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Veröffentlicht am 11.02.2026

Kurz, eindrucksvoll und pure Poesie

Der letzte Sommer der Tauben
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Eigentlich ist dieses Buch eine beklemmende Momentaufnahme. Ein islamistisches Regime übernimmt die Macht. Noah und seine Familie müssen sich anpassen. Wo genau das passiert, wird nicht konkretisiert. ...

Eigentlich ist dieses Buch eine beklemmende Momentaufnahme. Ein islamistisches Regime übernimmt die Macht. Noah und seine Familie müssen sich anpassen. Wo genau das passiert, wird nicht konkretisiert. Leider fallen einem viele mögliche Schauplätze für exakt so ein Szenario ein.

Noah ist vierzehn und versucht zu verstehen, was um ihn herum geschieht. Plötzlich gelten andere Spielregeln. Das neue Regime versteht keinen Spaß und ein „Das war nicht so gemeint“ kann man sich schenken. Ein falsches Wort und du kommst ins „Ferienlager“, das ist seinem Freund Rasul passiert. Von seinem alten Leben sind ihm nur noch die Tauben geblieben, Noah züchtet sie und liebt jede von ihnen. Aber selbst Tauben sind dem Regime irgendwann ein Dorn im Auge. Überall flattern sie herum, sehen alles, man muss ihnen die Flügel stutzen. „Tauben werden die neuen Hühner des Kalifats“

Ich hätte nie gedacht, welche Symbolkraft Tauben haben können. Sie ziehen als poetisches Stilmittel durch dieses Buch sind allgegenwärtig, friedlich, beständig, liebevoll, und bieten trotzdem Zündstoff. Die Kapitel sind kurz und haben sprechende Überschriften. Sie wirken fast wie Gedichte. „Acht Quadratmeter Angst“, da mag man fast nicht weiterlesen, so beklemmend ist es.

Dieses Buch ist kurz, eindrucksvoll und pure Poesie. Es vermittelt kunstvoll Trauer, Abschied und Verzweiflung, wirkt wie ein Abgesang an ein Leben, das sich grundlegend geändert hat.

Ich bin beeindruckt.

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Veröffentlicht am 22.01.2026

Jeder, der die Welt retten will, sollte dieses Buch lesen

Hoffnung für Verzweifelte
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Wir stecken mitten in einem selbstverschuldeten Klimawandel, der nicht mehr aufzuhalten ist, denken viele, eigentlich alle, oder? Dr. Hannah Ritchie erforscht ihn, untersucht alle Aspekte und sieht nicht ...

Wir stecken mitten in einem selbstverschuldeten Klimawandel, der nicht mehr aufzuhalten ist, denken viele, eigentlich alle, oder? Dr. Hannah Ritchie erforscht ihn, untersucht alle Aspekte und sieht nicht ganz so schwarz, das ist erstaunlich. Sie behauptet sogar, wir können die Erde noch retten, wir müssen nur den Fokus auf die richtigen Maßnahmen lenken.

Erst einmal sagt sie, wir sehen die Situation generell viel zu schwarz, weil schlechte Nachrichten die besseren Schlagzeilen bringen und weil Prognosen nicht berücksichtigen, dass man Maßnahmen ergreift. Ich habe im Kopf, dass die Wälder durch sauren Regen sterben und dass man wegen des Ozonlochs nicht in die Sonne gehen sollte. Dass das längst nicht mehr so ist, weil die Welt was dagegen getan hat, ist nicht bei mir angekommen.

Dann untersucht sie jeden einzelnen Punkt, der das Klima schädigt, berechnet den Wirkungsgrad und kommt zu erstaunlichen Ergebnissen. Beispielsweise ist Plastik nicht grundsätzlich zu verdammen. Es ist sinnvoller, Nahrungsmittel durch Plastikverpackungen länger haltbar zu machen, als dass man sie herstellt und sie schnell vergammeln oder mit Konservierungsmitteln versetzt werden. Das leuchtet ein.

Palmöl ist ein sehr ergiebiges Öl, das platzsparend erzeugt werden kann. Für Sojaöl muss sehr viel mehr Regenwald sterben. Wir könnten Anbauflächen für Ölherstellung sparen, wenn wir Öl nur als Nahrungsmittel benutzen und nicht für Biokraftsoff. Guck an!

Wenn wir wirklich etwas für die Umwelt tun wollen sagt sie, sollten wir unseren Fleischkonsum überdenken. Dabei muss nicht jeder Vegetarier werden, aber es würde schon helfen, auf Rind- und Lammfleisch zu verzichten. Mal ehrlich, das ist nicht schwer.

All solche Dinge rechnet sie uns vor, vergleicht, entlarvt Umweltmythen und gibt Ratschläge. Jeder, der die Welt retten will, sollte dieses Buch lesen!

Hannah Ritchie macht uns tatsächlich Hoffnung, was die Klimakrise angeht. Was sie nicht berücksichtigt ist die Zerstörung, die sinnlose Kriege bewirken und wie umweltschädigend irre Diktatoren agieren. Das stand wohl 2024, als sie das Buch geschrieben hat, noch nicht so zentral im Fokus. Und das sind auch Faktoren, die man weder untersuchen noch berechnen kann.

Sie hat gerade ein neues Buch geschrieben, indem sie Tipps gibt, wie man mit Klimaskeptikern umgehen kann. Das lese ich als Nächstes!

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Veröffentlicht am 20.01.2026

Buch mit Sogwirkung und viel Inhalt

Real Americans
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Die Rezension zu diesem Buch habe ich ein bisschen vor mir hergeschoben. Es ist ein fesselndes Buch mit Sogwirkung, aber das Geschehen lässt sich schwer auf den Punkt bringen. Vielleicht hat es mehrere ...

Die Rezension zu diesem Buch habe ich ein bisschen vor mir hergeschoben. Es ist ein fesselndes Buch mit Sogwirkung, aber das Geschehen lässt sich schwer auf den Punkt bringen. Vielleicht hat es mehrere Punkte, vielleicht fehlt mir das Etikett?

Es erzählt die Geschichte einer chinesischen Familie, nur nicht chronologisch. Es beginnt mit der märchenhaften Liebesgeschichte von Lily Chen und Matthew Maier 1999, die ein durch und durch ungleiches Paar sind. Matthew ist Sohn einer reichen Familie, die ein Pharmaunternehmen betreibt und Lily ist Tochter chinesischer Einwanderer, die nie auf Rosen gebettet waren. Wir bekommen ein bisschen Cinderella in China Town, armes Mädchen trifft Traumprinz, der die Familiendynastie weiterführen soll, aber lieber ein echtes Leben ohne Privilegien und Milliarden hätte. Nur ist Cinderella auch noch Chinesin. Also, was will er, der Prinz? Eine exotische Freundin, um seinen Vater zu ärgern oder ist da wirklich mehr?

Dann erzählt Lilys Sohn Nick aus seinem Leben. Er hatte eine sehr behütete Kindheit, lebte allein mit seiner Mutter auf einer abgelegenen Insel, wer sein Vater ist, wusste er lange nicht. Und als Erwachsener trifft er tatsächlich zum ersten Mal seine Großmutter und erfährt deren Geschichte. May Chen hat die Kulturrevolution in China durchlebt, ist geflohen und wurde später Wissenschaftlerin bei einem großen Pharmaunternehmen. Da schließt sich dann der Kreis, ein Kreis, der Schicksale verknüpft und voller Rätsel ist.

Am Ende habe ich das Gefühl, ich weiß deutlich mehr aber längst nicht alles. Ich habe eine ungewöhnliche Familiengeschichte gelesen, mehrere Liebesgeschichten, ich habe die chinesische Kulturrevolution plastisch miterlebt und ich habe erfahren, wie man sich als Chinese in Amerika fühlt. Ich denke über Wurzeln nach und was einen prägt, Familienbande, Vererbung, Tradition, kann man daran etwas ändern oder ist das Bestimmung? Und wie gut fährt man damit, Wurzeln radikal zu kappen?

„Real Americans“ ist ein fesselndes Buch mit sehr viel Inhalt. Mir fehlt ein kleiner Kick Irgendwas, um ganz begeistert zu sein, aber selbst darauf kann ich nicht den Finger legen. Das Buch bekommt von mir 4,5 Sterne, die ich gerne aufrunde.

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Veröffentlicht am 29.10.2025

Ein bitterböses Buch

Das Dream Hotel
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Was finsteres Buch! Es ist ein bisschen die moderne Version von 1984.

Man stelle sich vor, die Menschheit wird maximal überwacht. Überall wird dein Verhalten beobachtet, gescannt, bewertet und gespeichert. ...

Was finsteres Buch! Es ist ein bisschen die moderne Version von 1984.

Man stelle sich vor, die Menschheit wird maximal überwacht. Überall wird dein Verhalten beobachtet, gescannt, bewertet und gespeichert. Sogar deine Träume fließen mit in die Bewertung ein und wenn dann jemand als potenzieller Gefährder erkannt wird, wird er vorsorglich in Gewahrsam genommen.

Das passiert Sara, die sich keiner Schuld bewusst ist, aber trotzdem am Flughafen festgehalten wird. Sie wird vorübergehend zur Beobachtung einbehalten. Sara ist sich sicher, dass das ein Irrtum sein muss, aber es ist bitterer Ernst. Sie landet in einem Gefängnis, das nicht Gefängnis genannt wird und in dem ihr Verhalten ständig bewertet wird, je nach Laune der Bewacher. Es ist eigentlich gar nicht möglich deren Ansprüchen gerecht zu werden. Wie soll sie jemals wieder zu ihrer Familie zurückkommen?

Die Situation ist ausweglos und beklemmend und steigert sich tatsächlich immer weiter. Mit grausamer Konsequenz legt die Autorin immer wieder noch eine Schippe drauf. Und so absurd es klingt, kommt einem das Szenario doch schrecklich realistisch vor.

Was kann KI und was sollte man KI tun lassen? Ab wann wird technische Unterstützung zu Kontrolle und wer hat eigentlich den Nutzen davon? Wo bleibt Individualität, wenn sie nicht ins Profil passt und ein Algorithmus dein Leben bestimmt.

All das wird hier anhand eines höchst plastischen Beispiels untersucht. Es ist ein böses Buch, das gleichermaßen unterhält, verstört und nachdenklich macht. Ich habe es gerne und voller Ehrfurcht gelesen und bin beeindruckt.

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Veröffentlicht am 26.10.2025

Eine Gameshow der anderen Art

Die Unbußfertigen
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Solche Bücher braucht die Welt, mehr davon bitte!

Hier werden sie seziert, die Hater, Kommentierer, Influencer, Selbstdarsteller, Stalker. Für jedes Übel im Netz wurde ein Experte oder eine Expertin ausgesucht ...

Solche Bücher braucht die Welt, mehr davon bitte!

Hier werden sie seziert, die Hater, Kommentierer, Influencer, Selbstdarsteller, Stalker. Für jedes Übel im Netz wurde ein Experte oder eine Expertin ausgesucht und eingeladen. Sie sind alle erfolgsgewohnt in ihrem Bereich, niemand tut etwas Illegales und niemand hat je darüber nachgedacht, ob es moralisch verwerflich sein könnte, was er da tut.

Sie landen in einer gespenstischen Gameshow, wo plötzlich andere Regeln gelten. Ein Wochenende auf dem Land, das alle an ihre Grenzen bringt.

Dieses Buch ist finster und eine einzige Überraschung, vielleicht zwischendrin ein bisschen viel Nabelschau, aber sonst sagt es ja niemand. Dabei ist es bitter nötig, dass es mal jemand ausspricht: Das Internet ist nicht anonym, auch da geht es um Menschen und jeder hingerotzte Kommentar trifft Menschen.

Ich habe das Hörbuch inhaliert, bin beeindruckt und werde in Zukunft darauf achten, meine Rezensionen freundlich zu formulieren… meistens.

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