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Veröffentlicht am 30.06.2021

Ein Fitzek, der mit seinen Lesern spielt

Amokspiel
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Mit Amokspiel hat Bestseller Autor Sebastian Fitzek wieder einen sehr fesselnden Thriller geschrieben, der mich mit seinem Facettenreichtum und immer neuen, überraschenden Wendungen sofort abholen konnte. ...

Mit Amokspiel hat Bestseller Autor Sebastian Fitzek wieder einen sehr fesselnden Thriller geschrieben, der mich mit seinem Facettenreichtum und immer neuen, überraschenden Wendungen sofort abholen konnte.

Wir begleiten die rennomierte Kriminalpsychologin Ira Samin. Ira hat eigentlich einen festen Plan, wie ihr Tag ablaufen soll. Nach einer letzten, erfrischenden Cola Light Lemon, würde sie sich in ihre Wohnung zurückziehen und nach sorgfältiger Vorbereitung Selbstmord begehen. Aber sie kommt nicht mal an ihr Erfrischungsgetränk, ehe sie unerwartet als Verhandlungsführerin für eine heikle Geiselnahme angefordert wird. In einem großen Berliner Radiosender hält ein Mann mehrere Geiseln in seiner Gewalt und droht damit, stündlich eine von ihnen zu erschießen. Um die Sache interessanter zu machen, hat er das beliebte Radio-Spiel "Cash-Call" in eine tödliche Variante verwandelt. Wer auch immer in Berin von nun an sein Telefon geht und mit der falschen Parole antwortet, könnte möglicherweise für den Tod einer Geisel sorgen. Es beginnt ein Wettrennen gegen die Zeit, das sich scheinbar nur lösen lässt, wenn der Geiselnehmer aufgibt. Seine einzige Bedingung dafür: Er will seine Verlobte sehen. Aber es gibt ein großes Problem für Ira und ihr Kollegen: Die Verlobte lebt nicht mehr.

Die Geschichte spielt sich in einem rasanten Tempo ab und immer neue Erkenntnisse und Wendungen sorgen dafür, dass die Spannung stets auf einem hohen Level bleibt. Toll waren für mich wieder auch die Zusammenhänge, die sich erst vollständig gegen Ende des Buches offenbart haben. Gepaart mit einer meisterhaften Wendung, wie nur Fitzek sie beherrscht, kam am Schluss, wo man schon nicht mehr damit rechnen würde, eine Überraschung aus heiterem Himmel.
Auch die Charaktere waren wieder gut durchdacht. Wir erleben die Geschichte überwiegend aus einer Wechselnden Perpektive zwischen Ira Samin und dem Geiselnehmer Jan May.

Während Ira auf ihre Weise zwar Komplex aber noch am ehesten durchschaubar war, konnte besonders Jan May's Figur mich in vielerlei Hinsicht überraschen. Nach und nach seine Geschichte durchblicken zu können hat mich sehr an die Geschichte gebunden, sodass ich es bisweilen schwer hatte, beim Lesen auch einmal Pausen einzulegen. Trotzdem finde ich es erwähnenswert, wie Interessant es war, aus Iras Sicht das Geschehen zu verfolgen. Gerade in der Anfangsphase, wo ja oft über Sympathien zu den Charakteren entschieden wird, hat Ira eher etwas Abschreckendes und so ganz ist es mir bis zum Ende auch nicht gelungen, sie lieb zu gewinnen. Verständnis, definitiv aber eben keine Sympathie. Üblicherweise stört es mich eher, wenn ich insbesondere zu der Hauptfigur keine wirkliche Bindung aufbauen kann. Das war bei Amokspiel klar nicht der Fall.

Zum Schreibstil kann ich nicht viel mehr sagen, als dass er absolut mitreißend war. Typisch Fitzek eben.
Für meinen Geschmack kamen die Worte "abgewrackte Alkoholikerin" und "Cola Light Lemon" eine Spur zu häufig vor, aber das nur als kleine persönliche Randbemerkung.

Was soll ich noch sagen. Mich hat die Geschichte ab Sekunde 1 an mitgenommen. Intelligent konstruiert, mit raffinierten Figuren und einer interessanten Ausgangssituation ist Amokspiel ein tolles Buch für begeisterte Thriller-Leser und solche die es werden wollen. Von mir auf jeden fall eine Leseempfehlung.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 04.03.2026

Sehr besonders

Ich, die ich Männer nicht kannte
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Ich, die ich Männer nicht kannte von Jacqueline Harpman ist ein einzigartiges Buch, das sich keiner Kategorie so wirklich unterordnen will. Im Kern wohl am nächsten dran an einer dystopischen Erzählung, ...

Ich, die ich Männer nicht kannte von Jacqueline Harpman ist ein einzigartiges Buch, das sich keiner Kategorie so wirklich unterordnen will. Im Kern wohl am nächsten dran an einer dystopischen Erzählung, versetzt einen der Roman in eine befremdliche neue Realität und zwingt einen dazu sich mit Überleben, Freiheit und der ganz essenziellen Frage auseinanderzusetzen, was es überhaupt bedeutet Mensch zu sein. Man begegnet der namenlosen Erzählerin in einem Keller, in dem sie eingesperrt mit 39 anderen Frauen lebt, ein jeder Aspekt ihres Lebens von einer unbekannten Entität bestimmt. Es ist die einzige Realität, die sie je kannte. Bis sich eines Tages eine Tür öffnet und die Frauen in eine Welt entlässt, die nur Fragen, niemals Antworten für sie bereithält.
Der Schreibstil ist schlicht und gerade zu Anfang war ich überrascht, wie sachlich er sich anfühlt. Es war fast, als bestünde eine greifbare Distanz zwischen mir und der Erzählerin, ein Befremden angesichts ihrer ungewöhnlichen Stimme. Bis man etwas mehr darüber erfährt, welche Umstände sie geformt haben. Erst dann begreift man, wie einzigartig ihre Erzählstimme eigentlich ist. Was bleibt? Was macht einen aus, wenn sich sämtliche Erfahrungen des Lebens in einem abgegrenzten, künstlichen Raum mit den immer selben Leuten beschränken? Wenn man nie erlebt hat, wie sich die Sonne auf der Haut anfühlt oder das Gras unter den Füßen. Weshalb Wörter lernen wie Vogel oder Flugzeug, wenn man beides nie gesehen hat und niemals sehen wird. Unsere Erzählerin, die so beraubt von Einflüssen und Erfahrungen ist, die wir in unserem Alltag meist für selbstverständlich halten, bringt all das und mehr in ihrer Stimme zusammen. Es fällt schwer in Worte zu fassen, wie sich das beim Lesen angefühlt hat. Noch schwerer es in so banale Kategorien wie gut oder schlecht einzuteilen. Es war einfach anders. Einzigartig. Ich habe mich beim Lesen an McCarthys The Road und Emily St. John Mandels Station Eleven erinnert gefühlt, wobei Einsamkeit und Ungewissheit hier irgendwie ungleich viel schlimmer und drückender ausgearbeitet sind.
Über den Inhalt an sich will ich nicht viel sagen. Ich finde je weniger man weiß was einen erwartet, desto besser. Was ich aber ansprechen will ist mit welcher Erwartungshaltung man an dieses Buch rangehen sollte. Es ist definitiv kein comfort-read, kein gemütlich-zum-einkuscheln-und-mal-zwischendurch-lesen Buch. Wer in Büchern einen runden Abschluss, ein großes Finale oder happy-end sucht und alle offenen Fragen beantwortet haben will, wird hier nicht fündig. Und auch wenn man es bei dem Titel vielleicht vermuten könnte, findet in dem Roman keine tiefgreifende Auseinandersetzung damit statt, warum eine Welt ohne Männer besser oder schlechter wäre. Es ist schlicht ein weiterer Umstand im Leben der Protagonistin. Das Patriachat oder starre Geschlechterrollen lernt sie nicht kennen, weil sie Männer nicht kennt. Da darf der Titel gerne wörtlich verstanden werden. Das alles soll aber keineswegs abschrecken, denn lässt man sich drauf ein, kann Ich, die ich Männer nicht kannte eine unglaublich tolle Leseerfahrung werden. Es ist ein Roman, der zum Nachdenken anregt, unaufgeregt ist und dennoch intensiv und über den man noch lange nachdem man die letzte Seite hinter sich gelassen hat nachdenken wird.

Veröffentlicht am 09.02.2026

Der Fischer im Netz

Prost, auf die Fischer
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Ein Betriebsausflug der etwas anderen Art erwartet die Kolleginnen und Kollegen der Brunngrieser Polizeidienststelle, als sie bei ihrer Wanderung hinauf zum idyllischen Frillensee auf die Leiche von Harald ...

Ein Betriebsausflug der etwas anderen Art erwartet die Kolleginnen und Kollegen der Brunngrieser Polizeidienststelle, als sie bei ihrer Wanderung hinauf zum idyllischen Frillensee auf die Leiche von Harald Lorenz stoßen. So wird aus Kaffee und Kuchen mit Seeblick ganz schnell eine Mordermittlung! Gut nur, dass unser Top-Ermittler-Team einen reichen Erfahrungsschatz mitbringt, denn der inzwischen 12. Fall für Tischler und Fink hat es wieder ganz schön in sich. Wie landete der ortsansässige Fischer tot in einem Netz, noch dazu in einem See, in dem nicht gefischt werden darf? Ein Blick in das persönliche Umfeld von Harald Lorenz lässt erkennen, dass sich das Opfer zu Lebzeiten so einige Feinde gemacht hat. Die Frage bleibt also, wem Herr Lorenz derart auf die Füße getreten ist, dass er am Ende dafür sterben musste.
Mit Prost, auf die Fischer hat Autor Friedrich Kalpenstein wieder einmal einen wunderbar humorvollen Krimi in die Welt entlassen, der sich hervorragend in die Prost-Reihe einfügt. Mittlerweile fühlt es sich an wie nach Hause kommen, wenn man die ersten Seiten aufschlägt und all die lieb gewonnenen Figuren wieder in die Arme schließen kann. Bei all dem Chaos in der Welt, kann man sich zumindest darauf verlassen, dass Luise stets einen brühfrischen Brunello parat hat, das KRAUSE eine neue kulinarische Attraktion auf der Tageskarte zum Besten gibt und Frau Kneidinger schneller mit Informationen aufwarten kann als die CIA.
Nicht weniger unterhaltsam sind auch die wendungsreichen Ermittlungen im Fall Harald Lorenz ausgefallen. Mit cleveren Finten, überraschenden Hinweisen und spektakulären Enthüllungen wird es nie langweilig und man ist als Leser bestens aufgestellt zum Miträtseln und Spekulieren. Damit bringt Prost, auf die Fischer alles mit, was ich mir von einem tollen Provinz-Krimi erhoffe, und bestätigt einmal mehr, warum ich so sehr an dieser Reihe hänge. Ein durchweg empfehlenswerter 12. Teil, der mich schon jetzt mit Vorfreude auf die Fortsetzung zurücklässt.

Veröffentlicht am 19.01.2026

Starker Reihenauftakt

The Ordeals
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The Ordeals von Autorin Rachel Greenlaw, erschienen am 17.01.2026 im Klett-Cotta Verlag ist ein spannender, mitreißender Roman, den man in der wild wachsenden Landschaft des Romantasy Genres definitiv ...

The Ordeals von Autorin Rachel Greenlaw, erschienen am 17.01.2026 im Klett-Cotta Verlag ist ein spannender, mitreißender Roman, den man in der wild wachsenden Landschaft des Romantasy Genres definitiv im Blick behalten sollte. Randvoll mit faszinierender Magie, tödlichen Herausforderungen und erschütternden Geheimnissen entführt der Roman seine Leserschaft in die geheimnisumwitterten und düsteren Hallen der Killmarth Academy. Hier liegen alle Hoffnungen und Träume unserer Protagonistin Sophia De Winter, denn nur hinter den schützenden Barrieren von Killmarth kann sie dem undurchschaubaren Ränkeschmieden ihres Onkels entfliehen. Gebunden durch einen magischen Vertrag ist Sophia seit ihrer frühsten Kindheit dazu verdammt für ihn, den sie nur als den Sammler kennt, zu arbeiten. Aber damit soll nun endlich Schluss sein. Sophia ist bereit ihre Ketten zu sprengen und alles zu riskieren, um einen der hart umkämpften Studienplätze an der Elite-Akademie zur ergattern. Sie will eine voll ausgebildete Magie-Wirkerin werden und ein für alle Mal der Kontrolle ihres Onkels entfliehen. Doch um einer tödlichen Gefahr zu entkommen, muss sie sich erst einer weiteren stellen. Nur wer die brutalen Aufnahmeprüfungen besteht, wird seinen Traum von einem Studium in Killmarth erfüllen können und alsbald muss Sophia bei den Ordeals nicht nur um ihr Leben kämpfen, sondern wohlmöglich auch um ihr Herz.
Das Buch kommt in einem wunderschönen Design, komplett mit geprägter Buchdecke, schimmerndem Golddruck und einem rundum gestalteten Farbschnitt und passt für meinen Geschmack hervorragend zur Geschichte und ihrer Stimmung. Zu meiner großen Freude hat mich das Buch aber nicht nur mit seinem schönen Äußeren bezirzt, sondern konnte mit auch inhaltlich total abholen. Der Schreibstil ist sehr leichtgängig und einnehmend, während es der Autorin hervorragend gelingt, gleich zu Anfang eine düstere und mysteriöse Atmosphäre zu etablieren, die einen durch das ganze Buch hindurch begleitet. Ich bin eigentlich nicht der allergrößte Dark Academia Fan (irgendwie ist der Funke nie übergesprungen), aber hier hat es für mich absolut funktioniert. Als würde man selbst in einem burgunderroten Rollkragenpullover frühmorgens an den Klippen von Killmarth stehen, den kalten Dunst der Küstenluft spürend und darüber nachsinnend, mit welcher Taktik man das nächste Ordeal am ehesten überlebt. Darüber hinaus hat mir gefallen, wie viel die Autorin in der Handlung zusammengebracht hat, ohne dass die Story überladen wirkte. Ein bisschen Konkurrenzkampf am Elite-College, eine Spur Murder-Mystery, ein faszinierendes Magiesystem, alles oder nichts Action Szenen und auf die gute Portion Romance musste man auch nicht verzichten. Letzteres hat sich nach meinem Gefühl auch gut in die Story eingefügt, wobei die Entwicklung zwischen Sophia und Alden für mich persönlich etwas schnell passiert (ich bin aber auch die-hard fan von Slow Burn, es ist also eher ein halber Kritikpunkt).
Die Protagonisten haben mir allesamt ganz gut gefallen, allerdings stach für mich keiner von ihnen besonders heraus. Sophia, wenn auch glaubhaft als Charakter ausgestaltet und überwiegend nachvollziehbar in ihren Handlungen und Entscheidungen, wirkte alles in allem ein bisschen austauschbar. Ich hing tatsächlich mehr an der Handlung als an ihrer individuellen Entwicklung, falls das irgendwie nachvollziehbar klingt. Zumindest bei Tessa und Greg war ich emotional etwas investierter. Am meisten mochte ich tatsächlich, dass einen die Autorin bei den meisten Figuren lange Zeit im Unklaren lässt, ob ihnen zu trauen ist. Was sind ihre Absichten? Verbirgt sie was? Ist er wirklich so wie es scheint? Ich war ständig auf der Hut und das war ein großes Plus in Puncto Unterhaltung.
Mein vielleicht größter Kritikpunkt wäre, dass die Sprache im Verlauf der Handlung manchmal sehr pathetisch geworden ist, besonders wenn Sophia mal wieder eine Erkenntnis über sich, ihre Gefühle oder jemand anderen und dessen Gefühle hatte. Dann hat sie eine bestimmte Situation oder Erkenntnis auf diese übertrieben hochtrabende Art durch analysiert und ein wenig Kalenderspruch-artig ihr Fazit gezogen. Das war definitiv nicht meins, obwohl ich fairerweise sagen muss, dass es mehr lustig als störend war.
Alles in allem hat mich The Ordeals dennoch super positiv überrascht. Während der ersten Kapitel war ich noch skeptisch, aber ehe ich mich versah, war ich mittendrin in dem Chaos aus Feuer, Illusionen, Ranken und Attentaten. Atmosphäre und Tempo haben ihr Übriges getan, sodass ich irgendwann richtig an den Seiten geklebt habe. Total unterhaltsam und abwechslungsreich, mit einem Finale das gespannt auf eine Fortsetzung macht.

Veröffentlicht am 20.07.2025

Ein absolut packendes Debut

A Dance of Lies
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A Dance of Lies: Die Spionin von Autorin Brittney Arena ist ein wunderschöner Fantasy Roman voller Kunst, Intrigen und verbotenen Gefühlen. Im Zentrum der Erzählung steht die junge Tänzerin Vasalie Moran, ...

A Dance of Lies: Die Spionin von Autorin Brittney Arena ist ein wunderschöner Fantasy Roman voller Kunst, Intrigen und verbotenen Gefühlen. Im Zentrum der Erzählung steht die junge Tänzerin Vasalie Moran, die, einst fälschlich des Mordes bezichtigt, all ihre Kraft und Agilität eingebüßt hat und nur noch als ausgehungerter Schatten in den Gemäuern der Kerker existiert. Bis ihr König und Kerkermeister Illian einen Ausweg bietet. Vasalie soll sich als Tänzerin in das Künstlerensemble einschleichen, welches bei der Zusammenkunft der Kronen auf Anell für das Unterhaltungsprogramm zuständig ist und für ihn als Spionin am Hofe seines Bruders König Anton Aufträge ausführen. Ob Vasalie sich trotz ihrer körperlichen Versehrtheit inmitten politischer Ränkeschmiede, skrupelloser Könige und aufkeimender Gefühle behaupten kann, ist auf rund 500 spannenden Seiten zu lesen.
Vorweg soll gesagt sein, dass sich der Klett-Cotta Verlag bei der Gestaltung des Buches wieder einmal selbst übertroffen hat. Vom Farbschnitt bis zur Buchdecke ist es ein wirklich wunderschönes Buch. Ich liebe auch sehr, dass das Cover die Glaskunst, welche in Anell so detailreich beschrieben wird, mit aufgreift, wobei es mir mit den kräftigen Farben sogar noch besser gefällt als das englische Pendant.
Inhaltlich konnte mich A Dance of Lies ebenfalls abholen, wenn auch nicht in jeder Facette. Aber dazu später. Der Schreibstil hat mir auf Anhieb gut gefallen und er hat mich hervorragend durch die Geschichte getragen. Er ist flüssig und bildhaft, ohne ins Prätentiöse abzudriften, wie ich es bei so manch anderem gehypten Romantasy Buch erlebt habe. Besonders die Tanzszenen hat die Autorin wirklich toll beschrieben, als würde sich jede Bewegung aus der Seite herauslösen, um vor dem inneren Auge noch klarer zu werden.
Auch die Charaktere sind toll ausgearbeitet, von Illian, den man ohne schlechtes Gewissen und voller Leidenschaft verachten kann, über Anton, der mit seiner Art und besonders seinem Charme trotzdem nicht so leicht zu durchschauen ist, bis zu den kleineren Nebenfiguren wie Brigitte oder Laurent. Vasalie als Hauptfigur macht einen guten Job, die Geschichte zu tragen. Es war wirklich spannend ihre Entwicklung zu verfolgen, wie sie sich nach der langen Zeit im Kerker wieder in ihr Leben zurück kämpft und lernt ihre Rolle als Spionin zu navigieren. Man hat bei ihr nie vergessen, dass hinter jeder Entscheidung ihr ungebrochener Wille zu Überleben steht. Besonders spannend waren in dem Kontext auch die Momente, in denen Illian etwas besonders Abscheuliches von ihr verlangt hat und sie versucht hat einen Weg zu finden, der sie Überleben lässt, ohne alles zu verraten zu müssen, woran sie glaubt. Nicht ganz so gelungen fand ich tatsächlich den Spagat zwischen der Darstellung ihres Handicaps infolge der Inhaftierung und ihrer Tanzfähigkeit. Es ist für die Story natürlich essenziell, dass es Vasalie gelingt zumindest annähernd ihr altes Niveau zu erreichen, aber wenn sie teilweise keinen Gang entlang gehen kann, ohne fast zusammenzubrechen, passt es irgendwie nicht so richtig, dass sie stundenlanges Training und aufwendige Performances durchstehen kann und die Erschöpfung sie erst danach einholt, wenn sie allein ist.
Zur Handlung sei am Ende noch gesagt, dass die Geschichte einen guten Spannungsbogen und ein solides Tempo mitbringt. Nach einem sehr guten Einstieg ging es für meinen Geschmack etwas träge weiter, aber das hat sich recht schnell wieder gelegt. Sobald die Vorgänge in Antons Palast erstmal an Fahrt aufnehmen, gibt es kaum einen langweiligen Moment. Besonders zum Ende hin macht die Geschichte nochmal einige interessante und unerwartete Entwicklungen durch. Das Love-Triangle hätte es für mich nicht gebraucht, aber das liegt hauptsächlich daran, dass ich einfach kein Fan dieses Tropes bin.
Insgesamt hat A Dance of Lies bei mir aber echt Eindruck hinterlassen und ich hoffe es wird eine Fortsetzung geben. Es ist eine leidenschaftliche und fesselnde Geschichte, die mit einer spannenden Handlung und authentischen Charakteren überzeugt. Ich kann sie daher unbedingt empfehlen.