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Veröffentlicht am 26.03.2026

Raffinierter Spionagethriller

Codename Herzstoß
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In den 80er Jahren war ich noch ein Kind, aber selbst mir ist das schreckliche Unglück von Rammstein noch in Erinnerung. Ich habe noch die Worte der Erwachsenen im Ohr und die Bilder aus den Nachrichten ...

In den 80er Jahren war ich noch ein Kind, aber selbst mir ist das schreckliche Unglück von Rammstein noch in Erinnerung. Ich habe noch die Worte der Erwachsenen im Ohr und die Bilder aus den Nachrichten im Kopf. Toni Garber hat in Anlehnung an diese Ereignisse eine spannende Geschichte geschrieben. Im Vordergrund steht der Kriminalkommissar Max und seine Mutter Theresa, die Verbindungen zum Geheimdienst hat. Sie suchen nach einer verschwundenen Agentin, die mit allen Wassern gewaschen ist. Ihre Suche führt sie in die DDR, wo sie Bekanntschaft mit einen prominenten und unliebsamen KGB-Mitarbeiter machen. Es beginnt eine wilde Verfolgungsjagd mit viel Spannung und Tempo quer durch Ost- und West-Deutschland. Ich fand die Einbindung der historischen Ereignisse sehr gelungen und die darum gesponnene Geschichte glaubwürdig. Auch das Eintauchen in die 80er Jahre hat mir viel Spaß gemacht. Die Figuren waren facettenreich und die Settings sehr bildhaft und gut beschrieben. Ein gelungener Spionagethriller mit Potenzial zur Fortsetzung.

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Veröffentlicht am 10.03.2026

Still und nachhaltig

Ich möchte zurückgehen in der Zeit
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Wer waren unsere Großeltern eigentlich? Wie haben sie die Zeit des Nationalsozialismus erlebt? Judith Hermann begibt sich auf die Spuren ihres Großvaters. Er war damals im polnischen Radom stationiert. ...

Wer waren unsere Großeltern eigentlich? Wie haben sie die Zeit des Nationalsozialismus erlebt? Judith Hermann begibt sich auf die Spuren ihres Großvaters. Er war damals im polnischen Radom stationiert. Sein Tattoo, das Erkennungszeichen, hat er sich, nie entfernen lassen. Aber um seine Geschichte herrscht großes Schweigen. Die Autorin besucht den Ort, an dem er stationiert war, versucht sich in sein damaliges Leben einzufühlen. Reist dann zu ihrer Schwester nach Italien und trifft auch dort auf die Schatten der düsteren Vergangenheit. Wir kennen sehr viele Geschichten aus der Zeit des Nationalsozialismus. Doch hauptsächlich die der Opfer. Um die Geschichten der Täter ist es sehr still geworden. Und dennoch sind sie ja da. Die Täter leben in unseren Familien oder in den Erinnerungen unserer Familienmitglieder. Aber um die Schuld und die Taten ist es ganz still geworden. Doch was geht tief in einem Menschen vor, der dazugehörte? Ohne dem Buch hier vorzugreifen, auch die Autorin wird in diese Stille getaucht. Und gerade durch diese Geschichte, die nicht erzählt wird, wurde mir erst bewusst, wie mächtig und elementar dieses Schweigen noch immer ist. Ich liebe die Romane von Judith Hermann seit meiner Schulzeit. Aber es waren nie Geschichten, die sofort beim Lesen eine starke Wirkung auf mich hatten. Vielmehr setzte sich alles eher langsam in mir, lies mich nicht mehr los, brachte mich zum Nachdenken und wirkte so anhaltend. So ist es auch mit diesem Buch. Still und nachhaltig.

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Veröffentlicht am 07.03.2026

Halt in der Literatur

Das Alphabet bis S
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„Das Alphabet bis S“ von Navid Kermani
Sie ist Schriftstellerin, in ihren Vierzigern, verheiratet und Mutter eines Teenagers, als ihre Welt zu zerbrechen droht. Ihre iranischen Eltern leben schon lange ...

„Das Alphabet bis S“ von Navid Kermani
Sie ist Schriftstellerin, in ihren Vierzigern, verheiratet und Mutter eines Teenagers, als ihre Welt zu zerbrechen droht. Ihre iranischen Eltern leben schon lange in Deutschland, so dass die Protagonistin zwischen zwei Kulturen aufwuchs. Nun ist ihre Mutter gestorben. Ihre eigene Ehe steht vor dem Aus, als plötzlich der geliebte Sohn schwer krank wird. Alles schlägt über ihr zusammen und erschüttert sie zutiefst. Zwischen alltäglichen Handlungen und den Schrecken, die Trauer und Krankheit mit sich bringen sucht sie verzweifelt einen Rettungsanker und findet diesen in der Literatur. In ihrer Lesegruft warten viele ungelesene Bücher auf sie. So beginnt sie diese nach Autoren alphabetisch zu ordnen und zu lesen. Neben ihrer eigenen Geschichte taucht der Leser so auch in die weite Welt der Literatur ab. Navid Kermani nimmt uns mit durch Klassiker von Hermann Hesse, Ringelnatz oder Péter Nádas, aber auch durch die persische und deutsche Kultur. Dieses Buch war für mich keine leichte Kost. Mehrere Monate habe ich immer wieder darin gelesen und es dann für einige Zeit wieder weggelegt. Die Sprache empfand ich als poetisch und dennoch am Puls der Zeit. Eine Mutter die Angst um ihren Sohn hat. Eine Frau mit Lebenserfahrung und dennoch erschüttert von Krisen, die meinen alle gleichzeitig über ihr hereinbrechen zu müssen. Also das Leben wie es ist, manchmal einfach grausam und dennoch die Literatur als Schönheit des Lebens mit allen Facetten, die durch Krisen trägt und als ein Halteseil zum Leben dient. Ich denke für jeden Literaturbegeisterten ist dieses Buch eine Hommage an die Kunst des Wortes. Und Navid Kermani hat es uns vorgemacht: Egal wie wild das Leben auch tobt, sucht den Halt im Wort.

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Veröffentlicht am 30.01.2026

Einsamkeit

Der andere Arthur
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„Der andere Arthur“ von Liz Moore
Arthur lebt seit 10 Jahren abgeschottet von der Welt, in seinem Elternhaus in New York. Bevor er sich gänzlich zurückzog, war er Professor an der Universität. Seine Mutter ...

„Der andere Arthur“ von Liz Moore
Arthur lebt seit 10 Jahren abgeschottet von der Welt, in seinem Elternhaus in New York. Bevor er sich gänzlich zurückzog, war er Professor an der Universität. Seine Mutter ist verstorben, zum Rest der Familie hat er keinen Kontakt. Und so driftet sein Leben mehr und mehr in die Einsamkeit, während seine Körperfülle stetig wächst. Wir erleben Arthur als einen zutiefst einsamen und unsicheren Menschen, der sich aber in seine Situation eingelebt hat und Ruhe und Akzeptanz ausstrahlt. Sein Anker waren jahrelang die Briefe, die er sich mit seiner ehemaligen Studentin Charlene schreibt. Sie und ihren Sohn Kel lernen wir im zweiten Drittel des Buches kennen. Hier erleben wir eine andere Form der Einsamkeit: Das Mitten unter Menschen sein und dennoch nicht dazugehören. Obwohl Kel beliebt ist und erfolgreich in seinem Sport erlebt er doch Einsamkeit aufgrund seines Klassenunterschieds.
Mir hat der Schreibstil der Autorin sehr gut gefallen. Ihre Figuren sind trotz ihrer Lebensumstände liebevoll dargestellt. Man möchte sie einfach nur in den Arm nehmen. Zwischenzeitlich fand ich jedoch die vielen Handlungsbeschreibungen besonders in Bezug auf den jungen Kel etwas langatmig. Und wer Einsamkeit nicht aushalten kann, dem verlangt dieses Buch doch einiges ab. Es ist eine Explosion der Einsamkeit, Schwere und Melancholie, wie ich es selten gelesen habe. Und dennoch schwingt immer etwas ganz Wichtiges mit, dass die Protagonisten weiterleben und handeln lässt. Die Hoffnung. Mich erinnerte dieses Buch an einen ersten warmen Frühlingstag nach einem schweren langen Winter.

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Veröffentlicht am 28.01.2026

Melancholische Wintergeschichte

9 Grad
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„9 Grad“ von Elli Kolb
Josies beste Freundin Rena hatte eine Nahtoderfahrung. Das Erlebnis hat viel in ihr verändert. Sie versucht ihren Körper wieder zu bewohnen. Josie möchte ebenfalls ihren Platz im ...

„9 Grad“ von Elli Kolb
Josies beste Freundin Rena hatte eine Nahtoderfahrung. Das Erlebnis hat viel in ihr verändert. Sie versucht ihren Körper wieder zu bewohnen. Josie möchte ebenfalls ihren Platz im Leben finden, ihren Körper endlich akzeptieren und verstehen, wie sie auf andere wirkt. Als Mittel wählen die Freundinnen das Eisbaden. Besonders Josie überwindet damit Grenzen zwischen ihrem Geist und Körper.
Das Buch begann ganz anders als ich es erwartet hatte. Romane, die im Winter spielen haben oft eine gewisse Schwere und Melancholie. Bis zur Hälfte des Buches war das Eisbaden jedoch eher ein Randthema. In erster Linie ging es um Josies zart wachsende Beziehung zu Lee und ihre Freundschaft zu Rena und Anton. Aber auch um ihr Erwachsenwerden und ihren Platz im Leben. Erst nach der Hälfte des Buches kippte für mich die Stimmung. Josies Eisbaden wurde zur Obsession, ein Betäuben ihres Schmerzes und eine Art Grenzerfahrung. Es legte sich Schwere und Traurigkeit über die Geschichte. Die Beschreibungen der extremen Erfahrungen beim Eisbaden sind von der Autorin sehr eindrücklich dargestellt. Ich habe da viel Leidenschaft für dieses Thema gefühlt. Eine ruhige, unaufgeregte Wintergeschichte bei der man an der Melancholie nicht vorbeikommt.

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