Ein aufrüttelnder autobiografischer Roman
Mit beiden Händen den Himmel stützenIn der Ich-Form beschreibt die Hauptfigur Lale den Lebensweg seit ihrer Geburt bis zu ihrer ersten Entbindung. Während ihre Mutter drogenabhängig ist, sitzt ihr Vater wegen versuchten Bankraubs im Gefängnis. ...
In der Ich-Form beschreibt die Hauptfigur Lale den Lebensweg seit ihrer Geburt bis zu ihrer ersten Entbindung. Während ihre Mutter drogenabhängig ist, sitzt ihr Vater wegen versuchten Bankraubs im Gefängnis. Im Westberliner Ambiente der 80-er Jahre inmitten links-politischer Ideologie wächst Lale als Pflegekind auf, in einer Männer-WG durchseucht von Drogen, Alkohol und Sex. Mit dem dortigen Einzug ihres Vaters geht es zusammen für sechs Monate nach Nicaragua zwecks Unterstützung eines Schulbaus oder um Parolen und Aktionen der Bewegung 2. Juni. Verständlich, dass Lale mehr strukturierten Halt besonders in der Grundschule findet. Ihre Suche nach Geborgenheit, Liebe und Sicherheit verläuft besonders während ihrer Pubertät und Volljährigkeit nicht sehr erfolgreich, greift sie doch selbst auch zu Alkohol und Drogen, bricht ständig Projekte ab und ist vorbestraft. Der Schreibstil gibt die Schutzlosigkeit des Kindes bis ins Erwachsenenalter nüchtern wieder, was nicht angenehm zu lesen ist. Ihr Leben voller Vernachlässigung auf der Verliererspur könnte auch als Appell an unsere Gesellschaft empfunden werden, auch wenn das Jugendamt, Hausbewohner und einige Freundinnen in der WG versuchen, sich zu kümmern. Im Buchtitel schwingt wohl eine Übung der Qi-Gong-Lehre mit.
Kein leichter Lesestoff, berührend, tragisch!