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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 12.07.2018

Heimat

Das Dorf oder Autonomie für Anfänger
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Im allgemeinen interessieren sich die hohen Beamten der EU wenig für die Belange einzelner Bürger aus einem winzigen Örtchen, die haben wichtige Entscheidungen zu treffen über die Wattzahl von Kaffeemaschinen ...

Im allgemeinen interessieren sich die hohen Beamten der EU wenig für die Belange einzelner Bürger aus einem winzigen Örtchen, die haben wichtige Entscheidungen zu treffen über die Wattzahl von Kaffeemaschinen und Staubsaugern, oder sich mit dem drohenden Brexit zu beschäftigen.


Die Bürger von Klein Krams, dessen Existenz schon in Kürze vom Braunkohletagebau beendet werden wird, haben also wenig Hoffnung, dass ihr Antrag auf Autonomie es überhaupt bis auf einen der wichtigen Schreibtische schaffen würde und um so erstaunter ist man dann über die Antwort aus Brüssel.

Der Autor beschreibt in seinem Buch mit einem Augenzwinkern den nicht ganz ernstzunehmenden Kampf David gegen Goliath, ein kleines Dorf gegen die große EU.

Der Kreis der Personen ist recht überschaubar, viele sind ja nicht mehr im Ort geblieben, schrullig, teils überspitzt, aber sehr liebevoll charakterisiert. Die Gruppe der Dörfler ist einem sofort sympathisch und man wünscht ihnen fast den Erfolg ihrer hahnebüchenen Aktion.
Mit viel Humor, aber ohne das Ganze ins Lächerliche zu ziehen spinnt der Autor seine Geschichte, in der es durchaus auch leise und nachdenkliche Momente gibt. Das Thema Heimat und deren Verlust ist Grundstoff für die Geschichte und die Art und Weise wie man damit umgeht. Der Autor verarbeitet dies hier mal ganz anders.

Ein Buch für zwischendurch, schnell und leicht zu lesen, ein durchaus ernster und aktueller Hintergrund amüsant und spritzig verpackt, mit einem Seitenhieb auf die teils groteske Bürokratie der EU.

Veröffentlicht am 12.07.2018

Zweite Chance

Der Flüstermann: Thriller
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Mit diesem Buch konnte ich eine andere Gedankenwelt der Autorin kennenlernen. Anders als in ihren Zorns-Thrillern wird hier ganz im Stil eines klassischen Krimi ala Tatort ermittelt.


Laura Kern, die ...

Mit diesem Buch konnte ich eine andere Gedankenwelt der Autorin kennenlernen. Anders als in ihren Zorns-Thrillern wird hier ganz im Stil eines klassischen Krimi ala Tatort ermittelt.


Laura Kern, die Hauptfigur, kam schon in zwei Vorgängerbüchern zum Einsatz. Ich kannte keines davon, bin aber trotzdem gut mit der Geschichte und den Personen zurechtgekommen. Einige Details, die in den Vorgängern behandelten Ereignisse betreffen, bleiben mir zwar unklar, aber die Autorin streut genug Hinweise in ihren aktuellen Roman, um die Hintergründe zu den handelnden Personen zu verstehen.

Auch in diesem Buch war ich wieder einmal erstaunt, welche Grausamkeiten sich gerade weibliche Krimi/Thriller Autoren ausdenken können. Die Morde werden sehr anschaulich beschrieben, sind aber nicht zu blutrünstig oder auf Effekthascherei bedacht. Die Autorin hat den Tathergang individuell auf die Intention des Täters abgestimmt, gut gelungen.

Die Geschichte wird aus der Sicht der Ermittlerin erzählt, eingestreut werden Rückblicke auf Ereignisse, die sich sechs Jahre zuvor ereignet haben und einige Szenen, in denen wir den Mörder bei seiner Tat begleiten. Der Täter ist so zwar präsent, bleibt aber unerkannt und der Leser kann gut mitermitteln und kriminalisieren.

Das Buch ist sehr angenehm zu lesen, die Spannung ist da, bleibt aber gerade im Mittelteil zu lange auf dem gleichen Level. Hier ist es gut, dass immer wieder Szenen aus dem komplizierten Privatleben der Ermittlerin eingebaut sind, die das Ganze interessant halten. Zum Ende hin geht die Geschichte dann recht flott voran, es kommt zu einer Enthüllung auf die der Leser schon länger gewartet hat, die mir dann aber zu schnell und zu unbefriedigend abgearbeitet wurde. Fast hat es den Anschein, die Autorin wollte das halt unbedingt noch irgendwo im Buch unterbringen. Schade.

Generell hat mich die Geschichte um Laura Kern stark an einen bestimmten amerikanischen Thriller erinnert. An sich nicht schlimm, nur ist hier der Funke nicht ganz übergesprungen, im Vergleich war es mir dann fast schon zu zahm. Trotzdem habe ich in Laura Kern eine interessante und innerlich sehr zerrissene Ermittlerin kennengelernt, die ich auf jeden Fall weiter im Auge behalten werde.

Veröffentlicht am 03.07.2018

Es bleiben Erinnerungen

Eine Liebe, in Gedanken
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Wenn nahe Angehörige versterben ist das natürlich immer eine äußerst emotionale und belastende Situation. Wenn die eigene Mutter stirbt verstärken sich diese Emotionen um ein Vielfaches.

Wie man diesen ...

Wenn nahe Angehörige versterben ist das natürlich immer eine äußerst emotionale und belastende Situation. Wenn die eigene Mutter stirbt verstärken sich diese Emotionen um ein Vielfaches.

Wie man diesen Moment erlebt, und durchlebt, kann man nicht vorhersagen oder planen. Besonders wenn man in den letzten Stunden nicht da gewesen ist, aus welchen Gründen auch immer.
Toni's Tochter war nicht bei ihrer Mutter, obwohl ein Besuch geplant war für diesen Abend, es ging der Mutter nicht gut, sie wollte lieber allein sein und der Tochter die lange Fahrt nicht zumuten. Am nächsten Morgen ist sie tot.

Gleich zu Beginn des Buches durchlebt die Tochter ein imaginäres Gespräch mit ihrer verstorbenen Mutter über ihre letzten Stunden und das Auffinden. Sehr leicht, fast etwas ironisch geht die Autorin durch diese Situation, in der der Charakter der Mutter auf den Punkt gebracht wird, ihre Art zu leben kommt in dieser kurzen Szene zum Ausdruck. Von der Tochter erfährt der Leser eher wenig, die Kapitel im Buch wechseln zwischen Szenen aus Toni's Leben und Momenten in denen wir die Tochter dabei begleiten, wie sie die Hinterlassenschaften ihrer Mutter auflöst.

Die Geschichte um Toni umfasst in erster Linie ihre Liebe zu Edgar. Eine Liebe, die letztlich keine Zukunft hatte, aber in Gedanken immer Bestand.
Die Autorin beschreibt diese Liebe mit wunderbar greifbaren Worten. Sehr bildhaft kann der Leser dem Geschehen folgen. Die Eigenarten der damaligen Zeit sind im Verhalten der Personen gut dargestellt. Als emanzipierte Frau der heutigen Zeit kann man manches nur mit Unverständnis und Kopfschütteln verstehen. Der Zeitgeist ist gut getroffen.
Die Liebesgeschichte wird chronologisch erzählt, unterbrochen von einzelnen Abschnitten aus der heutigen Zeit. Um es dem Leser einfacher zu machen sind die Abschnitte der Liebesgeschichte mit dem jeweiligen Datum gekennzeichnet.

Ich hatte mir bei dem Buch mehr Mutter-Tochter Erinnerungen vorgestellt. Im Prinzip gibt es zwei separate Geschichten.
Die Liebe zwischen Toni und Edgar, in der die Tochter noch nicht vorkommt, die sie aber anscheinend bis ins Detail aus den immer wiederkehrenden Erzählungen ihrer Mutter kennt, und das Auflösen der Wohnung, mit den damit verbundenen Erinnerungen an die Mutter.

Ein sehr gefühlvolles, sensibles Buch, liebevoll und leicht im Umgang mit der Situation des Verlustes. Eine romantische Liebesgeschichte bei der man nicht weiß, ob man den Figuren ein Happyend wünschen soll oder nicht. Ein Buch über die Wünsche, die man an das Leben stellt und darüber auf welche Wege es uns manchmal führt.

Veröffentlicht am 08.02.2026

Hintergründe gut erklärt

Geistig fit bis ins hohe Alter
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Ich glaube nur wenige Erkrankungen ängstigen Menschen so sehr wie Demenz und Alzheimer. Die Vorstellung sich Selbst zu verlieren, nur noch eine Hülle ohne Erinnern und ohne Erkennen zu sein ist kaum zu ...

Ich glaube nur wenige Erkrankungen ängstigen Menschen so sehr wie Demenz und Alzheimer. Die Vorstellung sich Selbst zu verlieren, nur noch eine Hülle ohne Erinnern und ohne Erkennen zu sein ist kaum zu ertragen und doch ist die Gefahr groß im Alter daran zu erkranken. Noch gibt es keine Heilung, allerdings kann man einiges zur Vorbeugung tun und hier gilt, es ist nie zu früh und nie zu spät mit der Prävention zu beginnen.

Natürlich gehöre auch ich zu denen, die sich vor dem Vergessen im Alter fürchten, nicht nur auf Grund der Tatsache, dass ich mir schon jetzt kaum eine Telefonnummer merken kann, von Namen ganz zu schweigen und ständig irgendwas vergesse. Meine Kinder haben da natürlich ihre Freude dran, kann man doch so immer behaupten man hätte mir etwas ganz bestimmt erzählt und ich könnte mich halt einfach nur nicht mehr dran erinnern. Aber Spaß beiseite, so witzig wie sich das anhört ist es natürlich nicht und ich würde lügen, wenn ich behauptete, dass mich das nicht zum Nachdenken bringt.

Mit diesem Buch hatte ich mir nun einen Ratgeber erhofft, der mir Übungen zeigen würde, mit denen ich meinem Gedächtnis auf die Sprünge helfen könnte, Rätsel, Rechen - und Denkaufgaben für die kleinen grauen Zellen, Übungen, um sich Zahlen besser merken zu können, Gehirnjogging sozusagen. Leider enthält das Buch genau diese aber fast gar nicht, am Ende gibt es zwar einen Trainingsplan, aber der umfasst in erster Linie die anderen Punkte, die für die geistige Fitness wichtig sind und in diesem Buch viel ausführlicher beschrieben werden.

In erster Linie erfährt man viel über den Aufbau unseres Gehirns, über seine Aufgaben, seine Arbeitsweise, das Wechselspiel mit den anderen Organen, aber auch viel darüber, was gefährlich für dieses hochkomplexe und noch so wenig erforschte Organ ist, eas es schädigt, negativ beeinflusst und eben sogar krank machen kann. Drogen und Alkohol fallen einem da natürlich als erstes ein, aber auch Übergewicht, Bewegungsmangel, oder Erkrankungen wie Diabetes sind der Hirngesundheit nicht förderlich. Der Autor zeigt hier sehr detailliert die Wechselwirkungen, erklärt nachvollziehbar den Stand der Forschung und sagt einiges zur Entstehung von Demenz und wie man schon früh das Risiko einer Erkrankung erkennen und somit gegensteuerrn kann.

So interessant und wichtig das alles ist, so sehr fehlt mir aber eben letztlich der praktische Teil, den ich mir halt einfach von diesem Buch erhofft hatte. Die enthaltenen Tipps zum Thema gesunde Ernährung, ausreichend Schlaf, Vermeidung von Stress etc. sind halt leider zu allgemeingültig und im Grunde eigentlich auch bekannt. Hier hatte ich einfach ganz andere Erwartungen.

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Veröffentlicht am 29.01.2026

Reality TV

Die Festung
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Bonnie ist eine der Teilnehmer*innen an einer neuen TV-Show, die sich am Escape Room Konzept orientiert. Schauplatz ist eine stillgelegte Militärfestung mitten im Ärmelkanal, in der Bonnie und ihre Mitstreiter ...

Bonnie ist eine der Teilnehmer*innen an einer neuen TV-Show, die sich am Escape Room Konzept orientiert. Schauplatz ist eine stillgelegte Militärfestung mitten im Ärmelkanal, in der Bonnie und ihre Mitstreiter sich unter ständiger Kamerabeobachtung durch verschiedenen Aufgaben und Rätsel arbeiten müssen. Vom ersten Moment an ist das Ganze irgendwie merkwürdig, es gibt keine Begrüßung bei der Ankunft, kein abschließendes Briefing und vor allem kein Produktionsteam, das das Ganze koordiniert, anscheind ist die Gruppe allein in der Festung.

Die Thematik des Buches ist nicht unbedingt neu, es gab vor einigen Jahren mal die Fernsehshow "Fort Boyard", in der Prominente die verschiedensten Aufgaben in einer alten Militärfestung lösen mussten und auch an Filme wie "Escape Room" fühlt man sich direkt beim Klappentext erinnert. Da ich solche Szenarien eigentlich sehr mag, wollte ich das Buch unbedingt lesen.

Die Figuren sind auf den ersten Blick eine bunt zusammengewürfelte Truppe, doch recht schnell merkt man, dass hier einem bewährten System gefolgt wird. Da gibt es die hübsche Influencerin, die nur auf Clicks aus ist, den großmäuligen Sportler, die schweigsame Außenseiterin, den Nerd, das graue Mäuschen, den Traum aller Schwiegermütter und eben Bonnie, die eher zufällig in das Ganze stolpert. Eine Mischung, wie man sie aus diversen Realityformaten kennt, die aber absolut austauschbar ist. Spannungen sind so natürlich vorprogrammiert, aber leider auch sehr vorhersehbar.

Wärend dem Leser recht schnell klar ist, dass hier so einiges mega falsch läuft, redet und trinkt die Gruppe sich erstmal alles schön und läuft so direkt in ihr vorprogrammiertes Verderben. Als dann bereits klar ist, dass es sich definitiv nicht mehr um ein Spiel handelt agieren die Figuren so, wie es ihre Rolle vorgibt, es gibt irgendwie keine Überraschung für den Leser, die Story plätschert vor sich hin, nur unterbrochen von einigen wenigen Effekthaschereien. Überrascht wurde ich dann allerdings von einer Wendung der Geschichte, die für mich zu einem total unpassenden Zeitpunkt kam. Sie bringt natürlich eine vollkommen neue Dynamik in die Geschichte, weckt zeitgleich eine unglaubliche Erwartungshaltung, die leider aber nicht erfüllt wurde. Ich kann den Gedanken dahinter nachvollziehen und das hätte auch richtig spannend werden können, mich hat es aber nicht überzeugt und irgendwie wirkte das folgende Finale dann auf mich eher gehetzt und unausgewogen.

Die Grundidee, wie gesagt, nicht neu, aber durchaus mit Potential, dass hier nicht ausgeschöpft wurde. Die Figuren flach, ohne Substanz und austauschbar. Die Story in Teilen durchaus spannend und unvorhersehbar, in Teilen aber dann auch wieder ohne Thrill und zu Mainstream. Für Leser, die es ein bisschen ruhiger mögen, oder die noch relativ neu im Genre sind sicher ein guter Einstieg, ich habe da schon weitaus spannenderes gelesen.

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