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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 07.04.2026

Herrlich atmosphärisch!

Die Bücherfrauen von Listland. Der Duft des Strandhafers
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"Der Duft des Strandhafers" von Gabriella Engelmann war für mich ein richtig schönes, atmosphärisches Leseerlebnis.

Obwohl ich den ersten Band der Dilogie nicht kannte, hatte ich zu keinem Zeitpunkt ...

"Der Duft des Strandhafers" von Gabriella Engelmann war für mich ein richtig schönes, atmosphärisches Leseerlebnis.

Obwohl ich den ersten Band der Dilogie nicht kannte, hatte ich zu keinem Zeitpunkt das Gefühl, dass mir wichtige Informationen fehlen würden. Die Autorin hat die Handlung so geschickt aufgebaut, dass man problemlos in die Geschichte eintauchen kann - sehr leserfreundlich. Das Personenregister zu Beginn war ebenfalls eine große Hilfe.

Auch optisch hat mich das Buch sofort angesprochen; die frischen Blau- und Lilatöne des Covers passen perfekt zur Stimmung.

Inhaltlich dürft ihr euch auf eine gelungene Mischung aus Familiengeschichte, Gegenwartsliteratur und historischen Elementen freuen. Erzählt wird auf zwei Zeitebenen und aus verschiedenen Perspektiven, was ich sehr mochte. Die Übergänge zwischen den Kapiteln und Zeiten sind dabei fließend und angenehm zu lesen, nichts wirkt holprig oder konstruiert.

Mein absolutes Highlight war ganz klar die Atmosphäre. - Die detaillierten, bildreichen Beschreibungen der Inseln haben mich komplett abgeholt. Ich hatte beim Lesen wirklich das Gefühl, vor Ort zu sein, mitten im Geschehen. Einfach herrlich geschrieben und unglaublich stimmungsvoll.

"Mitte August war eine wundervolle Zeit auf Sylt: Um kurz vor sechs ging die Sonne auf und erst gegen neun Uhr abends unter. Es war meistens nicht mehr so heiß, und an manchen Tagen lag bereits ein Hauch von Herbst in der Luft. Die einst so kräftigen Farben verblassten nach und nach, besaßen jedoch immer noch genug Leuchtkraft. Die Heide blühte in sattem Lila oder Purpur, und es duftete herrlich nach Spätsommer, Nordsee, Salz und Verheißung."

Die Figuren sind insgesamt gut ausgearbeitet, wobei ich sagen muss, dass mir Anna in der Gegenwart deutlich näher (und sympathischer) war als Martje in der Vergangenheit. Annas Gedanken und Gefühle konnte ich besser greifen, während Martje für mich ein kleines Stück distanzierter blieb. Ihre Bindung zum väterlichen Freund Nanning liebte ich jedoch sehr.

Was die Geschichte zudem besonders macht, ist auch ihre Tragik. Sie zeigt eindrücklich, wie sehr Zufälle und Begegnungen das eigene Leben beeinflussen können … und dass man manchmal, ohne es zu merken, einen völlig falschen Weg einschlägt, wenn man sich von den falschen Menschen leiten lässt. Das war stellenweise wirklich schmerzhaft zu lesen, aber auch sehr berührend und eben vollkommen realistisch.

Es ist definitiv keine kitschige Liebesgeschichte, im Gegenteil - eher eine bewegende Geschichte über Verlust, schicksalhafte Entscheidungen, Reue, Sehnsucht, Familie und Wahrheitssuche, mit kleinen Lichtblicken dazwischen.

Ein Detail, das ich ebenfalls toll fand: die Erwähnung realer Buchhandlungen wie "Der Bücherwurm" in Westerland und "Die Büchertruhe" am Keitumer Watt.

Der Schreibstil der Autorin ist durchgehend einladend, flüssig und vor allem atmosphärisch dicht. Ich bin nur so durch die Seiten geflogen und habe das Buch in kürzester Zeit verschlungen!

𝗙𝗮𝘇𝗶𝘁:
Hat mir wunderbar gefallen! Klare Empfehlung für alle Leser:innen, die Insel-Feeling, Familiengeheimnisse und fesselnde, emotionale Geschichten lieben.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 06.04.2026

Bewegend, ehrlich, inspirierend

Liza - Kids, Wait Till You Hear This!
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"Am Anfang deiner Karriere, wenn du noch kein Geld hast, und später, wenn du genug Geld hast, wirst du feststellen, dass die Kunst das Einzige ist, das bleibt."

Diese Autobiografie … wie soll ich solch ...

"Am Anfang deiner Karriere, wenn du noch kein Geld hast, und später, wenn du genug Geld hast, wirst du feststellen, dass die Kunst das Einzige ist, das bleibt."

Diese Autobiografie … wie soll ich solch eine geballte Ladung pures Leben nur in Worte fassen? - Laut, glitzernd, schmerzhaft ehrlich und gleichzeitig voller Wärme, das sind die Gedanken, die mir als erstes in den Sinn kommen.

Schon direkt zu Beginn hatte ich mein persönliches Aha-Erlebnis: Liza ist die Tochter von Judy Garland. (!) Wie konnte ich das jemals nicht wissen?! (… zumal ich doch alte Hollywood-Filme so sehr liebe.) Ich habe sogar 'Meet Me in St. Louis' gesehen – den Film, bei dessen Dreh sich Lizas Eltern begegnet sind - allein dieser Gedanke hat beim Lesen eine ganz besondere Magie für mich entfaltet. Dieses - vermeintlich - goldene Hollywood, das mich seit jeher fasziniert (zumindest in puncto Filme - die damaligen Arbeitsbedingungen, nicht nur, aber insbesondere für Frauen, waren allerdings ein Albtraum).

Man spürt in jeder Zeile Lizas tiefe Verbindung zur Bühne, zur Musik, zu all den großen Gefühlen, zu jedem einzelnen Gast ihres Publikums. Ihre unerschütterliche Liebe zur Kunst an sich.

Der Schreibstil: Einerseits herrlich direkt, ungefiltert, humorvoll, selbstbewusst, stellenweise fast schon schon frech, provokant - aber auf sympathische Weise, mit einem Augenzwinkern. Eindeutig: Sie ist eine Ikone, muss nichts und niemandem mehr etwas beweisen. Andererseits wirken ihre Worte oft so verletzlich, dass es einem stellenweise den Atem nimmt.

Die vielen, vielen Fotografien im Buch fand ich wunderschön; sie machen das Gelesene noch greifbarer, lebendiger - als würde man gemeinsam durch Erinnerungen blättern. Nostalgie pur.

Lizas Leben gleicht einem Drahtseilakt, wir lesen von schwindelerregenden Höhen und tiefsten Abstürzen, von Cabaret bis hin zu persönlichen Kämpfen, die sie nie beschönigt. Gerade dieser schonungslose Blick auf Themen wie Sucht, Trauma, Verlust und Selbstfindung hat mich ungemein beeindruckt.

To name just a few details: Der Selbstmordversuch ihrer Mutter, die Scheidung ihrer Eltern, Reichtum, Partys … aber auch Sucht, psychische Erkrankungen, Verrat, finanzielle Abstürze. Große Namen & Glamour? En masse! Frank Sinatra, Elizabeth Taylor, Michael Jackson …

Ihre Ehe mit David Gest - ich musste teilweise wirklich den Kopf schütteln. Nicht, weil man es nicht versteht, sondern weil man merkt, wie verletzlich sie in diesem Moment war. Wie sehr sie einfach jemanden brauchte, der sie auffängt, sie wieder träumen lässt. … und wie sehr diese Sehnsucht ausgenutzt wurde. Das war keine Liebesgeschichte, sondern ein Absturz mit Ansage.

Natürlich findet das Drama rund um die Academy Awards und den berühmten Verrat Erwähnung - pure Sabotage. Warum nur??! Ich konnte das beim Lesen kaum ertragen. Diese Demütigung, dieses Gefühl, die Kontrolle über das eigene Bild zu verlieren - vor Millionen Menschen. Das war so ein Punkt, wo ich wirklich gemerkt habe, wie gnadenlos diese Branche sein kann. Glanz und Schmerz liegen im Showbusiness direkt beieinander. Wie gern hätte ich Liza dieses Trauerspiel erspart. Und ich muss ehrlich sagen, dass ich auf menschlicher Ebene ein Stück weit enttäuscht von Lady Gaga bin.

Die Beziehung zu Judy Garland ist eines der emotionalen Zentren dieses Buches. So viel Liebe, Bewunderung, Lachen … und gleichzeitig Angst, Verantwortung, Überforderung eines Kindes, das viel zu früh lernen musste, stark zu sein. Ständiges Schwanken zwischen Wärme und Unsicherheit, zwischen Geborgenheit und dem Gefühl, aufpassen zu müssen. Ein kleines Mädchen, das nicht weiß, welche Version seiner Mutter es heute erwarten wird. In gewisser Weise war es - in meinen Augen - ganz eindeutig emotionaler Missbrauch. Ihr Vater, Vincente Minnelli, hat mein Leserherz hingegen im Sturm erobert! So sanftmütig und liebevoll … Er war Lizas sicherer Hafen.

Was sich durch alles zieht: Verlust. Immer wieder Verlust. Von Menschen, Gesundheit, Kontrolle, Vertrauen. Dass der Körper irgendwann nicht mehr mitmacht. Dass die Welt weiterzieht. Und trotzdem steht Liza jedes Mal wieder auf. Nicht heldenhaft, sondern irgendwie einfach, weil sie muss.

Trotz all der Schwere ist dieses Buch kein trauriges, im Gegenteil: Es strahlt Hoffnung aus.

"[…] auch in der tiefsten Finsternis ist immer irgendwo ein Licht."

Vielleicht ist genau das die Essenz dieser Geschichte: Fallen. Aufstehen. Weitermachen. Und dabei nie die eigene Stimme verlieren. Den Gedanken, dass man sich selbst immer wieder neu zusammensetzen kann - egal, wie oft man zerbrochen ist -, empfinde ich als enorm tröstlich und inspirierend.

Liza hat meinen tiefsten Respekt - nicht nur für ihre Karriere, sondern dafür, dass sie sich traut, so ehrlich zu sein in Bezug auf Dinge, die viele einfach verschweigen würden.

𝗙𝗮𝘇𝗶𝘁:
Eine bewegende und gleichzeitig lebensbejahende Autobiografie, die zeigt, was es wirklich bedeutet, nicht nur zu überleben, sondern stets voller Anmut zu strahlen.

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Veröffentlicht am 15.03.2026

Richtig toll geschrieben!

Moorland. Die Zwillinge
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"Das war es, was dieses Moor mit den Menschen machte. Es täuschte und trog, verwirrte und belog, bis man nicht mehr wusste, was Wahrheit war oder Märchen."

Wow! Mit dem vorliegenden Werk ist Erfolgsautor ...

"Das war es, was dieses Moor mit den Menschen machte. Es täuschte und trog, verwirrte und belog, bis man nicht mehr wusste, was Wahrheit war oder Märchen."

Wow! Mit dem vorliegenden Werk ist Erfolgsautor Andreas Winkelmann ein enorm fesselnder Auftakt zu einer neuen Reihe gelungen, der mich von der ersten Seite an in seinen Bann gezogen hat.

Spannungsaufbau: Sowas von gelungen! Am Anfang liegt der Fokus klar auf der Charaktervorstellung, was ich sehr begrüßt habe; zudem wird uns das Setting präsentiert - und das geschieht dermaßen bildreich, detailliert und eindringlich, das sofort Bilder im Kopf entstehen und man sich beim Lesen mitten im Geschehen wähnt. Gänsehaut pur! Das Moor wirkt fast wie eine eigene Figur, bedrohlich und voller ungelöster Rätsel.

Mit den Charakteren habe ich mich schnell verbunden fühlt, überhaupt habe ich die vielschichtige Figurenzeichnung geliebt! Schon jetzt bin ich mega gespannt darauf, in den kommenden Bänden mehr über Kommissarin Malia Gold, ihren Bruder Erik und Ruth zu erfahren, gerade auch in Bezug auf die besondere Familiendynamik (und Vergangenheit) der Sichlers.

Im Fortgang der Handlung gerät man in einen regelrechten Sog - selbst bei knapper Lesezeit dachte ich mir während der Lektüre: "Ach, eine Seite geht sich noch aus … na gut, bis zum Kapitelende zumindest.." - genau so soll es sein bei einem wirklich gut geschriebenen Buch!

Die Story selbst hält gleich mehrere überraschende Wendungen parat, die mich wirklich kalt erwischt haben - hätte ich so nicht kommen sehen (auch im Hinblick auf die Auflösung). Again: ein Zeugnis von Winkelmanns Schreibkunst.

Erzählton: Klar, modern, absolut mitreißend, herrlich atmosphärisch - ich bin begeistert!

Ein weiteres Highlight ist für mich die Aufmachung des Buches: Das düstere, geheimnisvoll anmutende Cover passt einfach perfekt zur Stimmung der Geschichte, und der Farbschnitt macht das Buch zu einem richtigen Eyecatcher im Regal.

𝗙𝗮𝘇𝗶𝘁:
Ein rundum packender Kriminalroman, der von seinen durch und durch atmosphärischen Beschreibungen lebt und mit starken Figuren punktet, mit denen man gerne mitfiebert. Ich freue mich jetzt schon riesig auf die Fortsetzung und kann es kaum erwarten, aus der Sicherheit meines Lesesessels heraus wieder ins geheimnisvolle Moorland zurückzukehren. Klare Empfehlung!

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Veröffentlicht am 10.03.2026

Zuckersüß!

Die kleine Schnecke Monika Häuschen: Einfach doof gelaufen!
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Mit diesem niedlichen Bilderbuch ist Autorin Kati Naumann erneut eine rundum liebevolle Geschichte gelungen, die kleine Zuhörer:innen ebenso begeistert wie die Vorleser:innen. Mein Sohn und ich kennen ...

Mit diesem niedlichen Bilderbuch ist Autorin Kati Naumann erneut eine rundum liebevolle Geschichte gelungen, die kleine Zuhörer:innen ebenso begeistert wie die Vorleser:innen. Mein Sohn und ich kennen bereits mehrere Bücher aus der Welt der kleinen Schnecke Monika Häuschen und auch dieses hier hat uns wieder ein sehr schönes gemeinsames Leseerlebnis beschert.

Dieses Mal steht allerdings nicht sie, sondern der Regenwurm Schorsch im Mittelpunkt, der an seinem Geburtstag ausgerechnet einen richtigen Pechtag erwischt. Kein Wunder, dass Schorsch immer trauriger und wütender wird. Man merkt beim Vorlesen sehr schön, wie sich seine Stimmung verändert und wie sehr ihn all die kleinen Missgeschicke belasten.

Zum Glück sind Monika und der Gänserich Herr Günter zur Stelle, die ihren Freund nicht allein lassen. Besonders schön finde ich die Botschaft dieser Geschichte: Mit guten Freunden an der Seite wird selbst ein schlimmer Pechtag irgendwann wieder heller. Am Ende verwandelt sich Schorschs miserabler Tag tatsächlich noch in einen richtig schönen, und sogar diejenigen, die zuvor gemein zu ihm waren, entschuldigen sich. Dass Schorsch ihnen verzeiht und sagt, bei ihm dürfe jeder mitspielen, fand ich so toll!

Ein ganz besonderes Highlight (wie generell bei allen Monika-Häuschen-Büchern): die entzückenden, farbenfrohen Illustrationen von Barbara Fiesinger, die voller liebevoller Details stecken. Gerade in diesem Werk (mit - im Vergleich zu den Sachbüchern - weniger Textanteil) kommen sie besonders zur Geltung und laden kleine Betrachter:innen immer wieder dazu ein, auf den Seiten Neues zu entdecken.

Auch beim Vorlesen macht das Buch richtig Spaß, immer wieder tauchen kleine Geräusche und Ausrufe auf ("Plitsch-Platsch", "Aua!" ..) –, die man wunderbar betonen kann. Dadurch wird die Geschichte lebendig und sorgt für viele kleine Schmunzelmomente. Typisch für die Reihe sind auch gewisse herrlich knifflige Wörter wie "Regenwurmschwanzspitzenzipfelchen", bei denen man als Vorleser:in manchmal richtig doll aufpassen muss, hihi.

Einziger kleiner Hinweis, allerdings kein wirklicher Kritikpunkt: Monika Häuschen selbst steht diesmal eher am Rand der Geschichte, denn es geht ja hauptsächlich um Schorsch. Da der Klappentext dies jedoch bereits ankündigt, ist das vollkommen okay.

Insgesamt ist es eine warmherzige, humorvolle und zugleich lehrreiche Geschichte für Kinder ab etwa vier Jahren, die zeigt, dass schlechte Tage zum Leben dazugehören, und dass es darauf ankommt, wie man sie angeht - gute Freunde können dir dabei helfen, schwierige Momente zu überstehen.

𝗙𝗮𝘇𝗶𝘁:
Eine rundum gelungene, zauberhaft bebilderte Vorlesegeschichte über Freundschaft, Empathie, Zusammenhalt und das große Glück, nicht allein zu sein.

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Veröffentlicht am 18.01.2026

Kreative Idee!

Das unglaubliche Talent der Bailey Dowery
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Als ich den Klappentext dieses historischen Frauenromans gelesen habe, wusste ich sofort, dass dieser Read unbedingt bei mir einziehen muss! Was für eine kreative Grundidee!!

Ich habe die Darstellung ...

Als ich den Klappentext dieses historischen Frauenromans gelesen habe, wusste ich sofort, dass dieser Read unbedingt bei mir einziehen muss! Was für eine kreative Grundidee!!

Ich habe die Darstellung des historischen Small-Town-Settings mit seiner dichten, beinahe greifbaren Atmosphäre absolut geliebt. Mendol, Oklahoma in den 1950er-Jahren fühlt sich beim Lesen dermaßen lebendig an … mit all seinem Glanz, seinen Abgründen, den unausgesprochenen Regeln, die das Leben der Menschen bestimmen - es war wie eine kleine Zeitreise.

Im Mittelpunkt steht Bailey, eine schwarze Schneiderin, die mit einer ganz besonderen Gabe gesegnet ist - wobei man sich fragen muss: Ist dieses Talent eher Segen oder Fluch? (Immerhin werden einem ungewollt intime Bilder fremder Menschen vor Augen geführt, ob man will oder nicht. - Ich für meinen Teil bin froh, nicht mit solchen Visionen konfrontiert zu werden.) Dieses Handlungselement fand ich so faszinierend! - Eine Frau, die rein durch Berührung die Sehnsüchte, Ängste und Geheimnisse anderer erkennt, und sich dennoch gezwungen sieht, zu schweigen.

Besonders gelungen fand ich, wie behutsam und zugleich eindringlich der Roman zeigt, was es bedeutet, eine schwarze Frau in dieser Zeit und Gesellschaft zu sein, ohne dass Diskriminierung oder Rassentrennung jemals plump in den Vordergrund gedrängt werden. Sie sind zwar allgegenwärtig, wurden aber gelungen in die Handlung eingebettet, fungieren nicht als reines Lehrstück.

Überrascht hat mich die Vielzahl an Perspektiven. Ich hatte zunächst mit einer ausschließlich auf Bailey fokussierten Erzählweise gerechnet, doch gerade diese zusätzlichen Blickwinkel - insbesondere jene von Elsa und ihrer Mutter Ingrid - verleihen der Geschichte zusätzlich Tiefe. Die Mutter-Tochter-Beziehung zwischen Ingrid und Elsa las sich intensiv und beklemmend zugleich. Macht, Kontrolle und gesellschaftlicher Druck (Stichwort: Familienimage) stehen hier im Mittelpunkt. - "Eine perfekte Familie brauchte Bewunderung von außen. Denn was war sonst der Sinn der ganzen Harmonie?"

Ganz anders: die Annäherung zwischen Bailey und ihrer Tante Charlene, die mich sehr berührt hat. Diese Beziehung wirkt wie ein ruhiger Anker im Sturm, voller Wärme, Verständnis, Zuverlässigkeit.

Der Spannungsaufbau ist ruhig und stetig, so geschieht der eigentliche (im Klappentext erwähnte) Mord erst relativ spät, was ich als cleveres, bewusst so gewähltes Stilmittel empfunden habe - der Fokus liegt somit lange auf der Atmosphäre, der Charakterzeichnung und den vielen inneren Konflikten. Es ist natürlich Geschmackssache, doch für mich hat dieser Aufbau wunderbar funktioniert.

𝗙𝗮𝘇𝗶𝘁:
Ein vielschichtiger, ungemein atmosphärischer Roman über Frauen, die (auf ganz unterschiedliche Weise) versuchen, ihre Stimme zu finden oder zurückzuerobern, und voller kluger Beobachtungen über Macht, Herkunft, Weiblichkeit und gesellschaftliche Erwartungen. Meine Highlights waren die außergewöhnliche Grundidee und der starke historische Hintergrund. Klare Leseempfehlung!

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