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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 25.04.2025

Eine außergewöhnliche Hass-Liebe

Die Frauen hinter der Tür
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Ambivalente Mutter-Tochter-Beziehungen ziehen mich magisch an. Diese, gespickt mit den Aspekten der häuslichen Gewalt, Alkoholsucht, Missbrauch etc., hat in mir große Erwartungen geschürt.

Diese wurden ...

Ambivalente Mutter-Tochter-Beziehungen ziehen mich magisch an. Diese, gespickt mit den Aspekten der häuslichen Gewalt, Alkoholsucht, Missbrauch etc., hat in mir große Erwartungen geschürt.

Diese wurden zum Teil leider nicht ganz erfüllt. Der Erzählstil ist außergewöhnlich und experimentell, er erfordert das stete Dran- und Konzentriertbleiben, um der Geschichte überhaupt folgen zu können.
Im ersten Teil entwickelt sich die Geschichte mit enorm gedrosselter Geschwindigkeit, vieles mäandert vor sich hin.
Im zweiten Teil, welcher viel dialogintensiver ist, erfahren wir hingegen viele erschreckende Begebenheiten, die die wenig liebevolle Beziehung zwischen Mutter und Tochter in ein anderes Licht rückt..

Die Charakterdarstellung der beiden ist vom Autoren erschreckend unsympathisch, lieblos und grob gewählt. Man erschaudert beim Lesen anhand ihrer Geringschätzung füreinander. Diese wird zwar erklärt anhand der Retrospektiven und der sich von Generation zu Generation weitergegebenen Traumata, aber zugunsten von Paula und Nicola fallen diese dennoch nicht aus.

Mich persönlich hat das sehr lose und abrupte Ende gestört, das nahezu alles offen lässt.

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Veröffentlicht am 29.04.2026

Erwartungen verfehlt

Das Mosaik der Frauen
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'Das Mosaik der Frauen' von Rafik Schami ist ein literarisch ambitioniertes Werk, das zweifellos große Erwartungen in mir geschürt hat. Das Cover ist atemberaubend schön und lädt förmlich zum Eintauchen ...

'Das Mosaik der Frauen' von Rafik Schami ist ein literarisch ambitioniertes Werk, das zweifellos große Erwartungen in mir geschürt hat. Das Cover ist atemberaubend schön und lädt förmlich zum Eintauchen in das Buch ein.

Was mich zunächst fasziniert hat, ist die Vielfalt an Figuren und Geschichten, die – wie der Titel verspricht – ein vielschichtiges Gesamtbild ergeben sollen und geprägt sind von einer achtungs- und respektvollen Haltung Frauen gegenüber.
Doch genau hier liegt auch eines der größten Probleme des Romans: Die Struktur wirkt oft zerfasert. Statt eines klaren erzählerischen Fadens verliert sich das Buch immer wieder in Abschweifungen, die den Lesefluss erheblich bremsen. Diese anekdotenhafte Erzählweise führte dazu, dass ich mich als Leserun häufiger gefragt habe, wohin die Reise eigentlich gehen soll.

So entstand für mich irgendwann der Eindruck, dass das Buch mehr eine Sammlung von Episoden als ein kohärenter Roman ist.

Das heißt nicht, dass das Buch keine Stärken hat: der Autor beweist ein hohes Maß an Empathie und Weltoffenheit. Doch in Summe hätte dem Roman eine stärkere Fokussierung und Straffung gutgetan.

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Veröffentlicht am 27.03.2026

Anders als erwartet

Das Gehöft
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'Das Gehöft' von Leo Brandt hinterlässt bei mir einen gemischten Eindruck und bewegt sich für mich insgesamt im soliden Mittelfeld.
Besonders überraschend für mich, da ich schon einige Krimis vom Autoren ...

'Das Gehöft' von Leo Brandt hinterlässt bei mir einen gemischten Eindruck und bewegt sich für mich insgesamt im soliden Mittelfeld.
Besonders überraschend für mich, da ich schon einige Krimis vom Autoren gelesen habe, die mich sehr wohl überzeugt haben. (Hinweis: die Krimis sind unter anderem Namen erschienen.)

Atmosphärisch gelingt es dem Roman durchaus, eine dichte und teilweise beklemmende, unheilvolle Stimmung aufzubauen, die mir gut gefallen hat. Die Beschreibungen des abgelegenen Schauplatzes sind anschaulich und tragen dazu bei, dass ich mich als Leserin gut in die Szenerie hineinversetzen kAuch die Grundidee der Geschichte ist interessant und verspricht eigentlich viel Spannung.

Leider wird dieses Potenzial meiner Meinung nach nicht vollständig ausgeschöpft – vor allem wegen der wenig überzeugenden Charaktere.
Viele Figuren bleiben überraschend blass und wirken eher wie Mittel zum Zweck, um die Handlung voranzutreiben, statt wie echte, greifbare Menschen.
Ihre Motive sind oft nur oberflächlich ausgearbeitet, und ihr Verhalten erscheint teilweise sprunghaft und im Gesamten nicht ganz nachvollziehbar. Da für mich persönlich die Protagonist*innen immer die tragende Säule eines Buches sind, schwächt diese Tatsache den Gesamteindruck immens.

Ich kehre dennoch gerne zu den Krimis des Autors zurück.

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Veröffentlicht am 06.03.2026

In weiten Teilen wird leider Potenzial verschenkt…

Das Ende vom Lied
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Michael Wildenhains Roman 'Das Ende vom Lied' überzeugt zunächst mit einer dichten Atmosphäre und einem Gespür für den damaligen Zeitgeist, den ich selbst nur aus ähnlichen Erzählungen kenne.

Der Autor ...

Michael Wildenhains Roman 'Das Ende vom Lied' überzeugt zunächst mit einer dichten Atmosphäre und einem Gespür für den damaligen Zeitgeist, den ich selbst nur aus ähnlichen Erzählungen kenne.

Der Autor schafft es, Szenen eindringlich zu schildern und seinen Charakteren eine glaubwürdige innere Zerrissenheit zu verleihen. Gerade die ruhigen, beobachtenden Passagen gehören zu den stärkeren Momenten des Buches.

Allerdings wirkt die Handlung über weite Strecken mäandernd. Es werden zahlreiche Themen, Konflikte und Nebenschauplätze angedeutet, die durchaus spannend sein könnten – doch viele davon bleiben letztlich unaufgelöst. Mehrere Erzählstränge werden eingeführt, ohne dass sie am Ende wirklich zusammengeführt oder konsequent zu Ende erzählt werden. Dadurch entsteht der Eindruck, dass wichtige Entwicklungen nur an der Oberfläche tangiert werden, anstatt sich zu einem Gesamtbild zu fügen.

Gerade gegen Ende macht sich diese Schwäche besonders bemerkbar. Statt eines klaren erzählerischen Abschlusses bleiben viele Fragen offen, was möglicherweise als Sprungbrett in den Nachfolge-Band dienen soll, dem jetzigen Roman aber meines Erachtens keinen guten Dienst erweist.

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Veröffentlicht am 01.02.2026

Etwas zu oberflächlich

Das letzte Kind hat Fell
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'Das letzte Kind hat Fell' von Tessa Hennig ist ein durchaus unterhaltsamer, leichter Roman, der Sommerfeeling verströmt und ans Meer entführt.
Die im Roman behandelten Themen, wie z.B. die Homosexualität ...

'Das letzte Kind hat Fell' von Tessa Hennig ist ein durchaus unterhaltsamer, leichter Roman, der Sommerfeeling verströmt und ans Meer entführt.
Die im Roman behandelten Themen, wie z.B. die Homosexualität von Enkel Finn werden mir persönlich aber zu oberflächlich und klischeehaft behandelt, sodass keine wirkliche Tiefe und Mehrdimensionalität aufkommt. Vielmehr hatte ich leider den Eindruck, dass einiges zwar erwähnt und an der Oberfläche angekratzt wird, das sichere Terrain der leichten und ungezwungenen Lese-Kost aber nicht verlassen werden soll.
Nichtsdestotrotz mochte ich die sehr gelungene und einladende Beschreibung der Umgebung und der Stimmung der Freiheit, die so ein Renteneintritt mit sich bringen kann.
Es ist ein leichter, kurzweiliger Roman, der eine angenehme, belanglose Pause vom Alltag ermöglicht.

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