftstil ist der Zielgruppe angemessen. Gekonnt herausgearbeitete Dialoge bringen die Handlung voran. Nebenbei werden aktuelle Fragen angesprochen. So haben in Leonies Klasse die meisten Kindern vermögende Eltern. Markengarderobe ist die Regel, nicht die Ausnahme.
Nicht jede Entwicklung im Buch allerdings war logisch nachvollziehbar. Das trifft insbesondere auf Joshs Handeln zu. Außerdem sind die amerikanischen Regeln etwas anders als in Deutschland gewohnt. Eine Klassenfahrt ohne einen zweiten Begleiter würde kaum genehmigt.
Schöne ganzseitige Schwarz-Weiß-Bilder veranschaulichen die Geschichte.
Das Cover mit den Blick in die Höhle verrät leider einen Teil der Handlung.
Das Buch hat mir sehr gut gefallen. Im Mittelpunkt stehen Freundschaft, Hilfsbereitschaft und Zusammenhalt.

Veröffentlicht am 12.11.2016

Casellis neuer Fall

Römische Verdächtigungen
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„...Die Teutonen haben noch auf den Bäumen gehockt, als Rom längst ein Weltreich war!...“

Simona ist Kunststudentin in Rom. Sie will ihren Vater besuchen, wird ihn aber nie erreichen. Man findet sie mit ...

„...Die Teutonen haben noch auf den Bäumen gehockt, als Rom längst ein Weltreich war!...“

Simona ist Kunststudentin in Rom. Sie will ihren Vater besuchen, wird ihn aber nie erreichen. Man findet sie mit zerschlagenem Gesicht in einer Straßenecke. Der Fall landet bei Commissario Caselli.
Anhand ihrer wertvollen Ohrringe konnte Simona identifiziert werden. Zwei Tage später meldet sich Philipp Mortan, ihr englischer Cousin, der sich gerade in Rom aufhält, ihr Bild in der Zeitung gesehen und sie erkannt hat.
Die Autorin hat einen spannenden Krimi geschrieben. Das Buch lässt sich zügig lesen. Es ist der dritte Fall mit Caselli. Auf die Vorgängerbände gibt es kaum Hinweise. Die habe ich auch nicht vermisst. Dafür aber gibt es Andeutungen, warum Caselli seine Heimat Sizilien verlassen musste.
Die Protagonisten werden gut charakterisiert. Caselli nimmt seine Arbeit ernst. Er mag Ordnung und Ruhe. Beides wird in dem Fall empfindlich gestört. Allerdings hat er damit zu kämpfen, dass seine langjährige Freundin Dora in Sizilien zurückgeblieben ist. Er hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass sie ihn nach Rom folgt.
Sein Kollege Scurzi hat ebenfalls private Probleme. Der jüngste Sohn ist kränklich. Das belastet die Ehe.
Der Fall führt die Kriminalisten in die Kunstszene. Geschickt hat die Autorin dabei zwei völlig unterschiedliche Männer kreiert. Roland Krogmann hat in Deutschland alles verloren und das nie verkraftet. Er versucht nun, sich ein neues Leben aufzubauen. Simona hat ihn aufgebaut und Lebensmut gegeben.
Der Kunstproffessor Alfiero Attardi dagegen ist von sich eingenommen. Er leidet an Selbstüberschätzung und Selbstbeweihräucherung. Mit den Kommissaren spielt er Katz und Maus. Simona hat ihm Modell gesessen.
Der Schriftstil ist dem Genre angemessen. Dazu gehören aussagekräftige Dialoge. Sehr schöne Sprachbilder findet die Autorin für die Beschreibung von Sizilien. Daran ist Casellis Sehnsucht nach der Heimat spürbar. Auch die Örtlichkeiten in Rom werden ausführlich dargestellt. Neben der Ermittlungsarbeit vermittelt die Autorin Informationen über verschiedene Kunstformen. Das ergibt sich einfach im Handlungsverlauf und passt ins Gefüge des Geschehens. Ich mag es, wenn ich bei einem Krimi nicht nur mit raten darf, sondern auch Wissen über die anliegenden Themen erhalte. Attardis Begeisterung für Edelsteine und ihre Wirkungen gehören genauso dazu wie die Ausführungen zu verschiedenen Geheimbünden. Ab und an blitzt ein feiner Humor auf. Obiges Zitat stammt von Scurzi nach der telefonischen Vernehmung von Simonas ehemaligen Freund Michael von Weilershausen.
Das Buch hat mir sehr gut gefallen. Die Handlung war geschickt aufgebaut und wurde konsequent zu Ende geführt.

Veröffentlicht am 28.02.2026

Keine einfache Lektüre

Alma
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„...Alma blickt zum Kirchturm empor und sieht eine Möwe, die ihre Flügel reckt. Heute Morgen hat sie im Hotel auf der Insel angerufen, gefragt, ob es möglich sei, ein Zimmer zu reservieren…“

Alma hatte ...

„...Alma blickt zum Kirchturm empor und sieht eine Möwe, die ihre Flügel reckt. Heute Morgen hat sie im Hotel auf der Insel angerufen, gefragt, ob es möglich sei, ein Zimmer zu reservieren…“

Alma hatte nicht vor, in die Stadt ihrer Kindheit zurückzukehren. Doch die Erbschaft das Vaters sorgt dafür, dass sie wieder in Triest ist.
Die Autorin hat einen vielschichtigen Roman geschrieben. Hier werden persönliche Lebensverhältnisse mit politischen Entwicklungen verwoben. Der Schriftstil ist fein ausgearbeitet, zwingt aber zur Konzentration, da Orte, Zeiten und Geschehnisse schnell wechseln.
Bei ihren Gang durch die Stadt kommen Erinnerungen an die Vergangenheit hoch. Als Kind der 70er Jahre war Alma mit drei Situationen konfrontiert. Ihre Mutter pflegte einen sehr chaotischen Lebensstil. Ihre gutbürgerlichen Großeltern hielten an den Gepflogenheiten der Vergangenheit fest. Ihr Vater stammte aus Jugoslawien und hat die Tochter ab und an dorthin mitgenommen. Meist verschwand er aber für längere Zeit allein. Alma erinnert sich an die Begegnung mit Tito.

„...Er war kräftig, unerschütterlich, braungebrannt. Sie hatte ihn groß in Erinnerung, doch vielleicht war er es nicht. Er hatte grünliche, energischen und ruhige Augen...“

Eines Tages bringt ihr Vater einen Jungen mit. Vili wird ab jetzt bei ihnen leben. Ihr Verhältnis ist lange Zeit gespannt. Dazu trägt bei, dass der Vater sie nicht mehr mitnimmt, wenn er verschwindet. Auch verbringt er viel Zeit mit Vili.

„...Und es ist jedes Mal das Gleiche, er verduftet wie ein Schmetterling, von dem man nicht weiß, ob er gestorben oder zu einer anderen Blüte geflattert ist…“

Einen weiten Raum im Buch nehmen die Geschehnisse nach dem Tode Titos in Jugoslawien ein. Während Almas Vater von dort flieht und in Triest bleibt, geht Vili als Fotograf in sein Land zurück. Die Beschreibungen der Lage gehen unter die Haut. Alma bringt es auf den Punkt, als sie aufgefordert wird, über den Krieg in der Ukraine zu berichten.

„...Ein anderer Krieg hatte ihr gezeigt, dass es schwer ist, eine klare Linie zwischen Freunden und Feinden zu ziehen, besser man bleibt auf Abstand…“

Die Vergangenheit, die Alma geprägt hat, zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte.
Das Buch hat mir gut gefallen. Es ist keine einfache Lektüre. Hier wird eine Stück europäischer Geschichte auf ganz besondere Art erzählt.

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Veröffentlicht am 17.01.2026

Spannend, aber anders als erwartet

Der Krieger und die Königin
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„...Er nennt sich Garibald, und ich fürchte, wir werden bald mehr von ihm hören. Gerüchten zufolge soll seine Mutter eine Tochter Agilofs sein, des Anführers der Bajuwaren. Mit diesen will Chlothar sich ...

„...Er nennt sich Garibald, und ich fürchte, wir werden bald mehr von ihm hören. Gerüchten zufolge soll seine Mutter eine Tochter Agilofs sein, des Anführers der Bajuwaren. Mit diesen will Chlothar sich ebenfalls verbünden…“

Zu Beginn der Geschichte ahnt Regimer noch nichts von den schnellen Aufstieg Garibalds, eines illegitimen Sohns von Chlothar, einem Frankenkönig..
Das Autorenpaar hat einen spannenden historischen Roman geschrieben. Er zeugt von der exakten und umfangreichen Recherche. Der Schriftstil passt zu den Zeitverhältnissen.
Wir schreiben das Jahr 549. Die Machtverhältnisse in Europa sind sehr fragil. Deshalb schickt Chlothar Garibald nach Italien.

„...Jetzt sind Agilofs Söhne und Enkel als Verbündete der Ostgoten in Italien eingefallen. Daher hat dein Großvater außer dir keinen direkten Erben mehr. Mach dir in Italien einen Namen und tritt dann vor Agilof…“

Auf den Weg dorthin begegnet er das erste Mal Waltrada, eine Prinzessin der Langobarden, die als Geißel nach Franken gebracht wird. Die ist von seinem Eingreifen alles andere als begeistert.
Der größte Teil des Romans spielt in Italien. Dort kommt es immer wieder zu Kämpfen zwischen den Goten unter Totila und dem oströmischen Reich. Garibald ist ein geschickter Stratege. Er plant seine Feldzüge akribisch und ist Neuem gegenüber aufgeschlossen.
Gut beschrieben werden die Handlungsorte. Auch die Kleidung der damaligen Zeit und die Rüstung der Heere wird bildhaft dargestellt.
Wer einen Liebesroman zwischen Garibald und Waltrada erwartet, wie es der Klappentext suggeriert, ist hier allerdings falsch. Im Wesentlichen geht es um den Aufstieg von Garibald zum zukünftigen Herzog der Bajuwaren. Zwar spielt Liebe auch in den Wirren des Krieges eine Rolle, doch ist sie da mehr Mittel zu Zweck. Wie heißt es an einer Stelle des Buches sinngemäß? Männer vergessen gern ihr Schweigen, wenn sie in Bett einer schönen Frau liegen.
Es sollte Jahre dauern, bis sich Garibald und Waltrada wiedersehen. Und dann geht alles ganz schnell.
Das Buch hat mir sehr gut gefallen. Es erzählt ein Stück Geschichte auf ganz eigene Weise.

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