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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 24.02.2026

Ein schwieriges Krankheitsbild realitätsnah umschrieben!

Ich erzähle von meinen Beinen
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Das Cover ist schwer zu interpretieren, da es keinen Hinweis zum Romaninhalt gibt. Auch der Buchtitel trifft nicht unbedingt den Hauptkern des Buches. Mit Chaos, Unruhe und Panik im Kopf, mit Belastungsstörung ...

Das Cover ist schwer zu interpretieren, da es keinen Hinweis zum Romaninhalt gibt. Auch der Buchtitel trifft nicht unbedingt den Hauptkern des Buches. Mit Chaos, Unruhe und Panik im Kopf, mit Belastungsstörung wird die Hauptperson Walburga, kurz Wally, diagnostiziert. Diese Ich-Erzählerin mit Teilzeitstelle bei einem Verlag für medizinische Publikationen medikamentiert sich selbst und ihre Tochter, die mit 11 Jahren mit ADHS diagnostiziert wird. In diesem unruhigen Klima von Unkonzentriertheit, Selbstzweifeln und unfertigen Aktionen im gesamten privaten und beruflichen Umfeld stellt der Partner eine wichtige Halt und Ruhe gebende Komponente dar. Dieses schwierige Thema um Neurodivergenz wird hier leicht und munter behandelt, ist aber für die Familie selbst und für Freunde eine arge mentale Belastung. Der Schreibstil entfaltet in acht Unterteilungen die zunehmende Tragik von Wallys Überforderung, nicht belehrend, eher authentisch und menschlich liebevoll, einfühlsam. Der endgültige Schaden an den Seelen fällt zusammen mit einem immensen Wasserschaden am Haus nach Dammbruch – dramaturgisch realitätsnah zugespitzt, aber die eindringliche Schwere dieser Gesamtsituation sprachlich gut kaschierend.

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Veröffentlicht am 17.02.2026

Aufwachsen zwischen verschiedenen Kulturen und dem Golfkrieg

Unser Haus mit Rutsche
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In drei Teilen geht es auf zwei Erzählebenen um Laylas Lebensgeschichte. Ihre Ruckbesinnung an eine fantasievolle Kindheit in Saarbrücken, an gut situierte Großeltern im Elsass und an liebevoll agierende ...

In drei Teilen geht es auf zwei Erzählebenen um Laylas Lebensgeschichte. Ihre Ruckbesinnung an eine fantasievolle Kindheit in Saarbrücken, an gut situierte Großeltern im Elsass und an liebevoll agierende Eltern aus verschiedenen Kulturen wechseln ab mit Laylas jetzigem bedrückenden Alltag in Paris. Mittlerweile über 40 Jahre alt leidet sie an Panikattacken und hegt nun eine Abneigung gegen ihre arabische Seite. In Dialogen mit Hausarzt und Psychologin geht es nicht nur um ihren Vater und dessen fanatischen, religiösen Wandlung durch den Golfkrieg. Sie strauchelt als Deutsche auch mit ihrem Familiennamen sowohl als erfolglose Schauspielerin für deutsche Rollen als auch als Schriftstellerin, zweifelt insgesamt an der Welt, in der sie deprimiert lebt. Die heldenhafte Rolle des geliebten irakischen Vaters wandelt sich langsam während der Familienreise nach Bagdad mit dem Besuch dortiger Familienmitglieder, mit ihr als Zehnjährige auch in einem historischen Exkurs über Nimrud, Nedschef, Mossul etc. in Friedenszeiten mit Saddam Hussein als Präsident. Nach 1990 in der Golfkrise sind Geschäfte mit dem Irak auf Eis gelegt. Die drastischen familiären Auswirkungen in Bagdad und Saarbrücken durch dieses lang anhaltende Wirtschaftsembargo werden eindringlich geschildert. Flucht in die islamische Religion, Schuldgefühle, Ohnmacht und panarabische Ideologie auf Seiten des Vaters wechseln ab mit Laylas Fragen zu ihrer Identität und Kulturzugehörigkeit, sieht sie doch nicht arabisch aus. Der familiäre Stimmungswandel in Tristesse während Laylas Pubertät mit der nun berufstätigen Mutter ist gut nachvollziehbar. Ihr Vertrauen in den Vater ist tief erschüttert, glaubt sie doch nicht mehr an sein Versprechen vom Haus mit Rutsche. Erst über den Dialog mit der Psychologin findet sie den kulturellen Zugang zu normalerweise vorhandenen arabischen Erwartungen an den Erstgeborenen und der daraus resultierenden schweren Verantwortung ihres Vaters für die Heimatfamilie.
Historische Fakten zu der Urlaubsreise und nachfolgende Etappen des Golfkriegs in autofiktionalem Rahmen gefallen. Die Erzählebene der erwachsenen Layla in Paris wirkt emotional wirr und verstörend, wenn auch psychologisch aufschlussreich. 3,5*

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Veröffentlicht am 01.02.2026

Eine leichte Sommergeschichte!

Das letzte Kind hat Fell
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Die sommerliche Szenerie spielt größenteils in Olhao, Portugal, zwischen Strand, portugiesischem Ambiente und quirligem Familienchaos. Thematisiert werden mit der Adoption der Hündin Fellina die emotionale ...

Die sommerliche Szenerie spielt größenteils in Olhao, Portugal, zwischen Strand, portugiesischem Ambiente und quirligem Familienchaos. Thematisiert werden mit der Adoption der Hündin Fellina die emotionale Bindung und Vermenschlichung von Haustieren, aber auch der große Wunsch nach sinnvoller Lebensveränderung speziell im Rentenalter, weg vom bisherigen, allzu stark eingefahrenen Alltag. Die bunte Mischung der Familienmitglieder, mit eigenwilligen Rentnern, ihrer LKW fahrenden Tochter und deren erwachsenem schwulem Sohn, sorgt nicht nur für komische bis humorvolle Alltagsszenen, sondern auch für Peinlichkeiten rund um das Thema Homosexualität. Jede Figur hat andere Lebenserwartungen, Zweifel und Freiheitsgedanken, verbunden mit dem Wunsch nach neuen, liebevollen Akzenten. Die Offenheit für zufällige Ereignisse im Leben, die Bereitschaft für Neues und Ungeplantes werden bewusst herausgestellt. Obwohl der Umgang mit Emotionen und sexueller Orientierung etwas Tiefenwirkung zeigt, schwingt mehr Urlaubsfeeling durch gefällige Landschaftsbeschreibungen mit. Drei Generationen einer bunten Familie voller Erwartungen an einen Neuanfang – eher leichte Kost!

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Veröffentlicht am 27.01.2026

Vier Familienmitglieder – vier Problematiken klar umrissen

Alle glücklich
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Vorgestellt wird zunächst der Familienalltag der Holsteins, einer vierköpfigen Familie mit der 44-jährigen Mutter Nina, die auch in ihren weiteren Rollen als Arztehefrau und MTA wenig Wertschätzung erfährt, ...

Vorgestellt wird zunächst der Familienalltag der Holsteins, einer vierköpfigen Familie mit der 44-jährigen Mutter Nina, die auch in ihren weiteren Rollen als Arztehefrau und MTA wenig Wertschätzung erfährt, bis sie für sich neues Glück findet. Im Wechsel werden Gedanken und Probleme weiterer Familienmitglieder in und außerhalb des Familienalltags realistisch skizziert. Mit zunehmender Dramatik spitzen sich Zustände im Krankenhaus, in der Schule, an der Universität und in der Familie zu, obwohl doch alle eigentlich glücklich sein könnten. Der Schreibstil ist überzeugend authentisch in seinen verschiedenen, teils extremen Situationsbeschreibungen, die zum Nachdenken animieren können über behutsameren Umgang miteinander, mit mehr Einfühlungsvermögen und Respekt.
Wie wichtig ist eine Ehe und Familie tatsächlich als kleinste Einheit in unserer Gesellschaft für eine sichere, auch emotionale Entwicklung all ihrer Mitglieder?

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Veröffentlicht am 28.12.2025

Viel Fantasie um humanoide Tiere, umgeben von rassistischen Menschen

Wie die Karnickel
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Das Cover auf rotem Untergrund zeigt eher einen langohrigen Hasen. An vier Pistoleneinschlägen lässt sich schon das aggressive Ambiente erahnen. Eine vermenschlichte Tierwelt, hier vor allem Kaninchen ...

Das Cover auf rotem Untergrund zeigt eher einen langohrigen Hasen. An vier Pistoleneinschlägen lässt sich schon das aggressive Ambiente erahnen. Eine vermenschlichte Tierwelt, hier vor allem Kaninchen Füchse und Wiesel, agiert ähnlich wie in Fabeln. Im britischen Dörfchen Much Hemlock, nah an der walisischen Grenze, fühlen sich die dortigen Menschen bedroht durch zu große Zuwanderung dieser intelligenten, sprechenden Tierspezies. Verfolgt, bedroht und ausgebeutet werden sie von rassistischen Menschen. Trotz des humorvollen, originellen Schreibstils erkennt man die tiefgehende Satire und eklatante Gesellschaftskritik an der derzeitigen Zuwanderungspolitik nicht nur in Großbritannien. Da wo Angst in der Bevölkerung entsteht, blüht auch Rassismus bzw. Ausländerfeindlichkeit. Diese Botschaft zum Versuch einer schrittweisen gesellschaftlichen Veränderung durch schrittweises Handeln mag vielleicht ankommen, wenn dafür genügend engagierte Leute dieses Problem ehrlich angehen wollen.
Ein kreatives, originelles Buch mit aktueller Gesellschaftskritik! 3*

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