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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 12.02.2026

Ruth und Lea

Gelb, auch ein schöner Gedanke
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Einen Auszug aus diesem Buch hat Nefeli Kavouras schon beim Bachmannpreis-Wettbewerb gelesen. Jetzt ist der Text ein wenig erweitert, doch inhaltlich und vom Stil ist er gleich geblieben.
Es geht um eine ...

Einen Auszug aus diesem Buch hat Nefeli Kavouras schon beim Bachmannpreis-Wettbewerb gelesen. Jetzt ist der Text ein wenig erweitert, doch inhaltlich und vom Stil ist er gleich geblieben.
Es geht um eine Mutter-Tochterbeziehung und vom Sterben des Vaters.
Ruth pflegt ihren todkranken Mann Georg, die jugendliche Tochter Lea muss mit der Situation zu Recht kommen, aber der lange Sterbeprozess beeinflusst das normale Leben. Doch Mitte des Buches gibt es einen erstaunlichen Wandel.

Die Erzählperspektiven wechseln zwischen Ruth und Lea ab. Das funktioniert gut. Nur auf einer Seite komt auch Georg zu Wort.

Die Autorin hat einen Ton gefunden und ein lesenswertes Buch geschaffen.

Veröffentlicht am 09.02.2026

Ankommen in Maine

Hazel sagt Nein
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Eine Familie zieht von New York nach Maine. Da gibt es einen Vorfall, der alles ändert. Die 18jährige Schülerin Hazel wird von ihrem Direktor angemacht. Sie sagt nein und entzieht sich. Doch das spricht ...

Eine Familie zieht von New York nach Maine. Da gibt es einen Vorfall, der alles ändert. Die 18jährige Schülerin Hazel wird von ihrem Direktor angemacht. Sie sagt nein und entzieht sich. Doch das spricht sich rum und spaltet die Gesellschaft. Viele glauben Hazel nicht und ein Shitstorm steigert sich bis zu antisemitischen Ausmaßen.
Der Roman zeigt sehr gut, wie die Entwicklung ihren Lauf nimmt und was das bei allen Familienmitgliedern auslöst. Doch Hazel geht schließlich selbst an die Öffentlichkeit und behauptet sich.
Ironischerweise kommt Hazels Vater selbst in eine MeToo-mäßige Klemme, als er als Professor vor seiner Klasse über Bill Cosby spricht.

Mich erinnert der Stoff des Buches latent an den Film After the Hunt.
Hazel sagt nein geht dann aber doch seinen eigenen Weg.
Das Buch ist zwar nicht so komplex wie eins von Elizabeth Strout, aber ein richtiger Maine-Roman ist es dann doch noch geworden.

Veröffentlicht am 03.02.2026

Die Oma und der Syrer

Walküre
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Und wieder ein Buch aus dem traditionsreichen Leykam-Verlag, das sehr empfehlenswert ist. Ein Roman mit interessante, relevanten Themen.
Unser zögerlicher Protagonist Benjamin ist Rechtsberater für Flüchtlinge, ...

Und wieder ein Buch aus dem traditionsreichen Leykam-Verlag, das sehr empfehlenswert ist. Ein Roman mit interessante, relevanten Themen.
Unser zögerlicher Protagonist Benjamin ist Rechtsberater für Flüchtlinge, kein leichter Job, vor allen psychisch sind die vielen Schicksale belastend.
Er ist gerade dabei, seine leicht demente, aber willensstarke Oma aus Deutschland nach Wien zu holen. Die alte Dame hat eine fragwürdige politische Vergangenheit. Sie ist die titelgebende Walküre.
Auch beruflich hat er einen schwierigen Fall. Einem Syrer, der für den Verein auch dolmetscht, werden Kriegsverbrechen in Syrien vorgeworfen. Für Benjamin ist das nicht einfach. Die Vorwürfe könnten haltlos sein, aber den Aufenthaltsstatus gefährden. Außerdem versteht sich der Syrier, ein älterer Herr, sehr gut mit seiner Oma.
Man ist dicht am Icherzähler und kann seine Gefühlslage gut verstehen.
Benjamin Zipfel schafft es, die harten Themen mit Leichtigkeit gut zu transportieren, ohne etwas zu verharmlosen.

Veröffentlicht am 30.01.2026

Die Prosa der Ursula März

Mein gelber Pullover
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Ursula März, die bedeutende Literaturkritikerin, hat mit Kurzprosa und ihrem Roman Tante Martl den Weg zur Schriftstellerin geschafft. Doch dann musste man lange warte, bis jetzt Mein gelber Pullover da ...

Ursula März, die bedeutende Literaturkritikerin, hat mit Kurzprosa und ihrem Roman Tante Martl den Weg zur Schriftstellerin geschafft. Doch dann musste man lange warte, bis jetzt Mein gelber Pullover da ist.
Das Buch erzählt vom Aufwachsen eines Mädchens in den sechziger Jahren. Da wird das Lebensgefühl authentisch dargestellt, so jedenfalls mein Gefühl und vermutlich ist da viel auch autobiografisch. Ich finde es sehr glaubhaft.
Es wird episodenhaft erzählt und nicht chronologisch. Geht es in vielen Kapiteln um das Mädchen, ihrer Eltern und der wilden Nachbarsfreundin, wechselt es dann schnell zu der jungen Frau und dann zur Frau mit Tochter.
Ursula März hat einen passenden Ton für ihr Buch gefunden.
Für mich sehr überzeugend gemacht!

Veröffentlicht am 26.01.2026

Marie ist tot

Gromzell
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Einen Heimatroman lese ich sehr selten. Dieser hier ist ein sehr düsterer.
Gromzell ist ein Ort, in dem 1086 Menschen leben. Maria, die mit 108 älteste, ist gerade gestorben. Das bringt das Dorf aus der ...

Einen Heimatroman lese ich sehr selten. Dieser hier ist ein sehr düsterer.
Gromzell ist ein Ort, in dem 1086 Menschen leben. Maria, die mit 108 älteste, ist gerade gestorben. Das bringt das Dorf aus der Ruhe und bewirkt eine Reihe von Eskalationen. Der Tod scheint allgegenwärtig.
Es ist ein kurzer, dichter Roman. Dirk Bernemann setzt auf symbolträchtige Elemente, z.B. der große schwarze Vogel. Vielleicht braucht es einen Gewaltausbruch, damit das Dorf wieder zur Ruhe kommt.
Dirk Bernemann enttäuscht seine Leser nicht.