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Veröffentlicht am 17.03.2026

Diese schöne Sammlung an Redensarten steht „Rede und Antwort“

Duden – Wer hat den Teufel an die Wand gemalt?
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Die über 700 Sprichwörter und Redewendungen in Wer hat den Teufel an die Wand gemalt? sind übersichtlich von A bis Z aufgelistet. Das ist praktisch, um gezielt nach der Redensart zu suchen, die einen gerade ...

Die über 700 Sprichwörter und Redewendungen in Wer hat den Teufel an die Wand gemalt? sind übersichtlich von A bis Z aufgelistet. Das ist praktisch, um gezielt nach der Redensart zu suchen, die einen gerade interessiert. Bei mir ist es „Perlen vor die Säue werfen“. Diese finde ich unter „P“ und bin erstaunt, dass es diese Redensart auch in anderen europäischen Sprachen gibt.
Manchmal gibt es Querverweise, wenn eine Redensart auch unter einem anderen Buchstaben zu finden ist und dort bereits erklärt wird. So werden Wiederholungen vermieden, was mir sehr gefällt.

Superdurchdacht ist der Aufbau der einzelnen Redewendungen. Erst wird sie genannt, dann ihre heutige Bedeutung erklärt und anschließend ihre Herkunft, sofern ermittelbar, aufgedeckt. Dieses Muster sorgt für eine klare Struktur.
Der Schreibstil ist dabei sehr zugänglich. Rolf-Bernhard Essig schreibt sachkundig, aber trotzdem leicht und nie belehrend. Er verbindet genaue sprachwissenschaftliche Erklärungen mit einem angenehm humorvollen Ton. So werde ich nicht nur informiert, sondern gleichzeitig auch unterhalten.
Schön finde ich außerdem die Illustrationen zu den einzelnen Buchstaben, die jeweils ein passendes Sprichwort aufgreifen.

Einen besonderen Mehrwert haben die zehn kleinen Exkurse als thematischer Hintergrundblock. Hier wird auf die sprachlichen Einflüsse ganzer Sprachkulturen geblickt. Dabei wird gezeigt, dass Redensarten nicht nur aus bestimmten Berufen, historischen Situationen oder dem biblischen Kontext entstehen können, sondern auch durch kulturelles Zusammenleben und Sprachkontakt.

Insgesamt gefällt mir Wer hat den Teufel an die Wand gemalt? sehr gut. Es macht Spaß, sich durch die Redensarten zu lesen. Von sehr alten Wendungen, die schon seit Jahrhunderten im Umlauf sind, bis hin zu modernen Ausdrücken. Immer wieder bleibe ich an Sprichwörtern hängen, die ich schon tausendmal gehört, aber noch nie hinterfragt habe.
Natürlich begegnen mir auch Redewendungen, die ich noch nicht kenne. So habe ich zum Beispiel noch nie „den heiligen Ulrich angerufen“ oder „jemandem einen Persilschein ausgestellt“.
Besonders spannend fand ich zudem, wie sich die Bedeutung mancher vertrauter Redewendungen verändert hat. „X für ein U verkaufen“ oder „Tomaten auf den Augen haben“ kenne ich zwar gut, doch ihre ursprüngliche Bedeutung war mir neu.

Fazit:
Ob Wer hat den Teufel an die Wand gemalt? nun „das Nonplusultra“ ist, kann ich nicht beurteilen, aber diese schöne Sammlung an Redensarten steht „Rede und Antwort“, wenn es darum geht, Herkunft und Bedeutung unserer Redewendungen aufzuschlüsseln. Ein Buch, das sich sowohl zum Durchlesen als auch zum Nachschlagen immer wieder lohnt.

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Veröffentlicht am 24.02.2026

Eine intensive Romantasy mit würdigem Abschluss

Twist of Hearts
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Spoiler-Hinweis:
Diese Rezension enthält zentrale Hinweise zu „Play of Hearts“.
Wenn du die Dilogie noch nicht begonnen hast und die Entwicklungen selbst entdecken möchtest, lies am besten zuerst den ersten ...

Spoiler-Hinweis:
Diese Rezension enthält zentrale Hinweise zu „Play of Hearts“.
Wenn du die Dilogie noch nicht begonnen hast und die Entwicklungen selbst entdecken möchtest, lies am besten zuerst den ersten Band, bevor du dich meiner Rezension widmest.
Twist of Hearts ist der zweite Band der Romantasy-Dilogie The Hearts Duet und fügt sich optisch perfekt an Play of Hearts an. Auch der Farbschnitt ist wieder wunderschön und harmoniert hervorragend mit dem Cover. Das Innenlayout greift die äußere Gestaltung stimmig auf und besonders gelungen finde ich die Darstellung eines Buchausschnitts, der später in der Handlung eine Rolle spielt.
Bevor ich zu Genevieve „Evie“ Magâme und ihren Freunden zurückkehren kann, erwartet mich eine doppelseitige Kartenillustration der Sirenen Insel, die im weiteren Verlauf ein zentraler Schauplatz werden wird.

Wie schon Play of Hearts ist auch Twist of Hearts in drei Akte gegliedert. Der erste Akt setzt unmittelbar an das vielschichtige Geschehen des Vorgängers an. Die Freunde sind getrennt, schweben in Gefahr und Arthur taucht plötzlich wieder auf, nachdem Evie ihn so lange verzweifelt gesucht hatte. An dieser Stelle hätte ich mir eine kurze Rückblende gewünscht, denn das Finale des ersten Bandes war sehr dicht und vielschichtig. Ich habe mir geholfen, indem ich die letzten Seiten noch einmal gelesen habe.
Trotzdem gelingt der Einstieg gut, denn das Tempo ist hoch und mehrere Dinge passieren beinahe gleichzeitig. Das erzeugt sofort Spannung und macht deutlich, wie stark dieser Band mit den Elementen Illusion und Wahrheit spielt. Nach und nach fallen die Puzzleteile an ihren Platz und rückblickend ergibt vieles Sinn, ohne konstruiert zu wirken. Besonders spannend finde ich, dass ich meinen Blick auf frühere Ereignisse immer wieder neu ausrichten muss, um zu erkennen, welche Wahrheiten tatsächlich dahinterliegen.

Evie bleibt verletzlich, aber sie ist nicht mehr das naive Mädchen aus Band 1. Ihre inneren Konflikte begleiten sie weiterhin, doch sie wächst sichtbar an den Herausforderungen. Sie stellt sich ihrer Angst, trifft mutigere Entscheidungen und erkennt, dass Fehler dazugehören dürfen.
Arthur bekommt in diesem Band mehr Kontur, doch sympathisch wird er mir nicht. Sein Verhalten wirkt oft manipulativ, weil er in Evie immer wieder Schuldgefühle auslöst. Das lässt ihn egozentrisch erscheinen, auch wenn manche seiner Emotionen und Handlungen für mich nachvollziehbar sind.
Rémi hingegen bleibt die komplexeste und faszinierendste Figur. Seine inneren Konflikte spiegeln Evies eigene, was ihre Dynamik immer wieder verschiebt. Seine Widersprüchlichkeit bringt Spannung in die Handlung und seine emotionale Reife überrascht mich mehrfach.
Auch die Nebenfiguren aus Play of Hearts, Enif, Atlas sowie die Zwillinge Blue und Lavender, spielen wieder wichtige Rollen. Gemeinsam versuchen sie mit Evie ihr Versprechen gegenüber Rémi einzulösen.

Zudem wird ein weiterer Antagonist etabliert, dessen Identität mich überrascht. Obwohl er von Anfang an Teil der Geschichte ist, habe ich ihm kaum Beachtung geschenkt und ihn vor allem so wahrgenommen, wie andere Figuren ihn sehen. Genau das macht die Enthüllung so wirkungsvoll. Ich habe mich selbst der Illusion hingegeben, die die Autorin um ihn gesponnen hat. Seine Motivation bleibt lange undurchschaubar, was zusätzliche Konflikte schafft und die Spannung weiter anheizt.

Twist of Hearts setzt stark auf emotionale Dichte. Enthüllungen und große Gefühle liegen oft eng beieinander und Evies wiederholte Gefühlsbeschreibungen bringen gelegentlich eine Nuance Pathos mit sich, die ich etwas überladen empfinde. Da die Geschichte jedoch konsequent aus ihrer Ich-Perspektive erzählt wird, ist diese Intensität schlüssig konstruiert.

Im zweiten Akt darf ich gemeinsam mit den Figuren die Sirenen Insel erkunden. Der Fantasy-Anteil entfaltet sich hier besonders stark durch die allgegenwärtige Magie, die Verbindung von Vergangenheit und Gegenwart sowie die Enthüllungen über die Familiengeschichte der Charaktere. Diese Kombination fasziniert mich sehr.

Der dritte Akt führt schließlich in einen Showdown, der sich über viele Kapitel hinweg sorgfältig aufbaut. Juli Dorne nimmt sich Zeit, die emotionalen Konflikte und moralischen Grauzonen zu sezieren und fügt am Ende alles zu einem schlüssigen Gesamtbild. Besonders beeindruckt mich, wie sich das Spiel aus Illusion und Wahrheit hier vollendet. Was zuvor wie ein stimmiges Bild wirkt, zeigt sich plötzlich in einem neuen Licht.

Fazit:
Twist of Hearts ist eine intensive Romantasy, die stark auf Emotionen setzt und mich mit atmosphärischen Settings überzeugt. Es ist kein leichtes Buch, aber eines, das mich gefordert und berührt hat.

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Veröffentlicht am 16.02.2026

Ein leiser erzählter Kriminalroman mit Tiefgang

Die Farbe des Schattens
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Die Farbe des Schattens spielt wenige Wochen nach den Ereignissen von Das Schweigen des Wassers und kann völlig unabhängig davon gelesen werden. Es werden keine Details zum vorherigen Fall verraten, sondern ...

Die Farbe des Schattens spielt wenige Wochen nach den Ereignissen von Das Schweigen des Wassers und kann völlig unabhängig davon gelesen werden. Es werden keine Details zum vorherigen Fall verraten, sondern es wird lediglich ein Blick auf wiederkehrende Figuren geworfen, um sie in dieser Handlung zu etablieren.

Die Farbe des Schattens spielt in den frühen Neunzigerjahren, kurz nach der Wende, als Hoffnung und Ernüchterung dicht beieinanderliegen. Susanne Tägder zeichnet ein trostloses und zugleich berührendes Bild einer Gesellschaft im Umbruch. Die Atmosphäre ist geprägt durch das diffuse Gefühl von Unsicherheit, der bröckelnde Ordnung und der aufkeimenden Hoffnungslosigkeit. Das Bild ist so präzise eingefangen, dass ich mich unmittelbar in diese Zeit zurückversetzt fühle.
In der fiktiven Stadt Wechtershagen verschwindet ein Junge mitten aus einem Wohngebiet. Kriminalhauptkommissar Arno Groth nimmt die Ermittlungen auf. Der Fall wirkt erschreckend real, nicht zuletzt, weil er auf wahren Begebenheiten beruht.

Der Schreibstil ist nüchtern, ruhig und klar. Die Dialoge wirken funktional, aber fangen die emotionalen Untertöne geschickt ein. Zugleich lebt die Erzählung von den präzisen Beobachtungen der Charaktere.
Der Fokus liegt klar auf Arno Groths Ermittlungen, doch gelegentlich darf ich durch den personalen Erzähler an der Seite weiterer Figuren sein.
Diese kontrollierten Perspektivwechsel erzeugen ein vielschichtiges Bild von Wechtershagen und den Menschen, die dort leben. Die Nebenfiguren bleiben bewusst im Schatten, ohne an Bedeutung zu verlieren, denn sie tragen die Handlung, ohne sie zu dominieren.
Arno Groth ist innerlich ein erschöpfter Mann, dessen kriminalistisches Gespür untrennbar mit seinen Erinnerungen und Verlusten verknüpft ist. Seine Ecken und Kanten machen ihn nahbar, seine Hartnäckigkeit treibt die Handlung voran. Obwohl ihm Steine in den Weg gelegt werden, bleibt er seinem Bauchgefühl treu. Er lässt mich an seinen Überlegungen und Plänen teilhaben. Das ermöglicht mir einen ungeschönten Blick in die Ermittlungsarbeit der frühen Neunzigerjahre.

Die Farbe des Schattens baut nicht auf spektakuläre Wendungen, Action und die explizite Darstellung von Gewalt, sondern auf eine leise und bedächtige Erzählweise. Beinah beiläufig erwähnte Details treffen mich hart. Das angedeutete Grauen kriecht unter meine Haut und lässt mich nicht mehr los. Die psychologische Genauigkeit, mit der Susanne Tägder Die Farbe des Schattens konstruiert, macht diese Geschichte auf allen Ebenen erschreckend authentisch.

Die Farbe des Schattens ist ein ruhiger Kriminalroman, der den Fragen nach Verantwortung, Schuld und dem trügerischen Gefühl von Sicherheit nachspürt. Die Auflösung präsentiert Susannne Tägder ohne Sensationslust. Beinahe sachlich wird der Täter enttarnt, was die Alltäglichkeit des Schreckens umso deutlicher hervorhebt und bei mir eine stille Beklemmung hinterlässt, die lange nachhallt.

Fazit:
Die Farbe des Schattens ist ein atmosphärisch dichter und psychologisch präziser Kriminalroman, der weniger auf spektakuläre Plot Twists als auf Wirkung setzt.

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Veröffentlicht am 16.02.2026

Das Fichtelgebirge mit allen Sinnen erleben

Glücksorte im Fichtelgebirge
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Das Vorwort von Katja Wegener stimmt mich unmittelbar auf die regionalen Orte im Fichtelgebirge ein. Besonders schätze ich daran, dass die Autorin alle vorgestellten Plätze selbst besucht und handverlesen ...

Das Vorwort von Katja Wegener stimmt mich unmittelbar auf die regionalen Orte im Fichtelgebirge ein. Besonders schätze ich daran, dass die Autorin alle vorgestellten Plätze selbst besucht und handverlesen ausgewählt hat. Dadurch fließen persönliche Eindrücke und kleine Empfindungen in die Beschreibungen ein, was den einzelnen Glücksorten eine authentische Note verleiht. Die atmosphärischen Formulierungen laden mich nicht nur zum Besuch ein, sondern auch diese Plätze mit allen Sinnen zu erleben.

Das übersichtliche Inhaltsverzeichnis präsentiert die 80 Glücksorte mit prägnanten Titeln und der jeweiligen Ortsangabe. Wer seine Touren genauer vorbereiten möchte, findet im hinteren Buchdeckel eine liebevoll illustrierte Glückskarte, auf der alle Orte mit ihren Nummern verzeichnet sind. So lassen sich sowohl Tagesausflüge als auch längere Urlaube mühelos planen.

Jeder Glücksort wird auf einer Doppelseite vorgestellt. Links erwartet mich ein kurzer und stimmungsvoller Text, rechts ein großformatiges Foto. Diese klare Struktur gefällt mir ausgesprochen gut, denn die Bildqualität ist hervorragend und vermittelt mir sofort einen ersten Eindruck davon, wie schön es vor Ort ist. Die kleinen Texte sind informativ und atmosphärisch zugleich, ohne zu überladen. Am Ende jedes Abschnitts finden sich praktische Besucherinfos wie Adresse und Anreisemöglichkeiten, ergänzt durch gelegentliche TIPP-Hinweise, die einen echten Mehrwert bieten.

Beim Stöbern durch Glücksorte im Fichtelgebirge beginne ich schon meinen eigenen imaginären Urlaub zu planen.
Nummer 22 „Känguru und Karibik-Feeling“ weckt sofort meine Neugier. Hinter dem exotisch klingenden Titel verbirgt sich der Tierpark am Röhrensee in Bayreuth, ein Ausflugsziel, das sich perfekt für Familien eignet. Wer sich vor diesem Abenteuer stärken möchte, findet mit Nummer 61 gleich einen passenden Frühstückstipp. Die Beschreibung der Düfte im Café Florian lässt mir förmlich das Wasser im Mund zusammenlaufen. Und für den Abend bietet Glücksort 46 einen genussvollen Abschluss in der Maisel’s Bier-Erlebniswelt.

Als Buchbegeisterte habe ich als Kind viele Mickey Maus Comics gelesen. Und auch dafür hat Katja Wegener direkt einen Tipp. Hinter dem Glücksort Nummer 73 verbirgt sich das Erika-Fuchs-Haus – Museum für Comic und Sprachkunst. Dort kann ich mich auf einen Rundgang durch Entenhausen begeben und es gibt eine Menge mehr zu entdecken.
Da mich aber auch alte Gemäuer und historische Orte faszinieren, würde ich direkt noch Glücksort Nummer 62 besuchen. Die Burgruine Epprechtsein bietet nicht nur eine interessante Atmosphäre und eine schöne Fernsicht, sondern ebenso herrliche Wandermöglichkeiten.

Die Mischung aus Naturerlebnissen, historischen Orten, charmanten Lokalitäten und kulturellen Empfehlungen gefällt mir sehr gut. Obwohl mich nicht jeder Platz gleichermaßen anspricht, entdecke ich beim Lesen viele neue Ziele, die ich einmal live erleben möchte.
Das Buch eignet sich für alle, die das Fichtelgebirge mit anderen Augen und all ihren Sinnen erkunden möchten. Durch die Vielzahl an Anregungen eröffnet es wunderbare Möglichkeiten, die Region zu genießen, die Seele baumeln zu lassen, kleine Abenteuer zu erleben und kulinarische Highlights zu entdecken.

Fazit:
Glücksorte im Fichtelgebirge ist eine wundervolle Möglichkeit sowohl beim Lesen schon kleine Glücksmomente zu haben als auch vor Ort das Fichtelgebirge mit allen Sinnen erleben zu können.

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Veröffentlicht am 16.02.2026

Ein vielschichtiger Thriller mit einem großzügigen Figurenensemble

Ein unerwarteter Gast
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Ein unerwarteter Gast startet herausfordernd. Es werden nicht nur drei Handlungsstränge getrennt durch Kapitel etabliert, sondern auch recht viele unterschiedliche Charaktere eingeführt. Hier den Überblick ...

Ein unerwarteter Gast startet herausfordernd. Es werden nicht nur drei Handlungsstränge getrennt durch Kapitel etabliert, sondern auch recht viele unterschiedliche Charaktere eingeführt. Hier den Überblick zu behalten fällt mir schwer, zumal es noch zusätzlich verschiedene Blickwinkel gibt.
Sehr auffällig ist zudem von Anfang an die Thematik einer schwierigen Eltern-Kind-Beziehung, welche sich durch alle Handlungsebenen zieht.
Das Muster bei den sich abwechselnden Handlungssträngen durchschaue ich zum Glück zügig, sodass ich immer besser in Ein unerwarteter Gast hineinfinde.

Es beginnt mit den Ereignissen vom 12. August 2000. Die Erzählung in diesem Handlungsstrang erfolgt nicht chronologisch und springt in den Ereignissen hin und her. Durch diese Art der Vorausschau und die Beleuchtung durch unterschiedliche Perspektiven entsteht viel Spannung.
Danach folgt der Gegenwartsstrang, wo nur Wylie Lark die Hauptfigur ist.
Abgerundet werden die drei Handlungsebenen durch eine Begleitung einer unbekannten Frau und ihrer Tochter. Dies wird auch optisch durch eine kursive Schrift hervorgehoben. Ich kann nicht einordnen, zu welcher Zeit dieser Strang spielt, sodass er mysteriös wirkt und am meisten zum Spekulieren einlädt.

Alle drei Zeitebenen mit ihren unterschiedlichsten Perspektiven machen Ein unerwarteter Gast sehr komplex und thematisch vielfältig.
Die Rückblende ins Jahr 2000 hat True Crime Charakter und beleuchtet die bis in die Gegenwart anhaltende, nicht vollständig aufgeklärte Tragödie der Doyle Familie. Die brutalen Morde stehen in einem erschreckenden Kontrast zur Jahreszeit. Es ist sommerlich und die drückende Hitze unterstreicht die von einer liebevollen Situation umkippende Atmosphäre in etwas Lebensbedrohliches.
Dieser Handlungsstrang liefert mir eine interessante Mischung aus Fakten und Verdachtsmomenten.
Die Gegenwart mit Wylie, einer Autorin für True Crime Bücher, hat eine kalte und sehr distanzierte Atmosphäre. Dies spiegelt sich auch in dem Schneesturm wider, der um das Haus fegt, indem Wylie ihr neustes Projekt auf einer einsamen Farm zu Ende bringen möchte. Hier entspannt sich Stück für Stück eine Bedrohung, die immer mehr zunimmt.
Wylie ist der einzige Hauptcharakter, den ich nicht leiden kann. Dabei kann ich nicht benennen, was genau mich an ihr stört. Ihre Handlungsebene finde ich insgesamt nicht so interessant wie die anderen beiden.
Die nicht eindeutig zuzuordnende Zeitebene nimmt mich emotional am meisten mit. Hier begleite ich ein kleines Mädchen und ihre Mutter, die Opfer häuslicher Gewalt sind. Diese beklemmende Atmosphäre kriecht nach und nach unter meine Haut und lässt mich nicht mehr los.

Durch diese multiperspektivische Erzählweise mit personalem Blick tauchen immer neue Fragen auf, welche sich ähnlich wie ein Puzzle nur langsam zu einem schlüssigen Gesamtbild zusammensetzen.
Heather Gudenkauf spielt gekonnt mit Gegensätzen. Das Erzähltempo ist hoch und detailliert. Wie alles miteinander verbunden ist, ist eine Frage, die viel Raum für Spekulationen ermöglicht. Ich bin da fleißig dabei und liege dabei häufig richtig, sodass so manche Wendung nicht überraschend für mich kommt.
Doch der Plot Twist erwischt mich eiskalt. Besonders gefällt mir das ausgeklügelte Ende, auch wenn nicht alle meine Fragen zufriedenstellend aufgeklärt werden.

Eine kleine Kritik am Rande: Ich finde den Titel ungünstig gewählt. Im Original lautet er „The Overnight Guest“, also „Der Übernachtungsgast“. Dieser Titel ist wesentlich treffender als Ein unerwarteter Gast. Denn wer der ominöse Übernachtungsgast ist, wird im Kontext deutlich. Auch wenn das nun nach Haarspalterei klingt, ist diese Bezeichnung einfach viel präziser als der deutsche Titel.

Fazit:
Ein unerwarteter Gast ist nichts für zwischendurch, sondern ein vielschichtiger Thriller, der verschiedene Perspektiven, Zeitebenen und emotionale Ausnahmezustände zu einer psychologischen Spannung zusammenbaut. Die düstere Atmosphäre und True-Crime-Elemente sorgen für ein intensives Leseerlebnis.

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