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Veröffentlicht am 12.04.2026

Signora Portalettere

Die Briefträgerin
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Die Eheleute Anna und Carlo Greco kommen 1934 mit ihrem kleinen Sohn Roberto nach Lizzanelleo in Süditalien. Das kleine Dorf ist die Heimat von Carlo, der glücklich ist, wieder in daheim zu sein. ...

Die Eheleute Anna und Carlo Greco kommen 1934 mit ihrem kleinen Sohn Roberto nach Lizzanelleo in Süditalien. Das kleine Dorf ist die Heimat von Carlo, der glücklich ist, wieder in daheim zu sein. Für die Norditalienerin Anna gestaltet sich der Neuanfang schwieriger. Auch wenn sie in die Familie ihres Mannes aufgenommen wird, fühlt sich Anna fremd und unverstanden. Anna widersetzt sich den strengen Konventionen, die in dem kleinen Dorf herrschen und wird Briefträgerin. In ihrem Privatleben muss sie sich bald eingestehen, dass sie für den Bruder ihres Mannes Gefühle empfindet, die über das verwandtschaftliche Verhältnis hinausgehen.

Das schön gestaltete, zum Inhalt des Buches passende Cover hat mich sehr angesprochen. Vom Inhalt des Buches bin ich dann auch nicht enttäuscht worden.
Francesca Giannone hat ihre Erzählung in Süditalien der Jahre von 1934 bis 1961 angesiedelt. Inspiriert zu diesem historischen Roman wurde die Autorin durch das Leben ihrer Urgroßmutter, der ersten Postbotin Italiens. In ihrer Erzählung übernimmt diese Rolle sehr überzeugend Anna Greco. Der Roman beginnt mit dem Tod von Anna und findet seine Fortsetzung mit der Ankunft Annas, ihres Ehemannes sowie des kleinen Sohnes im Dorf Lizzanello. Die Autorin überzeugt durch ihren klar verständlichen, emotionalen und überaus bildhaften Schreibstil.

Sie hat sämtliche Figuren der Handlung sehr authentisch dargestellt. Die Familiengeschichte der Grecos nimmt dabei eine zentrale Stelle ein. Eindrucksvoll schildert Francesca Giannone das freundschaftliche Verhältnis der Brüder Carlo und Antonio, das durch nichts zu trüben ist. Auch die übrigen Familienmitglieder und ihre teilweise schwierige Situation im Leben nehmen einen Platz ein. Bewundernswert ist die Rolle Annas, die keine Anstellung als Lehrerin findet. Sie lässt sich nicht entmutigen und entscheidet sich gegen Widerstände für die Stelle der ersten Briefträgerin des Ortes. Sie ist nun für die Bewohner des Ortes die Signora Portalettere. Darüber hinaus engagiert sie sich für mittellose Frauen und gründet für diese ein Haus. Hier sind die Frauen nicht nur sicher untergebracht, sondern haben auch die Möglichkeit zu lernen. Die Zeit des Krieges wird von der Autorin nur kurz angeschnitten.

Neben der Familiengeschichte zeichnet die Autorin ein lebendiges Bild der damaligen gesellschaftlichen Verhältnisse in Süditalien. Francesca Giannone ist ein lesenswerter Roman mit Tiefgang und großen Gefühlen gelungen. Das Buch wird mir noch lange in Erinnerung bleiben. Ich vergebe gerne fünf Sterne und spreche eine Leseempfehlung aus.

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Veröffentlicht am 04.03.2026

Im Moor

Moorland. Die Zwillinge
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Die Zwillinge Nike und Jana verschwinden nach einem Ausflug ins Moor spurlos. An der Suche nach den beiden beteiligen sich zahlreiche Bewohner des nahe gelegenen kleinen Ortes. Die Suche bleibt ...

Die Zwillinge Nike und Jana verschwinden nach einem Ausflug ins Moor spurlos. An der Suche nach den beiden beteiligen sich zahlreiche Bewohner des nahe gelegenen kleinen Ortes. Die Suche bleibt zunächst erfolglos. Später taucht eine Kamera auf, mit Bildern der Zwillinge auf ihrem TikTok-Kanal. Kommissarin Malia Gold, einst selbst in der Gemeinde wohnhaft, übernimmt den Fall.

Das düster gestaltete Cover stimmt so richtig auf diesen Thriller ein. Andreas Winkelmann hat mit dem ersten Band seiner neuen Moorland-Reihe erneut ein kriminalistisches Meisterwerk geschaffen.

Mit Kommissarin Malia Gold schickt der Autor eine engagierte, wenn auch an sich selbst zweifelnde Persönlichkeit, ins Rennen. Malia war 15 Jahre nicht mehr in ihrer Heimat, immer irgendwie selbst auf der Flucht. Sie hat Probleme mit ihrer Mutter Ruth, deren Lösung ihr angesichts der vermissten Zwillinge keine Zeit lässt. Der Fall verlangt die gesamte Aufmerksamkeit sowie Erfahrung der Kommissarin.

Der Autor überzeugt in gewohnter Weise von der ersten Seite an durch Spannung. Er zeichnet eine so unheimliche und düstere Atmosphäre der Moorlandschaft sowie des gesamten Geschehens, dass die Kälte und Einsamkeit sofort in das Bewusstsein des Lesers gerät. Zudem hat Andreas Winkelmann interessante Charaktere geschaffen. Dazu zählt neben Malia und ihren Kollegen vor allem ihre Mutter Ruth, die das Moor so gut kennt, wie kein anderer Bewohner des Ortes.

Zweifel und Vorurteile der Bewohner gegenüber Menschen, die erst vor kurzem in den Ort gezogen sind, nehmen auch einen Raum ein. Es ist aber gerade der Zugezogene, der nach und nach Malias Vertrauen gewinnt und sich aktiv in den Fall einbringt. Der Autor erzählt aus verschiedenen Perspektiven der unterschiedlichen Figuren, was die Spannung zusätzlich steigert. Er baut sehr viele Wendungen ein, die atemlos machen. Ich konnte den Thriller kaum aus der Hand legen. Es handelt sich um einen grandiosen Pageturner, für den ich fünf Sterne vergebe und eine deutliche Leseempfehlung ausspreche.

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Veröffentlicht am 25.01.2026

Die Flutwelle

Grenzfall – Ihr Grab in den Fluten
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Auf der deutschen und österreichischen Seite der Alpen, in der Grenzregion Karwendel, hat ein heftiges Unwetter zu Stürmen und Überflutungen geführt. In der Folge wurden Häuser zerstört und Menschen ...

Auf der deutschen und österreichischen Seite der Alpen, in der Grenzregion Karwendel, hat ein heftiges Unwetter zu Stürmen und Überflutungen geführt. In der Folge wurden Häuser zerstört und Menschen sind tot oder werden vermisst. Als in einer Schlucht ein Toter gefunden wird, stellt sich schnell heraus, dass der Mann ermordet wurde. Die deutsche Oberkommissarin Alexa Jahn nimmt die Ermittlungen auf. Währenddessen wird ihr österreichischer Kollege, Chefinspektor Bernhard Krammer, mit dem Verschwinden einer Frau konfrontiert. Beide ermitteln nicht nur angesichts des Unwetters in einer kritischen Situation.

Eine dunkle Gebirgslandschaft sowie ein reißender Fluss, das Cover passt bestens zum Inhalt des Krimis und stimmt darauf ein.

Der Prolog beginnt sehr spannend – eine einsame Frau befindet sich in ihrem Wohnmobil in einer beängstigenden Situation. Anna Schneider schildert diese Lage so authentisch, dass ich Gänsehaut bekommen habe. Der Krimi verläuft in der Folge spannend und sehr temporeich weiter. Sämtliche Schauplätze und die mit dem Unwetter verbundenen Situationen sind so authentisch beschreiben, dass ich mich darin hineinversetzen konnte.

Nicht nur für die sympathischen deutsch-österreichischen Ermittler Alexa und Bernhard bricht mit der Flutkatastrophe, einem Mordopfer sowie vermissten Personen eine arbeitsreiche Zeit an. Die Hilfsbereitschaft von Einsatzkräften und Zivilpersonen ist angesichts der Katastrophe groß, was die Autorin eindrucksvoll schildert. Die Mordermittlung läuft trotz der schwierigen Umstände schnell an. Anna Schneider hat familiäre Probleme, Gewalt gegen Frauen und deren dramatische Folgen detailliert zum Ausdruck gebracht.

Naturgewalten und die daraus resultierenden Auswirkungen nehmen einen breiten Raum ein und deprimieren. Insgesamt ist es der Autorin perfekt gelungen, mehrere Kriminalfälle miteinander zu verbinden. Das Buch hat mich von der ersten bis zur letzten Seite gefesselt und bestens unterhalten. Ein spannender Krimi mit starken Figuren, dafür vergebe ich gerne fünf Sterne und spreche eine Leseempfehlung aus.

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Veröffentlicht am 05.01.2026

Zwischenzeit

Oxen. Interregnum
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Geheimdienstchef Axel Mossmann bittet Niels Oxen und Margrethe Frank um Hilfe. Er hat Hinweise darauf, dass der zerschlagen geglaubte Geheimbund Danehof vor dem Wiederaufbau steht. Mossmann bleibt ...

Geheimdienstchef Axel Mossmann bittet Niels Oxen und Margrethe Frank um Hilfe. Er hat Hinweise darauf, dass der zerschlagen geglaubte Geheimbund Danehof vor dem Wiederaufbau steht. Mossmann bleibt nicht viel Zeit, da er nur vorübergehend den Geheimdienst leiten darf. Niels, Margrethe sowie Polizistin Sally stehen im Laufe der Ermittlungen vor einigen Rätseln. Sie gelangen nicht voran, zudem kommt es zu weiteren tödlichen Zwischenfällen.

Bereits das düster gestaltete Cover lässt Schlüsse auf den Inhalt des Buches zu. Nachdem ich bereits den Vorgängerroman "Pilgrim" mit Begeisterung gelesen habe, wurde ich auch von dem neuen Thriller des Autors Jens Henrik Jensen nicht enttäuscht. Hier geht es neben skrupellosen politischen Machtspielen im eigenen Land auch um Einflüsse fremder Regierungen.

Dem Autor gelingt es meisterhaft, zahlreiche Wendungen einzubauen, so dass die Lektüre nie langweilig wird. In den einzelnen Kapiteln kommen die verschiedenen Protagonisten abwechselnd zu Wort. Haben der Mord an einem dänischen Generalstaatsanwalt und einem chinesischen Studenten miteinander zu tun? Außerdem kommen weitere Menschen ums Leben.

Ich hatte mich schon für Niels gefreut, dass er endlich mehr Zeit für seinen Sohn Magnus erübrigen kann, als Mossmann ihn mit der neuen, vom Danehof ausgehenden Gefahr konfrontiert. Wieder kommt das nicht einfache Privatleben von Niels und Margrethe nicht zu kurz. Die Balance zwischen den persönlichen Bereichen der beiden und ihrer Arbeit gelingt dem Autor perfekt. Die bewährten Ermittler Niels, Margrethe und Sally erhalten bei diesem Fall tatkräftige Unterstützung von der engagierten Polizistin Dajana Djukic.

Skrupellose politische Machtspiele sowie der Einfluss fremder Mächte – das von Jens Henrik Jensen aufgegriffine Thema erscheint mir leider nicht völlig realitätsfremd. Authentische Charaktere, eine fesselnde und temporeiche Handlung, ich habe mich mit diesem brillanten Politthriller bestens unterhalten gefühlt. Ich vergebe fünf Sterne und spreche eine unbedingte Leseempfehlung aus.

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Veröffentlicht am 03.12.2025

Harte Nachkriegszeit

Die weiße Nacht
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Der Nachkriegswinter des Jahres 1946 in Berlin ist hart – Kälte, Hunger und Tod bestimmen das Leben der Menschen. Die junge Fotografin Lou Faber durchstreift Berlin auf der Suche nach geeigneten ...

Der Nachkriegswinter des Jahres 1946 in Berlin ist hart – Kälte, Hunger und Tod bestimmen das Leben der Menschen. Die junge Fotografin Lou Faber durchstreift Berlin auf der Suche nach geeigneten Fotomotiven, die sie an Zeitschriften verkauft. Zufällig entdeckt sie im Schnee eine weibliche Leiche. Lou findet es merkwürdig, dass die Hände der Toten gefaltet sind. Kriminalkommissar Alfred König leitet die Ermittlungen. Bald wird auch mit Hilfe von Lous Fotos klar, dass es sich um Mord handelt. Es soll nicht bei der einen Toten bleiben. Die Verdachtsmomente weisen zurück in die finstere Vergangenheit der NS-Zeit.

Das ebenso schlicht wie ansprechend gestaltete Cover hat mich neugierig auf das Buch gemacht. Viel brauchte es dazu nicht, denn Anne Stern zählt seit langem zu meinen Lieblingsautorinnen. Mit Begeisterung habe ich von ihr die Reihe um die Hebamme „Fräulein Gold“ gelesen. Mit dem Roman „Die weiße Nacht“ ist Anne Stern ein grandioser Auftakt zur neuen Krimiserie gelungen.
Die Autorin beschreibt die Atmosphäre im Berlin des Nachkriegswinters 1946/1947 so atmosphärisch dicht und zielsicher, dass der Leser das Gefühl hat, dabei zu sein. In dem präzise formulierten Plot geraten verschiedene Milieus miteinander in Berührung. Anne Stern hat vielschichtige, beeindruckende Charaktere geschaffen. Da sind die Jugendlichen Gerti und Justus, eigentlich noch fast Kinder. Beide sind trotz ihrer Jugend mit allen Wassern gewaschen und mit dem Schwarzmarkthandel bestens vertraut. Eine andere Möglichkeit, in dieser harten Zeit zu überleben, bleibt ihnen nicht. Der einäugige Kommissar Alfred und die Fotografin Lou können auf den ersten Blick unterschiedlicher nicht sein. Doch nicht nur ihre schwere Vergangenheit in Nazideutschland schweißt sie zusammen, sondern auch der unbedingte Wille, den oder die Täter zu finden. Aber auch das Privatleben der sympathischen Hauptprotagonisten kommt nicht zu kurz.
Anne Stern ist nicht nur ein sehr lesenswerter Krimi gelungen, sondern zugleich ein lebendiges, historisches Zeitporträt. Ich habe mich bestens unterhalten gefühlt, vergebe für diesen Krimi fünf Sterne und spreche eine unbedingte Leseempfehlung aus.

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