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Veröffentlicht am 25.01.2026

Ein transformierender Kokon für die Figuren und Leser gleichermaßen

Schöne Scham
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In „Schöne Scham“ schreibt Bianca Nawrath gekonnt über eine 5-er Gruppe von Menschen die durch ein gemeinsames Wochenende Masken fallen sehen und lassen und sich unliebsamen Tatsachen stellen müssen.
Dabei ...

In „Schöne Scham“ schreibt Bianca Nawrath gekonnt über eine 5-er Gruppe von Menschen die durch ein gemeinsames Wochenende Masken fallen sehen und lassen und sich unliebsamen Tatsachen stellen müssen.
Dabei seziert Nawrath gekonnt die Zwischenmenschliche Beziehungsebene und gibt uns Leser:innen einen Einblick in die Gedanken der 3 Protagonistinnen: Ola, Amalia und Kata.

Ich muss zugeben, dass ich nicht viel vom Buch wusste als ich angefangen habe es zu lesen und somit auch von der Handlung zum Teil wirklich überrascht wurde und das im positiven Sinne.
Denn die Beziehungen sind hier nicht unbedingt das was sie zu sein scheinen. Durch feine, besonders zu Beginn, subtile Hinweise die Nawrath in die Gedanken und das Handeln ihrer Figuren streut eröffnet sich uns nach und nach was dahinter steckt.
Ich wünschte wirklich ich hätte dieses Buch in einer Leserunde lesen können, hier könnte man wunderbar diskutieren und auseinander nehmen, hinein interpretieren und neu zusammen fügen.

Nawraths Schreibstil hat mich beeindruckt, ihre klare Sprache ohne Schnörkel lässt sich nahezu einatmen, so schnell fliegt man durch die Seiten und schnell hatte mich die Geschichte damit in ihren Bann gezogen. Dazu kommt dass ich es liebe etwas über Wortbedeutungen zu erfahren, womit sie mich beim Schmetterling ja direkt zu beginn für sich gewonnen hat.
Und oh, wie genial ist dadurch bitte dieses Cover?!

Ich möchte wirklich nicht zu viel verraten, daher verzichte ich auf weitere Storydetails. Nur das noch: Die Geschichte spinnt sich immer dichter um uns Leser, gleichermaßen wie um die Figuren, so dass wir am Ende selbst mit ihnen in einem Kokon sitzen und hoffen dürfen als Schmetterling daraus hervor zu gehen.

Einzig das Ende war für mich dann doch etwas zu schnell, etwas zu hoppla, hop.
Dafür versöhnte mich dann aber wieder der Epilog, der, aus meiner Sicht, Realistisch und nicht zu „Friede, Freude, Eierkuchen“ zeigt wie es weitergegangen ist.

Etwas für jeden der sich nicht scheut einen ehrlichen Blick auf Beziehungs-- und Machtstrukturen innerhalb von Freundschaften zu werfen. Ein Buch dass auch meiner Meinung nach die Leser:innen in die Verantwortung bringt darüber nachzudenken: Was würde ich tun?
Somit ein Buch für Leute, die etwas aus Büchern mitnehmen möchten und sei es nur die Wortherkunft des Schmetterlings.

Von mir gibt es 4,5 Sterne. Eventuell mein Januar Highlight.

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Veröffentlicht am 25.01.2026

Originell, rasant und nimmt sich nicht zu ernst

Whispers of Destiny
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Justine Pust hat mit „Whispers of Destiny“ sicherlich eine der originellsten Ideen umgesetzt, die ich seit langem gelesen habe: Ein Call-Center für den Tod!

Unbedingt lesen wollte ich es ja schon bei ...

Justine Pust hat mit „Whispers of Destiny“ sicherlich eine der originellsten Ideen umgesetzt, die ich seit langem gelesen habe: Ein Call-Center für den Tod!

Unbedingt lesen wollte ich es ja schon bei der Ankündigung: „Säureregen statt Spice“ und ich finde das trifft das Lesevergnügen doch sehr gut (plus einige andere Dinge unter anderem ein Hund! Juchuh!)
Pusts Schreibstil ist dabei locker, flockig, gefühlt von der Hüfte Weg und passend zur Story nimmt sich das gesamte Buch auch nicht all zu ernst (Ja, Bonald Bump, ich schiele dabei auf dich!).
Dabei muss man schon einiges an Humor ab können um diese Geschichte zu feiern. Klar, hier und da war mir mancher Gag auch mal etwas zu konstruiert oder zu drüber und so kleinere Plotholes sind auch nicht wirklich Wasser... bzw Säureregen dicht. Aber ganz ehrlich: Der Tod hat sich hier den Menschen offenbart, möchte Mister genannt werden und hat ein Call Center eröffnet. Wie viel Ernsthaftigkeit habt ihr erwartet?
Die Charaktere haben mir gut gefallen, auch wenn so mancher nicht in die absolute Tiefe geht und hier und da auch mal die Klischee Kiste bemüht wird. Etwas flach waren da zb die „Magenta Moms“ oder auch die Bösen , aber irgendwie hat das hier nicht mein Lesevergnügen gestört.
Blue als Protagonistin war herrlich zynisch und ich konnte richtig nachvollziehen wie schwer ihr die Entscheidung über Leben und Tod jedes Mal gefallen ist.

Ich hoffe nur, dass Pusts Zukunftsvision mal nie Realität wird.

Ab und zu musste ich es dann doch mal aus Seite legen, weil ich dann doch durch die aktuelle Weltlage ein, zwei Tage nichts von Dystopie lesen wollte. Aber das geht absolut nicht zu Lasten des Buches.

Für mich hatte das Buch etwas davon eine wirklich gute Action Komödie zu sehen: Ich fühlte mich sehr, sehr gut unterhalten und wie Jason Statham den Wagen genau weiter fährt nachdem er dreimal durch die Luft Saltos gemacht hat interessiert dabei ja auch niemanden.

Wer ein schnelles, lustiges und sich selbst nicht zu ernst nehmendes Buch lesen möchte, dass einige schräge und sehr coole Ideen parat hat ist hier genau richtig.

Von mir gibts 4,5 Sterne

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Veröffentlicht am 25.01.2026

McCurdys erster Roman - Rohe erzählerische Kraft

Half His Age
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Mit „Half his Age“ haben wir das zweite Buch von Jennette McCurdy und ihren ersten Roman.
McCurdy erzählt dabei mit roher, teilweise brutaler Ehrlichkeit eine Geschichte über die Besessenheit zweier Menschen ...

Mit „Half his Age“ haben wir das zweite Buch von Jennette McCurdy und ihren ersten Roman.
McCurdy erzählt dabei mit roher, teilweise brutaler Ehrlichkeit eine Geschichte über die Besessenheit zweier Menschen voneinander die sie irgendwie mit Liebe verwechseln. Zeitgleich schwingt immer wieder die Moralfrage mit, denn, wie der Titel nun mal vermuten lässt, ist Waldo halb so alt wie ihr Love Interest. Und das ist noch nicht einmal das größte Problem, ist er auch noch ihr Lehrer und verheiratet mit Kind.
McCurdy lässt kein noch so unschönes Detail aus und schafft es genau mit dieser Art mich in Waldos Bann zu ziehen.
Waldo ist eine starke Protagonistin, auch wenn sie es selbst nicht immer so sieht. Dabei seziert McCurdy durch Waldos Ich-Perpektive gekonnt die Schwächen unserer Generation und der der jüngeren.
Die „Liebes“geschichte ziwschen Waldo und ihrem Lehrer (den sie im übrigen immer nur Mr Korgy und nicht beim Vornamen nennt) ist dabei für den/die Leser:in kein bisschen romantisch. Ganz im Gegenteil, es ist fast körperlich schmerzhaft die Szenen zu lesen. Und das ist hier nichts schlechtes. Teilweise fühlte ich mich angeekelt und ich denke genau so sollte es auch sein.
Dabei ist der gesamte Roman klug und durch seine Unverblümtheit fesselnd. Meine Gefühle gingen zwischen „hoffentlich schafft sie es endlich da raus“, „was zur Hölle bin ich lesend?“ und „Oh f*ck, ich verstehe genau was sie meint und fühle mit ihr“ hin und her.

Einzig am Ende hätte ich mir die ein oder andere moralische Einordnung gewünscht, andersrum kann ich nicht sagen, wie genau ich mir diese vorstelle.
Da wir den Roman ja, wie bereits erwähnt, aus Waldos Sicht erfahren, wüsste ich auch nicht wie genau das gemacht werden sollte. Eventuell über einen Epilog ein paar Jahre später?
Alles in allem enttäuscht aber auch das Ende nicht. Ich hätte gerne einfach nur noch ein bisschen mehr erfahren.

Das Buch ist für alle, die zeitgenössische Protagonistinnen und die harte Realität in Romanen lieben und sich nicht vor der genauen Beschreibung diverser Körperflüssigkeiten scheuen.

Von mir gibt es 4,5 Sterne

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Veröffentlicht am 10.01.2026

Spannend bis zur letzten Seite: Braucht sich nicht hinter Potter oder Panem zu verstecken

The Ordeals
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Irgendwo wurde „The Ordeals“ als Mischung aus Harry Potter und Tribute von Panem angepriesen. Leicht schmunzelnd dachte ich da noch: Ja, ja, klar... Augenrollen inklusive.
Aber was soll ich sagen: Ich ...

Irgendwo wurde „The Ordeals“ als Mischung aus Harry Potter und Tribute von Panem angepriesen. Leicht schmunzelnd dachte ich da noch: Ja, ja, klar... Augenrollen inklusive.
Aber was soll ich sagen: Ich wurde eines Besseren belehrt, zum Glück.
Denn dieses Buch hat mich wirklich gefesselt und die Vergleiche mit den beiden Genre Größen können sich durchaus sehen lassen.

„The Ordeals“ muss sich auf jeden Fall weder hinter Potter noch Panem verstecken. Es ist auch keine reine Mischung oder gar ein Abklatsch. Es nimmt einfach einige Grundgedanken und wandelt diese für sich in eine ganz eigene Geschichte um. Eine Geschichte die mich stellenweise atemlos durch die Seiten hat fliegen lassen. Ich wollte schneller lesen, nur um endlich diese großartigen Spannungsbögen zu durchschauen, um zu verstehen was in dieser Welt vor sich geht und um zu wissen was mit diesen wundervollen Charakteren geschieht.
Auf keiner Seite wurde ich enttäuscht. Sowohl die Welt, als auch die Figuren sind fantastisch ausgearbeitet, haben Tiefe und Potential zu etwas ganz großem zu werden (Zweiter Band, ich schiele auf dich!).

Rachel Greenlaw erschafft eine ganz eigene Art von Magie und Gesetzmäßigkeiten. Dabei ist sie nicht zimperlich mit den Nerven und Gefühlen der Leser:innen und das ist gut so. Alles fühlte sich so echt, so zum Greifen an.
Mein einziger Kritikpunkt ist der Spice, der hier aus meiner Sicht nur reingebracht wurde weil es auf dem Buchmarkt momentan zum guten Ton gehört mindestens eine Spice Szene drin zu haben. Da die Szene aber nichts für die Story oder ihre Charaktere getan hat, war sie mMn nur drin um drin zu sein... Allerdings störte es auch weder das Pacing noch sonst etwas und war auch nicht total unsinnig platziert. Von daher alles fein. Ich hätte die Seiten halt nur persönlich lieber mit mehr Inhalt gefüllt.

Was das Ende angeht... Puh. Sagen wir mal so: Ich hoffe Band zwei kommt ganz, ganz bald.

4,5 Sterne von mir.

Ein Buch für alle die Potter und Panem geliebt haben und doch etwas ganz eigenes mit Vibe in die Richtung lesen möchten. Etwas für jeden der Magie, Machtspiele und eine ganz eigene Welt zu schätzen weiß.

Stellt sich nur noch die Frage: Botaniker, Alchemist, Illusionist oder Maskierer? Was wärst du am liebsten und wie willst du überleben?

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Veröffentlicht am 17.12.2025

Keine leichte Kost, aber ein Buch das einen noch lange gedanklich begleiten wird

Madwoman
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Wow, was für ein Buch! Der Titel hält was er verspricht und geht dabei noch so viel tiefer als ich zunächst erwartet hatte. Aber eins nach dem anderen.

Was hatte ich den überhaupt erwartet? Eine Geschichte ...

Wow, was für ein Buch! Der Titel hält was er verspricht und geht dabei noch so viel tiefer als ich zunächst erwartet hatte. Aber eins nach dem anderen.

Was hatte ich den überhaupt erwartet? Eine Geschichte über eine Vorstadt Mutti, die extrem unter Druck gerät und dann ihr Lügenkonstrukt aufarbeiten muss. Dann habe ich wieder dran gedacht, dass das Buch ja aus dem Programm des Pola Verlags ist und somit garantiert tiefer gehen wird und damit hatte ich recht!

Unsere Protagonistin Clove ist Überlebende von familiärer Gewalt. Ihre Kindheit und Jugend war bestimmt von ihrem gewalttätigen Vater. Dementsprechend hat sie Coping-Strategien entwickelt die sie geschützt haben und für die meisten Leser:innen sicherlich zu teilen seltsam anmuten.
Dennoch und gerade deswegen ist es hier so unfassbar spannend ihr durch ihren Alltag zu folgen. Doch nicht nur das, denn als Leser:in steigen wir genau an dem Tag ein, an dem ihr so sorgfältig konstruiertes Kartenhaus beginnt in sich zusammen zu fallen.
Was wir ab da lesen ist eine unglaublich gekonnt inszenierte Studie einer Frau unter Druck, die eigentlich keinerlei Druck mehr ertragen kann.
„Ich spielte mit, wenn er alle Frauen als verrückt bezeichnete, als sei ich nicht auch eine Frau.“
Chelsea Bieker hat es geschafft eine Protagonistin zu erschaffen der man nicht immer nah sein muss um sie zu fühlen. Viele von Cloves schon wahnhaft anmutenden „Rettungsleinen“, wie das akribische darauf Achten was man zu sich nimmt und ihre übertriebene Angst davor ihren Kindern könnte etwas geschehen, kenne ich leider auch nur all zu gut von mir. Und so fühlte ich mich selbst ein ums andere Mal ertappt (wenn auch nicht aus den gleichen Gründen und nicht in dieser Heftogkeit. Zum Glück.)
„Ich brauchte diese Stimmen in den Podcasts, um meine eigene Stimme nicht zu hören, die mir nur schlimme und verrückte Dinge zurraunte,...“

Denn alles was Clove tut ist der tragische Versuch Kontrolle über ihr Leben zu erlangen, zu behalten und das in Situationen die sich jeglicher Kontrolle entziehen.
Dadurch, dass wir Clove aus der Ich-Perspektive quasi beim Denken zu hören, können wir ihren Druck nachempfinden. Das war mir persönlichen an mancher Stelle schon schmerzhaft zu nah dran und gerade dadurch so, so gut (ich hoffe ihr wisst was ich meine).

Sobald man erst mal im Sog von Cloves Geschichte gefangen ist kann man nicht mehr wirklich damit aufhören, zu sehr möchte man wissen wie es denn nun weitergeht.
Dabei ist Biekers Schreibstil sehr hilfreich, denn er lässt sich sehr gut schnell lesen und ist dabei auch noch wirklich schön.
Mehr als nur einen Satz habe ich in meine persönliche Zitatesammlung übernommen. Pointiert und messerscharf versteht Bieker es die Welt um Clove herum durch ihre Augen zu sezieren und oft schmerzhafte Wahrheiten auf den Punkt zu bringen. Ihr Schreibstil ist wirklich lesenswert.

Spannend fand ich auch, dass fast alle Personen mit Namen genannt werden, aber die zu denen Clove eine tiefer gehende Bindung hat (mal abgesehen von den Kindern) haben keine Namen. Ihr erster Freund ist der Metzger, ihr Mann, ihr Mann usw. Gerade so als wollte Clove genau diese Menschen nicht zu nah an sich ran lassen, sie nicht zu menschlich werden lassen, mit eigenen Namen. Denn Menschen, die einem nahe stehen, können einem Schmerzen zu fügen (so meine Hobby Psychologische Deutung).

Die Triggerwarnungen bezüglich familiärer Gewalt sollte man allerdings wirklich ernst nehmen. Leichte Kost ist das Buch nicht. Dafür eins, das einen noch lange gedanklich begleiten wird.

Ich wünschte ich hätte dieses Buch in einer Leserunde gelesen. Ich glaube hier gäbe es viel Potenzial für Diskussionen.

„Die Welt ist nicht für Mütter gemacht.“
Einzig ein paar Details gegen Ende fand ich dann doch zu „zufällig“ wodurch ich einen halben Stern von 5 Sternen abziehe.

Daher 4,5 Sterne von mir.

Fazit: Ein spannendes Psychogramm einer Überlebenden familiärer Gewalt unter Druck. Spannend bis zur letzten Seite und großartig geschrieben.

Wenn ihr einen Buchclub habt, lest es gemeinsam!

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