Überzeugend realistischer Thriller aus Berlin kurz nach Kriegsende
Im Schatten der RuinenBerlin liegt 1948 in Trümmern. Hunger und Kälte haben die Bevölkerung fest im Griff. Überleben ist alles, was zählt. Das ist die Stunde der Schwarzmarkthändler und Schieberbanden, die sich viel zu oft ...
Berlin liegt 1948 in Trümmern. Hunger und Kälte haben die Bevölkerung fest im Griff. Überleben ist alles, was zählt. Das ist die Stunde der Schwarzmarkthändler und Schieberbanden, die sich viel zu oft am Elend der Bevölkerung bereichern. An dieser Stelle kommt der strafversetzte amerikanische Captain Wallet ins Spiel. Er soll die Bandenkriminalität unter Kontrolle bringen. Wallet ist wenig begeistert, hält er doch von den Deutschen nicht all zu viel . Aber er war im Zivilleben ein guter Polizist mit Berufsehre. Wallet sieht sich einer schier unlösbaren Aufgabe gegenüber. Wenig Unterstützung von seinem Vorgesetzten, Querelen mit den Sowjets und ein extrem gut organisierter Gegner. Wie bereits in der Heimat sucht sich Wallet Hilfe durch einen ortskundigen Spitzel und trifft auf Heiner, einen zwölfjährigen Jungen, der mit allen Mitteln versucht, seine Mutter Klara zu unterstützen. Gegen seinen Willen bekommt Wallet durch die beiden einen anderen Blick auf die Deutschen und umso größer die Bestürzung, als Heiner spurlos von der Bildfläche verschwindet.
Zu Beginn war mir Wallet mit seiner vorgefassten Meinung nicht gerade sympathisch. Was aber von Anfang an für ihn sprach, war der Wille, den Schieberbanden ein Ende zu setzen. Mit der Zeit konnte ich erkennen, dass er doch ein weiches Herz besitzt und bereit ist, seine Vorurteile zu relativieren. Von da an war er mein Held. Um so größer deshalb meine Wut und mein Entsetzen, wenn eine wohl durchdachte Aktion scheiterte, der Gegner immer einen Schritt voraus war. Es gab Situationen, da hätte ich keinen Cent für sein Leben gegeben. Am Ende sind die Ermittlungen dann doch von einem Erfolg gekrönt, wenn auch ein paar Fragen offen bleiben, die mich auf eine Fortsetzung hoffen lassen.
Was mich ebenfalls , neben der fesselnden Handlung und meinem Helden Wallet, für das Buch eingenommen hat, war die Fülle gut recherchierter Fakten, die perfekt in die Handlung eingearbeitet waren. Angefangen bei der trostlosen Lage der Zivilbevölkerung, über die Zwistigkeiten mit den Sowjets bis hin zu der Nazi-Einheit "Brandenburger" gab es viele Informationen, die in meinen Augen ein lebensnahes Bild der damaligen Zustände ergeben.