Ein transformierender Kokon für die Figuren und Leser gleichermaßen
Schöne SchamIn „Schöne Scham“ schreibt Bianca Nawrath gekonnt über eine 5-er Gruppe von Menschen die durch ein gemeinsames Wochenende Masken fallen sehen und lassen und sich unliebsamen Tatsachen stellen müssen.
Dabei ...
In „Schöne Scham“ schreibt Bianca Nawrath gekonnt über eine 5-er Gruppe von Menschen die durch ein gemeinsames Wochenende Masken fallen sehen und lassen und sich unliebsamen Tatsachen stellen müssen.
Dabei seziert Nawrath gekonnt die Zwischenmenschliche Beziehungsebene und gibt uns Leser:innen einen Einblick in die Gedanken der 3 Protagonistinnen: Ola, Amalia und Kata.
Ich muss zugeben, dass ich nicht viel vom Buch wusste als ich angefangen habe es zu lesen und somit auch von der Handlung zum Teil wirklich überrascht wurde und das im positiven Sinne.
Denn die Beziehungen sind hier nicht unbedingt das was sie zu sein scheinen. Durch feine, besonders zu Beginn, subtile Hinweise die Nawrath in die Gedanken und das Handeln ihrer Figuren streut eröffnet sich uns nach und nach was dahinter steckt.
Ich wünschte wirklich ich hätte dieses Buch in einer Leserunde lesen können, hier könnte man wunderbar diskutieren und auseinander nehmen, hinein interpretieren und neu zusammen fügen.
Nawraths Schreibstil hat mich beeindruckt, ihre klare Sprache ohne Schnörkel lässt sich nahezu einatmen, so schnell fliegt man durch die Seiten und schnell hatte mich die Geschichte damit in ihren Bann gezogen. Dazu kommt dass ich es liebe etwas über Wortbedeutungen zu erfahren, womit sie mich beim Schmetterling ja direkt zu beginn für sich gewonnen hat.
Und oh, wie genial ist dadurch bitte dieses Cover?!
Ich möchte wirklich nicht zu viel verraten, daher verzichte ich auf weitere Storydetails. Nur das noch: Die Geschichte spinnt sich immer dichter um uns Leser, gleichermaßen wie um die Figuren, so dass wir am Ende selbst mit ihnen in einem Kokon sitzen und hoffen dürfen als Schmetterling daraus hervor zu gehen.
Einzig das Ende war für mich dann doch etwas zu schnell, etwas zu hoppla, hop.
Dafür versöhnte mich dann aber wieder der Epilog, der, aus meiner Sicht, Realistisch und nicht zu „Friede, Freude, Eierkuchen“ zeigt wie es weitergegangen ist.
Etwas für jeden der sich nicht scheut einen ehrlichen Blick auf Beziehungs-- und Machtstrukturen innerhalb von Freundschaften zu werfen. Ein Buch dass auch meiner Meinung nach die Leser:innen in die Verantwortung bringt darüber nachzudenken: Was würde ich tun?
Somit ein Buch für Leute, die etwas aus Büchern mitnehmen möchten und sei es nur die Wortherkunft des Schmetterlings.
Von mir gibt es 4,5 Sterne. Eventuell mein Januar Highlight.