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Veröffentlicht am 10.03.2026

Mehr Familienroman als Gesellschaftskritik

Hazel sagt Nein
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Worum es geht?
Die Familie Blum – Vater Gus, Mutter Claire sowie die Kinder Hazel und Wolf – zieht für eine neue berufliche Chance des Vaters von New York in die Kleinstadt Riverburg, Maine. Doch der Neuanfang ...

Worum es geht?
Die Familie Blum – Vater Gus, Mutter Claire sowie die Kinder Hazel und Wolf – zieht für eine neue berufliche Chance des Vaters von New York in die Kleinstadt Riverburg, Maine. Doch der Neuanfang verwandelt sich am ersten Schultag in einen Albtraum: Der Schuldirektor offenbart der 18-jährigen Hazel, dass er traditionell jedes Jahr eine Schülerin für sexuelle Gefälligkeiten auswählt und nun sie an der Reihe sei. Hazel weigert sich jedoch, das Spiel mitzuspielen, und sagt Nein. Dieser mutige Entschluss erschüttert nicht nur ihr Leben, sondern zwingt die gesamte Familie dazu, sich den sozialen Dynamiken und der bedrückenden Wahrheit innerhalb der Kleinstadt zu stellen.

Meine Meinung
Der Einstieg in das Buch ist Jessica Berger Gross hervorragend gelungen. Ohne Umschweife wird der Leser mit dem Machtmissbrauch konfrontiert. Durch die knappe, direkte Sprache wirkt der Vorfall besonders kühl und verletzend, was einen sofort in das Geschehen hineinzieht.
Leider konnte dieses hohe Niveau nicht über das gesamte Buch gehalten werden. Während die unmittelbaren Auswirkungen auf die Familie noch eindringlich geschildert werden, verliert sich der Roman im weiteren Verlauf in zu vielen Nebensträngen, die so viel Raum einnehmen, dass das eigentliche, brisante Kernthema – der Machtmissbrauch und die systemischen Konsequenzen – zunehmend in den Hintergrund rückt.
Zudem wirkte die Entwicklung der Story auf mich zunehmend konstruiert durch die große mediale Aufmerksamkeit Hazel gegenüber. Das lässt die Bedrohung durch den Täter und die Ernsthaftigkeit der Situation ziemlich verblassen.
Die Charaktere der Eltern sind zu distanziert. Der kleine Bruder dagegen hat Tiefe und Sympathie.
Da der Schreibstil eher analytisch und distanziert bleibt, fehlt dem Roman leider die nötige emotionale Wucht, die er verdient hätte.
Das Cover, finde ich, ist wiederum zur Story passend. Zeigt es doch metaphorisch das Bild einer idyllischen Kleinstadt. Von der Falschheit, die im Buch zum Vorschein kommt, keine Spur.

Fazit
„Hazel sagt Nein“ ist ein wichtiges Buch mit einer starken Botschaft über Selbstbestimmung und den Mut, sich gegen Machtmissbrauch zu wehren. Es liest sich flüssig. Wer aber eine tiefgreifende, bedrückende Auseinandersetzung mit dem Thema sucht, könnte enttäuscht werden, da der Roman sich eher zu einem Familienroman entwickelt. Insgesamt ein Debüt mit leider verschenktem Potenzial.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 15.02.2026

Interessantes Gedankenexperiment mit Längen

Vorsehung
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Worum geht es?
Ein gewöhnlicher Flug nach Sydney wird zum Albtraum, als eine ältere Dame – die "Death Lady" – durch die Reihen geht und jedem Passagier sein Sterbealter sowie die Todesursache prophezeit. ...

Worum geht es?
Ein gewöhnlicher Flug nach Sydney wird zum Albtraum, als eine ältere Dame – die "Death Lady" – durch die Reihen geht und jedem Passagier sein Sterbealter sowie die Todesursache prophezeit. Was als verrückter Zwischenfall beginnt, wird für die Betroffenen zur existenziellen Zerreißprobe.
Sind diese Vorhersagen Spielereien oder unausweichliches Schicksal?

Meine Meinung
"Vorsehung" besticht durch ein faszinierendes Szenario, welches durch den Klappentext vermittelt wird. Und auch die philosophische Grundfrage – Wie würde man selbst handeln, wenn man sein Schicksal kennt? – haben mich absolut begeistert.
Doch leider konnte die Umsetzung dieses starken Plots mich nicht durchweg überzeugen. Der Roman weist für mich einige deutliche Schwächen auf.
Die durchaus zähe Erzählweise der Autorin sowie die Hauptprotagonistin Cherry waren für mich große Negativpunkte. Mit der Protagonistin Cherry habe ich mich sehr schwergetan, sie war für mich nicht greifbar.
Informationen vom Anfang werden erst zum Schluss wieder aufgegriffen und weiter erzählt und aufgeklärt, nur leider hatte ich bis dahin die Zusammenhänge größtenteils wieder vergessen.
Auf den 512 Seiten werden zu viele Charaktere eingeführt. Mir fiel es schwer alle auseinander zu halten. Zudem wirken die Handlungsstränge der anderen Charaktere oft wie eine belanglose Aneinanderreihung von Szenen ohne echten Kern.
Während Klappentext und Leseprobe noch „fiebriges“ Warten verspricht, verliert die Story nach dem ersten Viertel an Dynamik und wird ausschweifend mit all den Alltagsbeobachtungen.
Der Schluss konnte meine Erwartungen nicht komplett erfüllen, aber immerhin war dieser in Ordnung.
Das Cover hingegen gefällt mir gut.

Fazit
Liane Moriarty stellt spannende existenzielle Fragen. Wer sich gerne mit der eigenen Sterblichkeit auseinandersetzt, findet hier einen interessanten Ansatz. Für mich persönlich war der Weg zum Ende jedoch zu langatmig und die Erzählweise zum teil unbefriedigend. Ein gutes Buch für geduldige Leser, aber für mich leider kein Highlight.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 17.01.2026

Ergreifendes Zeitzeugnis mit erzählerischen Längen

Um jeden Preis
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Worum geht es?
Das Buch basiert auf der wahren Geschichte von Lydia, einer Russland-Deutschen aus der Nähe von Odessa.
Frühling 1944: Die Flucht der damals 16-Jährigen und ihrer Familie nach Deutschland ...

Worum geht es?
Das Buch basiert auf der wahren Geschichte von Lydia, einer Russland-Deutschen aus der Nähe von Odessa.
Frühling 1944: Die Flucht der damals 16-Jährigen und ihrer Familie nach Deutschland beginnt dramatisch, im heutigen Polen angekommen wird ihr Vater während der Flucht zum Volkssturm einberufen und muss die Familie verlassen. Lydia gibt ihm das Versprechen, die Mutter und ihre vier Geschwister zusammenzuhalten. Doch statt sich endlich im heutigen Deutschland in Sicherheit zu wiegen, gerät die Familie im Sommer 1945 in die Hände der Sowjets und wird nach Sibirien in die Zwangsarbeit verschleppt. In der eisigen Einöde kämpft Lydia jahrzehntelang unter unmenschlichen Bedingungen ums Überleben, immer getrieben von dem Ziel, ihr Versprechen einzulösen und die Familie wieder zu vereinen.

Meine Meinung
Inhaltlich hat mich das Buch absolut abgeholt, tief bewegt und ging mir wirklich unter die Haut. Alles ist ergreifend, erschütternd und packend.
Die vielen einzelnen Hauptcharaktere waren mir keineswegs unsympathisch. Konnte ich doch ihre Handlungen nachvollziehen und habe sehr mit ihnen mitgefühlt.
Was meinen Lesegenuss jedoch deutlich getrübt hat, ist der Schreibstil der Autorin. Obwohl die Geschichte hochspannend ist, wird der Lesefluss durch ständige Wiederholungen gebremst. Die Art und Weise, wie dieser Tatsachenbericht umgesetzt wurde, empfand ich als nicht ganz gelungen. Mir fehlte hier eine gewisse erzählerische Geradlinigkeit, da der Stil der Wucht der Ereignisse manchmal im Weg stand, anstatt zu unterstützen.
Das Cover ist hervorragend gelungen,
es fängt den Hauptstrang der Geschichte sehr gut ein.

Fazit
"Um jeden Preis" war mein erstes Buch von Hera Lind und ist inhaltlich eine sehr starke und bewegende Geschichte, bei der man genau weiß, worauf man sich einlässt. Aufgrund der erzählerischen Schwächen gibt es jedoch Abzug bei den Sternen. Dennoch gibt es eine eingeschränkte Empfehlung von mir. Wer sich für wahre Schicksale interessiert und über einen eher repetitiven Schreibstil hinwegsehen kann, sollte dieses Buch trotz der genannten Kritikpunkte lesen.

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Veröffentlicht am 11.01.2026

Authentischer Rückblick mit Längen

Before I met Supergirl
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Worum geht es?
In "Before I Met Supergirl" beschreibt Rea Garvey die rauen Küsten Irlands. Es ist ein Buch über seine Identität, Heimat und den Mut, den eigenen Weg zu gehen, auch wenn dieser sich oft ...

Worum geht es?
In "Before I Met Supergirl" beschreibt Rea Garvey die rauen Küsten Irlands. Es ist ein Buch über seine Identität, Heimat und den Mut, den eigenen Weg zu gehen, auch wenn dieser sich oft holprig gestaltet. Garvey schreibt über die Reibung mit seinem Vater und jene ersten Akkorde, die sein Leben für immer verändern sollten.

Meine Meinung
Erfrischend ehrlich und mit viel Humor schildert Garvey seine Kindheit und Jugend, die ersten musikalischen Gehversuche, abenteuerliche Touren und das Wechselspiel aus Erfolg und Misserfolg. Durch die lockere, spontane Erzählart wird der junge, impulsive Mann richtig greifbar.
Da die Kapitel eher wie Anekdoten wirken, kann das Buch gut zwischendurch gelesen werden, ohne den Faden zu verlieren. Ein tolles Extra ist die Playlist, die die Stimmung beim Lesen perfekt einfängt.
Jedoch war es inhaltlich für mich leider nicht so spannend wie erhofft. Die Schilderungen sind zwar nicht uninteressant, aber auch nicht fesselnd. Mir fehlte bei vielen Dingen der inhaltliche Mehrwert. Deshalb gibt es 2 Sterne Abzug.
Das Cover gefällt mir sehr gut und passt wunderbar zum Inhalt des Buches.

Fazit
Ein gut erzählter, leicht zu lesender Rückblick auf prägende Momente, der aber weniger ein lückenloser Lebensbericht als vielmehr eine selektive Auswahl an Anekdoten ist. Unterhaltsam für zwischendurch, aber der letzte Funke ist bei mir einfach nicht übergesprungen.

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Veröffentlicht am 12.12.2025

Geniale Idee, verliert aber den Fokus

Standing Ovations
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Worum es geht?
Alex Lyons, der berühmte und arrogante Theaterkritiker, vergibt aus Überheblichkeit nur 1 oder 5 Sterne. Als er die Show der jungen Künstlerin Hayley Sinclair mit dem Tiefstwert abstraft, ...

Worum es geht?
Alex Lyons, der berühmte und arrogante Theaterkritiker, vergibt aus Überheblichkeit nur 1 oder 5 Sterne. Als er die Show der jungen Künstlerin Hayley Sinclair mit dem Tiefstwert abstraft, ahnt er nicht, welche Lawine er lostritt – besonders, da er kurz darauf und irgendwie auch unwissentlich die Nacht mit Hayley verbringt. Hayley wandelt ihre Verletzung in Kunst um und macht Alex und seinen Verriss zum Thema ihrer neuen, viral gehenden Performance. Ein hochaktueller Konflikt, der perfekt den Nerv der Zeit trifft.

Meine Meinung
Die Grundidee über die Macht der Kritik ist brillant. Leider entscheidet sich die Autorin für eine Erzählperspektive, die das Hauptthema in den Hintergrund drängt. Die Leser lernen die Geschichte durch die Augen von Sophie kennen, ebenfalls Journalistin und Kollegin von Alex. Sophie ist in diesem Konflikt leider weder sonderlich interessant noch wirklich von Belang.
Die erste Hälfte ist packend und vielversprechend, aber die zweite Hälfte wird von Sophies privatem Hintergrund, im Buch als Eheprobleme & Job-Comeback als junge Mutter dargestellt, dominiert. Diese detaillierten Nebenschauplätze bremsen die Dynamik und lassen die Handlung langatmig werden. Die Autorin schreibt dadurch leider knapp am eigentlichen Konflikt zwischen Hayley und Alex vorbei.
Das Cover ist ziemlich gewöhnungsbedürftig und gefällt mir nur mäßig, auch hierbei hätte man mehr daraus machen können.

Fazit
Diese Geschichte hätte ein großartiges Buch werden können, das einen originellen Blick auf Künstler und Rezensenten, letztere arbeiten als Journalisten, wirft. Das Potenzial wurde meiner Meinung nach nicht ausgeschöpft. Es ist unterhaltsam für zwischendurch, aber nicht die brillante, fokussierte Umsetzung, die ich mir erhofft hatte.

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