Romy Hausmann hat einen so spannenden und verzwickten Krimi geschrieben, da konnte einem beim Hören schon mal der Atem stocken. 2003 - Julie Novak ist verschwunden, offensichtlich entführt, nach der sehr ...
Romy Hausmann hat einen so spannenden und verzwickten Krimi geschrieben, da konnte einem beim Hören schon mal der Atem stocken. 2003 - Julie Novak ist verschwunden, offensichtlich entführt, nach der sehr niedrigen Lösegeldforderung bleibt jedes weitere Zeichen von den Entführern und von ihr aus. Zwanzig Jahre später versucht ein True-Crime-Podcastteam, diesen unerklärlichen Fall neu aufzurollen. Wechselnde Protagonisten und die jeweiligen Sprecher lassen keine Langeweile aufkommen. Ich habe dem Hörbuch gebannt bis zum Schluss zugehört, eigentlich ist es fast ein Hörspiel. Dass es zum Ende hin immer undurchsichtiger, aber bisweilen eben auch vorhersehbarer wird, störte mich ein wenig. Zur Handlung und Lösung dieses Falls möchte ich mich aber nicht äußern, niemanden den Spaß und die Spannung verderben.
Die Sprecher sind allesamt ein tolles Gespann! Allen voran der Vater des Opfers, den Felix Manteuffel als dementer Chirurg mit Bravour liest. Uve Teschner, einer meiner liebsten Hörbuchsprecher, gibt dem Verdächtigen Daniel Profil.
Interessant ist das "Innenleben" eines True-Crime-Podcasts, mir hat das gut gefallen, mit welchen Ideen und Methoden da vorgegangen wird.
Fazit: spannend, aber etwas in die Länge gezogen, gute Hörempfehlung.
Diese Rezension gibt meine eigene Meinung wieder und wurde nicht mit Hilfe von KI erstellt.
Der Versuch, Simon Dubnow zu gedenken
Es gibt in Leipzig ein Leibniz-Institut für jüdische Geschichte und Kultur, das den Namen Simon Dubnow trägt. Gabriel Bronstein versucht, diesen bedeutenden Wissenschaftler ...
Der Versuch, Simon Dubnow zu gedenken
Es gibt in Leipzig ein Leibniz-Institut für jüdische Geschichte und Kultur, das den Namen Simon Dubnow trägt. Gabriel Bronstein versucht, diesen bedeutenden Wissenschaftler noch einmal zum Leben zu erwecken, aber tatsächlich ist er in Riga, genauer am 8. Dezember beim Massaker im Wald von Rumbula von den Deutschen umgebracht worden. Sein Werk aber, vor allem die zehnbändige Geschichte des jüdischen Volkes, hat sich der Nachwelt erhalten.
Die Geschichte, die der Autor um Simon Dubnow bzw. um den jungen Israeli David Dubnow, der wähnt, er könnte mit Simon verwandt sein, fabuliert, fühlt sich ein bisschen übertrieben an. "Gefunden" hat sie der Journalist Rafael Shapiro, der sie versehentlich ausdruckt und sich in ihr verstrickt.
Immer wieder las ich bewegende Szenen, die in Riga spielen, Anfang der 1970er Jahre und während des Zweiten Weltkrieges, trotzdem konnte mich dieses Buch nicht vollkommen überzeugen. David Dubnow, der da durch Riga geisterte, blieb für mich immer eine Kunstfigur. Mit Judica, Davids Angebeteter, oder mit Opa Samuel, "vor dem Krieg war er Rabbiner und Kantor. Leute aus ganz Lettland kamen nach Riga, um Rabbiner Samuel Melamed singen zu hören", ging es mir ähnlich.
Trotzdem, was mir sehr gefiel, waren die ausführlichen Anmerkungen im Glossar, die mir das Buch und die jüdische Geschichte von Riga dann doch sehr nahebrachten.
Ich habe bei Recherchen nach der eigenen Familiengeschichte auch Riga betrachtet, der Ehemann meiner Großtante wurde im Wald von Biķernieki, auch ein Wald in Riga, ermordet. Das war auch der ursprüngliche Anlass, dass ich zu diesem Buch gegriffen habe.
Wer sich für die Geschichte interessiert, dem empfehle ich das Buch, auch wenn es sich nicht sofort erschließt, berührt es doch, wenn man weiß, dass nur ein Prozent der Rigaer Juden den Holocaust überlebt hat. Wie es den wenigen Überlebenden, die in der Sowjetunion blieben, ergangen ist, ist dann schon wieder eine neue Geschichte.
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Jo Nesbø, der Krimischriftsteller aus Norwegen, siedelt seinen neuen Kriminalroman in Minnesota an, offenbar eine Region, in der Schusswaffen zum täglichen Geschäft gehören und leider auch zu den Todesursachen, ...
Jo Nesbø, der Krimischriftsteller aus Norwegen, siedelt seinen neuen Kriminalroman in Minnesota an, offenbar eine Region, in der Schusswaffen zum täglichen Geschäft gehören und leider auch zu den Todesursachen, die immer wieder zu Diskussionen führen. Ermittler Bob Oz ist die neue Hauptfigur – Harry Hole muss ich nun vergessen –der nun bei Jo Nesbø die Verkaufszahlen ankurbeln wird. Denn auch dieser neue Krimi und seine Protagonisten sind dem Autor gut gelungen. Oz ist natürlich nicht der Liebling der Kollegen, der Vorgesetzten erst recht nicht. Immer wieder gerät er mit den Befehlen in Konflikt. Konflikte hat er aber auch privat, er trägt die Schuld am Tod seiner dreijährigen Tochter Frankie, dieses Motiv wird den ganzen Verlauf des Kriminalfalles begleiten, den Oz nun, ein paar Jahre nach Frankies Tod im Fokus hat.
Die Kriminalstory wechselt ständig von 2016 zur aktuellen Zeit, Oz verfolgt eine Spur, die sich als vollkommen irrsinnig und ekelerregend herausstellt. Um nicht die Spannung zu nehmen, werde ich zusätzlich zu den Infos des Verlages auf dem Cover nichts erzählen. Für mich hat es sehr lange gedauert, bis sich echte Spannung einstellte, das Finale ist wieder ein echtes Nesbø-Finale.
Ich habe das Hörbuch gern gehört, David Nathan ist ein prädestinierter Nesbø-Interpret, er gibt dem Hörer das Gefühl, mittendrin im Geschehen zu sein, was wirklich sensationell ist. Über die Längen kann auch Nathan nicht hinweghelfen, aber sie vergehen dann von selbst. Mir fehlt der alte Harry Hole doch ein wenig, aber zumindest gefällt mir Oz besser als die Figuren aus Der König.
Fazit: eine zurückhaltende Hörempfehlung, 4 Sterne
Diese Rezension gibt meine eigene Meinung wieder und wurde nicht mit Hilfe von KI erstellt.
Ich möchte schreiben, dass das Buch mir gefallen hat, ich möchte schreiben, dass das Buch mir nicht gefallen hat, ich möchte schreiben, dass ich das Buch eigentlich am Anfang von „Freitag“ abbrechen wollte. ...
Ich möchte schreiben, dass das Buch mir gefallen hat, ich möchte schreiben, dass das Buch mir nicht gefallen hat, ich möchte schreiben, dass ich das Buch eigentlich am Anfang von „Freitag“ abbrechen wollte. Und dass ich es vor dem Rezensieren beinahe vollständig noch einmal gelesen habe. Ambivalenter geht es nicht. Und so ist das ganze Buch, anziehend und gleichzeitig abstoßend, liebevoll und voller Wut. Die schwedische Autorin Anna Brynhildsen (Jahrgang 1992) schreibt aus eigener Erfahrung, die Protagonistin Irma ist ihrer Oma nachempfunden, ob sie sich selbst als Sara sieht, das weiß ich nicht, vielleicht, vielleicht ist der Roman autofiktional. Interessant auf jeden Fall.
Wer aber ist Evi? Sie lebt in Schweden, in Malmö, sie hat jüdische Vorfahren. Evis Uroma Irma wurde als Kind nach Schweden mit einem Kindertransport geschickt, ihre Schwester Nina war dabei, ihre Eltern nicht, sie hat sie nie wieder gesehen. Aber sie hat eine Familie gegründet, der jüngere Sohn Mats, der eigentlich Max heißen sollte, ist Evis Vater. Mats Bruder hat auch eine Tochter, Sara, doppelt so alt wie Evi, völlig auf Evi fixiert, mit fundamentalen Ängsten. Da ist Sara nicht allein, auch Evi hatte Ängste, hat versucht Selbstmord zu begehen, hat sich geritzt, und wurde immer mehr zu Außenseiterin. Als jüdisches Mädchen im protestantischen Schweden, in Malmö, von wo oft über Rechtsradikalismus berichtet wird, ist es sicher nicht einfach. Wenn das Mädchen dann noch das Gefühl hat, auch in der eigenen Familie eher die Außenseiterin zu sein, wird es problematisch. Sara versucht, Evi aufzufangen, aber eigentlich braucht sie selbst mehr als ein Netz und doppelten Boden. Denn sie ist schwanger und glaubt, sie wäre als Mutter ungeeignet. Also macht sie einen Termin für eine Abtreibung, aber bitte erst nächste Woche.
Denn für diese Woche ist Berlin geplant. Mats, Evi und Sara wollen im Jüdischen Museum neun Briefe übergeben, die aus dem Nachlass der kürzlich verstorbenen Oma Irma stammen. Letzte Zeugnisse des Holocaust. Initiator der Schenkung ist Mats, Evi und Sara würden die Briefe lieber behalten. Wobei das tatsächliche Interesse am Inhalt eher oberflächlich ist. Mats hat natürlich auch noch ein schwieriges Problem, er will sich von Anna, seiner Frau scheiden lassen, Sara weiß davon, Evi ist ahnungslos.
Mats und Sara treffen sich seit Jahren einmal im Monat in einer Kneipe, besprechen all das Unaussprechliche und sprechen sich immer wieder gegenseitig Mut zu. Und so beginnt nach den ersten umfassenden Familieninformationen, in einem eher holprigen Stil, mit Ortsbeschreibungen, die im „abgespacten“ Wohnviertel gipfeln, und Berichten über Saras Berliner Bekanntschaft Johannes das Kapitel „Freitag“. Ich war von den Tiraden dermaßen genervt, dass ich das Buch abbrechen wollte, aber plötzlich kam im Kapitel „Freitag“ ein Extrakapitel „Wie wir hier gelandet sind“. Ich las von der Familie Wolff aus Pyritz, von den Großeltern und Eltern von Irma und Nina, und es hat mich gepackt. Plötzlich wurde mir das Buch vertraut, plötzlich spürte ich Mitgefühl. Der Stil der Erzählung las sich, als hätte ein neuer Schriftsteller begonnen, das Buch weiterzuschreiben. Irmas Eltern lernten sich in Berlin kennen, das Terrain ist mir vertraut.
Der Leser erfährt die gesamte Familiengeschichte der Wolffs in Häppchen, eingestreut in die Tage von Mats, Sara und Evi in Berlin. Die Berlinbesichtigungen, der „Schoah-Trip“ sind nicht gerade nach Evis Geschmack, der einsame Stolperstein und der mickrige Grabstein von Max Wolff, der Besuch des Jüdischen Museums, nichts reißt sie so richtig mit. Sara gerät auf Abwege, Evi auch, aber keine geht verloren. Entweder hatte ich mich im Laufe der Geschichte an den Schreibstil gewöhnt oder er wurde tatsächlich angenehmer zu lesen. Ich las jedenfalls das Buch bis zum Ende. Und dann gleich noch einmal die wichtigsten Stellen, um die Erinnerung an die Gespräche und Geschehnisse wiederzubeleben, die durch mein frustriertes Lesen gleich wieder in Vergessenheit geraten waren.
Die Holocaust-Thematik mit all ihren tragischen Momenten ist mir sehr vertraut, auch die Problematik der Kindertransporte – die schweren psychischen Belastungen von Kindern wie Eltern inbegriffen. Zur Frage der Traumabewältigung, der Traumavererbung habe ich unzählige Beiträge gelesen. (Ich empfehle hier besonders das Buch „Der blinde Fleck“ von Stephan Lebert und Louis Lewitan.) Und ich kenne das auch aus der eigenen Familie, wer nahe Verwandte durch den Holocaust verloren hat, weiß, wovon ich schreibe. Trotzdem bin ich der Meinung, dass nicht jede psychische Erkrankung von Nachkommen, gleich welcher Generation, aus diesen Traumata entspringt.
Evi ist ein Kind, das in einer Familie großgeworden ist, die mit Irma eine Überlebende in ihrer Mitte hatten, aber jüdisch sein ist nicht nur in Malmö ein Problem, Oma Irma war zum Glück ziemlich pragmatisch. „Sie hatte nie richtig an Gott geglaubt, und jetzt noch weniger. Im Laufe der Jahre hatte man sie so vieles genannt, in Schweden wie in Deutschland: Verräterin, Abtrünnige, unrein.“ Dass auch Juden untereinander ziemlich hässlich zueinander sein können, das hatte Irma noch in Deutschland in der Schule erlebt.
Es ist gleichgültig, wo man lebt, wenn es nicht gerade Israel ist, jüdisch ist immer anders. Als Mats Ehefrau Anne einmal den verbalen Versuch macht, und von der Aliya (Auswanderung nach Israel) als Möglichkeit spricht, stößt sie auf totale Ablehnung. Wir sind Schweden, wir bleiben hier! sagt die Familie. Evi wird sich mit diesem Leben in Schweden, so wie es im Buch durchscheint, auch arrangieren. Bezeichnend dafür sind ihre Wünsche, die sie beim Museumsbesuch auf ein Wünscheblatt schreibt. Ich bin zuversichtlich: Evi wird es schaffen, von jeglichem Trauma Abstand zu finden und zu halten. Sie lebt, hier und jetzt. Aber zu viel Spoilern soll dann doch nicht sein, jeder muss selbst lesen, was Evi gern möchte.
Fazit: Diese Reise nach Berlin ist eine Reise in die Vergangenheit der Zukunft. Keine leichte Lektüre, aber sehr intensiv miterlebbar. Ein eher trauriges Zitat zum Abschluss: „Wenn man geboren wird, ist alles, wie es sein soll, dann wird es langsam immer schlechter.“ Ich würde darauf antworten, dass man es nur selbst besser machen kann. Wenn man Glück hat. Nach reiflicher Überlegung gebe ich dann doch eine Leseempfehlung.
Diese Rezension gibt meine eigene Meinung wieder und wurde nicht mit Hilfe von KI erstellt.
Eine ungewöhnliche Mischung ist der Autorin Hanna Aden nach ihren beiden Fräulein-Lena-Romanen, die ich noch nicht gelesen habe, gelungen. Der Roman Die Kryptografin spielt 1953/1954 in München, Hauptperson ...
Eine ungewöhnliche Mischung ist der Autorin Hanna Aden nach ihren beiden Fräulein-Lena-Romanen, die ich noch nicht gelesen habe, gelungen. Der Roman Die Kryptografin spielt 1953/1954 in München, Hauptperson ist die zwanzigjährige Margot, die ihren Lebenstraum von einer Mathematikprofessur wahrmachen will. Schon das ist ein ungewöhnlicher Wunsch für eine Vertriebene aus Pommern, aber zu ihrem scharfen mathematischen Verstand gesellt sich ihre Synästhesie, von der sie insgeheim vermutet, es könnte eine psychische Erkrankung sein. Es handelt sich jedoch um ein seltenes neurologisches Phänomen, bei dem die Betroffenen die Verschmelzung von verschiedenen Sinneseindrücken erleben. Kürzlich las ich über den isländischen Star-Pianisten Víkingur Ólafsson, dass er z. B. die Töne E und F mit den Farben Gün und Blau in Verbindung bringt, er sieht sozusagen seine gespielten Töne farblich. Ein sehr seltenes Phänomen, dass mir in einem Roman in der Intensität und Ausführlichkeit noch nie begegnet war. Die Protagonistin Margot ist so sensibel, dass sie z. B. Charaktereigenschaften und Ereignisse mit farblichem Empfinden spürt, und auch Bedrohungen empfindet sie farblich. Einher geht das mit einem hohen mathematischen Verständnis und Talent, so dass es für mich kaum nachvollziehbar war, wie sie ihre Aufgaben löste.
Begleitet wird Margot auf dem Weg von und zur Uni von einem Studenten aus der Nachbarschaft, Jasper, der sich im Laufe des Romans als egozentrischer und besitzergreifender Narzisst herausstellt. Eine der unangenehmen Figuren im Roman. Die sensible Margot tut sich schwer damit, ihn wieder abzuschütteln.
Hinzu kommt ihr Trauma aus Kriegstagen, das immer nur angedeutet wird, nie erzählt sie jemandem davon, auch nicht ihrer Mutter. Ganz am Ende des Romans wird Margot vielleicht begreifen, dass das Verschweigen und Verdrängen jener Erinnerungen nicht hilfreich für eine Beziehung zu einem Mann sind. Vielleicht hilft er ihr?
Aber es gibt auch Freunde und Bekannte, die ein Pendant bilden, Sue, eigentlich Susanne, im gleichen Alter wie Margot, aber in einer prekären Situation, sie ist Waise, kümmert sich um zwei jüngere Schwestern und einen mit nur einem Bein aus dem Krieg heimgekehrten Bruder. Diese Sue träumt von mehr als eine Nähstelle bei Madame Palach, sie möchte Journalistin werden, eine, die den berufstätigen Frauen eine Stimme gibt und von den Ungerechtigkeiten ihres Lebens berichtet. Ihr Bruder, der nach neun Jahren der Lethargie plötzlich wieder zum Leben erwacht, will ihr helfen. Aber Sues linksgerichtete Art der journalistischen Arbeit, die sie versucht allein auf die Beine zu stellen, ist bei Zeitungen und Zeitschriften nicht gefragt. Sie wird sich anpassen müssen, um einmal in dieser Umgebung zu bestehen. Sue wird ein großer Raum gegeben in diesem Roman, eigentlich ist das ein zweiter breiter Handlungsstrang, der sich durchs ganze Buch zieht.
Margot und Sue befreunden sich, aber diese Freundschaft wird auf eine harte Probe gestellt, denn Margot lässt sich zum Geheimdienst, dem späteren BND, anwerben und nimmt die Geheimhaltungsklausel nach einem ersten Ausrutscher so ernst, dass sie sich wie in ein Schneckenhaus zurückzieht. Wie sie sich aus dieser Situation befreit, was sie erlebt, beschreibe ich hier nicht. Margot und Sue machen ihren Weg. Einige Längen in Szenen oder Dialogen bergen die Gefahr, etwas zu überspringen, das vielleicht für den Handlungsverlauf wichtig ist. Auch die politischen Diskussionen, die mich sehr an heutige erinnern, haben mir nicht besonders gut gefallen, aber das ist sehr subjektiv betrachtet. Gefallen hat mir aber die Figur der Elsa, die als Schwester von Sue mit 13 Jahren mittendrin ist in der Pubertät, der Selbstfindung und der Zukunftsplanung. Eine Lieblingsfigur konnte ich für mich in diesem Roman nicht ausmachen, aber ich konnte mich gut in Margots Mutter hineinversetzen; Margot und Sue hingegen blieben mir beide fremd.
Wer sich jedoch erhofft, einen tieferen Einblick in die Arbeit eines Geheimdienstes der 1950er Jahre zu erhaschen, der wird vielleicht enttäuscht sein. Nach der Anwerbung, die sehr echt beschrieben wird, ist die Geheimdiensttätigkeit nur am Rande erwähnt. Es sind mehr die persönlichen Aspekte, die im Roman in Pullach zum Tragen kommen. Und Kryptografin ist nicht gleich Agentin. Aber Margot hat vielleicht tatsächlich Chancen, eine zu werden.
Das Cover ist aus meiner Sicht etwas zu glatt geraten, das Bild der jungen Frau, die gezeigt wird, hat für mich nichts mit der im Roman geschilderten Margot zu tun. Die Typografie nimmt das Thema Kryptografie auf, kryptische Überschriften, unleserliche Seitenzahlen und ein schwaches Schriftbild haben mein Lesevergnügen etwas getrübt.
Fazit: Ein Roman, der den Leser in die Nachkriegsjahre in München mitnimmt und auf authentische Weise die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Protagonisten schildert. Der Roman von Hanna Arden birgt viel Interessantes und liest sich spannend und gut.