Tödliches Erbe in Seagull Bay
Mord & BreakfastAnne Gordons Auftakt ihrer neuen Cosy-Crime-Reihe „Mord & Breakfast“ ist ein herrlich atmosphärisches Lesevergnügen, das die klassische „Erbin zieht aufs Land“-Formel auf erfrischende Weise bricht. Als ...
Anne Gordons Auftakt ihrer neuen Cosy-Crime-Reihe „Mord & Breakfast“ ist ein herrlich atmosphärisches Lesevergnügen, das die klassische „Erbin zieht aufs Land“-Formel auf erfrischende Weise bricht. Als der Londoner Alltag der schlagfertigen Journalistin Melody Moss zusammenbricht, flieht sie in die raue Idylle von Seagull Bay. Doch das Erbe ihrer Tante Mabel – das charmante „Coastal Inn“ – ist an eine unbequeme Bedingung geknüpft: Melody muss das Bed & Breakfast selbst führen.
Was zunächst wie ein tragischer Treppensturz der Tante aussieht, weckt schnell Melodys journalistischen Instinkt. Während der örtliche Detective Sergeant den Fall vorschnell zu den Akten legen will, blickt Melody hinter die Fassade der Dorfgemeinschaft. Dabei entpuppt sich die vermeintliche Idylle als moralisches Minenfeld: Die verstorbene Tante war keineswegs die gütige alte Dame, für die man sie hielt, sondern eine geschickte Manipulatorin, die ihre Nachbarn mit einem Archiv aus dunklen Geheimnissen fest im Griff hatte.
Die Geschichte besticht durch ihre vielschichtigen Charaktere. Melody überzeugt als pragmatische Heldin, die zwischen Existenzangst und Neugier jongliert. Ihr zur Seite steht der schlagfertige Gärtner Dean, der weit mehr als nur exzellenten Kaffee und emotionale Unterstützung bietet. Nicht zu vergessen: der Hund Cheddar, der als heimlicher moralischer Kompass der Ermittlungen fungiert. Besonders spannend ist das Netz aus Verdächtigen – vom ehrgeizigen Politiker bis zum verzweifelten Pub-Besitzer –, die alle ein Motiv hatten, Tante Mabels Schweigen dauerhaft zu sichern.
Die Autorin schreibt flüssig und mit viel Liebe zum Detail. Die Beschreibungen des Coastal Inn und der schottischen Küste sind so lebendig, dass man das Meer förmlich rauschen hört. Die Dialoge sind pointiert und der Humor ist herrlich britisch-trocken – perfekt für gemütliche Lesestunden.
Anne Gordon fängt das schottische Lebensgefühl meisterhaft ein: Zwischen Highland Games, dem Peitschen des Seewinds am Pebble Beach und dem Duft frischer Scones entfaltet sich eine tragische Familiengeschichte, die weit in die Vergangenheit zurückreicht. Die Entdeckung alter Briefe verleiht der Handlung eine unerwartete emotionale Tiefe und macht aus dem Krimi eine berührende Suche nach den eigenen Wurzeln.
Fazit: „Mord & Breakfast“ ist ein Muss für Fans von Wohlfühlkrimis, die eine ordentliche Portion Nervenkitzel und schwarzen Humor suchen. Ein klug konstruierter Pageturner mit viel Herz, Hund und Hochland-Flair, der Lust auf viele weitere Fälle in Seagull Bay macht!