Unterhaltsam, kann aber nicht mit dem Vorgänger mithalten
Der Boss – Ist er ein Monster oder ein Genie?„Love, Mom“ habe ich damals förmlich inhaliert und wirklich gefeiert. Entsprechend groß waren meine Vorfreude und auch meine Erwartungen an „Der Boss“. Allerdings muss ich sagen: Ganz an den Vorgänger ...
„Love, Mom“ habe ich damals förmlich inhaliert und wirklich gefeiert. Entsprechend groß waren meine Vorfreude und auch meine Erwartungen an „Der Boss“. Allerdings muss ich sagen: Ganz an den Vorgänger kommt dieser Thriller für mich nicht heran.
Was Iliana Xander allerdings nach wie vor hervorragend beherrscht, ist ihr Stil. Sie schreibt flüssig, direkt und ohne Schnörkel. Man findet sofort in die Geschichte hinein, die Seiten fliegen nur so dahin. Erzählt wird aus drei Perspektiven, in kurzen, prägnanten Kapiteln, ein Aufbau, der das permanente „Was passiert als Nächstes?“ geschickt befeuert. Für mich war das ein klassischer One-Day-Read.
Inhaltlich bekommt man einen temporeichen Thriller, der weniger auf psychologische Tiefe als auf schnelle Unterhaltung setzt. Das Buch ist kompakt, straff erzählt und funktioniert wie ein kurzweiliger Filmabend: keine epische Ausarbeitung, sondern solide Spannung für zwischendurch.
Die Figuren waren für mich in Ordnung, blieben jedoch etwas blass. Wirkliche Nähe oder starke Sympathie haben sich nicht eingestellt, was in diesem Fall aber nicht allzu sehr ins Gewicht fiel, da das Tempo im Vordergrund steht. Problematischer empfand ich, dass sich gewisse Handlungsmuster etwas zu konstruiert anfühlten. Es gibt einige Zufälle, manches ist vorhersehbar. Einzelne Wendungen konnten mich jedoch durchaus überraschen, gerade das Ende hatte ich so nicht erwartet, was dem Roman definitiv zugutekommt.
Iliana Xanders Thriller werden nicht selten mit denen von Freida McFadden verglichen: Ähnlicher Vibe, ähnlicher Anspruch: schnell, eingängig, unterhaltsam. Wer genau das sucht, wird auch „Der Boss“ mögen!
Ich bin überzeugt, dass Iliana Xander erzählerisch noch mehr kann und hoffe, dass ihr nächstes Buch wieder stärker an das Niveau von „Love, Mom“ anknüpft. 4/5 Sternen