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Veröffentlicht am 24.11.2018

Ein mitreißendes Buch, das Jeder mal gelesen haben sollte. Unbedingte Leseempfehlung!

Hanna
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Mit „Hanna - Kriegsjahre einer Krankenschwester“ ist der Autorin Sandra Jungen ein fesselndes Werk über das dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte gelungen, das keine/n Leser/in unberührt lassen wird. ...

Mit „Hanna - Kriegsjahre einer Krankenschwester“ ist der Autorin Sandra Jungen ein fesselndes Werk über das dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte gelungen, das keine/n Leser/in unberührt lassen wird. Aus vielen Gesprächen mit ihrer Großmutter, auf deren Erinnerungen dieses Buch basiert, hat die Autorin einen bewegenden Zeitzeugenbericht erschaffen, in dem Realität und ein Bruchteil Fiktion mühelos ineinander übergehen.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht die junge, frisch examinierte Krankenschwester Hanna, die im Juni 1942 zum Einsatz an die Kriegsfront eingezogen wird und aus deren Perspektive die Erlebnisse erzählt werden. Wohin genau die Reise gehen soll, erfahren Hanna und ihre Kolleginnen erst unterwegs. Bald schon finden die jungen Damen sich in heillos unterbesetzten, behelfsmäßig organisierten Lazaretten wieder, umgeben von teilweise stark traumatisierten und desillusionierten Schwerverletzten. Schnell wird klar: die Darstellung der heimatlichen Propaganda hinsichtlich des Erfolgs der deutschen Truppen und die grausame Realität klaffen weit auseinander. "Im Krieg werden die Menschen zu Bestien." - Diese Aussage von Hannas Großmutter bewahrheitet sich auf erschütternde Weise.

Wer beim Lesen des Titels und der Inhaltsangabe befürchtet, dass dieser Roman hauptsächlich aus detaillierten Beschreibungen schwerer Verletzungen und Krankenhausalltag bestehe, dem kann ich diese Angst nehmen. - Zwar werden einige Szenen dieser Art thematisiert, nehmen allerdings in keiner Weise Überhand. Nichts wird beschönigt, aber auch nichts überdramatisiert. Viel mehr geht es um die menschliche, lebensbejahende Haltung Hannas, die sie im Umgang mit den Verwundeten sowie ihren Kollegen/innen an den Tag legt, obwohl sie zum Teil sogar deren Anfeindungen ausgesetzt ist und dennoch - in permanenter Sorge - weiterhin routiniert arbeiten muss. Schlaf und Nahrung werden zu Luxus, die Lazarette brauchen jede helfende Hand.

Bereits auf der ersten Seite hat mich der angenehm flüssige, authentische Schreibstil, mit dem die Autorin Hannas Gedanken und Emotionen einfühlsam wiedergibt, in den Bann gezogen und ich habe das Buch einfach nicht mehr aus der Hand legen können. Hanna ist eine wunderbare, tiefgründige Hauptfigur, die man gleich ins Herz schließt und am liebsten persönlich kennenlernen möchte. Ich kann kaum in Worte fassen, wie sehr ich mit ihrem Schicksal mitgefiebert habe und wie sehr mich ihre Warmherzigkeit, die sie sich unter den widrigsten Umständen bewahrt hat, berührt hat. Für sie ist Helfen mehr Herzenssache als Dienst am Vaterland. Während andere Krankenschwestern die Medikamente in Gott-ähnlicher Manier nach eigenem Urteil verwalten (das heißt, Medizin nur für die „sinnvollen Fälle“ aufheben und die zu stark geschwächten Soldaten einen qualvollen Tod sterben lassen), wirkt Hanna wie der rettende Engel. Zwar kann auch sie nicht jeden Soldaten am Leben erhalten, doch sie ist sich der Wirkung eines tröstenden Wortes, eines Lächelns, bewusst - freundliche Gesten, die für die Verwundeten und Todgeweihten Balsam für die Seele sind. Im von Luftangriffen verwüsteten München sind Hannas Tage geprägt von zermürbenden Fliegerwarnungen und sie muss am eigenen Leibe erfahren, wie nah Glück und Leid in Zeiten des Krieges beieinander liegen können.

Die fundierte Recherche zum historischen Hintergrund macht sich neben der nachvollziehbar strukturierten Reiseroute (die stets über Ort und Datum der Handlung informiert), auch in der Wortwahl der Dialoge bemerkbar: diese enthalten unter Anderem Mundart sowie einige für diese Epoche typische, umgangssprachliche Redensarten, über die ich oft habe schmunzeln müssen. Insgesamt würde ich den Schreibstil als durch und durch stimmig beschreiben; Sandra Jungen findet gekonnt die Balance zwischen Tragik und Leichtigkeit.

Auch einige Tränen habe ich während des Lesens vergossen; die Autorin versteht es meisterhaft, die verschiedensten Emotionen in den Leser/innen hervorzurufen - von Freude bis hin zu Abscheu oder Trauer habe ich alles durchlebt.

Das Cover finde ich sehr passend gewählt; es zeigt den blutbespritzten Kittel einer Krankenschwester, die - eingehüllt in einen Mantel - einsatzbereit ihren Koffer mit Utensilien bereithält. Die kühlen Farben (- bis auf die Blutspritzer und das rote Kreuz ist alles in Grautönen eingefärbt -) verstärken das Gefühl von Kälte und Schrecken.

Im Anhang erhalten die Leser/innen nicht nur eine aufschlussreiche Sammlung an Informationen zum historischen Hintergrund (einschließlich Details zu Hannas Reisestationen sowie zu vorkommenden realen Personen), sondern auch ein Glossar mit den wichtigsten zeitgenössischen Begriffen.

Fazit: Dieses sehr persönliche, aufwühlende Buch ist eine Ode an die Menschlichkeit - es ist das Portrait einer unerschütterlichen jungen Frau und ihrer bewussten Entscheidung, sich ihr Mitgefühl für Andere und ihren Optimismus auch in den schlimmsten Zeiten zu bewahren. Nicht nur Fans von historischen Romanen kann ich Hannas Geschichte wärmstens empfehlen; es ist ein Buch, das Jeder mal gelesen haben sollte. Ich bin auf jeden Fall restlos begeistert und werde es definitiv immer wieder lesen!

Veröffentlicht am 03.11.2018

"Kleine Stadt, große Gefühle"... - Ich.Herz.Redwood.

Redwood Love – Es beginnt mit einem Blick
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Bereits nach wenigen Kapiteln dieses fesselnden Auftaktes der Redwood-Trilogie bestellte ich mir vorsorglich Band 2 und 3...weil ich schon ahnte, dass ich von dem idyllischen und von Natur umgebenen Örtchen ...

Bereits nach wenigen Kapiteln dieses fesselnden Auftaktes der Redwood-Trilogie bestellte ich mir vorsorglich Band 2 und 3...weil ich schon ahnte, dass ich von dem idyllischen und von Natur umgebenen Örtchen Redwood mit seinen liebevoll beschriebenen Einwohnern nicht Abschied nehmen wollen würde.

"Cade, Flynn und Drake O'Grady führen das Vermächtnis ihres Vaters fort und betreiben gemeinsam die Tierarztpraxis ihrer Heimatstadt Redwood. Cade kümmert sich um den Großteil des Tagesgeschäfts, während Drake operiert und Flynn die Farmen der Umgebung betreut. In der Praxis läuft so alles rund. Oder zumindest denkt Cade das. Denn als Avery Stowe den Empfang übernimmt, wird aus dem geordneten Chaos plötzlich echte Ordnung. Allein dafür könnte Cade sie küssen. Und je besser er die alleinerziehende Mutter kennenlernt, desto mehr Gründe findet er, sie küssen zu wollen. Zu dumm, dass Avery gegen seinen Charme immun zu sein scheint. Aber so leicht gibt Cade nicht auf..."

Ich bin restlos begeistert. Dieses war mein erstes Buch von Kelly Moran und hat mich vollkommen überzeugt...so sehr, dass inzwischen auch bereits Band 2 und 3 ausgelesen sind. Ich wünschte, ich könnte mehr Sterne vergeben, allein schon für den angenehmen, flüssigen Schreibstil - die Seiten flogen nur so dahin, egal wie sehr ich mich bemühte, möglichst langsam zu lesen, weil die erschaffene Wohlfühlatmosphäre SO SCHÖN war. Selten habe ich mich so selbstverständlich in Charaktere hineinversetzen können, waren deren Gedanken und Motive so nachvollziehbar beschrieben, dass alles stimmig erschien im großen Ganzen. Die Autorin brilliert nicht nur in der Beschreibung der Hauptfiguren, auch die Nebencharaktere muss man als Leser/in einfach ins Herz schließen. Dies gilt insbesondere für Cades Brüder (den von Geburt an tauben Flynn und den um seine verstorbene Frau trauernden 'Brummbären' Drake) sowie für Averys autistische Tochter Hailey, welche sich hauptsächlich durch Gesten verständigen kann und nicht spricht. Einfühlsam und realistisch zugleich wird der Alltag mit einem Kind, das besondere Bedürfnisse hat, ein die Geschichte mit eingewoben. Averys Leben mit Hailey wird uns behutsam und schonungslos zugleich vor Augen geführt. Nichts wird beschönigt, aber auch nichts überdramatisiert...die Story gewinnt dadurch sogar an Leichtigkeit und ist alles andere als traurig. Hailey ist so reizend, dass sie die Leser völlig verzaubert.

Der US-Bundesstaat Oregon mit seinen üppigen grünen Wäldern, rauschenden Wasserfällen und zum Entlangspazieren einladenden langen Stränden bildet die perfekte Kulisse für diese gefühlvolle, mitreißende Geschichte. Das Kleinstädtchen Redwood, samt seinem für kleine Gemeinden typischen Tratsch und Klatsch, wirkt wie der perfekte Ort zum Heimkommen, wenn man Kummer vergessen und sein Leben neu gestalten möchte, auch wenn man darauf gefasst sein muss, als "Neuzugang" zunächst einmal Gesprächsthema Nummer 1 zu sein. Da ich Tiere über alles liebe, habe ich es sehr genossen, vom Alltag in der Tierklinik zu lesen. Die drei attraktiven O'Grady Brüder nehmen die Avancen der lokalen Damenwelt mit Humor und gehen alle gänzlich in ihrem Beruf auf.

Fazit: Ein sehr gelungener Start der Redwood-Trilogie. Meine Erwartungen wurden sogar noch übertroffen, man möchte das Buch gar nicht aus der Hand legen. Authentische Dialoge, sympathische Charaktere und eine Geschichte, die einfach glücklich macht.

Veröffentlicht am 08.04.2026

Neubeginn, der Mut macht

Dieser Sommer gehört mir
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Dieser rundum warmherzige, ehrliche, humorvolle Read aus der Feder von Claudia Schaumann war für mich ein wunderbar stimmungsvolles Leseerlebnis.

Wir begleiten Charlotte, 43, mitten in einem Umbruch: ...

Dieser rundum warmherzige, ehrliche, humorvolle Read aus der Feder von Claudia Schaumann war für mich ein wunderbar stimmungsvolles Leseerlebnis.

Wir begleiten Charlotte, 43, mitten in einem Umbruch: getrennt, bald geschieden, leeres Haus (aus dem sie beim Braten-Dinner höflich hinauskomplimentiert wird) … und ihre geliebten Kinder gehen mittlerweile eigene Wege.

Charlotte ist definitiv keine perfekte Heldin, handelt manchmal impulsiv, aber genau ihre "Ecken und Kanten" (- auch wenn ich kein Fan dieser Phrase bin, passt sie hier perfekt -) machen sie so herrlich relatable, so menschlich. Einfach echt. Sie ist eine zutiefst liebevolle, reflektierte Mutter, die sich plötzlich fragt: Wer bin ich eigentlich, wenn mich scheinbar niemand mehr 'braucht'? Was macht mich menschlich aus, wenn die Rolle der glücklichen Mutter und Gattin nicht mehr im Vordergrund steht?

Ihr Umgang mit dieser neuen Lebensphase, ihre Zweifel und Ängste (die völlig legitim waren), ihre Gedanken, dieses ständige Hinterfragen, ob sie als Mutter alles richtig gemacht hat … Ich hatte mehr als einmal Tränen in den Augen, weil all dies so nachvollziehbar beschrieben worden ist. Diese Angst, die Verbindung zu den eigenen Kindern könnte sich verändern… das hab ich dermaßen gefühlt! (Mein kleiner Schatz ist das Licht meines Lebens und ich habe schon jetzt riesengroßen Bammel vor der Teenagerzeit. Ja, ich weiß. Loslassen ist wichtig und richtig, aber … mein Herz … 🥲)

Erzählt wird auf zwei Ebenen, aus Charlottes Perspektive und aus der ihrer 16-jährigen Tochter Leni, die ein Auslandsjahr in England beginnt. Und hier muss ich wirklich ein großes Lob aussprechen: Der Autorin gelingt es fantastisch, die Stimmen in puncto Inhalt und Wortwahl voneinander zu unterscheiden. Leni klingt wirklich wie eine Jugendliche - authentisch, mal trotzig, mal unsicher -, während Charlotte mit ganz anderen Gedanken und Lebensthemen ringt. Auch die Entwicklung zwischen Mutter und Tochter habe ich sehr geliebt. Ihre Wieder-Annäherung, ganz ohne große Dramatik.

Ein weiterer Punkt, der mir richtig gut gefallen hat, war die allgemeine Darstellung von Beziehungen - und zwar nicht nur der schönen. Die toxische Dynamik rund um Stella sowie um ihre Mutter Karo: richtig gut! Was soll ich sagen, der Apfel fällt hier nicht weit vom Stamm. Grrr, was hätte ich diese beiden Figuren immer wieder an die Wand klatschen können! Gerade Karo, die Charlotte in einer ohnehin schwierigen Situation eher kritisiert als unterstützt, zeigt, wie sich vermeintliche Freundschaften als Schönwetter-Oberflächlichkeit entpuppen können. Umso schöner, dass es mit Sam und Ava auch echte, verlässliche Freundinnen gibt.

Ein paar Worte zum Setting … Das Tiny House am See? Ein absoluter Wohlfühlort! Ich habe jede Szene dort geliebt. Genauso wie das authentische Gastro-Flair rund um die Kneipe "Endstation", die Charlotte übernimmt. In diesen Beschreibungen steckt so, so viel Herzblut und reales Leben - ich konnte die Stimmung förmlich greifen.

Auch Lenis Zeit in England las sich interessant. Ihre entzückenden Gasteltern waren so knuffig! Auf mich wirkte ihr Heim total herzlich und ihr Zuhause eher cozy als altbacken - ganz ehrlich, ICH hätte mich dort sofort wohlgefühlt (das Dusch-Erlebnis mal ausgenommen). Und die Cotswolds stehen ohnehin schon lange auf meiner Wunschliste.

Schreibstil: gefühlvoll, lebensnah, flott & modern, angenehm durch und durch.

Die Liebesgeschichten laufen eher nebenbei mit; sie stehen nicht im Vordergrund, drängen sich nicht auf … und das war vollkommen okay. Hier zählt eher das große Ganze. Denn trotzdem gibt es schließlich ganz besondere Momente… Stichwort: "Schnee im Juli" - wow, ganz großes Kino! So romantisch, diese Geste des "feinen Kerls"! (Überhaupt habe ich die Musik, die immer wieder durchklingt und für einige Ohrwürmer gesorgt hat, unheimlich geliebt. Grandiose Auswahl.)

Für mich war es mein erster Roman der Autorin, aber garantiert nicht der letzte.

Fazit:
Klare Empfehlung für alle, die warmherzige Geschichten über Neuanfänge, Familie und das Leben selbst lieben.

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Veröffentlicht am 07.04.2026

Herrlich atmosphärisch!

Die Bücherfrauen von Listland. Der Duft des Strandhafers
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"Der Duft des Strandhafers" von Gabriella Engelmann war für mich ein richtig schönes, atmosphärisches Leseerlebnis.

Obwohl ich den ersten Band der Dilogie nicht kannte, hatte ich zu keinem Zeitpunkt ...

"Der Duft des Strandhafers" von Gabriella Engelmann war für mich ein richtig schönes, atmosphärisches Leseerlebnis.

Obwohl ich den ersten Band der Dilogie nicht kannte, hatte ich zu keinem Zeitpunkt das Gefühl, dass mir wichtige Informationen fehlen würden. Die Autorin hat die Handlung so geschickt aufgebaut, dass man problemlos in die Geschichte eintauchen kann - sehr leserfreundlich. Das Personenregister zu Beginn war ebenfalls eine große Hilfe.

Auch optisch hat mich das Buch sofort angesprochen; die frischen Blau- und Lilatöne des Covers passen perfekt zur Stimmung.

Inhaltlich dürft ihr euch auf eine gelungene Mischung aus Familiengeschichte, Gegenwartsliteratur und historischen Elementen freuen. Erzählt wird auf zwei Zeitebenen und aus verschiedenen Perspektiven, was ich sehr mochte. Die Übergänge zwischen den Kapiteln und Zeiten sind dabei fließend und angenehm zu lesen, nichts wirkt holprig oder konstruiert.

Mein absolutes Highlight war ganz klar die Atmosphäre. - Die detaillierten, bildreichen Beschreibungen der Inseln haben mich komplett abgeholt. Ich hatte beim Lesen wirklich das Gefühl, vor Ort zu sein, mitten im Geschehen. Einfach herrlich geschrieben und unglaublich stimmungsvoll.

"Mitte August war eine wundervolle Zeit auf Sylt: Um kurz vor sechs ging die Sonne auf und erst gegen neun Uhr abends unter. Es war meistens nicht mehr so heiß, und an manchen Tagen lag bereits ein Hauch von Herbst in der Luft. Die einst so kräftigen Farben verblassten nach und nach, besaßen jedoch immer noch genug Leuchtkraft. Die Heide blühte in sattem Lila oder Purpur, und es duftete herrlich nach Spätsommer, Nordsee, Salz und Verheißung."

Die Figuren sind insgesamt gut ausgearbeitet, wobei ich sagen muss, dass mir Anna in der Gegenwart deutlich näher (und sympathischer) war als Martje in der Vergangenheit. Annas Gedanken und Gefühle konnte ich besser greifen, während Martje für mich ein kleines Stück distanzierter blieb. Ihre Bindung zum väterlichen Freund Nanning liebte ich jedoch sehr.

Was die Geschichte zudem besonders macht, ist auch ihre Tragik. Sie zeigt eindrücklich, wie sehr Zufälle und Begegnungen das eigene Leben beeinflussen können … und dass man manchmal, ohne es zu merken, einen völlig falschen Weg einschlägt, wenn man sich von den falschen Menschen leiten lässt. Das war stellenweise wirklich schmerzhaft zu lesen, aber auch sehr berührend und eben vollkommen realistisch.

Es ist definitiv keine kitschige Liebesgeschichte, im Gegenteil - eher eine bewegende Geschichte über Verlust, schicksalhafte Entscheidungen, Reue, Sehnsucht, Familie und Wahrheitssuche, mit kleinen Lichtblicken dazwischen.

Ein Detail, das ich ebenfalls toll fand: die Erwähnung realer Buchhandlungen wie "Der Bücherwurm" in Westerland und "Die Büchertruhe" am Keitumer Watt.

Der Schreibstil der Autorin ist durchgehend einladend, flüssig und vor allem atmosphärisch dicht. Ich bin nur so durch die Seiten geflogen und habe das Buch in kürzester Zeit verschlungen!

𝗙𝗮𝘇𝗶𝘁:
Hat mir wunderbar gefallen! Klare Empfehlung für alle Leser:innen, die Insel-Feeling, Familiengeheimnisse und fesselnde, emotionale Geschichten lieben.

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Veröffentlicht am 06.04.2026

Bewegend, ehrlich, inspirierend

Liza - Kids, Wait Till You Hear This!
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"Am Anfang deiner Karriere, wenn du noch kein Geld hast, und später, wenn du genug Geld hast, wirst du feststellen, dass die Kunst das Einzige ist, das bleibt."

Diese Autobiografie … wie soll ich solch ...

"Am Anfang deiner Karriere, wenn du noch kein Geld hast, und später, wenn du genug Geld hast, wirst du feststellen, dass die Kunst das Einzige ist, das bleibt."

Diese Autobiografie … wie soll ich solch eine geballte Ladung pures Leben nur in Worte fassen? - Laut, glitzernd, schmerzhaft ehrlich und gleichzeitig voller Wärme, das sind die Gedanken, die mir als erstes in den Sinn kommen.

Schon direkt zu Beginn hatte ich mein persönliches Aha-Erlebnis: Liza ist die Tochter von Judy Garland. (!) Wie konnte ich das jemals nicht wissen?! (… zumal ich doch alte Hollywood-Filme so sehr liebe.) Ich habe sogar 'Meet Me in St. Louis' gesehen – den Film, bei dessen Dreh sich Lizas Eltern begegnet sind - allein dieser Gedanke hat beim Lesen eine ganz besondere Magie für mich entfaltet. Dieses - vermeintlich - goldene Hollywood, das mich seit jeher fasziniert (zumindest in puncto Filme - die damaligen Arbeitsbedingungen, nicht nur, aber insbesondere für Frauen, waren allerdings ein Albtraum).

Man spürt in jeder Zeile Lizas tiefe Verbindung zur Bühne, zur Musik, zu all den großen Gefühlen, zu jedem einzelnen Gast ihres Publikums. Ihre unerschütterliche Liebe zur Kunst an sich.

Der Schreibstil: Einerseits herrlich direkt, ungefiltert, humorvoll, selbstbewusst, stellenweise fast schon schon frech, provokant - aber auf sympathische Weise, mit einem Augenzwinkern. Eindeutig: Sie ist eine Ikone, muss nichts und niemandem mehr etwas beweisen. Andererseits wirken ihre Worte oft so verletzlich, dass es einem stellenweise den Atem nimmt.

Die vielen, vielen Fotografien im Buch fand ich wunderschön; sie machen das Gelesene noch greifbarer, lebendiger - als würde man gemeinsam durch Erinnerungen blättern. Nostalgie pur.

Lizas Leben gleicht einem Drahtseilakt, wir lesen von schwindelerregenden Höhen und tiefsten Abstürzen, von Cabaret bis hin zu persönlichen Kämpfen, die sie nie beschönigt. Gerade dieser schonungslose Blick auf Themen wie Sucht, Trauma, Verlust und Selbstfindung hat mich ungemein beeindruckt.

To name just a few details: Der Selbstmordversuch ihrer Mutter, die Scheidung ihrer Eltern, Reichtum, Partys … aber auch Sucht, psychische Erkrankungen, Verrat, finanzielle Abstürze. Große Namen & Glamour? En masse! Frank Sinatra, Elizabeth Taylor, Michael Jackson …

Ihre Ehe mit David Gest - ich musste teilweise wirklich den Kopf schütteln. Nicht, weil man es nicht versteht, sondern weil man merkt, wie verletzlich sie in diesem Moment war. Wie sehr sie einfach jemanden brauchte, der sie auffängt, sie wieder träumen lässt. … und wie sehr diese Sehnsucht ausgenutzt wurde. Das war keine Liebesgeschichte, sondern ein Absturz mit Ansage.

Natürlich findet das Drama rund um die Academy Awards und den berühmten Verrat Erwähnung - pure Sabotage. Warum nur??! Ich konnte das beim Lesen kaum ertragen. Diese Demütigung, dieses Gefühl, die Kontrolle über das eigene Bild zu verlieren - vor Millionen Menschen. Das war so ein Punkt, wo ich wirklich gemerkt habe, wie gnadenlos diese Branche sein kann. Glanz und Schmerz liegen im Showbusiness direkt beieinander. Wie gern hätte ich Liza dieses Trauerspiel erspart. Und ich muss ehrlich sagen, dass ich auf menschlicher Ebene ein Stück weit enttäuscht von Lady Gaga bin.

Die Beziehung zu Judy Garland ist eines der emotionalen Zentren dieses Buches. So viel Liebe, Bewunderung, Lachen … und gleichzeitig Angst, Verantwortung, Überforderung eines Kindes, das viel zu früh lernen musste, stark zu sein. Ständiges Schwanken zwischen Wärme und Unsicherheit, zwischen Geborgenheit und dem Gefühl, aufpassen zu müssen. Ein kleines Mädchen, das nicht weiß, welche Version seiner Mutter es heute erwarten wird. In gewisser Weise war es - in meinen Augen - ganz eindeutig emotionaler Missbrauch. Ihr Vater, Vincente Minnelli, hat mein Leserherz hingegen im Sturm erobert! So sanftmütig und liebevoll … Er war Lizas sicherer Hafen.

Was sich durch alles zieht: Verlust. Immer wieder Verlust. Von Menschen, Gesundheit, Kontrolle, Vertrauen. Dass der Körper irgendwann nicht mehr mitmacht. Dass die Welt weiterzieht. Und trotzdem steht Liza jedes Mal wieder auf. Nicht heldenhaft, sondern irgendwie einfach, weil sie muss.

Trotz all der Schwere ist dieses Buch kein trauriges, im Gegenteil: Es strahlt Hoffnung aus.

"[…] auch in der tiefsten Finsternis ist immer irgendwo ein Licht."

Vielleicht ist genau das die Essenz dieser Geschichte: Fallen. Aufstehen. Weitermachen. Und dabei nie die eigene Stimme verlieren. Den Gedanken, dass man sich selbst immer wieder neu zusammensetzen kann - egal, wie oft man zerbrochen ist -, empfinde ich als enorm tröstlich und inspirierend.

Liza hat meinen tiefsten Respekt - nicht nur für ihre Karriere, sondern dafür, dass sie sich traut, so ehrlich zu sein in Bezug auf Dinge, die viele einfach verschweigen würden.

𝗙𝗮𝘇𝗶𝘁:
Eine bewegende und gleichzeitig lebensbejahende Autobiografie, die zeigt, was es wirklich bedeutet, nicht nur zu überleben, sondern stets voller Anmut zu strahlen.

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