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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 29.04.2026

Solider Thriller mit etwas Luft nach oben

Voices. Ich kann euch hören
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Worum geht es?
Die Psychiaterin Tamsin Shaw liegt nach einem Unfall im Wachkoma. Zumindest glaubt das ihre Umwelt – in Wahrheit bekommt sie alles mit, kann sich aber nicht bewegen oder äußern. Während ...

Worum geht es?
Die Psychiaterin Tamsin Shaw liegt nach einem Unfall im Wachkoma. Zumindest glaubt das ihre Umwelt – in Wahrheit bekommt sie alles mit, kann sich aber nicht bewegen oder äußern. Während sie hilflos im Krankenhausbett liegt, belauscht sie ihre Besucher und stellt fest, dass ihr Unfall wohl Absicht war ...

Meine Meinung
Die Grundidee des „Locked-in“-Szenarios ist packend und erzeugt eine beklemmende Atmosphäre. Und der Schreibstil der Autorin ist flüssig und angenehm, aber trotzdem ist der Funke bei mir nicht komplett übergesprungen.
Die Kapitel wechseln jeweils aus der Sicht zwischen Tamsin und ihrem Ehemann Jamie, sowie zwischen Gegenwart und Vergangenheit.
Allerdings hatte ich so meine Probleme mit den Charakteren. Die Protagonisten waren mir leider nicht wirklich sympathisch, was es schwer machte, emotional richtig mitzufiebern.
Zudem war die Handlung für mich teilweise etwas vorhersehbar. Die wirklich große Spannung kam leider erst im letzten Drittel auf, als die Ereignisse sich überschlugen.
Das Cover wiederum hat mir großartig gefallen, es passt definitiv zur Story.

Fazit
Eine gute Story mit außergewöhnlichen Gegebenheiten, der im Mittelteil etwas die Puste ausgeht, aber mit einem starken letzten Drittel überzeugen kann. Wer über unsympathische Charaktere und teilweiser Vorhersehbarkeit hinwegsehen kann, wird hier gut unterhalten. Für mich bleibt es ein solider Thriller auf mittlerem Spannungsniveau.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 29.03.2026

Unterhaltsames „Fast Food“ für den Kopf

Jünger geht immer!
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Worum geht es?
In „Jünger geht immer“ nimmt Ellen Berg den modernen Jugendwahn und die Tücken des Älterwerdens aufs Korn. Die 48-jährige Hauptfigur Anne findet sich in einem turbulenten Gefühlschaos zwischen ...

Worum geht es?
In „Jünger geht immer“ nimmt Ellen Berg den modernen Jugendwahn und die Tücken des Älterwerdens aufs Korn. Die 48-jährige Hauptfigur Anne findet sich in einem turbulenten Gefühlschaos zwischen gesellschaftlichen Erwartungen, ihrem (Ex-)Mann und einem deutlich jüngeren, attraktiven Mann wieder. Umrahmt wird das Ganze von einem lebhaften Familiengefüge und den typischen Stolperfallen des Alltags.

Meine Meinung
Das Buch passt gut für zwischendurch. Es liest sich zwar flüssig, aber es fehlt deutlich an Substanz und hat mich nicht wirklich abgeholt. Der Schreibstil ist zwar pointiert, wirkt aber oft sehr bemüht humorvoll. Die Charaktere agieren eher wie überzeichnete Karikaturen, nicht wie echte Menschen, wodurch viele Witze vorhersehbar bleiben. Von dem anstrengenden Mutter-Tochter-Gespann über die betont coolen Teenager bis hin zu den unglaublich attraktiven Männern bedient die Autorin jedes erdenkliche Klischee und viele Stereotypen.
Für meinen Geschmack war das Gesamtpaket schlicht „too much“.
Außerdem verlässt sich die Story hier zu sehr auf unmögliche Zufälle statt auf eine stimmige Handlung.
Das Cover hingegen finde ich sehr gut gelungen und passend zur Story gestaltet.

Fazit
Ein netter Roman für den Moment, der aber keinen bleibenden Eindruck hinterlässt. Man wird nur kurzzeitig unterhalten. Wer eine leichte und anspruchslose Unterhaltung sucht, wird hier fündig – mehr aber auch nicht.

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Veröffentlicht am 10.03.2026

Mehr Familienroman als Gesellschaftskritik

Hazel sagt Nein
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Worum es geht?
Die Familie Blum – Vater Gus, Mutter Claire sowie die Kinder Hazel und Wolf – zieht für eine neue berufliche Chance des Vaters von New York in die Kleinstadt Riverburg, Maine. Doch der Neuanfang ...

Worum es geht?
Die Familie Blum – Vater Gus, Mutter Claire sowie die Kinder Hazel und Wolf – zieht für eine neue berufliche Chance des Vaters von New York in die Kleinstadt Riverburg, Maine. Doch der Neuanfang verwandelt sich am ersten Schultag in einen Albtraum: Der Schuldirektor offenbart der 18-jährigen Hazel, dass er traditionell jedes Jahr eine Schülerin für sexuelle Gefälligkeiten auswählt und nun sie an der Reihe sei. Hazel weigert sich jedoch, das Spiel mitzuspielen, und sagt Nein. Dieser mutige Entschluss erschüttert nicht nur ihr Leben, sondern zwingt die gesamte Familie dazu, sich den sozialen Dynamiken und der bedrückenden Wahrheit innerhalb der Kleinstadt zu stellen.

Meine Meinung
Der Einstieg in das Buch ist Jessica Berger Gross hervorragend gelungen. Ohne Umschweife wird der Leser mit dem Machtmissbrauch konfrontiert. Durch die knappe, direkte Sprache wirkt der Vorfall besonders kühl und verletzend, was einen sofort in das Geschehen hineinzieht.
Leider konnte dieses hohe Niveau nicht über das gesamte Buch gehalten werden. Während die unmittelbaren Auswirkungen auf die Familie noch eindringlich geschildert werden, verliert sich der Roman im weiteren Verlauf in zu vielen Nebensträngen, die so viel Raum einnehmen, dass das eigentliche, brisante Kernthema – der Machtmissbrauch und die systemischen Konsequenzen – zunehmend in den Hintergrund rückt.
Zudem wirkte die Entwicklung der Story auf mich zunehmend konstruiert durch die große mediale Aufmerksamkeit Hazel gegenüber. Das lässt die Bedrohung durch den Täter und die Ernsthaftigkeit der Situation ziemlich verblassen.
Die Charaktere der Eltern sind zu distanziert. Der kleine Bruder dagegen hat Tiefe und Sympathie.
Da der Schreibstil eher analytisch und distanziert bleibt, fehlt dem Roman leider die nötige emotionale Wucht, die er verdient hätte.
Das Cover, finde ich, ist wiederum zur Story passend. Zeigt es doch metaphorisch das Bild einer idyllischen Kleinstadt. Von der Falschheit, die im Buch zum Vorschein kommt, keine Spur.

Fazit
„Hazel sagt Nein“ ist ein wichtiges Buch mit einer starken Botschaft über Selbstbestimmung und den Mut, sich gegen Machtmissbrauch zu wehren. Es liest sich flüssig. Wer aber eine tiefgreifende, bedrückende Auseinandersetzung mit dem Thema sucht, könnte enttäuscht werden, da der Roman sich eher zu einem Familienroman entwickelt. Insgesamt ein Debüt mit leider verschenktem Potenzial.

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Veröffentlicht am 15.02.2026

Interessantes Gedankenexperiment mit Längen

Vorsehung
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Worum geht es?
Ein gewöhnlicher Flug nach Sydney wird zum Albtraum, als eine ältere Dame – die "Death Lady" – durch die Reihen geht und jedem Passagier sein Sterbealter sowie die Todesursache prophezeit. ...

Worum geht es?
Ein gewöhnlicher Flug nach Sydney wird zum Albtraum, als eine ältere Dame – die "Death Lady" – durch die Reihen geht und jedem Passagier sein Sterbealter sowie die Todesursache prophezeit. Was als verrückter Zwischenfall beginnt, wird für die Betroffenen zur existenziellen Zerreißprobe.
Sind diese Vorhersagen Spielereien oder unausweichliches Schicksal?

Meine Meinung
"Vorsehung" besticht durch ein faszinierendes Szenario, welches durch den Klappentext vermittelt wird. Und auch die philosophische Grundfrage – Wie würde man selbst handeln, wenn man sein Schicksal kennt? – haben mich absolut begeistert.
Doch leider konnte die Umsetzung dieses starken Plots mich nicht durchweg überzeugen. Der Roman weist für mich einige deutliche Schwächen auf.
Die durchaus zähe Erzählweise der Autorin sowie die Hauptprotagonistin Cherry waren für mich große Negativpunkte. Mit der Protagonistin Cherry habe ich mich sehr schwergetan, sie war für mich nicht greifbar.
Informationen vom Anfang werden erst zum Schluss wieder aufgegriffen und weiter erzählt und aufgeklärt, nur leider hatte ich bis dahin die Zusammenhänge größtenteils wieder vergessen.
Auf den 512 Seiten werden zu viele Charaktere eingeführt. Mir fiel es schwer alle auseinander zu halten. Zudem wirken die Handlungsstränge der anderen Charaktere oft wie eine belanglose Aneinanderreihung von Szenen ohne echten Kern.
Während Klappentext und Leseprobe noch „fiebriges“ Warten verspricht, verliert die Story nach dem ersten Viertel an Dynamik und wird ausschweifend mit all den Alltagsbeobachtungen.
Der Schluss konnte meine Erwartungen nicht komplett erfüllen, aber immerhin war dieser in Ordnung.
Das Cover hingegen gefällt mir gut.

Fazit
Liane Moriarty stellt spannende existenzielle Fragen. Wer sich gerne mit der eigenen Sterblichkeit auseinandersetzt, findet hier einen interessanten Ansatz. Für mich persönlich war der Weg zum Ende jedoch zu langatmig und die Erzählweise zum teil unbefriedigend. Ein gutes Buch für geduldige Leser, aber für mich leider kein Highlight.

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Veröffentlicht am 17.01.2026

Ergreifendes Zeitzeugnis mit erzählerischen Längen

Um jeden Preis
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Worum geht es?
Das Buch basiert auf der wahren Geschichte von Lydia, einer Russland-Deutschen aus der Nähe von Odessa.
Frühling 1944: Die Flucht der damals 16-Jährigen und ihrer Familie nach Deutschland ...

Worum geht es?
Das Buch basiert auf der wahren Geschichte von Lydia, einer Russland-Deutschen aus der Nähe von Odessa.
Frühling 1944: Die Flucht der damals 16-Jährigen und ihrer Familie nach Deutschland beginnt dramatisch, im heutigen Polen angekommen wird ihr Vater während der Flucht zum Volkssturm einberufen und muss die Familie verlassen. Lydia gibt ihm das Versprechen, die Mutter und ihre vier Geschwister zusammenzuhalten. Doch statt sich endlich im heutigen Deutschland in Sicherheit zu wiegen, gerät die Familie im Sommer 1945 in die Hände der Sowjets und wird nach Sibirien in die Zwangsarbeit verschleppt. In der eisigen Einöde kämpft Lydia jahrzehntelang unter unmenschlichen Bedingungen ums Überleben, immer getrieben von dem Ziel, ihr Versprechen einzulösen und die Familie wieder zu vereinen.

Meine Meinung
Inhaltlich hat mich das Buch absolut abgeholt, tief bewegt und ging mir wirklich unter die Haut. Alles ist ergreifend, erschütternd und packend.
Die vielen einzelnen Hauptcharaktere waren mir keineswegs unsympathisch. Konnte ich doch ihre Handlungen nachvollziehen und habe sehr mit ihnen mitgefühlt.
Was meinen Lesegenuss jedoch deutlich getrübt hat, ist der Schreibstil der Autorin. Obwohl die Geschichte hochspannend ist, wird der Lesefluss durch ständige Wiederholungen gebremst. Die Art und Weise, wie dieser Tatsachenbericht umgesetzt wurde, empfand ich als nicht ganz gelungen. Mir fehlte hier eine gewisse erzählerische Geradlinigkeit, da der Stil der Wucht der Ereignisse manchmal im Weg stand, anstatt zu unterstützen.
Das Cover ist hervorragend gelungen,
es fängt den Hauptstrang der Geschichte sehr gut ein.

Fazit
"Um jeden Preis" war mein erstes Buch von Hera Lind und ist inhaltlich eine sehr starke und bewegende Geschichte, bei der man genau weiß, worauf man sich einlässt. Aufgrund der erzählerischen Schwächen gibt es jedoch Abzug bei den Sternen. Dennoch gibt es eine eingeschränkte Empfehlung von mir. Wer sich für wahre Schicksale interessiert und über einen eher repetitiven Schreibstil hinwegsehen kann, sollte dieses Buch trotz der genannten Kritikpunkte lesen.

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