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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 18.01.2026

warmherzig und leise erzählt

Mortimers Geheimnis. Ein Kater, zwei Detektive und die Magie des Lesens
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In Martinville steht eines Morgens plötzlich ein kleines Bücherschränkchen, bewacht von einem getigerten Kater. Der 10-jährige Evan nimmt sich spontan zwei Bücher mit und entdeckt darin alte Ausleihkärtchen ...

In Martinville steht eines Morgens plötzlich ein kleines Bücherschränkchen, bewacht von einem getigerten Kater. Der 10-jährige Evan nimmt sich spontan zwei Bücher mit und entdeckt darin alte Ausleihkärtchen einer inzwischen längst verschwundenen Bibliothek. Je tiefer er und sein Freund Rafi der Geschichte der Bibliothek und der Bücher auf den Grund gehen, desto näher kommen sie einem Geheimnis, das Evans Leben auf ungeahnte Weise berührt.

Was für ein herrliches, warmherziges Buch! Mein Sohn (11) und ich waren hin und weg. Wunderbar leichtfüßig erzählt Rebecca Stead abwechselnd aus der Perspektive von Evan, dem Kater Mortimer und einer geisterhaften Bibliothekarin von Freundschaft und Zugehörigkeit, vom Loslassen und neu Anfangen und vom Zauber des Lesens. Wie ein Kater auf Samtpfoten schleicht sich die Geschichte mitten ins Herz und lässt einen mit einem Lächeln und einem warmen Gefühl zurück. Ganz große Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 08.01.2026

Gelungener Abschluss einer grandiosen Trilogie!

Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel
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Da ich die ersten beiden Bände der Familientrilogie, „Junge Frau, am Fenster stehend, Abendlicht, blaues Kleid“ und „Bei euch ist es immer so unheimlich still“, regelrecht verschlungen habe, war ich voller ...

Da ich die ersten beiden Bände der Familientrilogie, „Junge Frau, am Fenster stehend, Abendlicht, blaues Kleid“ und „Bei euch ist es immer so unheimlich still“, regelrecht verschlungen habe, war ich voller Vorfreude auf den dritten Band – und bin begeistert!

Der dritte Teil spielt auf zwei Zeitebenen. Die erste beginnt 1945 mit Kriegsende, als sich die 14-jährige Waise Marlen in einem Forsthaus in Güstrow in einer alten Kommode vor den Russen versteckt und dort ein Ölbild entdeckt, das sie an sich nimmt. Als Leser:in begleitet man Marlen durch die folgenden Jahre.

Die zweite Zeitebene spielt im Jahr 2023, sieben Jahre nach dem Ende des ersten Bandes. Hannah ist nun 34 Jahre alt und lebt mit ihrer besten Freundin Rubi in einer WG. Diese ist jedoch schwanger und zieht mit ihrem Freund in eine Kommune nach Brandenburg, und Hannah vermietet das freie Zimmer etwas unüberlegt an Justus, den Neffen einer Arbeitskollegin. Aus heiterem Himmel taucht außerdem plötzlich ihr leiblicher Vater auf, der bisher lediglich durch Abwesenheit glänzte, und bemüht sich um sie. Hannah ist überfordert. Warum hat er sich früher nie bei ihr gemeldet? Und welche Rolle spielten ihre Mutter Sylvia und ihre Großmutter Evelyn dabei?

Alena Schröder schreibt wieder so lebendig, abwechslungsreich und unterhaltsam, dass ich das Buch nicht aus der Hand legen konnte. Besonders liebe ich ihre herrlich pointierten und manchmal leicht überzeichneten Charaktere in den Nebenfiguren, wie etwa den Mitbewohner Justus, der ein wandelndes Berlin-Kreuzberg-Klischee ist. Das muss man sicherlich mögen, aber ich habe diese Abschnitte einfach genossen!

Anmerkung: Es ist grundsätzlich möglich, den dritten Teil als eigenständiges Buch zu lesen, aber ich würde dringend dazu raten, mindestens Band 1 vorher durchzuschmökern, um das volle Lesevergnügen zu haben und alle Zusammenhänge zu verstehen, da gerade diese beiden Bände eng miteinander zusammenhängen.

Alena Schröder wechselt in diesem Band besonders oft zwischen verschiedenen Perspektiven, auch Nebencharaktere erhalten ihre eigenen Kapitel. Zwischendurch habe ich mich gefragt, ob das nicht ein bisschen zu sehr in die Breite geht. Rückblickend hätte ich lieber auf zwei oder drei Blickwinkel verzichtet und wäre dafür noch tiefer in Marlens Leben eingetaucht. Insbesondere mit der merkwürdigen Haushälterin Burgel konnte ich wenig anfangen. Dies ist aber nur ein winziger Kritikpunkt, der für mich kaum ins Gewicht fällt, da mich beide Zeitstränge gefesselt haben und ich insbesondere auch den Schluss des Buches rundum gelungen und sehr berührend fand.

Der dritte Teil ist für mich der perfekte Abschluss einer sehr bewegenden Trilogie, die vier Frauengenerationen einer Familie zwischen 1922 und 2023 begleitet, und damit durch die deutsche Geschichte von der Weimarer Republik, der Zeit des Nationalsozialismus und dem Zweiten Weltkrieg über die Bundesrepublik bzw. die DDR bis zur Wendezeit und in die Gegenwart. Am Ende war ich beinahe traurig, dass ich Senta, Evelyn, Sylvia und Hannah nun loslassen muss, so vertraut waren sie mir inzwischen geworden.

Von mir eine ganz große Leseempfehlung für die gesamte Trilogie!


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Veröffentlicht am 28.12.2025

sehr bewegend

Für immer
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Auch 10 Jahre nach der Tat von Rupperswil erinnere ich mich noch sehr gut an die damalige Berichterstattung, auch in den deutschen Medien, und an das Entsetzen und Grauen, das ich beim Lesen empfand. Mein ...

Auch 10 Jahre nach der Tat von Rupperswil erinnere ich mich noch sehr gut an die damalige Berichterstattung, auch in den deutschen Medien, und an das Entsetzen und Grauen, das ich beim Lesen empfand. Mein tiefstes Mitgefühl gilt den Angehörigen wie Herrn Metger, der mit „Für immer“ ein sehr bewegendes Buch geschrieben hat. Aus Respekt vor den Opfern spart Metger Details der Tat aus und gibt auch dem Täter nicht mehr Raum als unbedingt nötig, denn „Für immer“ ist den Menschen gewidmet, die er durch den Vierfachmord verloren hat: Seine Lebensgefährtin, seine beiden Ziehsöhne und die Freundin des älteren Ziehsohnes. Indem er die Erinnerung an sie lebendig hält, sorgt er dafür, dass sie niemals in Vergessenheit geraten. Darüber hinaus beschreibt Metger, wie er selbst den Tattag, die folgenden Wochen und Monate erlebt hat. Da er und seine frühere Familie zunächst selbst in Visier der Ermittler geraten sind, schildert er zudem, welch emotionaler Belastung auch diejenigen ausgesetzt sind, die unverschuldet unter Tatverdacht geraten. Nicht auszudenken, wie man damit umgehen sollte, wenn der Täter nicht gefasst worden wäre. Metgers Erfahrungen zeigen, dass die Angehörigen und Opfer von Gewaltverbrechen mit den physischen und psychischen Folgen oft alleingelassen werden und sich Polizei und Justiz auch in der Schweiz in erster Linie auf den bzw. die Täter fokussieren.
Mich hat dieses Buch sehr berührt, und ich wünsche Herrn Metger und allen Angehörigen weiterhin viel Kraft.

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Veröffentlicht am 15.12.2025

Eindrucksvoll und bewegend

Der brennende Garten
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V.V. Ganeshananthan schreibt in „Der brennende Garten“ über den jahrzehntelangen Bürgerkrieg in Sri Lanka. Aus der Sicht von Sashi, einer jungen Frau einer privilegierten Kaste, erlebt man als Leser:in ...

V.V. Ganeshananthan schreibt in „Der brennende Garten“ über den jahrzehntelangen Bürgerkrieg in Sri Lanka. Aus der Sicht von Sashi, einer jungen Frau einer privilegierten Kaste, erlebt man als Leser:in die 1980er Jahre in Jaffna. Sashi ist zu Beginn 16 Jahre alt und lebt zusammen mit ihren Eltern und drei älteren sowie einem jüngeren Bruder. Die Familie ist wohlhabend, gebildet und eher progressiv, das Familienleben ist harmonisch. Die Kinder bereiten sich auf die Universität vor, schätzen Musik und Literatur und möchten Ärzte bzw. Ärztin oder Ingenieur werden. Als der Bürgerkrieg ausbricht, verändert das Sashis Leben radikal, und sie ist plötzlich mitten im Geschehen. Zwei ihrer Brüder schließen sich der LTTE an, und der Nachbarsjunge, in den Sashi verliebt ist, nimmt eine ranghohe Stellung bei den Tamil Tigers ein. Auch wenn Sashi Gewalt verabscheut und mit vielem bei den Tamil Tigers nicht einverstanden ist, findet sie sich doch immer wieder zwischen den Fronten wider.

Eindrucksvoll schildert Ganeshananthan, wie aus normalen jungen Menschen Mitglieder einer Terrormiliz werden. Die wechselseitigen Kriegsverbrechen von Singhalesen, verschiedenen tamilischen Rebellengruppen, den Regierungstruppen Sri Lankas und den indischen Friedenstruppen vertiefen die Gräben und verschärfen das Leid der Zivilbevölkerung. Junge Männer werden von den Rebellen zwangsrekrutiert, wahllose Hinrichtungen sind an der Tagesordnung und Frauen sind sexueller Gewalt ausgesetzt.

Die Autorin erzählt eindringlich und berührend aus der Ich-Perspektive, wobei sie immer wieder den Leser bzw. die Leserin mit „Ich will, dass Du verstehst (…)“ bzw. „Du musst verstehen (…)“ direkt anspricht. Auch wenn ich grundsätzlich nachvollziehen kann, warum sie dies tut, wirkt es aufgrund der Häufigkeit aufgesetzt und von oben herab. Das hat mich beim Lesen leider etwas gestört.

Da immer wieder tamilische Begriffe fallen, wäre ein Glossar wünschenswert gewesen. Auch ein einordnendes Nachwort, bei dem die Autorin darauf eingeht, welche Figuren oder Ereignisse real sind oder fiktiv, hätte ich sehr hilfreich gefunden. Ganeshananthan erwähnt im Nachwort, dass sie ein kompliziertes Verhältnis zu Erklärungen hat. Das ist schade, denn sie hätte zB klarer darstellen können, dass Rajani Thiranagama als reales Vorbild für die Figur Anjali Premachandran diente.

Ungeachtet dieser kleinen Kritikpunkte ist „Der brennende Garten“ ein sehr lesenswertes und bewegendes Buch, das einen jahrzehntelangen Konflikt, der hier im Westen eher am Rande wahrgenommen wurde, in den Mittelpunkt rückt.

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Veröffentlicht am 15.12.2025

Eine heimelige Wintergeschichte, die zum Mitmachen einlädt

Komm mit, Weihnachtseselchen
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„Komm mit, Weihnachtseselchen“ ist ein liebevoll illustriertes, warmherziges Kinderbuch, das auf jeder Seite zum Mitmachen anregt. Ob pusten, reiben, zeigen, Mut zusprechen – auf vielfältige Weise können ...

„Komm mit, Weihnachtseselchen“ ist ein liebevoll illustriertes, warmherziges Kinderbuch, das auf jeder Seite zum Mitmachen anregt. Ob pusten, reiben, zeigen, Mut zusprechen – auf vielfältige Weise können die Kleinsten selbst aktiv Teil der Geschichte werden. Die gewählten Farben sind warm und heimelig, und beim Durchblättern kommt sofort Winterstimmung auf. Die Tiere sind sehr niedlich gezeichnet, ohne übertrieben zu wirken und erzeugen sofort eine freundliche Atmosphäre.

Der Begriff „Weihnachtseselchen“ ist allerdings etwas irreführend: Auch wenn Ochs und Esel einem Stern folgen und in einem Stall ein Lämmchen vorfinden, ist der Bezug zur Weihnachtsgeschichte doch eher lose, da weder Maria, Josef und Jesus noch Engel oder die Heiligen Drei Könige vorkommen. Für die Altersgruppe ab 2 Jahren dürfte das jedoch eher nebensächlich sein.

Fazit: Wer keinen explizit religiösen Bezug sucht, findet mit diesem Buch ein perfektes Winter-Mitmachbuch für die Allerkleinsten!

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