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Veröffentlicht am 28.03.2026

Lehrreich und unterhaltsam

Szenario
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Die Politikwissenschaftlerin und Zukunftsforscherin Florence Gaub ist überzeugt, dass die Zukunft ist: „das Ergebnis von Trends, von unverrückbaren physischen Realitäten, von Entscheidungen aberwitzig ...

Die Politikwissenschaftlerin und Zukunftsforscherin Florence Gaub ist überzeugt, dass die Zukunft ist: „das Ergebnis von Trends, von unverrückbaren physischen Realitäten, von Entscheidungen aberwitzig vieler Akteure, die niemand hat kommen sehen.“ (8)
Doch die durchgedachten und durchgespielten Szenarien ermöglichen uns verschiedene Handlungsmöglichkeiten und geeignete Maßnahmen rechtzeitig zu ergreifen.

Das interaktive Buch „Szenario“ ist eine Einladung der Autorin an den Leser, die Gestaltung der geopolitischen Zukunft selbst in die Hand zu nehmen. Der Leser bekommt eine Aufgabe (einen Auftrag), deren Ausgangspunkt die ungeklärte Havarie eines norwegischen Forschungsschiffes am Spitzbergen ist. Es bleibt dem Leser überlassen, welche Schritte er unternimmt, welche Entscheidungen er trifft, um den Politikern und/oder der Öffentlichkeit die entsprechenden Informationen und/oder Empfehlungen zu liefern. Zu jeder Entscheidung gibt es die nächsten möglichen Optionen, nach jedem weiteren Schritt – eine Zusammenfassung der Erkenntnisse.
Florence Gaub, Forschungsdirektorin des NATO- Verteidigungskollegs in Rom, hat diese Aufgabe sehr gut vorbereitet: „recherchiert, was bis 2033 als gesichert gilt, die großen Trends, die den Rahmen unserer Zukunft vorgeben, und mit Quellen versehen.“ (10)

Der Leser dieses Buches übernimmt die Rolle eines Analysten, der die Antworten auf die Frage „Was wäre, wenn?“ sucht. Dieses ungewöhnliche Spiel macht Spaß, aber vor allem lässt es unser Wissen über die geopolitische Lage, jetzt und in der nächsten Zukunft, zu erweitern.

FAZIT: ein kluges Buch, lehrreich und spannend geschrieben, unterhaltsam. Sehr zu empfehlen!!!

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Veröffentlicht am 23.01.2026

Spannender Auftakt der Zoë Boehm - Krimireihe

Down Cemetery Road
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Der Anfang des Krimis ist im wahrsten Sinnen des Wortes explosiv: Nicht nur der kurz davor angekündigte Besuch von Marks wichtigen Kunden treibt seine Frau Sarah auf die Palme. An dem Abend kommt es auch ...

Der Anfang des Krimis ist im wahrsten Sinnen des Wortes explosiv: Nicht nur der kurz davor angekündigte Besuch von Marks wichtigen Kunden treibt seine Frau Sarah auf die Palme. An dem Abend kommt es auch zu einer Explosion in der Nähe ihres Hauses, es gibt Tote und ein kleines Mädchen verschwindet spurlos kurz danach.
Spannend und anschaulich schildert Mick Herron die Ereignisse des dramatischen Abends und der Tage unmittelbar danach. Die Explosion verändert nicht nur das Bild des bisher scheinbar ruhigen Vorortes von Oxford. Sie bringt auch das Leben von Sarah durcheinander; denn die bisher gelangweilte, unzufriedene Hausfrau beginnt nach dem verschwundenen vierjährigen Mädchen zu suchen. Ihre Recherche, die erschütternde Wahrheiten enthüllt, bringt nicht nur sie in lebensbedrohliche Lage.

Zuerst ist es für mich schwer nachvollziehbar, warum Sarah, die selbst keine Kinder haben will, nach dem fremden Mädchen sucht. Doch der Autor verrät ihre intimsten Gedanken, lässt mich in ihre Vergangenheit eintauchen; dadurch kann ich die unkonventionelle Sarah viel besser verstehen.
Viel interessanter jedoch fand ich die Privatermittlerin Zoë Boehm, die bedauerlicherweise – trotz des Untertitels des Buches – erst zum Schluss aktiv am Geschehen teilnimmt.

Nichtdestotrotz hat mich der Krimi sehr gut unterhalten. Ich habe den feinen atmosphärischen Schreibstil des Autors, seinen sarkastischen schwarzen Humor und die scharfsinnigen, geistreichen Dialoge sehr genossen.
Down Cemetery Road ist das erste Buch aus der Reihe mit Zoë Boehm. Auf die Fortsetzung bin ich sehr gespannt.

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Veröffentlicht am 09.01.2026

Fachlich kompetent und feinfühlig über vorausschauende Versorgungsplanung

Leben und Sterben
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Das Buch „Leben und Sterben“ von Alena Buyx hat bei mir großes Interesse geweckt.
Denn darin spricht die ehemalige Vorsitzende des Deutschen Ethikrates über die Themen, die uns alle betreffen. In dem Buch ...

Das Buch „Leben und Sterben“ von Alena Buyx hat bei mir großes Interesse geweckt.
Denn darin spricht die ehemalige Vorsitzende des Deutschen Ethikrates über die Themen, die uns alle betreffen. In dem Buch geht es um unsere Gesundheit und um Krankheiten, die unser Leben von einem auf den anderen Tag ändern können. Und es geht hier auch um das Lebensende; um das Sterben und den Tod, mit dem wir alle konfrontiert werden. In jedem dieser Fälle müssen wir wichtige Entscheidungen treffen; bei diesen möchte uns die Autorin, eine Professorin für Medizinethik, mit diesem Buch behilflich sein.

Anhand von zahlreichen Beispielen aus der Praxis spricht sie über die Herausforderungen, die uns im Verlauf unseres Lebens begegnen. Sie macht es deutlich, wie wichtig dann ist, neben der medizinischen auch die ethischen Entscheidungen zu treffen. Und sie stellt anschaulich dar, welche Rolle dabei der Patient selbst übernehmen kann: eine vorausschauende Versorgungsplanung hält sie für sehr wichtig und notwendig. Klar und eindeutig ist ihre Meinung dazu: würde ich am liebsten vorausschauende Versorgungsplanung verpflichtend machen für alle Menschen, die eine Diagnose einer lebensverkürzenden Erkrankung erhalten…“ (128)
An die Leser und Leserinnen ihres Buches appelliert sie: „Schauen sie voraus.“ (128)

Das Buch umfasst unter anderen solche wichtigen Themen, wie künstliche Befruchtung, Frühgeburten, Sterbehilfen, Palliativmedizin, Sorgerecht, Ethikberatung und die Voraussetzungen für ein gutes Arzt-Patienten-Verhältnis. Auch die Medizin der Zukunft mit dem Einsatz von KI und Robotik wurde angesprochen. Alle Themenbereiche wurden mit den anschaulichen Beispielen erläutert und mit dem Verweis auf die weiterführende Literatur versehen.

Das Buch ist trotz der oft schweren Thematik leicht zu lesen; klar, verständlich und feinfühlig ist die Sprache der Autorin. Die wirklichkeitsnahe Darstellung der Problematik und anschauliche Beispiele regen zum Nachdenken an. Ein lesenswertes Sachbuch, ein sehr guter, kluger Ratgeber.

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Veröffentlicht am 02.01.2026

Walzerblut – gut recherchiert und fesselnd geschrieben

Die Welt in Meran - Walzerblut
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Im Frühling 1872 reisen wir in Gesellschaft von drei feinen Damen aus England nach Meran, einen angesagten Kurort im Südtirol. Während Helen von Burt, eine passionierte Reiterin, sich auf die Ausritte ...

Im Frühling 1872 reisen wir in Gesellschaft von drei feinen Damen aus England nach Meran, einen angesagten Kurort im Südtirol. Während Helen von Burt, eine passionierte Reiterin, sich auf die Ausritte und die mögliche Teilnahme an einer Parforcejagd freut, hoffen ihre Tante Lady Greville und Mrs. David, eine Schutzbefohlene der Queen Victoria II, auf Erholung, Kuranwendungen und Linderung ihrer Leiden.
Für Helen von Burt hat ihre Tante auch ein anderes Reiseziel vor Augen: Helen muss endlich einen passenden Ehemann finden, denn als Witwe eines Earls kann sie behaupten:
„Nichts gibt uns Frauen mehr Sicherheit als Vermögen und Titel.“ (20)
An geeigneten Heiratskandidaten dürfte es in der gerade beginnenden Faschingszeit unter den adligen Gästen in Meran nicht fehlen. Denn bald erscheinen hier unter anderen auch der Erbgraf Maximilian von Montalban und der Vicomte Jean de Benedetti aus Korsika. Bald sind beide Männer von Helen sehr angetan.

Ausführlich schreibt die Autorin über die Aktivitäten der feinen und illustren Gesellschaft im Kurort Meran in den letzten Jahren des 19. Jahrhunderts. Umfassend und präzise berichtet sie über die Probleme im Gesundheitssystem des Kurortes; schildet genau die Probleme mit denen die Kurärzte tagtäglich konfrontiert sind, erwähnt die Krankheiten, die damals - noch nicht erforscht - auf dem Vormarsch waren.
Angela Marina Reinhardt lässt uns auch durch die Gassen des Armenstadtviertels wandern, die schäbigen Unterkünfte der armen Bevölkerung, Zimmermädchen und der Arbeiterinnen einer Spinnerei betreten. Es sind bewegende Bilder, welche die enormen Unterschiede zwischen den Gesellschaftsklassen des damaligen Merans verdeutlichen.
Der Roman hat mich auf vielen Stellen tief berührt; etwa die Beschreibungen der Arbeit in einer Spinnerei, wo nur Frauen und Kinder die schwere, oft gefährliche Arbeit verrichten mussten oder das Schicksal eines Kostkinds, das verschiedenen Gefahren ausgesetzt wurde.
Die Autorin liefert hier interessante Bilder des damaligen Kurortes Meran. Den gut recherchierten Roman hat sie mit der Karte der Stadt Meran um 1875, einem Glossar und der Auflistung der weiterführenden Literatur ergänzt. Ebenso behilflich bei der Lektüre war für mich das genaue Personenverzeichnis.
„Walzerblut“ ist das erste Buch aus der Reihe „Die Welt in Meran“. Auf die bereits von der Autorin angekündigte Fortsetzung freue ich mich sehr.
Der fesselnde Roman bekommt meine wärmste Empfehlung.

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Veröffentlicht am 20.12.2025

Venedigs schaurige Geschichten

Schatten der Gondeln
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Sechs Monaten nach der Hochzeit, im Winter 1899 reisen der Schriftsteller Evelyn Dolman und Laura Rensselaer nach Venedig. Ihre verspäteten Flitterwochen wollte Laura unbedingt in Venedig verbringen.
Der ...

Sechs Monaten nach der Hochzeit, im Winter 1899 reisen der Schriftsteller Evelyn Dolman und Laura Rensselaer nach Venedig. Ihre verspäteten Flitterwochen wollte Laura unbedingt in Venedig verbringen.
Der Aufenthalt in der Lagunenstadt endet jedoch für Evelyn Dolman fatal. Laura, nachdem er sie sexuell missbraucht hat, verschwindet am nächsten Tag spurlos. Danach kommt es zu mehreren unerklärten Vorfällen, Dolman selbst beginnt an seinem Verstand zu zweifeln und letztendlich muss er die Stadt verlassen.

Zurück in England erzählt Evelyn selbst über den Aufenthalt in der winterlich kalten, düsteren Stadt. Ausführlich berichtet er über einige unheimliche Ereignisse, die bereits bei der Ankunft in dem Palazzo Dioscuri am Canal Grande ihren Anfang hatten.
Die schaurigen Geschichten über den kalten, geräumigen Palazzo, die sein dubiöser Besitzer seinen Gästen gleich am ersten Abend servierte, die unheimlichen Gestalten welche in den sonst leeren Räumen des Gebäudes plötzlich erschienen und die kalte, von Nebel umhüllte Stadt, machten dem verwirrten Schriftsteller zu schaffen. Er fühlte sich verfolgt und zweifelte an seinem Verstand. Doch all diese unheimlichen Vorfälle hinderten ihn nicht nach heimlichen Abenteuern in den Gaststätten der verhassten Stadt zu suchen.

Fast hätte ich Mitleid mit dem in einer fremden, unheimlichen Stadt verlassenen Ehemann, der sich laut über sein ungerechtes Schicksal beschwerte. Aber kann ich der Erzählung des gekränkten, geschwätzigen Ehemannes und gleichzeitig eines enttäuschten Mitgiftjägers Glauben schenken?

Evelyn Dolman ist kein sympathischer Protagonist des Romans. Mit Zweifel und Misstrauen habe ich seine unglaubliche Geschichte verfolgt, in der er vor allem als selbstgefälliger Snob glänzt.

Der Roman ist hochspannend. Nicht nur die merkwürdigen Geschehnisse in der Stadt der Gondeln lassen viel Raum für Spekulationen, auch der unzuverlässige Erzähler Evelyn trägt mit seiner Erzählung erheblich dazu bei. Für viel Spannung sorgen einige interessante Wendungen und das spektakuläre Ende, für welches der Autor einige Überraschungen parat hält.

Nicht nur die interessante Handlung hat mich für diesen Roman begeistert. Vor allem die fesselnde Sprache des Autors, mit der er meisterhaft die schaurige Atmosphäre vermittelt und das düstere Bild der Stadt Venedig gekonnt zeichnet, haben mich fasziniert.

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