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Veröffentlicht am 06.08.2019

wichtiger Historienroma

Ein Lied von Liebe und Verrat
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Ein Lied von Liebe und Verrat ist zu aller erst ein Lied gegen den Krieg und alles Leid, das er v.a. über die unbeteiligte Bevölkerung bringt. Aus dem Rückblick einer alten Dame wird deren Kindheit/Jugend ...

Ein Lied von Liebe und Verrat ist zu aller erst ein Lied gegen den Krieg und alles Leid, das er v.a. über die unbeteiligte Bevölkerung bringt. Aus dem Rückblick einer alten Dame wird deren Kindheit/Jugend in der Kriegs- und Nachkriegszeit in Griechenland erzählt. In den 3 Hauptfiguren und wenigen Jahren kulminieren alle Schrecken dieser Zeit: Antisemitismus, Gewalt gegen Frauen, Partisanentum, Bürgerkrieg, Gefangenenlager, unbehandelte Krankheiten usw. Ein Kaleidoskop an Schrecken - die (wie immer) v.a. die unschuldigen Kinder ausbaden müssen. Gerade in dieser Ungeschöntheit wird das Buch zu einem wichtigen Mahnmal, zumal es nicht im Elend versinkt, sondern bis zuletzt die Stärke und Improvisationsfähigkeit der Protagonistin Aliki aufzeigt. Ihr gelingt es, sich immer wieder einen Weg aus dem Irrsal zu bahnen, und in der Rückbesinnung auf das eigene Selbst das Elend zu überstehen. Nebenbei erhalten wir Einblick in einige Kulturphänomene Griechenlands dieser Zeit: das Schattentheater und die Trauerkultur - ein schöner Nebeneffekt.

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Veröffentlicht am 26.11.2018

Adel in Zeiten der Weimarer Republik

Das Palais Reichenbach
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Josephine Winter erzählt gekonnt die Familiengeschichte einer Fürstenfamilie in den 1920er Jahren, die mitsamt ihren Bezugspersonen (Geschäftspartner, Angestellte, Lebensgefährtinnen) in den Trudel der ...

Josephine Winter erzählt gekonnt die Familiengeschichte einer Fürstenfamilie in den 1920er Jahren, die mitsamt ihren Bezugspersonen (Geschäftspartner, Angestellte, Lebensgefährtinnen) in den Trudel der Veränderungen gerät: Nicht nur die wirtschaftliche Basis der Familie schwimmt ihnen davon, zeitgleich zerbricht auch das angestammte Familienbild, nach dem sich jeder dem Erbe unterzuordnen habe. Die Generation der Kinder wächst in einer Welt auf, in der eine eigene Zukunft, ein eigenes Interesse, bis hin zu selbst ausgesuchten Lebenspartnern selbsverständlicher wird. Damit sind Konflikte mit der Elterngeneration vorprogrammier.
Es gelingt Winter besonders gut, diese Veränderungs- und spannungsreiche Zeit nicht nur aus Sicht eines bestimmten Milieus (Adel), sondern in vielerleich Sichtwinkeln (Künstler, niedere Angstellte, Homosexuelle, und viele andere mehr) zu erzählen. Damit wird das Werk zu einem wichtigen Plädoyer für die WErtschätzung der Diversität auch unserer Gesellschaft: Was für mich richtig ist, muss für andere noch lange nicht ebenso richtig sein. Was mir einleuchtet, stellen andere zu Recht in Frage.
Am Ende bleibt der Apell, nach gesellschaftlichen Normen zu suchen, die die Individualität und Würde einer jeden Person unabhängig ihres Geschlechts, Stand, ihrer Religion, Herkunft und ihres Berufes zu achten.

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Veröffentlicht am 01.02.2026

Beeindruckend

Berchtesgaden
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Carolin Otto gelingt mit „Berchtesgaden“ ein beeindruckendes literarisches Panorama der unmittelbaren Nachkriegszeit, das weit über eine bloße historische Schilderung hinausgeht. Ihr Roman, der im Mai ...

Carolin Otto gelingt mit „Berchtesgaden“ ein beeindruckendes literarisches Panorama der unmittelbaren Nachkriegszeit, das weit über eine bloße historische Schilderung hinausgeht. Ihr Roman, der im Mai 1945 einsetzt, also in jener sogenannten „Stunde Null“, entfaltet in dichten Bildern und miteinander verwobenen Erzählsträngen das Bild einer Gesellschaft, die zwischen Zusammenbruch, Schuld und dem tastenden Neuanfang schwankt. Der Schauplatz ist dabei von besonderer Symbolkraft: Berchtesgaden, jener Ort, der während des Nationalsozialismus als Rückzugsraum Hitlers und Machtzentrum der NS-Elite galt, wird nach Kriegsende zum Mikrokosmos der deutschen Nachkriegsgesellschaft – ein Brennglas für Schuld, Verdrängung und moralische Neuorientierung.

Otto wirft in ihrem Roman nicht nur einen scharfen Blick auf die materiellen und seelischen Trümmer einer besiegten Nation, sondern zeigt mit großer Eindringlichkeit, wie tief die Verstrickungen der Bevölkerung in die NS-Herrschaft reichten. Ihre Figuren – ob die junge Sophie, die als Sekretärin der amerikanischen Besatzung erstmals mit den Verbrechen ihres Bruders, eines SS-Mannes, konfrontiert wird, oder der jüdisch-amerikanische Offizier Frank, der als Rückkehrer die Täter verhört – stehen exemplarisch für ein Land im moralischen Zwielicht. Otto erzählt, wie schwer sich die meisten taten, Schuld einzugestehen, und wie sehr der Wunsch nach Normalität und Selbstentlastung die anfängliche „Aufarbeitung“ prägte. Gerade dieses schonungslose Aufzeigen der Verdrängungsmechanismen und Selbstrechtfertigungen verleiht dem Buch seine aktuelle Brisanz: Es erinnert daran, dass Demokratie und Verantwortung nicht auf Trümmern entstehen, sondern durch selbstkritische Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte.

Sprachlich überzeugt „Berchtesgaden“ durch eine klare, anschauliche und zugleich einfühlsam beobachtende Prosa. Otto wechselt zwischen privaten Perspektiven und historischen Momentaufnahmen, wodurch sich ein facettenreiches Zeitbild ergibt. Manche Lesende mögen die Vielzahl an Figuren und Handlungssträngen als überbordend empfinden – tatsächlich ist diese Fülle jedoch Teil des Konzepts: Sie spiegelt das Chaos und die Gleichzeitigkeit des Neubeginns wider, das Nebeneinander von Tätern, Opfern, Mitläufern und den ersten Demokratinnen und Demokraten.

Besonders hervorzuheben ist, dass Otto nicht der Versuchung erliegt, individuelle Erlösungsgeschichten zu erzählen oder moralische Urteile vorschnell zu vergeben. Stattdessen lädt sie dazu ein, hinzusehen, wo verschwiegen wurde, genauer zu fragen, wo bequeme Mythen entstanden sind. Ihr Roman ist damit nicht nur ein historisches Werk, sondern auch ein ethisches – ein Plädoyer gegen das Vergessen und für die Verantwortung der Nachgeborenen.

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Veröffentlicht am 08.12.2025

wunderschönes Adventslesebuch

Der Wunschzetteldieb
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„Der Wunschzetteldieb“ von Amelie Benn ist ein warmherziges, weihnachtliches Adventsbuch, das eine spannende Geschichte mit viel Familienatmosphäre verbindet und besonders Zwillingsfamilien aus dem Herzen ...

„Der Wunschzetteldieb“ von Amelie Benn ist ein warmherziges, weihnachtliches Adventsbuch, das eine spannende Geschichte mit viel Familienatmosphäre verbindet und besonders Zwillingsfamilien aus dem Herzen sprechen dürfte. Zugleich verlangt es den jungen Leserinnen und Lesern sprachlich schon einiges ab, sodass es eher ein Buch für geübte Kinder ist als ein klassisches Erstlesebuch.
Im Zentrum stehen die Zwillinge Anni und Tim, deren Wunschzettel – und die ihrer Freundinnen und Freunde – wie von Zauberhand verschwinden, bis sie einem kleinen, geheimnisvollen Dieb folgen. Die Geschichte ist als Adventskalender mit 24 Kapiteln angelegt, was sie ideal für ein tägliches Ritual im Dezember macht und die Spannung bis Weihnachten klug dosiert.
Die Handlung verbindet Krimielemente (Wer stiehlt die Wunschzettel?) mit fantastischen Motiven (magisches Portal, Weihnachtswelt) und schafft so eine Mischung aus Rätsel, Abenteuer und Weihnachtsmagie, die sowohl Kinder als auch vorlesende Erwachsene bei der Stange hält. Dabei bleibt die Bedrohung stets kindgerecht: Das Geheimnis um den Dieb löst sich in Einsicht, Wiedergutmachung und Zusammenarbeit auf, wodurch das Buch eine deutlich versöhnliche Grundstimmung trägt.
Anni und Tim sind das emotionale Zentrum des Buches: Die Zwillinge werden liebevoll und glaubwürdig als eigenständige Persönlichkeiten gezeichnet, die jedoch spürbar in einer engen geschwisterlichen Verbundenheit stehen. Ihre Mischung aus Neugier, Mut und kindlicher Verletzlichkeit wirkt authentisch und eröffnet vielen Zwillingskindern die Möglichkeit, sich in ihren Alltagssorgen, ihrem Forscherdrang und ihrem Zusammenspiel wiederzuerkennen.
Gerade für Familien mit Zwillingskindern ist das Buch deshalb besonders reizvoll, weil es nicht nur „zwei Kinder“ zeigt, sondern das besondere Miteinander von Zwillingen – gemeinsame Pläne, geteilte Geheimnisse, aber auch unterschiedliche Reaktionen – ernst nimmt und positiv hervorhebt. Dass die Zwillinge nicht idealisiert, sondern mit kleinen Schwächen und impulsiven Entscheidungen gezeichnet sind, verstärkt den Eindruck von Nähe und Alltagstauglichkeit.
Sprachlich arbeitet der Text mit überwiegend klaren, gut strukturierten Sätzen, überschreitet aber bewusst das Niveau eines ersten Leselehrgangs. Längere Sätze, komplexere Strukturen und anspruchsvollere Wörter kommen regelmäßig vor, sodass Kinder zum Selberlesen bereits sicher lesen, über eine gewisse Ausdauer verfügen und Freude an längeren Textpassagen haben sollten.
Damit eignet sich „Der Wunschzetteldieb“ hervorragend als Vorlesebuch im Grundschulalter sowie als Selberleselektüre für geübte Leserinnen und Leser, die über das reine Entziffern hinaus schon Sinnzusammenhänge erfassen und sprachliche Nuancen genießen können. Als klassisches Erstlesebuch ist es dagegen nicht gedacht, trotz der grundsätzlich kindnahen Sprache und der klaren Kapitelstruktur.
Die Illustrationen von Nadine Reitz begleiten den Text in vierfarbigen, fröhlichen Bildern, die die winterliche Dorfidylle lebendig machen. Die Zeichnungen greifen den Humor und die Wärme der Geschichte auf, lockern den Textfluss auf und erleichtern es insbesondere jüngeren Kindern, der Handlung zu folgen und sich emotional an die Figuren zu binden.
Die Kombination aus täglich portionierten Kapiteln, stetig wachsender Spannung und reich bebilderten Seiten macht das Buch zu einem idealen Begleiter durch den Advent, der das Warten auf Weihnachten strukturiert und mit einem gemeinsamen Leseerlebnis füllt. Für Familien mit Zwillingskindern ist „Der Wunschzetteldieb“ dabei ein besonders passender Fund, weil die liebevoll und authentisch gezeichneten Zwillinge Anni und Tim gewissermaßen als literarische Spiegel dienen – vorausgesetzt, die Kinder sind sprachlich bereits so weit, dass sie dieser winterlichen Reise gerne und ohne Überforderung folgen können.

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Veröffentlicht am 03.11.2025

äußerste Armut

Ein gutes Ende
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Clara Bachmanns Romanbiographie Ein gutes Ende widmet sich dem Leben von Hedwig Courths-Mahler – der wohl bekanntesten, zugleich aber oft unterschätzten deutschen Bestsellerautorin des frühen 20. Jahrhunderts. ...

Clara Bachmanns Romanbiographie Ein gutes Ende widmet sich dem Leben von Hedwig Courths-Mahler – der wohl bekanntesten, zugleich aber oft unterschätzten deutschen Bestsellerautorin des frühen 20. Jahrhunderts. Mit sicherem Gespür für historische Atmosphäre und gesellschaftliche Spannungen erzählt das Autorinnenduo von einem Leben, das zwischen Entbehrung, Ehrgeiz und einer unerschütterlichen Sehnsucht nach Selbstbestimmung oszilliert.
Schon die ersten Kapitel fesseln durch ihre schonungslose Darstellung der Armut, in die Hedwig hineingeboren wird. Das Elend ihrer Kindheit – geprägt durch enge Wohnverhältnisse, harte körperliche Arbeit und die allgegenwärtige Scham des sozialen Abstiegs – ist nicht bloß Kulisse, sondern formt den Charakter der späteren Schriftstellerin. Der Text leuchtet die Dramatik dieser Herkunft eindringlich aus: das Mädchen, das früh Verantwortung übernehmen muss, das seine Familie mitträgt und sich in einer Welt behauptet, die Frauen kaum Handlungsspielräume lässt. Hier ist Clara Bachmanns Sprache besonders stark: bildhaft, atmosphärisch dicht, von einem Sinn für leise Tragik getragen. Man hört das Knarren der Dielen, riecht den Kohlenstaub, spürt die Grenzen der Klassengesellschaft.
Das Schreiben erscheint Hedwig bald als Ventil – ein stilles, aber kraftvolles Mittel, dem engen Lebenskreis zu entfliehen. Bachmann zeichnet diese Entwicklung feinfühlig nach, als inneren Emanzipationsprozess, der zugleich von Verboten und Widerständen umstellt ist. Dass der Ehemann ihr Talent geringschätzt und ihre Texte als „Frauenkram“ abwertet, markiert einen tiefen Schmerzpunkt der Erzählung. Hier gelingt der Romanbiographie ein aufrichtiges feministisches Moment, ohne in didaktische Gesten zu verfallen.
Doch gerade weil der Roman die Anfänge so eindrucksvoll vor Augen führt, bleibt am Ende ein merkliches Ungleichgewicht: Die Zeit ihres literarischen Erfolges, ihr Aufstieg zur populären Autorin, wird kaum noch beleuchtet. Nach der kraftvollen Schilderung der frühen Lebensjahre bricht die Biographie fast abrupt ab – als hätte das „gute Ende“ des Buchtitels keinen Ort in Hedwigs eigenem Leben gefunden. Man sehnt sich nach einem Blick in die Jahre, in denen die einstige Dienstmagd Millionen Leserinnen erreichte und zum literarischen Phänomen wurde. Gerade diese Phase hätte Raum geboten, das Spannungsverhältnis zwischen Erfolg, Anerkennung und literarischer Reduktion auf das „Triviale“ auszuloten.
Trotz dieses Mangels überzeugt Ein gutes Ende durch seine emotionale und sprachliche Kraft. Der Roman lässt ein Stück Literatur- und Frauengeschichte lebendig werden – nicht in musealer Ehrfurcht, sondern in erzählerischer Nähe. Bachmann gelingt es, Hedwig Courths-Mahler aus der Verklärung ihrer späteren Romane herauszulösen und sie als widersprüchliche, leidende, kämpfende Frau zu zeigen.
So ist Ein gutes Ende ein zutiefst berührender Text über den Anfang eines Lebens, das von Armut und Zurückweisung geprägt war – aber auch über den unbeirrbaren Willen, aus der Enge heraus in die Freiheit des eigenen Wortes zu treten. Das „gute Ende“ bleibt aus – vielleicht, weil es in diesem Leben nie ganz zu haben war. Und vielleicht ist es gerade diese Leerstelle, die den Roman so eindrucksvoll nachhallen lässt.

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