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Veröffentlicht am 16.02.2026

Sehr schräge Innenschau einer sonderbaren Frau

Der lebende Beweis
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Dieses Buch lässt mich ratlos zurück. Vielleicht hat es eine Botschaft, aber wenn, dann verstehe ich sie nicht. Eine sonderbare Frau ist mit ihrem Mann, ihren beiden Kindern und ihrer Mutter aus der Großstadt ...

Dieses Buch lässt mich ratlos zurück. Vielleicht hat es eine Botschaft, aber wenn, dann verstehe ich sie nicht. Eine sonderbare Frau ist mit ihrem Mann, ihren beiden Kindern und ihrer Mutter aus der Großstadt aufs Land gezogen, in ein kleines Dorf im ehemaligen Ostdeutschland. So richtig wollte sie dort nicht hin und eigentlich wollte sie auch nicht mehr mit ihrem Mann zusammen sein, aber sie hat es halt gemacht, und dann haben sie Kinder bekommen:

"Eigentlich waren wir gerade dabei uns zu trennen, entwickelten in dieser Phase der Abkopplung aber ein seltsames Interesse an Häusern auf dem Land und stöberten abends im Bett durch die Angebote."

"Spüren sie nicht, dass ich ihnen die Mutter, Partnerin, Tochter nur vorspiele? Ist ihnen egal, dass ich nicht anwesend bin?"

"Liebe Kinder .... Jeder verwildert allein. Seid mir nicht böse. Ich kann euch nicht helfen. Ich treibe selbst ziellos durch den Kosmos. Eure Mutter."

Einen Liebhaber gibt es außerdem in der Nähe. Das ganze Buch ist allein aus der Sicht der Frau geschrieben, andere Sichten lernen wir nicht kennen. Die Frau bleibt dem Dorf und seinen Bewohnern fremd und fühlt sich fremd. Sie macht sonderbare Experimente, zum Beispiel legt sie eine Schere an einen öffentlichen Ort und beobachtet heimlich, ob jemand sie nimmt und was weiter damit geschieht. Dazu recherchiert sie zur Vergangenheit des Dorfes, etwa zu früheren Hexenverfolgungen. Ganz am Anfang findet sie auch ein Gehirn in einer Pfütze auf dem Kirchhügel und nimmt es mit, um es zu konservieren. Dazwischen gibt es banale Alltagsbegebenheiten wie Entlausungsversuche der Kinder in der Schule, die erst am mangelnden Bargeld dafür und dann an den Öffnungszeiten der Apotheke scheitern.

Möglicherweise verbirgt sich in diesem Buch irgendeine interessante tiefergehende Symbolik, die ich allein ohne Diskussion mit anderen Lesenden aber nicht entschlüsseln könnte. Zurück bleibt für mich das Psychogramm einer zutiefst verstörten (psychotischen?), selbstbezogenen Frau, die keine Verantwortung für ihre Entscheidungen übernimmt, ruhelos durch ihr Leben irrt und die ich nicht wirklich verstehen kann.

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Veröffentlicht am 14.02.2026

Mutterschaft und Mutter-Tochter-Beziehungen im Spiegel des Zeitgeistes

Brüchiges Plastik
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Dieses Buch beginnt stark, mit einem eindringlichen Gedicht zum Thema Mutterschaft, in dem sehr viel Wahrheit steckt: "Mutterschaft macht müde, Mutterschaft macht zornig, weich, angreifbar, unzuverlässig, ...

Dieses Buch beginnt stark, mit einem eindringlichen Gedicht zum Thema Mutterschaft, in dem sehr viel Wahrheit steckt: "Mutterschaft macht müde, Mutterschaft macht zornig, weich, angreifbar, unzuverlässig, unpünktlich, ungehalten, Mutterschaft macht wütend. Und niemand will eine wütende Mutter sehen." (S. 10)

Doch leider handelt es sich dabei nur um ein Manuskript, das bei dem Verlag, den zwei der Hauptcharaktere betreiben, eingereicht, und von diesem abgelehnt wird. Worum geht es in diesem Buch sonst? Um Eve, die mit Hendrik ein Baby bekommt, Tochter Mia, und gerne eine gleichberechtigtere Aufteilung der Care-Arbeit hätte: doch das klappt nicht, Hendrik ist zu beschäftigt mit den Aufgaben im Verlag, den er gemeinsam mit seiner Kollegin Anthea leitet. Anthea ist kinderlos, Eltern gegenüber nicht sehr aufgeschlossen, und außerdem bisexuell.

Letzteres wird, den Zeitgeist bedienend, auch sonst ein großes Thema in diesem Buch sein: denn Eve bekommt zur Unterstützung Au-Pair-Mädchen Juna aus einem spanisch-sprachigen Land, aber perfekt Deutsch sprechend und auch sonst nicht sehr authentisch wirkend, zur Seite gestellt, und wird mit dieser eine lesbische Affäre beginnen.

Ansonsten gibt es noch die Perspektiven der erwachsenen Mia, die eine Fehlgeburt verarbeiten muss und sich mit dieser Erfahrung von ihrem Partner Tom unverstanden und allein gelassen fühlt. Und die von Gabriele, Eves Mutter, die eine sehr traditionelle Beziehung mit ihrem verstorbenen Mann führte und von ihren beiden Töchtern schon abgelehnt wurde, als diese noch recht kleine Kinder waren. Ja, selbst, als sie mit ihnen schwanger war, hat sie schon wahrgenommen, um was für andersartige Wesen im Vergleich zu ihr es sich bei diesen handeln würde, und danach wurde es nicht besser: "Sowohl Eve als auch Clara wurden in Windeseile zu Töchtern, die ihre Mutter als unnötige Last wahrnahmen, sich von ihr zu lösen versuchten wie Tiere, die sich gegen das Zähmen wehrten." (S. 100)

Ich könnte noch einiges aus dem Inhalt erzählen, aber darum geht es hier nicht. Und ich hätte dieses Buch so gerne gemocht, aber ich finde die Figuren einfach nur klischeehaft, den Zeitgeist bedienend bis unglaubwürdig. Ich war genervt davon, dass auch in diesem Buch wieder an vielen Stellen unbedingt lesbische Liebesbeziehungen und dementsprechende erotische Szenen eingebaut werden mussten ("Eve, die dem Bedürfnis widersteht, mit ihrem Mund Junas Nacken zu berühren, stattdessen ein Messer aus der Schublade holt, sich auf die Unterlippe beißt wie ein Kind, das sich schamhaft ertappt fühlt, viel zu fest", S. 159).

Insgesamt konnte ich auch keinen wirklichen Spannungsbogen finden, der mich gefesselt hätte. Die Kapitel sind aus verschiedenen Frauenperspektiven erzählt, aber auch das hat das Buch für mich nicht retten können.

Ich gebe dem Buch 2,5 Sterne, die ich mit viel Nachsicht für die gute Absicht, Mutter-Tochter-Beziehungen und die Problematik moderner Mutterschaft darzustellen, und insbesondere für das einprägsame Gedicht am Anfang, auf 3 aufrunde.

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Veröffentlicht am 13.02.2026

Zeitgeistsatire, aber nicht ganz mein Humor

Die Unbußfertigen
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Zehn erfolgreiche Influencer werden von dem Medium, in dem sie am erfolgreichsten sind, für ein Wochenende in ein abgelegenes Herrenhaus eingeladen. Anreisen müssen sie mit der Bahn. Es handelt sich um ...

Zehn erfolgreiche Influencer werden von dem Medium, in dem sie am erfolgreichsten sind, für ein Wochenende in ein abgelegenes Herrenhaus eingeladen. Anreisen müssen sie mit der Bahn. Es handelt sich um satirische Verzerrungen der schrägsten Charaktere: ob Incel, Esoterikerin, Rassist, Momfluencerin usw. Von Anfang an gibt es einen raschen Wechsel der Perspektiven und die Charaktere werden in wenigen Sätzen einer nach dem anderen vorgestellt. Insgesamt ist es ein Werk, das zynisch-humorvoll den Zeitgeist im Internet 2.0 porträtieren soll. Das tut es auch auf durchaus scharfsinnige Art und Weise. Ich bin dennoch nicht sehr warm geworden mit diesem Buch... zu überzeichnet und damit flach haben die Charaktere auf mich gewirkt. Vielleicht einfach nicht mein Humor und nicht mein Buch.

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Veröffentlicht am 12.02.2026

Zuerst die anderen beiden Bände lesen

Trag das Feuer weiter
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Von Leila Slimani habe ich schon mehrere Bücher mit Begeisterung gelesen, etwa "Dann schlaf auch du" oder "Sex und Lügen" und ich schätze die Autorin für ihre Erzählkunst und ihr Vermitteln zwischen den ...

Von Leila Slimani habe ich schon mehrere Bücher mit Begeisterung gelesen, etwa "Dann schlaf auch du" oder "Sex und Lügen" und ich schätze die Autorin für ihre Erzählkunst und ihr Vermitteln zwischen den Kulturen sehr.

So habe ich mich auch sehr auf "Trag das Feuer weiter" gefreut. Dieses Buch hat mich aber nicht so packen können wie ihre anderen Werke, für mich sind die Figuren zu blass geblieben und es hat lange gedauert, bis sich eine für mich interessante Handlung entwickeln konnte.

Dazu muss ich allerdings sagen, dass ich in diesem Fall leider die beiden Vorgängerwerke "Das Land der anderen" und "Schaut, wie wir tanzen" noch nicht gelesen habe, da ich dachte, dieses Buch wäre auch als eigenständiges Werk lesbar.

Das ist es wohl grundsätzlich auch so. Wenn ich mir aber die begeisterten Bewertungen derer ansehe, die alle drei Bücher gelesen habe, dann schließe ich daraus, dass die Lektüre dieses Buches sehr davon profitiert, die Vorgängerbände zu kennen. Vermutlich wirken die Figuren dann ganz anders lebendig, weil das Gelesene sofort an viel Vorwissen in Bezug auf diese vielschichtige Familiengeschichte anschließen kann.

Meine Empfehlung ist also: lest zuerst die anderen beiden Werke der Trilogie, bevor ihr euch mit diesem hier beschäftigt.

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Veröffentlicht am 27.01.2026

Wunderschön gestaltet, aber nicht sehr packend

Kleopatra
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Im Vorwort geht die Autorin darauf ein, dass über die mysteriöse Kleopatra als historische Figur leider nur sehr wenig überliefert ist, weshalb fast alles in diesem historischen Roman der Fantasie der ...

Im Vorwort geht die Autorin darauf ein, dass über die mysteriöse Kleopatra als historische Figur leider nur sehr wenig überliefert ist, weshalb fast alles in diesem historischen Roman der Fantasie der Autorin entspringen musste. Das ist ihr also nicht anzulasten.

Die Autorin hat sich auch Mühe gegeben, eine Atmosphäre des alten Ägyptens entstehen zu lassen: mit dem Nil, dem Meer, Pyramiden, dem Sonnengott Re und dem Glauben an übernatürliche Fähigkeiten, die einem von den Göttern gegeben wurden. Die Geschichte ist in der Ich-Form erzählt, wir erleben sie durch die Augen von Kleopatra: zuerst Tochter des Königs und dann, nach dessen Tod, sehr bald Pharaonin. Nicht leicht hatte sie es, und schon bald nach ihrer Thronbesteigung werden Gerüchte über sie verbreitet und ihr nach dem Leben getrachtet. Es kommen einige Grausamkeiten, Morde und Intrigen vor, genauso wie Romantik.

Positiv kann ich anmerken, dass es sich um ein wunderschön gestaltetes Buch handelt, noch einmal mehr in der Farbschnitt-Ausgabe, und es viel Freude macht, dieses Buch in die Hand zu nehmen oder auf dem Schreibtisch liegen zu sehen.

Dennoch hat mich insgesamt das Buch vom Schreibstil her eher kalt gelassen. Die Figuren waren mir zu flach gestaltet, als dass ich wirklich mit ihnen mitgefühlt und mitgefiebert hätte. Sprachlich empfand ich es als sehr simpel, auch für einen historischen Roman, von dem man meist genregemäß nicht die Tiefgründigkeit gehobener Literatur erwarten kann, wie mir schon klar ist.

Insgesamt eignet es sich wohl für eine eher jüngere und tendenziell weibliche Leserschaft, die gerne leichtfüßig unterhalten werden möchte, historische Romane ohne viel Wirklichkeitsbezug, dafür mit romantischen Aspekten, schätzt, und insbesondere auf die optisch sehr schöne Gestaltung Wert legt. Mich hat das Buch leider nicht gepackt.

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