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Veröffentlicht am 22.02.2026

Im Dreieck der Überlebenden

Triskele
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"Triskele" von Miku Sophie Kühmel ist 2022 im S. Fischer Verlag erschienen. Drei Schwestern – 48, 32 und 16 Jahre alt – treffen nach dem Suizid ihrer Mutter in deren Wohnung in Arendsee aufeinander. Sie ...

"Triskele" von Miku Sophie Kühmel ist 2022 im S. Fischer Verlag erschienen. Drei Schwestern – 48, 32 und 16 Jahre alt – treffen nach dem Suizid ihrer Mutter in deren Wohnung in Arendsee aufeinander. Sie räumen aus, sortieren Nachlass, Erinnerungen und Zuschreibungen. Jede hatte eine andere Mutter. Und doch war sie ein und dieselbe Person

Meine Meinung

Das Buch lag viel zu lange auf meinem SuB und war dann mein Buchclub-Pick im Februar. Das erste Drittel hat sich eher schleppend gelesen, aber danach entwickelt das Buch einen Sog, der mich nicht mehr losgelassen hat. Vor allem die Sprache finde ich sehr bemerkenswert.

Kühmel erzählt aus wechselnden Perspektiven und lässt die verstorbene Mutter in Briefen „aus dem Off“ auftreten, ein starkes Stilmittel wie ich finde, das der Schwere immer wieder eine trockene, fast boshafte Komik entgegensetzt. Schon der nüchterne „Erbschein“ ganz zu beginn des Buches, in dem die Katze Muriel juristisch nicht als vierte Erbin anerkannt werden kann ist so eine Stelle.

Die Autorin zeichnet tolle Sprachbilder, die im Gedächtnis bleiben und trotz der Grund-Ernsthaftigkeit des Buches: „Die Umbrüche lauern im Kleinen. Ein Stolpern auf gebohnerter Treppe […] und ein Nervenzusammenbruch passiert gegebenenfalls ungeduscht zwischen Gurkengläsern.“ (S. 26) Diese Mischung aus Alltagsdetail und existenzieller Fallhöhe zieht sich wie ein roter Faden durch den Roman.

Besonders beeindruckt hat mich aber, wie die Autorin das Thema Trauer & Trauerbewältigung der Hinterbliebenen nach einem Suizid aufgegriffen hat: „Alle fünfzig Minuten stirbt ein Mensch an Selbsttötung. […] Und pro Tote drei Trauernde.“ (S. 102) Die Autorin mischt auch immer wieder Fakten in das romanhafte und romantisiert nichts. Sie zeigt, wie komplex Trauer ist und vor allem wie ambivalent. „Ich traute mich kaum zuzugeben, dass ich auf eine Art beruhigt war, sie nun tot zu wissen.“ (S. 234)

Neben dem zentralen Verlust verhandelt der Roman Queerness, Ost-West-Zuschreibungen, Mutterschaft, psychische Erkrankung und das schwierige Sprechen bzw. einander Fremd-(Geworden)-Sein in Familien. „Wir sprechen, aber wir reden ja nicht.“ (S. 139).

Nicht alles hat mich gleichermaßen erreicht; manche gedanklichen Schleifen wirkten auf mich etwas überdehnt. Aber insgesamt ist das ein sehr durchdachter, literarisch ambitionierter Roman, der viel Raum für Zwischentöne lässt.

Fazit
"Triskele" ist kein leichtes, eher ein melancholisches Buch, das sich aber meiner Meinung nach sehr lohnt. Für alle, die leise und sich-langsam-entwickelnde Familiengeschichten mögen, die mehr Fragen stellen als Antworten geben. Und für alle die besonders auf Sprache einen großen Wert legen, die hier zugleich scharf, ironisch und zart daherkommt. Wer einen stringenten Plot mit einem krassen Spannungsbogen sucht, wird hier eher ungeduldig.

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Veröffentlicht am 21.02.2026

Schönheitsnormen, Schuld und das Gewicht der Generationen

Das schönste aller Leben
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"Das schönste aller Leben" ist das Debüt der in Arad geborenen, heute in der Nähe von Stuttgart lebenden Autorin Betty Boras (@bettyboras), erschienen bei hanserblau im Februar 2026. Der Roman erzählt ...

"Das schönste aller Leben" ist das Debüt der in Arad geborenen, heute in der Nähe von Stuttgart lebenden Autorin Betty Boras (@bettyboras), erschienen bei hanserblau im Februar 2026. Der Roman erzählt die Geschichte von Vio, die kurz nach dem Sturz der Diktatur mit ihren Eltern aus dem rumänischen Banat nach Deutschland flieht, und verwebt diese Gegenwartserzählung mit den Erfahrungen von Theresia im 18. Jahrhundert. Es ist eine Geschichte über Herkunft, Anpassung, die Suche nach Zugehörigkeit und den Preis von Schönheit, die sich durch Generationen zieht.

Meine Meinung

Ich hatte hohe Erwartungen, weil das eines der Bücher ist, die im Vorfeld in meiner Bookstagram-Bubble sehr präsent waren. Die Themen Mutterschaft, Migration und Schönheitsideale beschäftigen mich zudem häufig, und ich habe mich sehr gefreut, ein Buch lesen zu dürfen, dessen Autorin ich auch schon vor der Veröffentlichung über Bookstagram kennenlernen durfte. Bettys Debüt enttäuscht definitiv nicht. Die Sprache ist dicht, bildhaft, manchmal schmerzlich direkt. Besonders gelungen fand ich, wie dokumentarische Elemente, Reflexionen über „pretty privilege“ oder reale Traumata von Frauen wie Turia Pitt oder Sophie Delezio in die erzählerische Fiktion eingewoben werden.

Vio als Figur ist komplex: Sie navigiert zwischen Selbstanspruch, Familienerwartungen und gesellschaftlichen Normen. Ihre Sehnsucht nach Zugehörigkeit, die Erinnerungen an die Großmutter und die Verantwortung für ihre Tochter nach einem Unfall haben mich beim Lesen sehr betroffen gemacht. Die Geschichte springt zwischen den Jahrhunderten und zwischen Ich- und Erzählstimme. Der Aufbau hat mich stellenweise gefordert, macht das Buch aber erzählerisch auf jeden Fall vielschichtiger.

Das Buch ist auch durch und durch als feministisch zu lesen, was vor allem an den Stellen sichtbar wird, die die Macht von Schönheit und sozialem Status reflektieren: „Die Mädchen hießen Johanna, Charlotte oder Katharina, und bei ihnen zu Hause standen große Bücherregale … Aber Vio fühlte sich wie ein Fremdkörper“ (S. 92). Oder der Satz, der die Last der Mutterschaft zusammenfasst: „Seit dem Unfall gibt es wenig, das mir so wichtig erscheint wie das Aussehen meiner Tochter“ (S. 125).

Ein paar kleinere Kritikpunkte habe ich dennoch: Wie schon beschrieben, war mir der Wechsel zwischen den Jahrhunderten manchmal zu abrupt, und an einigen Stellen, wenn es um Theresias Erfahrungen geht, hätte ich mir mehr Kontext gewünscht. Dennoch überwiegt am Ende auf jeden Fall das Gefühl, ein ehrliches, literarisch dichtes Buch gelesen zu haben, das Schmerz, Schönheit und gesellschaftliche Erwartungen auf wundersame Weise und mit einer wunderschönen Sprache reflektiert.

Fazit
"Das schönste aller Leben" ist ein bewegendes, sprachlich starkes Debüt für alle, die literarische Gegenwartsliteratur mögen und sich mit Migration, Mutterschaft und weiblicher Perspektive auseinandersetzen. Vielen Dank an Betty Boras für dieses Buch und an netgalley.de sowie hanserblau für das digitale Rezensionsexemplar.

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Veröffentlicht am 20.02.2026

Gold über-Wunden

Die Routinen
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Mit „Die Routinen“ (Klett-Cotta, 272 Seiten, ET 17.01.2026) legt Son Lewandowski, die 2023 u. a. zum Klagenfurter Literaturkurs eingeladen war und mit diesem ihrem Debüt für den lit.cologne-Debütpreis ...

Mit „Die Routinen“ (Klett-Cotta, 272 Seiten, ET 17.01.2026) legt Son Lewandowski, die 2023 u. a. zum Klagenfurter Literaturkurs eingeladen war und mit diesem ihrem Debüt für den lit.cologne-Debütpreis nominiert ist, einen ebenso poetischen wie schonungslosen Roman über das Leistungsturnen vor. Erzählt wird aus einem kollektiven „Wir“, aus dem sich allmählich das „Ich“ der Turnerin Amik herauslöst, eine Emanzipationsgeschichte in einem System, das Individualität systematisch schleift.

Meine Meinung

Ich habe mich sehr auf diesen Roman gefreut. Hochleistungssport, feministische Perspektive, Systemkritik? Genau mein Thema. Und trotzdem: Ich habe wirklich gebraucht, um hineinzufinden. Aber von vorne:
Schon recht früh während des Lesens wird klar, dass nicht der Wettkampf an sich im Zentrum steht, sondern die Struktur dahinter: „Routine ist eine Erinnerung ohne Gefühl.“ (S. 93) Dieser Satz gibt schon einen ersten Hinweis auf die Titelwahl. Lewandowski schreibt in einer bildmächtigen, fast lyrischen Sprache, die sich immer wieder mit dokumentarischen Einschüben verschränkt. Reale Turnerinnen wie Nadia Comăneci, Olga Korbut oder Simone Biles werden zu Spiegeln eines Systems, das Kinderkörper formt, verbraucht und vermarktet. Am besten fasst das wohl dieses Zitat zusammen: "Eine Kindheit verpassen wie einen Termin.“ (S. 136) Der hohe Preis von Ruhm wird sehr klar benannt.

Die Waage am Halleneingang wird zum Symbol: „Ich stieg auf die Waage, ohne zu wissen, dass ich nie wieder aus ihr herausfinden würde“ (S. 58). Essstörungen, Pubertät, Menstruation, sexualisierte Gewalt, rassistische Schönheitsnormen: die Autorin benennt all das, ohne je ins Sensationelle zu kippen. Bezeichnend fand ich die Passagen über Medialisierung und Kommerzialisierung: „Wenn wir gewinnen, sind wir das Land, der Verein, der Werbevertrag … Wenn wir verlieren, fahren wir nach Hause und beginnen von vorn.“ (S. 106) Ich kann mir nur ansatzweise vorstellen, was für ein Druck das für die Athlet:innen bedeutet.

Formal ist das Buch fordernd. Chronologie wird aufgebrochen, Zeiten verschieben sich, das „Wir“ spricht mal historisch, mal gegenwärtig. Ich war stellenweise irritiert, musste nochmal zurückblättern und Passagen nochmal lesen. Was am Ende bei mir aber bleibt, ist wieder einmal Wut auf ein System, das Menschen nicht ausreichend schützt und Bewunderung für die (real existierenden) Frauen, die viel erlebt und überlebt haben, ohne in der Opferrolle zu verharren. Denn wie wir alle wissen: Die Scham muss die Seiten wechseln.

Fazit
„Die Routinen“ ist definitiv kein leichter Roman, aber ein notwendiger. Für alle, die sich für Körperpolitik, feministische Gegenwartsliteratur und die Schattenseiten des Spitzensports interessieren. Weniger geeignet für Leser:innen, die eine klassische, chronologisch erzählte Sportgeschichte erwarten. Vielen Dank an der Stelle an netgalley.de und den Klett-Cotta Verlag für das Rezensionsexemplar.

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Veröffentlicht am 06.02.2026

Zwischen Akten, Schuld und Schweigen

Walküre
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Mit Walküre legt Daniel Zipfel einen Roman vor, der hochaktuelle Fragen mit historischer Verantwortung verschränkt. Erschienen ist das Buch im Leykam Verlag, Zipfel selbst arbeitet als Jurist in der Asylrechtsberatung, ...

Mit Walküre legt Daniel Zipfel einen Roman vor, der hochaktuelle Fragen mit historischer Verantwortung verschränkt. Erschienen ist das Buch im Leykam Verlag, Zipfel selbst arbeitet als Jurist in der Asylrechtsberatung, ein Hintergrund, der den Text spürbar prägt. Erzählt wird von Benjamin Weiß, der 2015 in Wien im Asylbereich arbeitet und den Fall eines syrischen Mannes übernimmt, dem Kriegsverbrechen vorgeworfen werden. Parallel dazu kehrt mit dem Einzug seiner Großmutter die verdrängte NS-Vergangenheit seiner eigenen Familie zurück.

Meine Meinung
Das Buch hat es fast von Seite eins weg geschafft, mich zu fesseln und das obwohl die Sprache klar, direkt, beinahe nüchtern daherkommt. Aber gerade das in Kombination mit dem Thema macht es aus meiner Sicht so wirkungsvoll. Zipfel verzichtet auf große Bilder und lässt stattdessen Strukturen sprechen: Akten, Verfahren, Bescheide. Menschen werden zu Papier. „All ihre Verzweiflung, die Angst und die Emotionen wurden hier zwischen Kartondeckel gefügt.“ (S. 22)

Besonders gut gelungen fand ich die Darstellung des Arbeitsalltags im Asylrecht: die Überforderung, die Bürokratie, das ständige Abwägen zwischen professioneller Distanz und menschlicher Nähe. Viele (wenn nicht sogar alle) der beschriebenen Missstände sind real und mir selbst leider aus eigener Erfahrung bestens bekannt. Und genau das macht das Lesen stellenweise schwer auszuhalten. „Wie die Haut mit der Zeit taub werden konnte, so schien es auch eine Taubheit des Mitgefühls zu geben.“ (S. 127)

Parallel zur Arbeit im Asylbereich entfaltet sich die familiäre Spurensuche des Protagonisten: die Rolle der Großeltern im Nationalsozialismus, das Schweigen, die Schuld, die bis in die Gegenwart wirkt. Zipfel zeigt wunderbar auf, dass Verdrängung keine Vergangenheit kennt und viele Glaubenssätze bis in die Gegenwart wirken: „Ein deutscher Mann weint nicht.“ (S. 10), ein Satz, der sich wie ein Leitmotiv durch Generationen zieht.

Was Walküre bewusst nicht liefert, sind einfache Antworten. Weder moralisch noch politisch. Das kann fordernd sein, ist aber konsequent. Für Leser:innen ohne Vorkenntnisse im Asylrecht könnten manche juristischen Passagen (bspw. alles rund um Dublin) schwer zugänglich sein; an ein, zwei Stellen hätte ich mir daher mehr Einordnung gewünscht. Für mich persönlich war das weniger ein Problem, weil mich das Thema auch außerhalb des Lesens begleitet und ich das Wissen hatte.

Fazit
Walküre ist ein scharfsinniger gleichzeitig aber auch berührender Roman über Schuld, Verantwortung und Ambiguität. Ein Buch, das fordert, belastet, keine Antworten liefert sondern im Gegenteil noch mehr Fragen aufwirft. Für alle, die literarische Gegenwartsliteratur mögen, die sich nicht wegduckt, die Fragen stellt und zum Nachdenken anregt. Nichts für Leser:innen, die klare Antworten oder einfache Urteile suchen und auf eine leicht verdauliche Geschichte hoffen.
Danke an netgalleyde und den Leykam Verlag für das Rezensionsexemplar.

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Veröffentlicht am 02.02.2026

Ein Debüt, das hängen bleibt

Gelbe Monster
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Mit „Gelbe Monster“ legt Clara Leinemann ihr literarisches Debüt vor, erschienen beim Suhrkamp Verlag. Die Autorin, die zuvor vor allem für ihre Theatertexte ausgezeichnet wurde, erzählt in diesem Roman ...

Mit „Gelbe Monster“ legt Clara Leinemann ihr literarisches Debüt vor, erschienen beim Suhrkamp Verlag. Die Autorin, die zuvor vor allem für ihre Theatertexte ausgezeichnet wurde, erzählt in diesem Roman die Geschichte der Mathematikstudentin Charlie, die nach einem Gewaltausbruch gegen ihren Partner an einem Anti-Aggressionstraining für Frauen teilnehmen muss. Erzählt wird von einer toxischen Beziehung, weiblicher Wut, Scham, emotionaler Abhängigkeit und dem schwierigen Versuch, Verantwortung zu übernehmen.

Meine Meinung

Ich habe lange überlegt, ob ich dieses Buch anfordern soll (Rezensionsexemplar), ob es aktuell „mein“ Thema ist. Am Ende habe ich es doch getan, weil ich den Blickwinkel ungewöhnlich fand. Und dann kam das Buch diese Woche an, ich wollte gestern um 22 Uhr „nur kurz reinlesen“. Knapp zwei Stunden später hatte ich es beendet. In einem Rutsch.

Die Sprache ist extrem zugänglich, klar, schnörkellos und genau darin liegt ihr Sog. Leinemann schreibt nicht kompliziert, aber präzise. Viele Szenen entfalten ihre Wirkung gerade durch ihre Nüchternheit. Etwa Charlies erster Kontakt mit dem Antiaggressionstraining: „So, Sie wollen an unserem Antiaggressionsprogramm teilnehmen … weil Sie in Ihrer Beziehung gewalttätig geworden sind?“ (S. 12) Dieser sachliche Ton steht in scharfem Kontrast zu Charlies innerem Chaos und wirkt dadurch umso stärker.

Inhaltlich hat mich vieles tief beschäftigt. Besonders gelungen finde ich, dass der Roman ein Thema ins Zentrum stellt, das selten literarisch verhandelt wird: Gewalt von Frauen gegen Männer. Charlies Verhalten ist in keiner Weise zu rechtfertigen und genau das versucht der Text auch nicht. Gleichzeitig macht er verständlich, wie sich Gewalt in toxischen Beziehungen entwickeln kann. Das erinnert stark an das Konzept des Victim-Offender-Overlap: Betroffene von Gewalt werden nicht selten selbst zu Täter:innen. Diese Ambivalenz hält der Roman konsequent aus.

Viele Passagen haben mich emotional sehr getroffen, etwa Charlies verzweifeltes Bedürfnis nach Nähe und Bestätigung: „Ich bring mich um. Das hast du jetzt davon.“ (S. 180) Oder die erschreckend ehrliche Analyse der eigenen Wutspirale im Gruppengespräch: „Man muss immer krasser werden. Immer gewalttätiger. Um endlich was auszulösen.“ (S. 114)

Was für mich nicht ganz aufgegangen ist und deshalb gleichzeitig mein einziger Kritikpunkt ist Charlies Vorgeschichte. Zwar wird ihre Mutter als gewaltvoll und tyrannisch angedeutet, doch dieser Aspekt bleibt auffallend unterbelichtet. Gerade hier hätte ich mir mehr Tiefe gewünscht, um Charlies innere Dynamik und wie es überhaupt soweit kommen konnte noch besser einordnen zu können. Ich denke, das war sicher eine bewusste Entscheidung, aber mir hat da was gefehlt. Ein gutes Beispiel wie das meiner Meinung nach super gelöst wurde ist Elisabeth Papes Roman "Halbe Portion".

Fazit

Gelbe Monster ist ein intensiver, perspektivisch ungewöhnlicher und unbequemer Roman, der mir sicher lange in Erinnerung bleiben wird. Für alle, die sich mit toxischen Beziehungen, weiblicher Wut und Gewaltprävention auseinandersetzen wollen und bereit sind, Ambivalenzen auszuhalten. Kein leichtes Buch, aber ein wichtiges. Danke an Vorablesen.de und den Suhrkamp Verlag für das Rezensionsexemplar.

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