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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 04.02.2026

Kluges Buch zu wichtigem Thema

Gelbe Monster
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Clara Leinemann erzählt in „Gelbe Monster“ von Charlie, einer Mathematikstudentin, die nach einer eskalierten Beziehung mit einem blauen Auge und vielen offenen Fragen in einem Antiaggressionstraining ...

Clara Leinemann erzählt in „Gelbe Monster“ von Charlie, einer Mathematikstudentin, die nach einer eskalierten Beziehung mit einem blauen Auge und vielen offenen Fragen in einem Antiaggressionstraining für Frauen landet. Zwischen Rückblicken auf die Beziehung zu ihrem Exfreund Valentin und den Gesprächen in der Gruppe beginnt Charlie, ihre eigene Geschichte neu zu betrachten.

Besonders gefallen hat mir das Thema des Romans: weibliche Wut, Gewalt von Frauen in Beziehungen und emotionale Abhängigkeiten stehen hier im Mittelpunkt. Ein Blickwinkel, den ich so bisher noch nicht oft literarisch gelesen habe und der mich sehr zum Nachdenken gebracht hat. Der Schreibstil ist flüssig, nüchtern und zugleich sehr eindringlich. Die Kürze des Buches, die kurzen Kapitel und die wechselnden Zeitebenen sorgen für ein hohes Tempo und einen durchweg hohen Spannungsbogen. Stück für Stück wird klar, was Charlie getan hat und genau dieses Enthüllen über das gesamte Buch hinweg hat mich oft innehalten lassen, weil man ihre innere Anspannung und Eskalationsbereitschaft deutlich spürt.

Mit Charlie selbst konnte ich mich zwar nicht vollständig identifizieren, sie war mir aber in ihrer Widersprüchlichkeit sympathisch und viele ihrer Gedankenmuster ließen sich zumindest nachvollziehen. Gleichzeitig hätte ich mir stellenweise mehr Tiefe gewünscht, vor allem im Hinblick auf die angedeutete traumatische Kindheit und die Hintergründe ihres Handelns. Hier blieb für mich das „Warum?“ etwas zu offen. Der Titel „Gelbe Monster“ fügt sich am Ende sehr stimmig in das Gesamtbild ein und das Ende des Buches fand ich passend.

Alles in allem ist „Gelbe Monster“ ein kluges Buch mit einem wichtigen Thema, das lange nachhallt mit nur kleinen Schwächen in der Tiefe.

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Veröffentlicht am 26.01.2026

Buch, das zum Mitdenken einlädt

Der unsichtbare Elefant
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Max A. Edelmann eröffnet seinen Roman „Der unsichtbare Elefant“ mit einem Schockmoment: Der Düsseldorfer Anwalt Thomas Siebenmorgen nimmt sich vor den Augen einer Kollegin das Leben. Zurück bleiben viele ...

Max A. Edelmann eröffnet seinen Roman „Der unsichtbare Elefant“ mit einem Schockmoment: Der Düsseldorfer Anwalt Thomas Siebenmorgen nimmt sich vor den Augen einer Kollegin das Leben. Zurück bleiben viele Fragen: Bei María, die ihn mochte, bei Viktor vom Kriseninterventionsteam und bei Simon, einem jungen Staranwalt, der im Auftrag der Kanzlei Nachforschungen anstellt. Aus unterschiedlichen Perspektiven nähern sie sich Thomas’ Geschichte an und stoßen dabei auf Thomas' Familiengeschichte.

Der Schreibstil ist sehr kurzweilig und durch die extrem kurzen Kapitel möchte man als Leser das Buch gar nicht aus der Hand nehmen. Die Perspektiven und unterschiedlichen Figuren sorgen für Abwechslung und machen das Lesen lebendig. Besonders spannend fand ich die Verknüpfung der persönlichen Schicksale mit Religion, Kunst, Kultur und Literatur. Das Ganze wirkt wie ein Puzzle, das den eigenen Horizont erweitert. Man kann sehr viel aus diesem Roman mitnehmen. Manche Verbindungen waren für mich etwas zu konstruiert und bewusst „gemacht“. Dennoch bleibt am Ende ein stimmiger, versöhnlicher Abschluss.

Insgesamt ist „Der unsichtbare Elefant“ eine tolle Lektüre für alle, die gerne intertextuell lesen, Rätsel mögen und Lust haben auf ein Buch, das zum Mitdenken einlädt und lange nachhallt.

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Veröffentlicht am 03.12.2025

Eine sehr intensive Liebesgeschichte!

Herzlauschen
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Nicole und Uli Swidler erzählen in ihrem Roman „Herzlauschen“ die Geschichte von Tessa Boden, einer gefeierten Sopranistin, die auf den größten Bühnen der Welt zu Hause ist und dennoch ein einsames Leben ...

Nicole und Uli Swidler erzählen in ihrem Roman „Herzlauschen“ die Geschichte von Tessa Boden, einer gefeierten Sopranistin, die auf den größten Bühnen der Welt zu Hause ist und dennoch ein einsames Leben führt. Bei einem Konzert in der Berliner Philharmonie begegnet sie Paul, einem gehörlosen Bildhauer, dessen geheimnisvolle Ausstrahlung sie sofort in ihren Bann zieht. Zwischen beiden entwickelt sich eine ungewöhnliche und intensive Liebesgeschichte.

Besonders gelungen fand ich den flüssigen und leichten Schreibstil, der einen als Leserin direkt abholt. Auch die Charaktere sind sehr einfühlsam gezeichnet, und gerade die Einbettung des Themas Taubheit ist überzeugend umgesetzt. Man kann sich sehr gut in die Figuren hineinversetzen und mitfühlen.

Der Spannungsbogen der Geschichte ist durchweg hoch und nimmt vor allem gegen Ende nochmal deutlich Fahrt auf. Gleichzeitig wirkte die Liebe zwischen Tessa und Paul auf mich stellenweise etwas zu idealisiert und "zu schön, um wahr zu sein". Ich bin teilweise gar nicht hinterhergekommen, wie intensiv die Gefühle der beiden bereits waren, ohne dass ein "echter Austausch" die Beziehung greifbar gemacht hat.

Trotzdem bleibt „Herzlauschen“ für mich ein schöner und vor allem berührender Roman, der voller Liebe steckt und durch seine besondere Konstellation im Gedächtnis bleibt.

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Veröffentlicht am 03.12.2025

Geschichte, die zum Nachdenken anregt

Drei Tage im Schnee
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„Drei Tage im Schnee“ von Ina Bhatter erzählt die Geschichte von Hannah, die in einem übervollen Großstadtalltag gefangen ist. Termine, Verpflichtungen und Erwartungen bestimmen ihr Leben, bis sie sich ...

„Drei Tage im Schnee“ von Ina Bhatter erzählt die Geschichte von Hannah, die in einem übervollen Großstadtalltag gefangen ist. Termine, Verpflichtungen und Erwartungen bestimmen ihr Leben, bis sie sich für ein paar Tage in ein kleines Holzhaus am See zurückzieht. Dort begegnet sie der kleinen Sophie. Die beiden verbringen eine unbeschwerte Zeit miteinander und Hannah beginnt über ihr Leben zu reflektieren.

Der Schreibstil des Buches ist sehr klar und flüssig. Die Idee, das "innere Kind" in einer Figur wie Sophie sichtbar zu machen wurde sehr liebevoll umgesetzt. Ich habe mich oft in Hannah wiedergefunden und sie stellt vermutlich für sehr viele Menschen unserer heutigen Gesellschaft eine Identifikationsfigur dar. Manche Gedanken und Ratschläge, die im Verlauf auftauchen, sind nicht neu, aber dennoch wertvoll, weil sie einen daran erinnern, wie selten man ihnen im Alltag wirklich Raum gibt. Auf eine Art hat das Buch etwas von einem Ratgeber: nicht belehrend, aber als Anstoß zum Innehalten. Die Geschichte liest sich insgesamt schnell und ist perfekt für einen ruhigen Nachmittag zum Innehalten. Gleichzeitig wirkt vieles sehr geradlinig, fast glatt. Ich habe mich gefragt, ob man ein ganzes Leben in nur drei Tagen wirklich so nachhaltig verändern kann. An manchen Stellen hätte ich mir mehr Tiefe gewünscht.

Trotzdem bleibt „Drei Tage im Schnee“ ein sehr empfehlenswertes Buch, das einem wichtige Impulse mitgibt.

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Veröffentlicht am 02.12.2025

Kluges Buch!

Aufsteiger
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Peter Huth erzählt in seinem Roman „Aufsteiger“ eine Geschichte, die tief in die Realität der Medienwelt eintaucht. Es geht um Macht, Moral und den schmalen Grat, der Absturz und Erfolg voneinander trennt.

Im ...

Peter Huth erzählt in seinem Roman „Aufsteiger“ eine Geschichte, die tief in die Realität der Medienwelt eintaucht. Es geht um Macht, Moral und den schmalen Grat, der Absturz und Erfolg voneinander trennt.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht Felix Licht, der alles für die Karriere geopfert hat. Doch der letzte Schritt, die Berufung zum Chefredakteur seines Magazins, bleibt aus. Stattdessen wird Zoe Rauch in den Posten befördert. Jene junge und schöne Frau, an die Felix seit ihrem Praktikum vor zwölf Jahren denken muss.

Besonders spannend ist, dass viele aktuelle Themen aufgegriffen werden – vom Streit um „Klimakleber“ bis hin zu sprachlichen Debatten über das Thema Gendern oder die Nutzung des Worts „Indianer“. Man merkt zwar, dass das Buch wohl schon 2023 fertiggestellt wurde, doch büßt es dadurch nichts an Aktualität ein. Im Gegenteil: Gerade weil vieles noch immer diskutiert wird, wirken die Bezüge sehr nah an unserer Gegenwart.

Die Figuren sind präzise herausgearbeitet und an realen Vorbildern orientiert, was das Lesen umso spannender und authentischer macht. Huths Schreibstil ist dabei flüssig und kurzweilig, der Spannungsbogen bleibt über die gesamte Länge hoch – man möchte das Buch kaum aus der Hand legen.

Alles in allem ist „Aufsteiger“ ein kluges Buch, das die Mechanismen in der Medienwelt realistisch widerspiegelt und zugleich die Frage stellt, wie dünn die Linie zwischen Gold- und Schattenseite tatsächlich ist. Für mich ein sehr lesenswerter Roman und eine Empfehlung für jeden, der gerne mal einen Blick hinter die Kulissen werfen möchte.

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