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Veröffentlicht am 17.02.2026

Aufwachsen zwischen verschiedenen Kulturen und dem Golfkrieg

Unser Haus mit Rutsche
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In drei Teilen geht es auf zwei Erzählebenen um Laylas Lebensgeschichte. Ihre Ruckbesinnung an eine fantasievolle Kindheit in Saarbrücken, an gut situierte Großeltern im Elsass und an liebevoll agierende ...

In drei Teilen geht es auf zwei Erzählebenen um Laylas Lebensgeschichte. Ihre Ruckbesinnung an eine fantasievolle Kindheit in Saarbrücken, an gut situierte Großeltern im Elsass und an liebevoll agierende Eltern aus verschiedenen Kulturen wechseln ab mit Laylas jetzigem bedrückenden Alltag in Paris. Mittlerweile über 40 Jahre alt leidet sie an Panikattacken und hegt nun eine Abneigung gegen ihre arabische Seite. In Dialogen mit Hausarzt und Psychologin geht es nicht nur um ihren Vater und dessen fanatischen, religiösen Wandlung durch den Golfkrieg. Sie strauchelt als Deutsche auch mit ihrem Familiennamen sowohl als erfolglose Schauspielerin für deutsche Rollen als auch als Schriftstellerin, zweifelt insgesamt an der Welt, in der sie deprimiert lebt. Die heldenhafte Rolle des geliebten irakischen Vaters wandelt sich langsam während der Familienreise nach Bagdad mit dem Besuch dortiger Familienmitglieder, mit ihr als Zehnjährige auch in einem historischen Exkurs über Nimrud, Nedschef, Mossul etc. in Friedenszeiten mit Saddam Hussein als Präsident. Nach 1990 in der Golfkrise sind Geschäfte mit dem Irak auf Eis gelegt. Die drastischen familiären Auswirkungen in Bagdad und Saarbrücken durch dieses lang anhaltende Wirtschaftsembargo werden eindringlich geschildert. Flucht in die islamische Religion, Schuldgefühle, Ohnmacht und panarabische Ideologie auf Seiten des Vaters wechseln ab mit Laylas Fragen zu ihrer Identität und Kulturzugehörigkeit, sieht sie doch nicht arabisch aus. Der familiäre Stimmungswandel in Tristesse während Laylas Pubertät mit der nun berufstätigen Mutter ist gut nachvollziehbar. Ihr Vertrauen in den Vater ist tief erschüttert, glaubt sie doch nicht mehr an sein Versprechen vom Haus mit Rutsche. Erst über den Dialog mit der Psychologin findet sie den kulturellen Zugang zu normalerweise vorhandenen arabischen Erwartungen an den Erstgeborenen und der daraus resultierenden schweren Verantwortung ihres Vaters für die Heimatfamilie.
Historische Fakten zu der Urlaubsreise und nachfolgende Etappen des Golfkriegs in autofiktionalem Rahmen gefallen. Die Erzählebene der erwachsenen Layla in Paris wirkt emotional wirr und verstörend, wenn auch psychologisch aufschlussreich. 3,5*

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Veröffentlicht am 01.02.2026

Eine leichte Sommergeschichte!

Das letzte Kind hat Fell
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Die sommerliche Szenerie spielt größenteils in Olhao, Portugal, zwischen Strand, portugiesischem Ambiente und quirligem Familienchaos. Thematisiert werden mit der Adoption der Hündin Fellina die emotionale ...

Die sommerliche Szenerie spielt größenteils in Olhao, Portugal, zwischen Strand, portugiesischem Ambiente und quirligem Familienchaos. Thematisiert werden mit der Adoption der Hündin Fellina die emotionale Bindung und Vermenschlichung von Haustieren, aber auch der große Wunsch nach sinnvoller Lebensveränderung speziell im Rentenalter, weg vom bisherigen, allzu stark eingefahrenen Alltag. Die bunte Mischung der Familienmitglieder, mit eigenwilligen Rentnern, ihrer LKW fahrenden Tochter und deren erwachsenem schwulem Sohn, sorgt nicht nur für komische bis humorvolle Alltagsszenen, sondern auch für Peinlichkeiten rund um das Thema Homosexualität. Jede Figur hat andere Lebenserwartungen, Zweifel und Freiheitsgedanken, verbunden mit dem Wunsch nach neuen, liebevollen Akzenten. Die Offenheit für zufällige Ereignisse im Leben, die Bereitschaft für Neues und Ungeplantes werden bewusst herausgestellt. Obwohl der Umgang mit Emotionen und sexueller Orientierung etwas Tiefenwirkung zeigt, schwingt mehr Urlaubsfeeling durch gefällige Landschaftsbeschreibungen mit. Drei Generationen einer bunten Familie voller Erwartungen an einen Neuanfang – eher leichte Kost!

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Veröffentlicht am 27.01.2026

Vier Familienmitglieder – vier Problematiken klar umrissen

Alle glücklich
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Vorgestellt wird zunächst der Familienalltag der Holsteins, einer vierköpfigen Familie mit der 44-jährigen Mutter Nina, die auch in ihren weiteren Rollen als Arztehefrau und MTA wenig Wertschätzung erfährt, ...

Vorgestellt wird zunächst der Familienalltag der Holsteins, einer vierköpfigen Familie mit der 44-jährigen Mutter Nina, die auch in ihren weiteren Rollen als Arztehefrau und MTA wenig Wertschätzung erfährt, bis sie für sich neues Glück findet. Im Wechsel werden Gedanken und Probleme weiterer Familienmitglieder in und außerhalb des Familienalltags realistisch skizziert. Mit zunehmender Dramatik spitzen sich Zustände im Krankenhaus, in der Schule, an der Universität und in der Familie zu, obwohl doch alle eigentlich glücklich sein könnten. Der Schreibstil ist überzeugend authentisch in seinen verschiedenen, teils extremen Situationsbeschreibungen, die zum Nachdenken animieren können über behutsameren Umgang miteinander, mit mehr Einfühlungsvermögen und Respekt.
Wie wichtig ist eine Ehe und Familie tatsächlich als kleinste Einheit in unserer Gesellschaft für eine sichere, auch emotionale Entwicklung all ihrer Mitglieder?

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Veröffentlicht am 28.12.2025

Viel Fantasie um humanoide Tiere, umgeben von rassistischen Menschen

Wie die Karnickel
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Das Cover auf rotem Untergrund zeigt eher einen langohrigen Hasen. An vier Pistoleneinschlägen lässt sich schon das aggressive Ambiente erahnen. Eine vermenschlichte Tierwelt, hier vor allem Kaninchen ...

Das Cover auf rotem Untergrund zeigt eher einen langohrigen Hasen. An vier Pistoleneinschlägen lässt sich schon das aggressive Ambiente erahnen. Eine vermenschlichte Tierwelt, hier vor allem Kaninchen Füchse und Wiesel, agiert ähnlich wie in Fabeln. Im britischen Dörfchen Much Hemlock, nah an der walisischen Grenze, fühlen sich die dortigen Menschen bedroht durch zu große Zuwanderung dieser intelligenten, sprechenden Tierspezies. Verfolgt, bedroht und ausgebeutet werden sie von rassistischen Menschen. Trotz des humorvollen, originellen Schreibstils erkennt man die tiefgehende Satire und eklatante Gesellschaftskritik an der derzeitigen Zuwanderungspolitik nicht nur in Großbritannien. Da wo Angst in der Bevölkerung entsteht, blüht auch Rassismus bzw. Ausländerfeindlichkeit. Diese Botschaft zum Versuch einer schrittweisen gesellschaftlichen Veränderung durch schrittweises Handeln mag vielleicht ankommen, wenn dafür genügend engagierte Leute dieses Problem ehrlich angehen wollen.
Ein kreatives, originelles Buch mit aktueller Gesellschaftskritik! 3*

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Veröffentlicht am 23.10.2025

Was für ein unruhiges Leben – gut in Szene gesetzt!

Die Ränder der Welt
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Die auf dem Cover abgebildete Landschaft könnte zu Patagonien passen, auch am Rand der Welt gelegen wie z.B. die Inseln um Estland, die im Roman ebenso wichtige Stationen im Leben der Hauptfigur Kristian ...

Die auf dem Cover abgebildete Landschaft könnte zu Patagonien passen, auch am Rand der Welt gelegen wie z.B. die Inseln um Estland, die im Roman ebenso wichtige Stationen im Leben der Hauptfigur Kristian Aavik sind. Dieser Ich-Erzähler wandert auf zwei Erzählebenen durch sein unruhiges Leben ab 1947, angefangen zunächst bei seiner Kindheit ab vier Jahren in der Schweiz in einem ehemaligen Fischerdorf zwischen Basel und Lörrach. Dort in Kleinhüningen wächst er mit seinem 6. Finger an der linken Hand und der komplizierten Freundschaft zu Mikkel Jacobsen auf. Mit 56 Jahren stellt er sich nach dreißig Jahren endlich seiner Wut auf seinen zwielichtigen Freund in Christiansø. Auf der 2. Erzählebene werden im Rückblick die Rätsel um seine immer noch nicht fassbare estnische Herkunft erläutert, seine Pariser Monate, seine Revolution schwangere Zeit um Christiania in Kopenhagen und seine Wanderungen durch Italien, Argentinien bis nach Patagonien.. Im Kopf stoßen sich seine wütenden Gedanken an den Rändern der Welt mit Mikkel. Während deren intensiver Gedankenaustausch über Bücher die Freundschaft festigt, zerstören deren Bindungen zu Frauen all das. Die Beschreibung der Charaktere dieser Sonderlinge und Außenseiter gefällt. Was ist Kunst? Diese Frage mäandert mehr philosophisch betrachtet zwischen Kristians Steinmetzarbeiten, seinen Zeichnungen und dem Bild von Wilhelm Bendz’ Tabaksgesellschaft daher. Bis zum finalen Abschied vom doppelgesichtigen Mikkel und ihrer Freundschaft werden auch historische Fakten wie die Gründung der alternativen Wohnsiedlung Christiania in Kopenhagen und die gefährliche politische Revolution in Argentinien erörtert. .
Insgesamt thematisch sehr umfangreich und interessant, streckenweise etwas langatmig.

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