Profilbild von Leseclau

Leseclau

Lesejury Profi
offline

Leseclau ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Leseclau über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 06.02.2026

Spannend bis zur letzten Seite

Wellengrab (Ein Fabian-Risk-Krimi 7)
0

Auch wenn man die Reihe um Fabian Risk nicht kennt, kommt man wunderbar mit den handelnden Personen zurecht. Ohne stereotyp zu sein, ist das Ermittlerteam schnell charakterisiert. Und in diesen Charakteren ...

Auch wenn man die Reihe um Fabian Risk nicht kennt, kommt man wunderbar mit den handelnden Personen zurecht. Ohne stereotyp zu sein, ist das Ermittlerteam schnell charakterisiert. Und in diesen Charakteren liegt tatsächlich meine einzige Kritik an dem Buch. Ich bin kein Fan von Ermittlern, die scheinbar übermächtige Kräfte und Energie haben und nur dadurch die Fälle lösen. Dies trifft sowohl für Fabian als auch seine Kollegin Irene zu, die mit Brandwunden übersät weiterarbeitet, als würde sie das nicht beeinflussen.

Das Szenario an sich ist erschreckend realitätsnah. Kritische Infrastruktur soll geschädigt werden, Menschenmengen sind einer Bedrohung ausgesetzt. Doch bis dies so eindeutig auf dem Tisch liegt, beobachtet das Team um Fabian Risk seltsame Dinge. Warum verschwinden Kinder und tauchen danach völlig verändert wieder auf? Warum vertuschen die Eltern diese Kindesentführungen? Wie hängt das alles mit alten Fällen zusammen?

Die Auflösung dieser Entführungen ist grausam – das möchte man sich keinesfalls in der Realität vorstellen. Und gleichzeitig liest man staunend weiter und fragt sich, wie weit der Autor die Geschichte tatsächlich spinnt. Und hier ist Stefan Anhem sehr konsequent. Die Geschichte wird stringent erzählt und auch wenn die Ermittler (es gibt sehr viele Cliffhanger!) uns Lesern häufig ein Stück voraus sind, verliert man nie den Faden.

Die kurzen Kapitel lassen sich hervorragend lesen, so dass die über 600 Seiten nur so durchflutschen. Für alle, die gut konstruierte Krimis im hier und jetzt mögen, ist das Buch eine absolute Leseempfehlung.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 24.01.2026

Berührend: Passt mein Leben noch zu mir?

Die Liebe, später
0

Nach einer Herz OP ist für Kora nichts mehr wie vorher. Nicht nur, dass Ihr Mann in Rente ist und nun daheim voller Pläne neue Wege gehen möchte, auch für ihren geliebten Job als Radiomoderatorin hat sie ...

Nach einer Herz OP ist für Kora nichts mehr wie vorher. Nicht nur, dass Ihr Mann in Rente ist und nun daheim voller Pläne neue Wege gehen möchte, auch für ihren geliebten Job als Radiomoderatorin hat sie einen Aufhebungsvertrag bekommen. Doch noch mehr nagt an ihr, dass sie sich selbst nicht mehr gewiss ist. Was sind eigentlich ihre Pläne und Träume?

Und so begibt sie sich auf eine Reise zu sich selbst. Sie besucht alte, vertraute Orte und sucht nach Menschen, die ihr einst viel bedeuteten und die aus ihrem Leben verschwunden sind.

Gisa Klönne beschreibt diese innere Zerrissenheit ihrer Protagonistin Kora anhand vieler kleiner Situationen und Gedanken, die in Summe ein vielschichtiges Bild ergeben. Das Bild einer etwa 60jährigen Frau, die um ihre Identität ringt. Dabei bleibt der Blick auf Kora irgendwie distanziert. Als Leserin kann ich mich mit den Gedanken und Gefühlen von Kora richtig gut identifizieren, als Person bleibt mir die Protagonistin dennoch völlig fremd. Ein sehr spezielles Lesegefühl ist das.

Koras Zerrissenheit wird im Buch klug gespiegelt. Ihr Mann Anselm unterstützt Kora, als ihre Unruhe und ihr Rückzugsverhalten jedoch übermächtig werden, zieht er eine klare Grenze. Dadurch muss Kora ihre Beziehung zu Anselm hinterfragen. Und in einer Nebengeschichte wird thematisiert, was passieren kann, wenn man seine eigenen Träume der Vernunft opfert. Auch dies spielt in Koras eigene Gedankenwelt hinein.

Als zusätzliche Erzählebene baut Gisa Klönne jeweils 5 Aussagen von Anselm und Kora ein, wie etwa 5 Dinge, die ich am anderen schätze. Das bringt zum Nachdenken, denn wie würde man hier für sein eigenes Leben antworten?

Das Buch kratzt nicht nur an der Oberfläche, sondern steigt wirklich tief in Koras Seele ein. Es macht nachdenklich, lässt einen für sich selbst reflektieren und ist mit ganz viel Liebe für die Protagonistin geschrieben. Mich hat das Hinterfragen des eigenen Lebens sehr berührt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 28.10.2025

Düstere Zukunftsprognose

Das Dream Hotel
0

Sara erlebt einen Alptraum. Auf dem Rückweg einer Dienstreise wird sie plötzlich angehalten, denn ihr Risikowert für potentielle Straftaten ist erhöht. Plötzlich findet sie sich in einem Einbehaltungszentrum ...

Sara erlebt einen Alptraum. Auf dem Rückweg einer Dienstreise wird sie plötzlich angehalten, denn ihr Risikowert für potentielle Straftaten ist erhöht. Plötzlich findet sie sich in einem Einbehaltungszentrum wieder, nahezu ohne Rechte, karg, eingeschlossen und vor allem abgetrennt von ihrer Familie und ihrem alten Leben.

Laila Lalami schafft es am Beispiel von Sara und einigen ausgewählten anderen Einbehaltenen die Stimmung an diesem Ort hervorragend zu zeichnen. Wie sie alle unter Verdacht stehen und es trotz engmaschiger Überwachung Freundschaften gibt. Wie versucht wird, Lücken auszunutzen und wie dafür gebüßt wird.
Doch nicht nur das Verhalten, sondern die seelische Verfassung der Frauen steht im Vordergrund. Ungläubigkeit, Zuversicht, Resignation, Wut und Verzweiflung bis sie sich schließlich anpassen aus Angst vor weiteren Repressalien („Sie hat so gut gelernt, eine neutrale Maske aufzusetzen, dass sie befürchtet, diese Maske könnte eines Tages ihr einziges Gesicht sein.“ S. 212). Das mitzuerleben macht wütend und traurig zugleich.

Auf den knapp 500 Seiten gibt es äußerst wenig Wiederholungen, vielmehr wird die Geschichte der Sara immer weiterentwickelt. Das fand ich großartig, befürchtete ich doch, dass die Geschichte sich irgendwann auserzählt.

Während des Lesens fragte ich mich immer, wie weit bzw. nah wir tatsächlich an den technischen Möglichkeiten sind, die im Buch beschieben erzählt werden. Was passiert, wenn Träume wirklich ausgelesen werden können? Wer darf überhaupt solche Daten nutzen? Wie sehr wollen wir uns überwachen und beeinflussen lassen von der Technik? Laila Lalami wirft diese Fragen durch das Handeln und Denken ihrer Protagonistinnen auf. Nie erzählt sie mit erhobenem Zeigefinger. Gerade das macht das Buch so eindringlich. Bei mir jedenfalls wirkt es lange nach.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 26.10.2025

Großartige Weiterentwicklung der Reihe

Bodenfrost
0

Als bekennender Fan der Reihe um Kreuthner und Wallner bin ich auch von „Bodenfrost“ wieder begeistert. Chapeau für den Autor Andres Föhr, dass er das Niveau der Reihe auf Dauer so hochhält. Ich spüre ...

Als bekennender Fan der Reihe um Kreuthner und Wallner bin ich auch von „Bodenfrost“ wieder begeistert. Chapeau für den Autor Andres Föhr, dass er das Niveau der Reihe auf Dauer so hochhält. Ich spüre keine Abnutzungserscheinungen, weder bei den Figuren noch bei meiner Lesebegeisterung. Im Gegenteil, die Figuren werden immer noch ein Stückchen weiterentwickelt, ohne dass es zu viel Raum einnimmt.

Was Raum einnimmt, sind die Eigenarten der Personen. Das Schlitzohrige am Kreuthner, wie er sich selbst mit voller Geschwindigkeit in die Bredouille bringt und wieder raus schlawinert. Das Korrekte am Wallner, der irgendwie versucht, seine Truppen zu leiten und zunehmend zu schätzen weiß, was Kreuthner da so ermittelt. Und der auf einmal selbst Gesetzesgrenzen übertritt. Das Liebenswerte an Manfred, der es faustdick hinter den Ohren hat und der mich immer wieder rührt ob seiner Menschlichkeit.

Der Fall? Der erzählt sich wie immer so dahin. Es wird abgelenkt, vertuscht und gelogen. Man ahnt ein bisschen, wohin die Reise geht, aber kriegt es doch noch nicht ganz zusammen. Was für mich wichtig ist, die Auflösung ist dann stimmig.

Im Grunde freue ich mich jetzt schon auf den nächsten Fall, wenn es wieder hin und her geht zwischen Gaunerei in der Mangfallmühle und Polizeiarbeit auf dem Revier.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 12.10.2025

Tiefe Einblicke in ein (Kletter)leben

Frei am Fels
0

Mich hat dieses Buch von Alex Megos und Andreas Thamm nachhaltig beeindruckt. Es ist ehrlich und begeisternd zugleich.

Alex Megos, inzwischen Anfang 30, nimmt uns mit auf seine Reise als Kletterer. Vom ...

Mich hat dieses Buch von Alex Megos und Andreas Thamm nachhaltig beeindruckt. Es ist ehrlich und begeisternd zugleich.

Alex Megos, inzwischen Anfang 30, nimmt uns mit auf seine Reise als Kletterer. Vom jugendlichen Anfänger bis hin zum erfahrenen Olympioniken – in diesem Buch wird nichts ausgelassen. Erfolge werden ebenso erzählt wie Niederlagen.

Alex ist ein Teenager, als er die faszinierende Welt des Kletterns in hohen Schwierigkeitsgraden für sich entdeckt. Er erzählt von Reisen, da mag man sich gar nicht ausdenken, wie es den Eltern daheim ging. Er erzählt von bezwungenen Routen und er erzählt von seiner Besessenheit und Unruhe. Ein Tag ohne Klettern ist für ihn ein verlorener Tag. Er legt sich zwanghafte Regeln auf und gleitet in eine Magersucht. Die dazu gehörenden Gedanken werden im Buch nachvollziehbar dargelegt und auch der weite Weg, der notwendig ist, Gedankenspiralen zu verändern. Ich bin total beeindruckt, wie offen Alex diese Geschichte erzählt, wie er uns Leser teilhaben lässt an Gefühlen und Gedanken.

Für diejenigen, denen die Kletterwelt fremd ist, werden Kletterbegriffe nicht nur im Glossar aufgeführt, sondern auch im Text auf eine gut verständliche Weise erklärt. Auch das muss man erstmal schaffen, hat diese Welt doch ein eigenes Vokabular. Insgesamt finde ich das Buch sprachlich und strukturell richtig gut.
Mir gefällt sehr, dass Weggefährten, Unterstützer und Förderer im Buch ebenso ihren Platz bekommen, wie Konkurrenten oder Legenden. Nicht viele Kletterer schaffen es, auch den Sichernden zu erwähnen, ohne den es keinen Erfolg gäbe.

Hut ab vor dieser Karriere, Hut ab davor, wie Alex sich im Leben entwickelt hat und danke für diesen schonungslosen Einblick in ein Kletterleben.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere