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Veröffentlicht am 20.02.2026

Sehr einfache Rezepte für die Familie

Cooking for Family
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Der Bloggerin und selbst Mutter zweier Kinder Julia Lanzke ist es ein Anliegen, zu zeigen, mit wie wenig Aufwand man sich mit der eigenen Familie abwechslungsreich und einigermaßen gesund ernähren kann, ...

Der Bloggerin und selbst Mutter zweier Kinder Julia Lanzke ist es ein Anliegen, zu zeigen, mit wie wenig Aufwand man sich mit der eigenen Familie abwechslungsreich und einigermaßen gesund ernähren kann, auch inmitten eines vollen Alltagslebens. Das Buch beginnt mit ein paar Tipps zum Thema Sicherheit beim Kochen mit Kindern, zum Beispiel zur Verwendung schnittfester Handschuhe, von Scheren statt Messern, Wellenschneider und Kindermesser. Wie alltagstauglich das tatsächlich ist, bin ich mir nicht sicher - mein Kind lernt schon im Kindergarten, mit ganz normalen, auch scharfen Messern umzugehen und zurechtzukommen, und ich habe die Befürchtung, dass Kochen mit Handschuhen den ganzen Prozess viel mühsamer gestalten würde. Andere Tipps wie die Verwendung eines Eierschneiders auch zum Zerkleinern von Pilzen, Erdbeeren, Kiwi oder Mozzarella klingen zumindest interessant, mal ausprobiert zu werden.

Dann wird für Menschen, die Struktur mögen, ein Wochenplan empfohlen, mit wiederkehrenden Gerichten pro Wochentag z.B. Suppen-Samstag und das 3-2-1-Prinzip vorgestellt: drei Klassiker-Tage, 2 Restetage, 1 Vorratsgericht und 1 Wünsch-dir-was-Tag. Mich persönlich haben diese sehr strukturierten Ideen nicht so abgeholt, sind aber vielleicht für andere Familien passend.

Gut gefallen hat mir das Prinzip, von einem Gericht, z.B. Pfannkuchen, gekochte Eier, Kartoffeln oder Tomatensauce, gleich mehr zu kochen, um es in abgewandelter Form an weiteren Tagen zu neuen Speisen ergänzen zu können. Und dann gibt es noch Tipps für den Vorratsschrank.

Diese Ausführungen zeigen vielleicht schon: jemand wie ich mit langer Kocherfahrung ist vielleicht nicht ganz die richtige Zielgruppe für dieses Buch. Vieles ist wirklich auf sehr basalem Niveau, für Menschen, die sich noch nicht viel mit Kochen oder Vorratshaltung auseinandergesetzt haben.

Diesem Prinzip folgt auch der umfangreiche und schön bebilderte Rezeptteil. Es gibt Frühstücksideen, Snacks, Hauptgerichte und Desserts, alles mit Fokus auf leichte, schnelle Herstellung und Familientauglichkeit. Dieser Teil wird insbesondere Menschen gefallen, die gerne auch Konserven oder Fertigprodukte in ihre Gerichte integrieren, z.B. gibt es Nudelsalat mit fertig gekauftem Pesto und noch ein paar weiteren Zutaten dazu. Einige der Rezepte sind so simpel, dass ich dafür kein eigenes Rezept gebraucht hätte, aber es gibt durchaus auch Inspiration für neue Kochideen, auf die ich so noch nicht gekommen wäre z.B. Joghurt-Pfannkuchen-Lasagne, Heidelbeerwaffeln aus Toastbrot, eine Honig-Senf-Sauce, mit der sich gleich drei verschiedene Rezepte zubereiten lassen, Pizza auf Ofenkartoffelbasis oder Ofenmilchreis mit Apfel.

Insgesamt ist es ein sehr schön und liebevoll gestaltetes Kochbuch, das ich insbesondere jenen, die noch nicht viel Kocherfahrung haben, auf jeden Fall empfehlen kann.

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Veröffentlicht am 11.02.2026

33 Sprachnachrichten von Frauen aus dem journalistisch-künstlerischen Milieu

Frauenprobleme
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Lina Muzur ist Journalistin, Autorin und Verlagsleiterin von Hanser Berlin. Für dieses Buch hat sie Frauen aus ihrem Umfeld gebeten, Sprachnachrichten in der Länge von etwa 15 Minuten aufzunehmen, in denen ...

Lina Muzur ist Journalistin, Autorin und Verlagsleiterin von Hanser Berlin. Für dieses Buch hat sie Frauen aus ihrem Umfeld gebeten, Sprachnachrichten in der Länge von etwa 15 Minuten aufzunehmen, in denen sie von ihren Leben und ihren Herausforderungen erzählen. Es handelt sich dabei um Frauen etwa zwischen Mitte 30 und Mitte 50, alle gut ausgebildet und in anspruchsvollen Berufen im journalistischen, literarischen und künstlerischen Umfeld. Somit ist es sicher kein repräsentativer Schnitt der Frauen dieser Generation in der deutschen Bevölkerung. Dafür handelt es sich um sehr reflektierte Frauen, die sich schon viele Gedanken über ihre Lebensumstände gemacht haben und sich verbal sehr gut ausdrücken können. Manche der Frauen haben Kinder, andere nicht. Alle eint aber die Zerrissenheit und ein Stück weit Überforderung von all den Ansprüchen, die an sie gestellt werden, in einer Zeit der wachsenden Unsicherheit und der multiplen Krisen.

Es geht beispielsweise darum, was sich in uns ändert, wenn wir uns der Mitte des Lebens nähern oder diese überschreiten:

"Meistens finde ich es gut, dass dieses Nicht-mehr-dreißig-Sein, Nicht-mehr-so-emotionsgetrieben-Sein, Nicht-mehr-so-leichtsinnig-Sein, Nicht-mehr-so-impulsiv-Handeln, wie ich das immer gemacht habe, dass das zurückgegangen ist. Und manchmal sehne ich mich doch danach, mal wieder so richtig intensiv fühlen zu können in irgendeiner Art, vielleicht auch mal wieder zu weinen. Vielleicht auch mal wieder verliebt zu sein. Andererseits kann ich mir überhaupt nicht mehr vorstellen, dass mir das passiert." (S. 55)

Ein ganz großes Thema in vielen der Sprachnachrichten ist die schwierige bis fast unmögliche Vereinbarkeit von Familie und einem anspruchsvollen Beruf, die speziell dieser Frauengeneration vermittelte Illusion, man könne alles schaffen, wenn man sich nur genug anstrenge, und die Dauerbelastung und starke Erschöpfung, die damit einhergeht, wie viele Zitate zeigen, von denen ich hier drei exemplarisch ausgewählt habe:

"Aber es ist natürlich auch der Preis der Erschöpfung. Wenn sich jeden Tag Care- und Erwerbsarbeit die Klinke in die Hand geben, wenn der Tag nur funktioniert, wenn wirklich alles klappt, wie es geplant ist, das widerspricht dem Leben von kleinen Kindern. Planung ist der absolute Tod mit kleinen Kindern. Und ich glaube, dass das eine Wirklichkeit ist, die viele leben, darüber spricht man mutmaßlich nicht so viel. Aber es ist kaum zu schaffen nervlich, diese Dauerbelastung ohne Pausen mit kleinen Kindern..." (S. 60)

"Irgendjemand meinte, das Leben sei so ein bisschen wie ein Herd mit vier Flammen. Eine Flamme stände für die Familie, eine für die Karriere, eine für Freundschaft und eine für Gesundheit. Und dass man niemals alle vier Flammen am Laufen halten könne, sondern dass immer eine entweder ganz aus oder auf Sparflamme laufen würde." (S. 91)

"All das kann mir heute zwar keiner mehr nehmen, aber das meiste davon habe ich nur gemacht, weil ich dem Ruf meiner Eltern oder den Vätern der BRD gefolgt bin, die mir gesagt haben, man muss Leistung erbringen. Was ja auch ein Paradox ist. Weil auf der anderen Seite sollst du Kinder haben und eine Familie und eine möglichst gute Ehefrau sein, die ganz viel Care-Arbeit leistet." (S. 141)

Dabei ist auch Thema, dass nach wie vor oft an Frauen ganz andere Erwartungen gestellt werden als an Männer und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie für sie damit noch einmal schwieriger ist, wie sich an diesem Zitat zeigt, bei dem eine Frau im beruflichen Kontext dafür angegriffen wird, schwanger zu sein, obwohl sie doch eine verantwortungsvolle Rolle habe:

"Er schaute mich ganz erstaunt an und meinte: "Wie ist das passiert?" Was er damit vermutlich meinte, ist: Wie kannst du es wagen, als Direktorin einer Institution, für die man Verantwortung trägt, auch noch Mutter sein zu wollen?" (S. 91)

Neben diesen Themen geht es auch ein bisschen um Migration, Integration und Heimat-Finden. Lina selbst hat Wurzeln in Bosnien-Herzegowina, die sie in diesem Buch nicht thematisiert, die aber implizit von manchen ihrer Gesprächspartnerinnen angesprochen werden. Außerdem hat sie ein international geprägtes Umfeld, in dem sich einige Frauen finden, die aus anderen Ländern nach Deutschland gezogen sind. Manche der Sprachnachrichten waren ursprünglich sogar auf Englisch und wurden für dieses Buch übersetzt.

Da es sich bei der Auswahl der Befragten um Frauen handelt, die sich in sozialen Milieus bewegen, die meinem (und vermutlich dem vieler Leserinnen solcher Bücher) recht ähnlich sind, habe ich mich mit vielen der Aussagen sehr identifizieren können und mich verstanden und gesehen gefühlt. Dennoch ist mir klar, dass, wie eingangs erwähnt, es sich bei so einem Buch um kein komplettes oder repräsentatives weibliches Generationenporträt handeln kann: dafür stammen die interviewten Frauen zu sehr aus derselben sozialen Blase. Das ist eine kleine Einschränkung in der Bewertung eines sonst sehr lesenswerten und interessanten Buches, das ich insbesondere Frauen in einem ähnlichen Alter, die sich mit dem beschriebenen Sozialmilieu identifizieren können, zur Bestärkung und Erweiterung der eigenen Perspektive sehr empfehlen kann.

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Veröffentlicht am 04.02.2026

Interessanter Genremix als Abschiedswerk

Abschied(e)
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Der renommierte, mit einem Booker Prize ausgezeichnete, Schriftsteller Julian Barnes muss sich und anderen im reifen Alter von knapp 80 Jahren nichts mehr beweisen. Er kann einfach ein Buch ganz nach seinem ...

Der renommierte, mit einem Booker Prize ausgezeichnete, Schriftsteller Julian Barnes muss sich und anderen im reifen Alter von knapp 80 Jahren nichts mehr beweisen. Er kann einfach ein Buch ganz nach seinem Geschmack schreiben, das kein durchgängiger Roman sein muss, auch kein Memoir und keine Kurzgeschichtensammlung, sondern einfach ein bisschen von diesem und ein bisschen von jenem, und insgesamt ganz viel Abschied, insbesondere von seinen treuen Leserinnen und Lesern.

Man beachte: bei diesem Buch steht auch auf dem Cover nicht das Wörtchen "Roman", wie auf so vielen anderen Büchern. Und es ist tatsächlich auch keiner. Das Buch beginnt mit recht philosophischen Gedanken des Autors zum Thema Erinnerungen, autobiografische Erinnerungen, spezifisch sogenannte IAMs, Involuntary Autobiographical Memories, im Englischen erinnert die Abkürzung an unsere Identität.

Von welchen Erinnerungen werden Menschen plötzlich eingeholt, an was erinnern sie sich bewusst und was bleibt im Verborgenen? Was bedeutet das für die Geschichte(n), die sie erzählen? Und was wäre, wenn wir uns an absolut alle Momente unseres Lebens erinnern könnten? Barnes denkt über Menschen nach, die nach Verletzungen so ein Gedächtnis haben, über Synästhetiker und über das, was berichtenswert ist oder nicht. Durchaus interessante Gedanken, allerdings habe ich mich beim Lesen gefragt, wann denn nun tatsächlich eine Erzählung losgeht.

Eine solche kündigt Barnes an und diese folgt dann auch, im Grunde sogar mehrere: einen großen Teil in der Mitte des Buches nimmt seine autobiografische Erfahrung mit seiner Krebserkrankung ein: Barnes leidet an einem Krebs, der nach Angaben der Ärztinnen und Ärzte nicht heilbar, aber beherrschbar ist, und so erwartet er, zwar nicht an ihm, aber mit ihm zu sterben, irgendwann in der unbekannten Zukunft. Eingebettet ist diese Erzählung in seine nicht vorhandene Spiritualität und seine Erwartung, dass es nach dem Tode nichts geben würde, mit der er scheinbar recht gelassen umzugehen scheint.

Nach dieser persönlichen Geschichte erzählt Barnes eine von guten Freunden von ihm, einem Mann und einer Frau, die als junge Menschen ein Paar waren, sich dann aus den Augen verloren haben und Jahrzehnte später kurz wieder zusammen gekommen sind. Es geht um die Geschichte dieser Menschen, die mittlerweile verstorben sind und denen er zu Lebzeiten versprochen hat, nicht über sie zu schreiben (wenn dieses Element denn nicht auch fiktiv ist). Aber es geht auch um das Thema, ob sich etwas Altes wieder aufwärmen und vielleicht sogar erneuern lässt, und auch um Geschichten mit Anfang und Ende, denen die Mitte fehlt.

Auf den letzten Seiten wird es wieder persönlich und hier nimmt sich Barnes ausführlich Zeit für einen persönlichen Abschied von seinen Fans.

Ich habe den Inhalt dieses Buches so ausführlich beschrieben, weil es eben aus für mich sehr unterschiedlichen Inhalten, Schreibweisen und Genres zusammengesetzt ist, die durch übergreifende Themen wie Identität, Rückblick und Abschied verbunden sind.

Für mich war dieses Buch das erste von diesem Autor und ich habe mir durchaus einige interessante Impulse zum weiteren Nachdenken mitnehmen können. Insgesamt habe ich mich aber nur zum Teil als Zielgruppe dieses Werks gefühlt und hatte den Eindruck, dass es sich überwiegend an erfahrene Barnes-Leserinnen und -Leser wendet und für diese noch einmal ein persönlicher Abschied sein soll, denn wenn man seiner Ankündigung glaubt, wird es das letzte Buch des Autors gewesen sein.

Wer sich für dieses Buch näher interessiert, dem empfehle ich, für die Kaufentscheidung nicht nur in die ersten Seiten, sondern an verschiedenen Stellen hineinzulesen, da es sich, wie gesagt, um ein Buch handelt, das aus ganz unterschiedlichen Elementen zusammengesetzt ist.

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Veröffentlicht am 03.02.2026

Ein stilles Buch über Heimat und Fremd-Sein

Menschen wie wir
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In ihrem autofiktionalen Roman "Menschen wie wir" erzählt die Autorin von dem Leben ihrer Familie zwischen Vietnam und Deutschland. Zuerst ist der Vater für 7 Jahre als Gastarbeiter in die DDR gezogen ...

In ihrem autofiktionalen Roman "Menschen wie wir" erzählt die Autorin von dem Leben ihrer Familie zwischen Vietnam und Deutschland. Zuerst ist der Vater für 7 Jahre als Gastarbeiter in die DDR gezogen und war in dieser Zeit nur einmal für einen Monat zu Besuch bei Frau und Kind in Vietnam. Später konnten dann die Autorin und ihre Mutter auch nach Europa ziehen, in das mittlerweile wiedervereinigte Deutschland.

In vielen kleinen Szenen geht es um Kindheitserinnerungen in Vietnam, Ankommen und Aufwachsen in Deutschland, Fremd-Sein und woanders heimisch werden - auch im Unterschied zur später schon in Deutschland geborenen Schwester, die wiederum ein anderes Verhältnis zu den beiden Ländern hat. Das alles in verschiedenen Zeitperioden, die sich von 1988 über 2002 und 2011 bis zum Herbst 2020 erstrecken. Es findet sich so einiges Interessantes in dem Buch, zum Beispiel auch Songtexte vietnamesischer Volkslieder, in denen es ebenfalls um die Liebe zur Heimat geht, und viel über kulturelle Unterschiede und Zuschreibungen.

Wenn man noch nicht viel über Vietnam und die vietnamesische Kultur weiß, lässt sich ein erstes Gefühl dafür in diesem Buch bekommen. Gefehlt hat mir aber ein bisschen ein durchgängiger roter Faden und Spannungsbogen, zwar waren viele einzelne erzählte Details durchaus interessant, aber so richtig einen Sog zum Weiterlesen hat das Buch bei mir nicht ausgelöst.

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Veröffentlicht am 29.01.2026

Über die Risse hinter der scheinbar heilen Fassade

Alle glücklich
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Nach ihrem Vorgängerbuch "Die Nacht der Bärin", das auf eindrückliche Art die Dynamik häuslicher Gewalt thematisierte, behandelt die Autorin Kira Mohn nun auch in diesem Werk wieder wichtige Themen der ...

Nach ihrem Vorgängerbuch "Die Nacht der Bärin", das auf eindrückliche Art die Dynamik häuslicher Gewalt thematisierte, behandelt die Autorin Kira Mohn nun auch in diesem Werk wieder wichtige Themen der Gegenwart. Es geht um eine scheinbar heile Familie, die gut situiert ist und auf den ersten Blick alles hat: Vater Alexander hat es in einer Klinik zum Chefarzt gebracht. Zwar schafft er es nur selten rechtzeitig zum gemeinsamen Abendessen nach Hause und auch die Wochenenden sind oft voll Arbeit, doch liebt er seinen Job und ist stolz darauf, für seine Familie so einen Wohlstand geschaffen zu haben. Mutter Nina hat ursprünglich auch Medizin studiert, doch als sich nach Schreibaby Ben dann auch noch Töchterchen Emilia ankündigte, schaffte sie es nicht mehr, das Studium erfolgreich zu beenden, sodass sie heute Teilzeit als Ordinationsassistentin in einer Arztpraxis arbeitet. Die mittlerweile 16-jährige Emilia ist verliebt in ihren ersten Freund Julian, ihr 19-jähriger Bruder Ben studiert unambitioniert vor sich hin und macht beim Computerspielen die Nacht zum Tag. Und wenn man genauer hinschaut, zeigen sich so einige Risse in der Fassade der so heil wirkenden Familie. Ist irgendeines der vier Familienmitglieder wirklich glücklich? Und womit hängen ihre Schwierigkeiten zusammen?

In unterhaltsamer und zugänglicher Sprache lässt uns die Autorin die Geschichte abwechselnd aus der Perspektive aller vier Familienmitglieder erleben. Dabei entwickeln sich alle vier Handlungsstränge immer mehr in Richtung Eskalation. Das Buch regt durchaus zum Nachdenken über aktuelle gesellschaftspolitische Themen und deren Schattenseiten an. Es geht unter anderem um mangelnde Wertschätzung von Care-Arbeit, um beruflichen Aufstieg und seinen Preis im Familienleben, um den drastischen Einschnitt, wenn aus einem Paar eine Familie wird, um Frauen, die sich bemühen, ihre Söhne progressiv zu erziehen, in einer Welt, in der auch bei der Partnerwahl nach wie vor oft anderes geschätzt wird und es die nicht so einfühlsamen, aber "cool" wirkenden jungen Männer bei den jungen Frauen oft leichter haben, und um vieles mehr. Wie in so vielen momentan neu erscheinenden Romanen gibt es auch hier wieder eine lesbische Liebesbeziehung, das scheint derzeit Programm zu sein. Das Ende kam für mich etwas abrupt, da hätte ich mir durchaus gewünscht, dass so einiges noch weiter auserzählt worden wäre.

Insgesamt ist es ein leicht lesbares, unterhaltsames und gleichzeitig zum Nachdenken anregendes Buch, das ich insbesondere einer modernen, progressiv eingestellten Leserschaft empfehlen kann.

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