Platzhalter für Profilbild

hanka81

Lesejury Star
offline

hanka81 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit hanka81 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 11.02.2026

Zwischen Trümmern und Neubeginn

Berchtesgaden
2

Was mit der Geschichte um Sophie und Magda beginnt, die in den allerletzten Kriegsstunden die Gunst der Stunde nutzen, um in den verlassenen Häusern auf dem Obersalzberg zu plündern, verzweigt sich danach ...

Was mit der Geschichte um Sophie und Magda beginnt, die in den allerletzten Kriegsstunden die Gunst der Stunde nutzen, um in den verlassenen Häusern auf dem Obersalzberg zu plündern, verzweigt sich danach in einer Vielzahl an Handlungssträngen und Personen, die ich in diesem Ausmaß nicht erwartet hatte. So hatte ich einige Schwierigkeiten, in dieses Buch hineinzufinden und die Personen zuordnen zu können. Erschwert wurde dies auch von dem sehr nüchternen Schreibstil, wodurch sich das Buch eher wie ein Zeitzeugenbericht las.

Der nüchterne Schreibstil war für mich zugleich Stärke und Schwäche des Buches.
Einerseits fehlte mir dadurch die persönliche Nähe zu den Figuren oder zumindest einzelnen von ihnen, denn man blieb immer auf Distanz und hat zu keinem eine Bindung aufgebaut. Auch hat mir klarer Spannungsbogen gefehlt, eine Ahnung davon, worauf das Buch hinausläuft oder welches Ziel es verfolgt.

Andererseits ist es sehr informativ und man erfährt einiges über die Lebensrealität jener Zeit. Man wird in eine fremde und beschwerliche Zeit entführt und Geschichte wird erlebbar wiedergegeben.
Dadurch, dass keine der Personen wirklich Sympathie wecken kann, wird auch keine verurteilt, egal welche Rolle sie zu Kriegszeiten gespielt hat. Denn die Autorin zeichnet kein Schwarz-Weiß-Bild und lässt hier alle zu Wort kommen und gleichberechtigt nebeneinander erscheinen, Sieger und Besiegte, Denunzierte und Denunzianten, Soldaten und Mitläufer, …

So zahlreich die Personen sind, so vielfältig waren auch die Aufgaben und Herausforderungen jener Zeit. Deswegen finde ich, dass es der Autorin gelungen ist, ein authentisches und vielschichtiges Portrait der damaligen Situation zu zeichnen. Dieser beinahe dokumentarische Charakter ist gewöhnungsbedürftig, passt aber sehr gut zu der Thematik des Buches.

Fazit: auch wenn es von der Lesart an ein Sachbuch erinnert, haben mich die historischen Einblicke und die facettenreiche Darstellung der damaligen Zeit beeindruckt und das Buch zu einem wertvollen Leseerlebnis gemacht

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Thema
Veröffentlicht am 19.01.2026

Blut wird mit Blut gesühnt

Rostiges Grab
0

Das große Plus dieses Buches ist sein außergewöhnliches Setting. Ein Schrottplatz tief im Wald, eine verlassene Torffabrik, eine Familie, die in diesem Wald lebt und alles dafür tut, um sich und die Torffabrik ...

Das große Plus dieses Buches ist sein außergewöhnliches Setting. Ein Schrottplatz tief im Wald, eine verlassene Torffabrik, eine Familie, die in diesem Wald lebt und alles dafür tut, um sich und die Torffabrik abzuschotten und eine uralte Legende bilden zusammen eine Atmosphäre, die konstant düster und bedrohlich wirkt. Die eingeschobenen Kapitel aus Sicht des Graumädchens verstärken diese mystische und beklemmende Stimmung. Umso mehr, als völlig unklar ist, wer sich hinter dem Graumädchen verbirgt und ob ihre Geschichten real oder selbst Teil einer Legende sind.

Im Zentrum stehen Leonore Asker und Martin Hill. Leonore ist die Leiterin der „Abteilung für hoffnungslose Fälle“. Martin Hill ist Experte für Lost Places und ihr bester Freund.

Leonore Asker hat mir mit ihrer integren Haltung besonders gut gefallen. Sie bleibt ihren Werten treu, selbst wenn es unbequem wird, und stellt Gerechtigkeit klar über persönlichen Vorteil oder gesellschaftliches Ansehen.
Martin Hill hingegen wirkt im direkten Vergleich deutlich unsicherer. Er wirkt nicht nur unentschlossen, sondern hat ein teilweise naives oder leicht beeinflussbares Verhalten an den Tag gelegt. Während Leonore zielgerichtet und standhaft bleibt, verliert er sich in Selbstzweifeln und Unklarheit über seinen eigenen Weg.

Die „Abteilung für hoffnungslose Fälle“ erinnert stark an das Sonderdezernat Q von Jussi Adler-Olsen und bekommt in diesem Band endlich etwas mehr Gesicht. Dennoch hat mir ein wenig eine klare Struktur in der Ermittlungsarbeit gefehlt.

Auch der Fall selbst wirkte für mich etwas konstruiert, denn immerhin hat man vor 10 Jahren bereits einen Täter ermittelt, konnte ihn aber nie festnehmen bzw. seinen Aufenthaltsort ermitteln. Das Auftauchen des abgetrennten Fingers der ermordeten Frau reicht nun als Ausgangslage aus, um den Fall komplett neu aufzurollen, anstatt gezielt den (vermeintlichen) Täter zu suchen.

Und obwohl die Bände unabhängig voneinander lesbar sind, könnte es für Neueinsteiger schwer werden, sich hier zurechtzufinden. Vor allem wegen der Vorgeschichte mit Prepper Per, die hier immer wieder durchscheint und ich Kenntnisse für elementar halte.

Fazit: etwas konstruierter Fall, Erzählung aus abwechselnden Perspektiven und atmosphärischer Spannungsbogen

Veröffentlicht am 14.11.2025

Honigfalle

Die Chemie des Verbrechens - Die Fährte
1

Das Cover mit der grünen Schrift ist auf jeden Fall ein Hingucker. Auch der Titel ist interessant gewählt, da hier der wissenschaftliche Ansatz der Verbrechensaufklärung in den Vordergrund rückt. Gerade ...

Das Cover mit der grünen Schrift ist auf jeden Fall ein Hingucker. Auch der Titel ist interessant gewählt, da hier der wissenschaftliche Ansatz der Verbrechensaufklärung in den Vordergrund rückt. Gerade dies hat meine Aufmerksamkeit erregt und mich neugierig gemacht. Der Einstieg über die kursiv erzählte Vorgeschichte schafft Spannung und Raum für Spekulationen, bleibt aber bewusst offen.

Die Kapitel haben eine angenehme Länge und sind aus der Perspektive von unterschiedlichen Beteiligten erzählt. So erhält man unter anderem Einblicke in die Sichtweise der Familie der getöteten Ute wieder.

Die Hauptpersonen sind Strafverteidigerin May und Privatdetektiv Tarek, zugleich bester Freund des Beschuldigten. Um uns diese beiden Personen und deren bisherigen beruflichen Hintergrund näherzubringen, gibt es zwei Nebenhandlungen. Diese sind zwar interessant, da sie mit dem eigentlichen Fall aber nichts zu tun haben, bisweilen zu ausufernd.

May wirkt sympathisch, aber gerade zu Beginn kommt bei ihr eher die Wissenschaftlerin als die Anwältin durch. Gegenüber ihrem potenziellen Mandanten zeigt sie sich selbstbewusst und durchaus forsch. Dies konnte sie im mittleren Teil leider nicht halten. Auch blieb hier die anwaltliche Tätigkeit von May viel zu blass. Es wird abgehandelt mit „hat getan, was immer zum aktuellen Zeitpunkt möglich gewesen war“, oder auch „ich arbeite Tag und Nacht, um sie freizubekommen“. Aber was genau heißt das? Mit konkreten Handlungen wird es nicht untermauert. Wirklich schade!

Ihr Können konnte sie erst im letzten Drittel ausspielen. So war dies auch der interessanteste Abschnitt für mich. Die Beschreibung des Gerichtsverfahrens wirkt fundiert und authentisch. Nun ging es Schlag auf Schlag. Immer neue Erkenntnisse sorgten für interessante Wendungen und münden in einen nicht vorhersehbaren Ausgang.

Etwas zu kurz kommt die Dynamik innerhalb der damaligen Clique. Wer hatte hier das Sagen. Warum hatte man den Jungen in die Falle gelockt. Wer kam auf diese Idee. Was war Beates Rolle an diesem Abend. Gerade Ute konnte ich dadurch nicht wirklich nachvollziehen. Ich frage mich immer noch, warum sie überhaupt mitgemacht hat.

Auch hatte ich mir etwas mehr davon erhofft, dass laut Klappentext die Frage nach der Eindeutigkeit des DNA-Beweises gestellt wird. Wenngleich es eine Rolle in der Aufklärung spielte, hatte ich nicht das Gefühl, etwas Neues zu lesen oder hier ein Alleinstellungsmerkmal vorzufinden. Insgesamt ist es für mich weniger ein Wissenschaftskrimi als ein Anwaltskrimi und würde es Lesern empfehlen, die sich für die Arbeit von Strafverteidigern interessieren.

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Spannung
Veröffentlicht am 16.10.2025

Tod im Schnee

Lügennebel
0

Dies ist nicht mein erstes Buch der Reihe, aber ich kenne trotzdem nicht alle Bände. Dennoch habe ich mich innerhalb des Ermittlerteams schnell zurechtgefunden. Verweise auf vergangene Entwicklungen habe ...

Dies ist nicht mein erstes Buch der Reihe, aber ich kenne trotzdem nicht alle Bände. Dennoch habe ich mich innerhalb des Ermittlerteams schnell zurechtgefunden. Verweise auf vergangene Entwicklungen habe ich einfach überlesen, so dass es mich nicht gestört hat.

Sechs befreundete Studenten wollen ihre Skiferien in Are verbringen. Sie wollen nicht nur Skifahren, sondern auch ausgelassen feiern und trinken. Doch die Freundschaftsbande sind untereinander sehr unterschiedlich ausgeprägt, was sich bereits auf der Hinfahrt zeigt.

Besonders interessant zu lesen ist, wie brüchig und fragil die Freundschaft der Studenten ist. Der Tod der Freundin löst sehr unterschiedliche Reaktionen aus. Echte Trauer ist nur bei wenigen spürbar. Unter den Freunden machen sich Verdächtigungen und Anschuldigungen breit. Schritt für Schritt zerbricht die Gruppe. Umso mehr, als im Laufe der Ermittlungen klar wird, dass einer der Männer lügt. So gerät nach und nach fast jeden in den Fokus der Ermittlungen.

Der Kreis der Verdächtigen ist übersichtlich. Trotzdem tappen die Ermittler sehr lange im Dunkeln. Belastende Beweise gibt es nicht. Anfänglich ist noch nicht mal klar, ob hier überhaupt ein Verbrechen vorliegt. Vielmehr ist es das Bauchgefühl, das die Ermittlungen antreibt.

Die Kapitel sind sehr kurzgehalten, was den Lesefluss unterstützt. Immer wieder wird aus einer anderen Perspektive erzählt. Das bringt die Personen sehr nah und lässt uns die aktuelle Situation aus deren Sicht nachfühlen.

Besondern von den Ermittlern gibt es viele private Einblicke. Durch die kurzen Kapitel entstehen keine übermäßigen Längen und die Personen wirken äußerst authentisch und menschlich. Aber die vielen privaten Einschübe muss man trotzdem mögen. Dadurch war es für mich nicht der spannendste Fall, aber das Buch war trotzdem sehr flüssig und angenehm zu lesen.

Fazit: zu empfehlen, wenn man nicht nur einen interessanten Fall lesen, sondern auch mehr über das Leben der Ermittler erfahren möchte

Veröffentlicht am 26.08.2025

Blut im Bayou

Unsere letzten wilden Tage
0

Dieses Buch hatte mich bereits nach den ersten Seiten gepackt. Die Erzählung rund um Cutter, ihre Brüder und den abgelegenen Ort Jacknife ist rau, schnörkellos und unverblümt.

Loyal kehrt in ihren Heimatort ...

Dieses Buch hatte mich bereits nach den ersten Seiten gepackt. Die Erzählung rund um Cutter, ihre Brüder und den abgelegenen Ort Jacknife ist rau, schnörkellos und unverblümt.

Loyal kehrt in ihren Heimatort zurück, um ihre Mutter zu unterstützen. In ihrer Jugend war sie eng mit Cutter befreundet, aber der Kontakt besteht schon seit vielen Jahren nicht mehr. Als Cutter tot aufgefunden wird, ist Loyal die Einzige die sich dafür interessiert und die Umstände aufklären will. Denn für den Sheriff bedeutet Cutter von klein auf nur Ärger. Entsprechend unmotiviert scheint seine Ermittlung. Doch Loyal will Gerechtigkeit für ihre tote Freundin und brennt vor Entschlossenheit.

Es sei gesagt, dass dieser Roman keine leichte Kost und kein Wohlfühlroman ist! Weder vom Setting noch von den Protagonisten.
Die Lebensbedingungen in diesem Landstrich sind rau, hart und unwirtlich. Sie sind geprägt vom täglichen Kampf ums Überleben. Man fühlt sich am Ende der Welt. Ist umgeben von Sümpfen, in denen Alligatoren leben. Es ist schwülwarm und die Luft ist voller Moskitos. Und so hart dieses Hinterland ist, so sind auch seine Bewohner. Echte Sympathieträger sucht man vergebens.
Lässt man sich darauf ein, wird man feststellen, dass genau diese schonungslosen Beschreibungen von Land und Leuten die große Stärke des Romans sind.

Die Auflösung um Cutters Tod erfolgt langsam und zieht eine Spur von Drogenhandel und Korruption nach sich. Gleichzeitig versucht sich die Geschichte um einen versöhnlichen Abschluss.