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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 28.02.2026

Detailreicher historischer Roman über den 30-jährigen Krieg

TINTE und SCHWERT
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Mit "Tinte und Schwert – Verwandlung" legt Matthias Söder den ersten Band eines historischen Romans vor, der zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges spielt. Schon auf den ersten Seiten merkt man, dass der ...

Mit "Tinte und Schwert – Verwandlung" legt Matthias Söder den ersten Band eines historischen Romans vor, der zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges spielt. Schon auf den ersten Seiten merkt man, dass der Autor über fundiertes Wissen zu dieser Epoche verfügt: Das Leben der Soldaten, die Härten des Kriegsalltags und die Kampfhandlungen werden mit beeindruckender Authentizität geschildert.

Diese Detailfülle ist zugleich Stärke und Schwäche des Romans. Während sie die Welt glaubwürdig und greifbar macht, gerät das Erzähltempo stellenweise ins Stocken. An manchen Passagen verliert sich Söder zu sehr in minutiösen Beschreibungen, während an anderer Stelle Wendungen und Entwicklungen überraschend rasch eintreten. Auch die Zeitsprünge innerhalb der Handlung tragen dazu bei, dass die Chronologie gelegentlich schwer nachvollziehbar wird.

Besonders Jakobs Entwicklung vom gläubigen Priesteranwärter zum rachsüchtigen jungen Mann kommt etwas zu abrupt. Dadurch leidet die emotionale Tiefe dieser zentralen Figur, was schade ist, da das Potenzial für eine komplexe Charakterzeichnung deutlich erkennbar ist.

Trotz dieser Schwächen gelingt es Söder, eine fesselnde und atmosphärisch dichte Geschichte zu erzählen. Die wechselnden Erzählperspektiven und vielfältigen Handlungsstränge verleihen dem Roman eine lebendige Dynamik, die ihn von vielen anderen historischen Kriegsromanen abhebt. Wer sich für Intrigen, Machtspiele und die moralischen Grauzonen des Krieges interessiert – und keine Scheu vor gelegentlich drastischen Szenen hat – wird hier spannende Lektüre finden. Besonders die offene Frage, wie es mit Jakob und Anna weitergeht, macht neugierig auf die Fortsetzung.

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Veröffentlicht am 28.02.2026

Nicht so stark wie die restlichen Bände

Schattenmädchen
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Mit "Schattenmädchen" legt Frida Skybäck den dritten Band ihrer schwedischen Krimireihe rund um das Ermittlerduo Frederika Storm und Henry Calment vor. Doch im Vergleich zu den beiden Vorgängern bleibt ...

Mit "Schattenmädchen" legt Frida Skybäck den dritten Band ihrer schwedischen Krimireihe rund um das Ermittlerduo Frederika Storm und Henry Calment vor. Doch im Vergleich zu den beiden Vorgängern bleibt die Geschichte dieses Mal etwas hinter den Erwartungen zurück.

Zwar überzeugt Skybäck erneut mit ihrem angenehm flüssigen Schreibstil. Die kurzen Kapitel und die wechselnden Erzählperspektiven sorgen für ein kurzweiliges Leseerlebnis, und das Verschwinden der Studentin Isabelle Karlsson an der Elite-Universität Lund verspricht zunächst eine fesselnde Ausgangssituation. Die Verbindungen zu einem Technologieunternehmen und zu einem alten Mordfall an einer Studentin verleihen dem Roman zudem einen spannenden und aktuellen Bezug.

Allerdings verliert die Handlung im Mittelteil deutlich an Tempo. Die anfänglich vielversprechende Spannung weicht Passagen, in denen nicht wirklich viel Neues passiert, die den Erzählfluss unnötig bremsen. Besonders gegen Ende verschiebt sich der Fokus zunehmend vom Kriminalfall hin zum Privatleben der Ermittler – ein Ansatz, der zwar Charaktertiefe bringen könnte, hier jedoch eher den Spannungsbogen stört.
Das Finale fällt schwach aus und kannauch vergleichsweise schwach aus und kann den zuvor entstandenen Spannungsabfall wettmachen.

"Schattenmädchen" liest sich somit eher wie ein Übergangsband, der die Reihe fortsetzt, ohne wirklich neue Akzente zu setzen.
Für eingefleischte Fans von Frederika und Henry bleibt das Buch sicherlich lesenswert, doch im direkten Vergleich zu den Vorgängern fehlt es an der Dynamik und Intensität, die die Reihe bislang ausgezeichnet haben.

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Veröffentlicht am 28.02.2026

Leichtgängig erzählt, aber das verbindende Glied fehlt

Unser Haus mit Rutsche
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Safia al Bagdadi erzählt in „Unser Haus mit Rutsche“ vom Familienleben der Ich-Erzählerin Layla – mit einem Ton, der zunächst leicht und spielerisch wirkt. Die kurzen Kapitel, versehen mit kleinen, oft ...

Safia al Bagdadi erzählt in „Unser Haus mit Rutsche“ vom Familienleben der Ich-Erzählerin Layla – mit einem Ton, der zunächst leicht und spielerisch wirkt. Die kurzen Kapitel, versehen mit kleinen, oft ironischen Titeln, tragen dazu bei, dass man angenehm durch die Episoden gleitet. Der Roman wechselt zwischen Gegenwart und Vergangenheit, was grundsätzlich für Dynamik sorgt, aber leider nicht immer zu einem klaren Gesamtbild führt.

Ich hatte beim Lesen das Gefühl, nicht wirklich nah an die Figuren heranzukommen. Laylas Familie blieb mir fremd, ihre Gedanken und Gefühle schienen nur angedeutet statt entfaltet. Besonders die Rückblenden wirkten wie lose Puzzleteile, die sich nicht zu einem übergeordneten Bild zusammenfügen wollten. Damit fehlte mir letztlich der rote Faden, der die vielen kleinen Beobachtungen zu einer emotionalen Erzählung verbindet.

Spannend fand ich jedoch die Passagen, in denen der Golfkrieg zur Sprache kommt – insbesondere die unterschiedlichen Haltungen innerhalb der Familie und Laylas Enttäuschung über die unerfüllten Träume ihres Vaters. Diese Momente gaben dem Buch Tiefe und gesellschaftliche Relevanz.
Schade nur, dass der Roman am Ende so abrupt abbricht, dass man etwas unzufrieden zurückbleibt.

Insgesamt ist „Unser Haus mit Rutsche“ leicht zu lesen, atmosphärisch interessant und stellenweise klug beobachtet – doch mir fehlte das verbindende Element, das alles zu einer wirklich berührenden Geschichte gemacht hätte.

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Veröffentlicht am 28.02.2026

Nicht so intensiv und tiefgehend wie erhofft

Das schönste aller Leben
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Betty Boras widmet sich in ihrem Roman „Das schönste aller Leben“ den Themen Schönheit, Herkunft und innerem Konflikt.
Im Mittelpunkt stehen zwei Frauenfiguren – Vio und Theresia –, deren Lebensgeschichten ...

Betty Boras widmet sich in ihrem Roman „Das schönste aller Leben“ den Themen Schönheit, Herkunft und innerem Konflikt.
Im Mittelpunkt stehen zwei Frauenfiguren – Vio und Theresia –, deren Lebensgeschichten durch Zeit und Generationen miteinander verwoben sind. Der Roman spielt auf zwei Zeitebenen: im 18. Jahrhundert im rumänischen Banat und in der Gegenwart in Deutschland.

Während Theresias Erzählstrang im Banat von Fremdheit, Entbehrung und der "Last" ihrer Schönheit geprägt ist, folgt man Vio zunächst als Kind, das ebenfalls aus dem Banat nach Deutschland kommt, und später als erwachsene Frau. Besonders der Gegenwartsstrang um Vio und ihre Tochter, die nach einem Unfall Narben im Gesicht davonträgt, bildet das emotionale Zentrum des Romans. Vios Fixierung auf die Schönheit ihrer Tochter und ihr Schuldgefühl verleihen der Erzählung zwar psychologische Tiefe, doch dominiert diese Perspektive allzu stark.

Der historische Teil um Theresia bleibt dagegen etwas blass. Vieles wird nur angedeutet, wodurch das reiche erzählerische Potenzial ungenutzt bleibt. Auch wirken die Figuren insgesamt zu wenig ausgearbeitet, um wirklich nachhaltig zu berühren.

Sprachlich ist der Roman durchaus eindringlich und atmosphärisch dicht, doch das Ende kommt etwas zu abrupt und hinterlässt den Eindruck, dass wichtige Fäden ungelöst bleiben. So entsteht das Gefühl, dass „Das schönste aller Leben“ mehr andeutet, als es tatsächlich entfaltet. Die von mir erhoffte Intensivität und Vielschichtigkeit blieb aus.

Ein Roman mit interessanter Grundidee und emotionalem Kern, der jedoch in der Figurenzeichnung und thematischen Tiefe hinter seinen Möglichkeiten zurückbleibt.

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Veröffentlicht am 21.01.2026

Wilder Ritt ohne bleibenden Eindruck

Heaven's Gate
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Daniel Faßbenders „Heaven’s Gate“ ist wie ein schneller Ritt auf einer tropischen Welle: Kurz, rasant, aber alles spielt sich an der Oberfläche ab.

Ein Surfer als Hobby-Detektiv auf den Philippinen? Ist ...

Daniel Faßbenders „Heaven’s Gate“ ist wie ein schneller Ritt auf einer tropischen Welle: Kurz, rasant, aber alles spielt sich an der Oberfläche ab.

Ein Surfer als Hobby-Detektiv auf den Philippinen? Ist mal was anderes und sorgt für Neugier.
Caruso bedient dann leider viele Klischees.
Er ist pleite, liebt den Alkohol und die Frauen und glänzt weniger durch messerscharfe Logik als durch pures Stolpern in brenzlige Situationen.
Wer einen ausgewieften Ermittler sucht, sollte lieber woanders weitersurfen.

Zwischen korrupten Cops und Drogengeschäften rast die Handlung von einem Event zum nächsten. Das hält den Puls zwar oben, lässt aber die inhaltliche Tiefe am Strand zurück. Zum Finale hin wird dann der Turbo gezündet – die Plausibilität hat zu diesem Zeitpunkt das Buch allerdings schon längst verlassen.
Die Nebencharaktere bleiben dabei so blass, obwohl durchaus Potenzial für mehr durchaus vorhanden ist.

Ein kurzweiliger Surftrip ist "Heaven's Gate" allemal.
Wer echten Thrill und Logik erwartet, geht jedoch baden; wer einen anspruchslosen, temporeichen Snack für zwischendurch sucht, kann sich in die Wellen stürzen.
Nette Strandlektüre, mehr aber auch nicht.

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