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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 09.03.2026

Ungewöhnlicher Ansatz, starke Sprache

Grüne Welle
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Esther Schüttpelz erzählt in "Grüne Welle" von einer Frau, die nach einem Kinobesuch mit ihrer besten Freundin eigentlich nach Hause fahren will. Eine Umleitung bringt sie jedoch von ihrem Weg ab und aus ...

Esther Schüttpelz erzählt in "Grüne Welle" von einer Frau, die nach einem Kinobesuch mit ihrer besten Freundin eigentlich nach Hause fahren will. Eine Umleitung bringt sie jedoch von ihrem Weg ab und aus dieser kleinen Abweichung wird eine immer längere Fahrt durch die Nacht, während sich gleichzeitig die Frage für die Frau aufdrängt, ob die Rückkehr zu ihrem Mann überhaupt noch der richtige Weg wäre.

Der Roman hat für mich einen sehr spannenden Ansatz, der meiner Meinung nach sehr gelungen umgesetzt wird. Der Schreibstil ist poetisch und eindringlich mit vielen Impulsen, die zum Nachdenken anregen. Gleichzeitig liest sich das Buch sehr schnell, weil der Spannungsbogen durchweg hoch ist und man wissen möchte, wohin diese scheinbar endlose Fahrt führen wird.

Besonders interessant fand ich, dass die Figuren anonym bleiben und vieles nur angedeutet wird. Situationen und Hintergründe werden nie vollständig erklärt, wodurch viel Raum für Interpretation bleibt. Für mich sehr stimmig zum gesamten Buch.

Etwas enttäuscht hat mich allerdings das Ende. Zwar bleibt es offen, was grundsätzlich gut zum gesamten Buch passt. Für mich fühlte es sich jedoch eher wie ein Rückschritt an, und ich hätte mir für die Frau einen anderen Ausgang gewünscht.

Alles in allem ist „Grüne Welle“ aber ein toller Roman mit einem ungewöhnlichen erzählerischen Ansatz.

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Veröffentlicht am 20.02.2026

Ein mehr als würdiger Nachfolger von "Klapper"!

Salto
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Kurt Prödel erzählt in "Salto" von Marko, der nach dem Abitur zwischen Zukunftsangst, Liebeskummer und Stillstand feststeckt, während seine große Liebe Claire entschlossen in ein neues Leben aufbricht. ...

Kurt Prödel erzählt in "Salto" von Marko, der nach dem Abitur zwischen Zukunftsangst, Liebeskummer und Stillstand feststeckt, während seine große Liebe Claire entschlossen in ein neues Leben aufbricht. Die beiden treiben immer weiter auseinander bis ihre Leben aus dem Gleichgewicht geraten.

Wie schon in seinem Debütroman "Klapper" überzeugt Kurt Prödel mit einem sehr flüssigen und eindringlichen Schreibstil. Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen. Die Geschichte greift schwerwiegende Themen wie Trauer, Krankheit, Identitätsfindung, Abschied und erste Liebe auf, wodurch eine eher melancholische Grundstimmung entsteht, die jedoch sehr gut zur Handlung passt. Besonders gefallen hat mir der Aufbau mit den oft sehr kurzen Kapiteln, die aber umso mehr Inhalt bereithielten. Ich habe mir beim Lesen einige Zitate markiert, z. B. "Vielleicht sieht Glück so aus wie gebrochenes Licht in einem fleckigen Spiegel." (S. 258)

Die Figuren des Romans sind vielschichtig, auch wenn ich mich nicht immer hundertprozentig mit ihnen identifizieren konnte: Claire blieb für mich etwas distanziert und unnahbar, Marko in manchen Entscheidungen schwer nachvollziehbar. Markos Vater hingegen ist mir sehr ans Herz gewachsen. Weitere Nebenfiguren bleiben eher skizzenhaft, was den Fokus stark auf die innere Entwicklung der Hauptfiguren lenkt.

Alles in allem ist „Salto“ für mich ein mehr als würdiger Nachfolger von „Klapper“: ein intensiver Coming-of-Age-Roman, den ich direkt verschlungen habe. Ich freue mich auf die nächsten Werke von Kurt Prödel.

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Veröffentlicht am 04.02.2026

Kluges Buch zu wichtigem Thema

Gelbe Monster
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Clara Leinemann erzählt in „Gelbe Monster“ von Charlie, einer Mathematikstudentin, die nach einer eskalierten Beziehung mit einem blauen Auge und vielen offenen Fragen in einem Antiaggressionstraining ...

Clara Leinemann erzählt in „Gelbe Monster“ von Charlie, einer Mathematikstudentin, die nach einer eskalierten Beziehung mit einem blauen Auge und vielen offenen Fragen in einem Antiaggressionstraining für Frauen landet. Zwischen Rückblicken auf die Beziehung zu ihrem Exfreund Valentin und den Gesprächen in der Gruppe beginnt Charlie, ihre eigene Geschichte neu zu betrachten.

Besonders gefallen hat mir das Thema des Romans: weibliche Wut, Gewalt von Frauen in Beziehungen und emotionale Abhängigkeiten stehen hier im Mittelpunkt. Ein Blickwinkel, den ich so bisher noch nicht oft literarisch gelesen habe und der mich sehr zum Nachdenken gebracht hat. Der Schreibstil ist flüssig, nüchtern und zugleich sehr eindringlich. Die Kürze des Buches, die kurzen Kapitel und die wechselnden Zeitebenen sorgen für ein hohes Tempo und einen durchweg hohen Spannungsbogen. Stück für Stück wird klar, was Charlie getan hat und genau dieses Enthüllen über das gesamte Buch hinweg hat mich oft innehalten lassen, weil man ihre innere Anspannung und Eskalationsbereitschaft deutlich spürt.

Mit Charlie selbst konnte ich mich zwar nicht vollständig identifizieren, sie war mir aber in ihrer Widersprüchlichkeit sympathisch und viele ihrer Gedankenmuster ließen sich zumindest nachvollziehen. Gleichzeitig hätte ich mir stellenweise mehr Tiefe gewünscht, vor allem im Hinblick auf die angedeutete traumatische Kindheit und die Hintergründe ihres Handelns. Hier blieb für mich das „Warum?“ etwas zu offen. Der Titel „Gelbe Monster“ fügt sich am Ende sehr stimmig in das Gesamtbild ein und das Ende des Buches fand ich passend.

Alles in allem ist „Gelbe Monster“ ein kluges Buch mit einem wichtigen Thema, das lange nachhallt mit nur kleinen Schwächen in der Tiefe.

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Veröffentlicht am 26.01.2026

Buch, das zum Mitdenken einlädt

Der unsichtbare Elefant
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Max A. Edelmann eröffnet seinen Roman „Der unsichtbare Elefant“ mit einem Schockmoment: Der Düsseldorfer Anwalt Thomas Siebenmorgen nimmt sich vor den Augen einer Kollegin das Leben. Zurück bleiben viele ...

Max A. Edelmann eröffnet seinen Roman „Der unsichtbare Elefant“ mit einem Schockmoment: Der Düsseldorfer Anwalt Thomas Siebenmorgen nimmt sich vor den Augen einer Kollegin das Leben. Zurück bleiben viele Fragen: Bei María, die ihn mochte, bei Viktor vom Kriseninterventionsteam und bei Simon, einem jungen Staranwalt, der im Auftrag der Kanzlei Nachforschungen anstellt. Aus unterschiedlichen Perspektiven nähern sie sich Thomas’ Geschichte an und stoßen dabei auf Thomas' Familiengeschichte.

Der Schreibstil ist sehr kurzweilig und durch die extrem kurzen Kapitel möchte man als Leser das Buch gar nicht aus der Hand nehmen. Die Perspektiven und unterschiedlichen Figuren sorgen für Abwechslung und machen das Lesen lebendig. Besonders spannend fand ich die Verknüpfung der persönlichen Schicksale mit Religion, Kunst, Kultur und Literatur. Das Ganze wirkt wie ein Puzzle, das den eigenen Horizont erweitert. Man kann sehr viel aus diesem Roman mitnehmen. Manche Verbindungen waren für mich etwas zu konstruiert und bewusst „gemacht“. Dennoch bleibt am Ende ein stimmiger, versöhnlicher Abschluss.

Insgesamt ist „Der unsichtbare Elefant“ eine tolle Lektüre für alle, die gerne intertextuell lesen, Rätsel mögen und Lust haben auf ein Buch, das zum Mitdenken einlädt und lange nachhallt.

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Veröffentlicht am 03.12.2025

Eine sehr intensive Liebesgeschichte!

Herzlauschen
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Nicole und Uli Swidler erzählen in ihrem Roman „Herzlauschen“ die Geschichte von Tessa Boden, einer gefeierten Sopranistin, die auf den größten Bühnen der Welt zu Hause ist und dennoch ein einsames Leben ...

Nicole und Uli Swidler erzählen in ihrem Roman „Herzlauschen“ die Geschichte von Tessa Boden, einer gefeierten Sopranistin, die auf den größten Bühnen der Welt zu Hause ist und dennoch ein einsames Leben führt. Bei einem Konzert in der Berliner Philharmonie begegnet sie Paul, einem gehörlosen Bildhauer, dessen geheimnisvolle Ausstrahlung sie sofort in ihren Bann zieht. Zwischen beiden entwickelt sich eine ungewöhnliche und intensive Liebesgeschichte.

Besonders gelungen fand ich den flüssigen und leichten Schreibstil, der einen als Leserin direkt abholt. Auch die Charaktere sind sehr einfühlsam gezeichnet, und gerade die Einbettung des Themas Taubheit ist überzeugend umgesetzt. Man kann sich sehr gut in die Figuren hineinversetzen und mitfühlen.

Der Spannungsbogen der Geschichte ist durchweg hoch und nimmt vor allem gegen Ende nochmal deutlich Fahrt auf. Gleichzeitig wirkte die Liebe zwischen Tessa und Paul auf mich stellenweise etwas zu idealisiert und "zu schön, um wahr zu sein". Ich bin teilweise gar nicht hinterhergekommen, wie intensiv die Gefühle der beiden bereits waren, ohne dass ein "echter Austausch" die Beziehung greifbar gemacht hat.

Trotzdem bleibt „Herzlauschen“ für mich ein schöner und vor allem berührender Roman, der voller Liebe steckt und durch seine besondere Konstellation im Gedächtnis bleibt.

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