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Veröffentlicht am 15.03.2026

Ein beeindruckendes Debüt!

Das schönste aller Leben
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„Das schönste aller Leben“ ist der Debütroman von Betty Boras. Er hat mich sehr berührt und begeistert!

Aber zunächst kurz zum Inhalt:
Vio flieht als 6-jährige mit ihren Eltern aus Rumänien nach Deutschland ...

„Das schönste aller Leben“ ist der Debütroman von Betty Boras. Er hat mich sehr berührt und begeistert!

Aber zunächst kurz zum Inhalt:
Vio flieht als 6-jährige mit ihren Eltern aus Rumänien nach Deutschland und tut ihr Leben lang alles um sich anzupassen, dazugehören und den Erwartungen ihrer Eltern und der Gesellschaft gerecht zu werden. Erst der tragische Unfall mit ihrer Tochter bringt zum Vorschein, welche Wunden aus ihrer Vergangenheit nicht geheilt wurden, welche Muster unbewusst durch die Erziehung und Sozialisation übernommen wurden. Vios Gedanken drehen sich nämlich ständig um die Frage nach dem Aussehen ihrer Tochter und ihrer Wahrnehmung durch Andere.
Parallel dazu lernen wir Theresia kennen, die im 18. Jahrhundert ein Leben voller Entbehrungen und Schicksalsschläge erleiden musste.
Beide Frauen entstammen der gleichen Ahnenreihe und sind durch die Themen Schönheit, Anpassung und den von der Gesellschaft ausgehenden Druck verbunden. Den historischen Kontext liefern auch die Kapitel aus der Perspektive der Benater Erde. Sie vermitteln dem Leser das Wissen um die „Banater Schwaben“ auf eine sehr zugängliche Art und Weise.

Das Buch ist unglaublich emotional und voller Schmerz. Es beschäftigt sich mit den Themen Identität, Herkunft, Mutterrolle, Schuldgefühle, Familiendynamiken und Migrationserfahrungen. Es zeigt sehr deutlich, wie man sich als Mutter überfordert fühlen kann, trotzt ungeheuerlicher Liebe für das Kind. Das Gefühl immer performen zu müssen, auch in der Mutterrolle, kann einem zum Verhängnis werden.

Auf den 240, zum Teil sehr intensiven Seiten sitzt jeder Satz, kein Wort ist überflüssig. Und zwischen den Zeilen schwingt ganz viel Gefühl mit. Betty Boras erzählt sehr dicht, teilweise provokativ und ungeschönt, welche Kämpfe Frauen seit Jahrhunderten in ihren Familien, in der Gesellschaft, aber auch mit sich selbst austragen müssen.

Mich hat diese Geschichte trotz ihrer Heftigkeit mit einem guten Gefühl hinterlassen. Es war auf jeden Fall lesenswert und ich staune immer noch, wie gut gelungen ein Debüt sein kann!

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Veröffentlicht am 19.02.2026

(Üb)erfülltes Leben

Ein Versuch, meine Liebe zu ordnen
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„Ein Versuch, meine Liebe zu ordnen“ ist ein unglaublich ehrliches und mutiges Buch!

Als ihr Mann stirbt, nimmt Christien Brinkgreve, eine emeritierte Professorin für Soziologie ihre Vergangenheit unter ...

„Ein Versuch, meine Liebe zu ordnen“ ist ein unglaublich ehrliches und mutiges Buch!

Als ihr Mann stirbt, nimmt Christien Brinkgreve, eine emeritierte Professorin für Soziologie ihre Vergangenheit unter die Lupe, allem voran die Beziehung zu ihrem Mann, die ihr Leben maßgeblich bestimmt hat. Obwohl sie beruflich erfolgreich war und ihr eigenes soziales Netzwerk hatte, kam sie kaum gegen ihren Mann an, seine Dominanz, Stimmungsschwankungen und zum Teil das ihr gegenüber beschämende und verletzende Verhalten. Nichtsdestotrotz entschied sie sich dazu, Jahrzehnte lang an seiner Seite zu leben. Die Gründe hierfür legt die Autorin in ihren Memoiren offen.

Christien Brinkgreve ordnet ihre Erinnerungen während sie das gemeinsame Haus aufräumt, dessen Zustand ihr Eheleben widerspiegelt. Zeitweise war es „das Haus von Leuten, die es aufgegeben hatten, Ordnung zu halten, die Dinge im Griff zu haben, einen Ort zu schaffen, an dem man sich gerne aufhielt.“ (S. 10) Es verlor seine Schönheit, wurde vernachlässigt und entwickelte sich schließlich zu einem Ort, an dem man eher vorbei einander als miteinander lebte. Nach dem Tod ihres Mannes versucht die Autorin, ihren Platz im gemeinsamen Haus bewusst einzunehmen.

Das Besondere an dem Buch ist, dass die Autorin mit ihrer Geschichte zeigt, dass der Neuanfang auch im späteren Leben möglich ist, wenn man der Wahrheit ins Gesicht sieht, die Muster entlarvt, deren Gefangene man lange Zeit war. Mit der Aufräumarbeit im Inneren und im Äußeren wird eine Schicht nach der anderen frei gelegt, man findet zu sich selbst, kann sich neu definieren.

Die Ereignisse werden nicht wirklich chronologisch erzählt. Man hat den Eindruck, dass man einer durchdachten und gefühlvollen Reflexion einer weisen Frau folgen darf, die beschlossen hat, die Karten offen zu legen, um sich dadurch von der Last der Vergangenheit zu befreien. Als Leser fühlt man mit der Protagonistin mit und überdenkt dabei all die Konventionen, nach denen die Frauen früher gelebt haben und zum Teil immer noch leben.

Das Buch zeigt eindrucksvoll, was für eine Herausforderung es für Frauen ist, ihren selbstbestimmten Platz innerhalb der Familie und der Gesellschaft zu finden. Christien Brinkgreve gesteht ihre Fehler ein, zeigt uns, worauf wir unseren Blick richten könnten und ermutigt, für sich selbst einzustehen.

Ich habe das Buch sehr gern gelesen, Neues über Dynamiken in Beziehungen gelernt und im Nachhinein auch über die Wirkung der Räume, in denen wir leben, nachdenken müssen.

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Veröffentlicht am 11.02.2026

Eine große Portion Frauenpower!

Zwei vernünftige Erwachsene, die sich mal nackt gesehen haben
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Das Buch ist so kurzweilig, humorvoll und gleichzeitig tief in der Realität moderner Frauen verankert. Wir werden Zeugen davon, was für einen Abstieg Nina nach ihrer Scheidung erlebt, wie die Männer-Netzwerke ...

Das Buch ist so kurzweilig, humorvoll und gleichzeitig tief in der Realität moderner Frauen verankert. Wir werden Zeugen davon, was für einen Abstieg Nina nach ihrer Scheidung erlebt, wie die Männer-Netzwerke unsere Wahrnehmung bestimmen wollen und im Verborgenen jedes Mittel nutzen, um an der Macht zu bleiben. Diese gesellschaftlichen Themen werden im Hintergrund der Geschichte um die 50-jährige Nina, ihre jüngere Schwester Lena und deren Mutter Karin gespannt. Was der Leser bekommt ist ein unterhaltsamer Roman über einige Powerfrauen, die sich gegen die Konventionen ihrer Zeit wenden und Seite an Seite gemeinsam ihren Weg gehen.
Besonders gefallen hat mir, dass Ninas Freundin Zeynep als eine so smarte und pfiffige Figur gezeichnet wurde, da ja sonst oft die "Menschen mit Migrationshintergrund" in anderen Kontexten erscheinen. Überhaupt waren alle Charaktere authentisch und hatten ihre Ecken und Kanten.
Auch die Tatsache, dass die Beziehung zu David nicht im Vordergrund der Geschichte stand, wie ich am Anfang vermutet habe, sondern einer der roten Fäden war, fand ich gut. Es wurden viele Themen aufgegriffen wie z.B. Age Gap, Metoo, aber auch zwischenmenschlich ging es in die Tiefe. Das Buch versprühte Optimismus und legte nahe, dass wir Offenheit und eine liebevolle Frauen-Bande um uns herum brauchen, um das Leben mit all seinen Problemen glücklich zu meistern.

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Veröffentlicht am 11.02.2026

Schmerz, Sehnsucht und Poesie

Mit dir, da möchte ich im Himmel Kaffee trinken
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Ein Buch voller Schmerz, Sehnsucht und Poesie, aber auch Hoffnung und Kraft. Schonungslos und berührend.

Elisa schaut mit 39 Jahren auf ihr Leben zurück und erzählt von schwierigen Phasen, von der Zeit ...

Ein Buch voller Schmerz, Sehnsucht und Poesie, aber auch Hoffnung und Kraft. Schonungslos und berührend.

Elisa schaut mit 39 Jahren auf ihr Leben zurück und erzählt von schwierigen Phasen, von der Zeit im Heim, Obdachlosigkeit, dem Leben unter Punkern, vom Missbrauch, Alkohol, Drogen und toxischen Beziehungen. Jedem Kapitel geht ein Gedicht von Mascha Kaleko voraus, da die Texte der Dichterin die Protagonistin durch ihr Leben tragen. Obwohl sie einiges im Gepäck trägt, findet Elisa Kraft und sucht weiterhin nach Liebe, Wärme und Geborgenheit.

„Mit dir…“ war keine leichte Kost, zeigte aber, dass man sich trotz schwieriger Zeiten Zartheit und den Blick für das Schöne im Leben bewahren kann und die Hoffnung auf eine Wendung zum Guten NIE aufgeben sollte.

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Veröffentlicht am 22.01.2026

Schonungslos, intensiv und berührend!

Im Leben nebenan
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"Im Leben nebenan" ist ein beeindruckendes Romandebüt, das ein schwieriges und zum Teil tabubehaftetes Thema ins Visier nimmt: die Zerrissenheit der Frauen, die sich in ihrer Mutterrolle nicht unbedingt ...

"Im Leben nebenan" ist ein beeindruckendes Romandebüt, das ein schwieriges und zum Teil tabubehaftetes Thema ins Visier nimmt: die Zerrissenheit der Frauen, die sich in ihrer Mutterrolle nicht unbedingt wiederfinden! Der Schmerz von Antonia, der fehlende emotionale Zugang zu ihrem Baby, das Unverständnis ihrer Umgebung - all das war eine große Portion Ehrlichkeit in der Darstellung der Mutterrolle, von der wir überwiegend nur die Sonnenseite präsentiert bekommen.
Das Konzept, das dem Roman zugrunde lag - der Vergleich zwischen zwei Lebensentwürfen derselben Frau - war unglaublich spannend und trug sicherlich bei vielen Lesern dazu bei, alles genauer zu betrachten und die herrschenden Vorurteile gegen bestimmte Entscheidungen zu überdenken.
Die Sprache war klar und wirkte neutral. Der Leser wurde nicht manipuliert, sich auf eine Seite zu stellen und für eins der Lebenskonzepte zu entscheiden. Kein Gegeneinander, kein Entweder - Oder, sondern ein Verständnis füreinander. Dies ist vor allem der sensiblen und emphatischen Erzählweise zu verdanken.
Das Buch ist keine leichte Lektüre, u.a. im Hinblick auf den unerfüllten Kinderwunsch von Toni und die Distanziertheit, die Antonia ihrem Baby gegenüber an den Tag legt. Nichtdestotrotzt brauchen wir Bücher wie diese, um ein ehrliches Bild der Mutterschaft zu zeichnen.
"Im Leben nebenan" ist schonungslos, intensiv, aber auch sehr berührend!

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