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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 05.04.2026

Einfach schön

Summer Tides
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Was für ein ausgesprochen hübsches Cover, dazu ein wunderbarer Farbschnitt - da fühle ich mich direkt zu Lesen eingeladen.

Und sie macht Spaß, diese Geschichte rund um Scarlett und Jonah. Man ahnt von ...

Was für ein ausgesprochen hübsches Cover, dazu ein wunderbarer Farbschnitt - da fühle ich mich direkt zu Lesen eingeladen.

Und sie macht Spaß, diese Geschichte rund um Scarlett und Jonah. Man ahnt von Anfang an, wie es ausgeht. Gut so für einen Wohlfühlroman! Noch besser aber gefällt mir, dass die Umwege der beiden nachvollziehbar sind und man spürt, wie sie um ihre Beziehung kämpfen. Scarlett muss lernen, an sich selbst zu glauben. Und man geht die Schritte gern mit ihr gemeinsam. Auch wenn die Kapitel mal aus Jonahs, mal aus Scarletts Sicht geschrieben sind, bleibt mir Jonah etwas fremder. Aber auch sein Bedürfnis, die eigenen Wünsche und Ziele besser zu verstehen, kann ich gut nachvollziehen.

Die Autorin zeichnet ein schönes Bild von St. Ives, seinen Bewohnern und ihrem Zusammenhalt. Die Charaktere sind einfach, aber liebevoll gezeichnet. Man könnte sich vorstellen, direkt Teil dieser Gemeinschaft zu sein. Beim Lesen ist man jedenfalls mittendrin im Geschehen und mag eigentlich gar nicht raus aus dieser Welt.

Ich mag die Sprache, auch wenn mir manchmal etwas zu viele Schmetterlinge durch die Luft fliegen.

Vor allem aber freue ich mich, dass es noch drei weitere Jahreszeiten gibt, in denen man in die Welt von St. Ives eintauchen kann.

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Veröffentlicht am 16.03.2026

Einfühlsam und sprachlich schön

Sie wollen uns erzählen
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„Autobahnen nennt Rottensteiner das. Ann bildet einfach keine Autobahnen. Jeder noch so kleine Gedanke, jede noch so winzige Irritation führt auf Seitenstraßen, Abwege, Verzweigungen“. Und genau das sind ...

„Autobahnen nennt Rottensteiner das. Ann bildet einfach keine Autobahnen. Jeder noch so kleine Gedanke, jede noch so winzige Irritation führt auf Seitenstraßen, Abwege, Verzweigungen“. Und genau das sind die Herausforderungen für Ann und ihren Sohn Oz. Ob das nun als ADHS oder neurotypisch oder wie auch immer diagnostiziert wird, es macht beiden den Alltag schwer.
Und so umkreisen sie sich den ganzen Tag. Beobachten, versuchen zu auszugleichen und gegenzusteuern. Sehr
feinfühlig sind sie beide und haben stets ihre Antennen ausgefahren. Oz möchte die Wut- und Schreiausbrüche der Mutter verhindern („Oz betrachtet seine Mutter, wie sie hinauf zum Leipziger schaut und ihre Ader bekommt. …. Seine Mama weiß, dass man Fremde nicht anschreit, …, besinnt Ozzy sich und hofft, dass auch sie selbst das im Augenblick nicht vergisst“). Ann ist bemüht, ihrem Sohn Stabilität und das Gefühl des „Normalen“ zu geben. Diese Anstrengung beschreibt Birgit Birnbacher mit tollen Worten, und Gedanken. Wie sich Oz flüchtet in eine hochkomplexe Phantasiewelt, wie Ann versucht, allem gerecht zu werden.

Erst als auch noch Anns Mutter verschwindet und die Situation fast unbewältigbar erscheint, lernen beide, etwas loszulassen. Anzunehmen, was ist und sich wirklich zu stützen.

Das Buch geht unter die Haut. Birgit Birnbacher beschreibt aus neutraler Position beide Rollen, Mutter und Sohn. Und so ist man als Leser auch beiden gleichermaßen verbunden, möchte unterstützen beim Kampf um Zufriedenheit und sie selbst sein.
Bei den wunderbaren Sprachbildern bedient sich die Autorin ihrer österreichischen Sprache. Das bringt wirklich Abwechslung, sind manche Begriffe doch für mich nicht im alttäglichen Sprachgebrauch üblich.

Toll ist auch das Cover. Es erinnert in den Farben an „Wovon wir leben“.

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Veröffentlicht am 19.02.2026

Einfach schön zu lesen

Leuchtturmzauber
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Marie Merburg entführt uns mit ihrem Roman auf die Insel Juist. Mit wunderbaren Naturbeschreibungen weckt sie sofort Reiselust. Man möchte in eine der Kutschen steigen, die den Inselverkehr regeln. Am ...

Marie Merburg entführt uns mit ihrem Roman auf die Insel Juist. Mit wunderbaren Naturbeschreibungen weckt sie sofort Reiselust. Man möchte in eine der Kutschen steigen, die den Inselverkehr regeln. Am liebsten natürlich in eine, die von Julia gesteuert wird.

Diese Julia ist Hauptperson des Buchs, leitet praktisch ein Fuhrunternehmen, da ihr Vater dazu aktuell nicht in der Lage ist. Seit 5 Jahren verzweifelt er am plötzlichen Weggang von Julias Mutter. Niemand weiß, warum sie einfach so gegangen ist. Kleine Andeutungen im Buch lassen den Leser ahnen, was hinter dieser plötzlichen Flucht stecken könnte.

Dies ist der eine Zweig der Geschichte. Der andere ist eine wunderbare Liebesgeschichte. Julia trifft auf ihren Schwarm aus Jugendzeiten. Doch der hat sie damals versetzt, was sie ihm nicht verzeihen kann. Ob die beiden eine Chance haben?

Mit viel Gefühl erzählt die Autorin auch die kleinen Begebenheiten, die das Leben ausmachen. Es geht um Freundschaft, Vertrauen, Zuhören und ehrliche Bindung. Die Hauptpersonen sind mit all ihren Schwächen sympathisch. Und das ist für mich ein großes Plus des Buchs. Nicht nur die Liebe der Autorin zur Insel, sondern auch zu ihren Menschen ist in jeder Zeile spürbar.

Besonders schön ist das Cover gestaltet. Wann immer man drauf guckt, man kann sich Julia direkt in dieser Szenerie vorstellen.

Ein echtes Wohlfühlbuch, das Freude beim Lesen macht und in das man tief eintauchen und

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Veröffentlicht am 06.02.2026

Spannend bis zur letzten Seite

Wellengrab (Ein Fabian-Risk-Krimi 7)
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Auch wenn man die Reihe um Fabian Risk nicht kennt, kommt man wunderbar mit den handelnden Personen zurecht. Ohne stereotyp zu sein, ist das Ermittlerteam schnell charakterisiert. Und in diesen Charakteren ...

Auch wenn man die Reihe um Fabian Risk nicht kennt, kommt man wunderbar mit den handelnden Personen zurecht. Ohne stereotyp zu sein, ist das Ermittlerteam schnell charakterisiert. Und in diesen Charakteren liegt tatsächlich meine einzige Kritik an dem Buch. Ich bin kein Fan von Ermittlern, die scheinbar übermächtige Kräfte und Energie haben und nur dadurch die Fälle lösen. Dies trifft sowohl für Fabian als auch seine Kollegin Irene zu, die mit Brandwunden übersät weiterarbeitet, als würde sie das nicht beeinflussen.

Das Szenario an sich ist erschreckend realitätsnah. Kritische Infrastruktur soll geschädigt werden, Menschenmengen sind einer Bedrohung ausgesetzt. Doch bis dies so eindeutig auf dem Tisch liegt, beobachtet das Team um Fabian Risk seltsame Dinge. Warum verschwinden Kinder und tauchen danach völlig verändert wieder auf? Warum vertuschen die Eltern diese Kindesentführungen? Wie hängt das alles mit alten Fällen zusammen?

Die Auflösung dieser Entführungen ist grausam – das möchte man sich keinesfalls in der Realität vorstellen. Und gleichzeitig liest man staunend weiter und fragt sich, wie weit der Autor die Geschichte tatsächlich spinnt. Und hier ist Stefan Anhem sehr konsequent. Die Geschichte wird stringent erzählt und auch wenn die Ermittler (es gibt sehr viele Cliffhanger!) uns Lesern häufig ein Stück voraus sind, verliert man nie den Faden.

Die kurzen Kapitel lassen sich hervorragend lesen, so dass die über 600 Seiten nur so durchflutschen. Für alle, die gut konstruierte Krimis im hier und jetzt mögen, ist das Buch eine absolute Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 24.01.2026

Berührend: Passt mein Leben noch zu mir?

Die Liebe, später
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Nach einer Herz OP ist für Kora nichts mehr wie vorher. Nicht nur, dass Ihr Mann in Rente ist und nun daheim voller Pläne neue Wege gehen möchte, auch für ihren geliebten Job als Radiomoderatorin hat sie ...

Nach einer Herz OP ist für Kora nichts mehr wie vorher. Nicht nur, dass Ihr Mann in Rente ist und nun daheim voller Pläne neue Wege gehen möchte, auch für ihren geliebten Job als Radiomoderatorin hat sie einen Aufhebungsvertrag bekommen. Doch noch mehr nagt an ihr, dass sie sich selbst nicht mehr gewiss ist. Was sind eigentlich ihre Pläne und Träume?

Und so begibt sie sich auf eine Reise zu sich selbst. Sie besucht alte, vertraute Orte und sucht nach Menschen, die ihr einst viel bedeuteten und die aus ihrem Leben verschwunden sind.

Gisa Klönne beschreibt diese innere Zerrissenheit ihrer Protagonistin Kora anhand vieler kleiner Situationen und Gedanken, die in Summe ein vielschichtiges Bild ergeben. Das Bild einer etwa 60jährigen Frau, die um ihre Identität ringt. Dabei bleibt der Blick auf Kora irgendwie distanziert. Als Leserin kann ich mich mit den Gedanken und Gefühlen von Kora richtig gut identifizieren, als Person bleibt mir die Protagonistin dennoch völlig fremd. Ein sehr spezielles Lesegefühl ist das.

Koras Zerrissenheit wird im Buch klug gespiegelt. Ihr Mann Anselm unterstützt Kora, als ihre Unruhe und ihr Rückzugsverhalten jedoch übermächtig werden, zieht er eine klare Grenze. Dadurch muss Kora ihre Beziehung zu Anselm hinterfragen. Und in einer Nebengeschichte wird thematisiert, was passieren kann, wenn man seine eigenen Träume der Vernunft opfert. Auch dies spielt in Koras eigene Gedankenwelt hinein.

Als zusätzliche Erzählebene baut Gisa Klönne jeweils 5 Aussagen von Anselm und Kora ein, wie etwa 5 Dinge, die ich am anderen schätze. Das bringt zum Nachdenken, denn wie würde man hier für sein eigenes Leben antworten?

Das Buch kratzt nicht nur an der Oberfläche, sondern steigt wirklich tief in Koras Seele ein. Es macht nachdenklich, lässt einen für sich selbst reflektieren und ist mit ganz viel Liebe für die Protagonistin geschrieben. Mich hat das Hinterfragen des eigenen Lebens sehr berührt.

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