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Veröffentlicht am 16.02.2026

Die Frauen von der „Esja“

Moosland
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Sommer 1949: Als eine von knapp 300 deutschen Frauen kommt Elsa mit dem Schiff „Esja“ nach Island. Sie folgen einem Aufruf der isländischen Regierung, für ein Jahr als Landarbeiterin oder Haushaltshilfe ...

Sommer 1949: Als eine von knapp 300 deutschen Frauen kommt Elsa mit dem Schiff „Esja“ nach Island. Sie folgen einem Aufruf der isländischen Regierung, für ein Jahr als Landarbeiterin oder Haushaltshilfe auf der Insel zu leben. Für Elsa ist der Anfang sehr schwer. Sie ist in Trauer und noch traumatisiert von den Erlebnissen während des Zweiten Weltkriegs. Zudem kommen die Sprachprobleme hinzu. Doch das ist nicht der einzige Grund für das Schweigen, das auf dem Gehöft vorherrscht…

„Moosland“ ist ein Roman von Katrin Zipse.

Erzählt wird im Präsens und aus der Perspektive von Elsa. Der Roman besteht dabei aus rund 50 kurzen Kapiteln.

Eine schnörkellose, fast nüchterne Sprache, gepaart mit einer einfachen Syntax: So lässt sich der ruhige, unaufgeregte Schreibstil beschreiben. Dennoch ist der Roman atmosphärisch dicht und überzeugt mit anschaulichen Naturbeschreibungen. Was ebenfalls ungewöhnlich ist: Aufgrund der Verständigungsprobleme sind Dialoge rar gesät.

Die Figuren sind mit psychologischer Tiefe angelegt. Sie wirken authentisch und zum Teil durchaus originell.

Wie aus dem interessanten und aufschlussreichen Nachwort zu erfahren ist, sind die Personen und der Handlungsort der Geschichte zwar fiktiv. Dennoch basiert der Roman auf einer wahren Begebenheit: den „Esja“-Frauen, die von Island angeworben wurden. Sehr gerne habe ich von diesem bisher wenig beleuchteten Aspekt der deutsch-isländischen Historie erfahren.

Ein weiterer inhaltlicher Schwerpunkt ist das Geheimnis, über das die Familie eisern schweigt: das Verschwinden der Tochter. Die Sprachlosigkeit innerhalb der Familienmitglieder, aber auch die gegenüber der anfangs fremden Elsa ist fast greifbar.

Auf nur wenig mehr als 200 Seiten nimmt die Geschichte zwar nur langsam Fahrt auf. Sie hält allerdings immer wieder bewegende Momente bereit.

Das unspektakuläre, aber hübsche Covermotiv und der prägnante Titel passen hervorragend zu der Geschichte.

Mein Fazit:
Mit „Moosland“ hat Katrin Zipse einen bereichernden und zugleich berührenden Roman geschrieben. Empfehlenswert!

Veröffentlicht am 21.01.2026

Ein Leitfaden für Eltern von Teenagern

Verstehen statt verlieren
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Ein Alltag ohne Smartphone, das ist für viele Teenager nicht mehr vorstellbar. Vor allem die sozialen Medien werden von ihnen rege genutzt. Doch für Kinder und Heranwachsende hält die digitale Welt etliche ...

Ein Alltag ohne Smartphone, das ist für viele Teenager nicht mehr vorstellbar. Vor allem die sozialen Medien werden von ihnen rege genutzt. Doch für Kinder und Heranwachsende hält die digitale Welt etliche Gefahren bereit. Was sollen besorgte Eltern tun?

„Verstehen statt verlieren - Erste Hilfe für die Smartphone-Pubertät“ ist ein Sachbuch von Leonie Lutz und Mareike Brede.

Das Buch setzt sich aus elf Kapiteln zusammen, die zum Teil untergliedert sind. Die Struktur ist nachvollziehbar und sinnvoll aufgebaut. Dank der Inhaltsübersicht und der farblichen Hervorhebungen von Begriffen, Namen und Textstellen lassen sich einzelne Aspekte schnell auffinden und nachlesen.

Der Text liest sich flüssig und wie aus einem Guss. Auch technische und biologische Erläuterungen sind leicht verständlich formuliert. Die gendersensible Sprache wirkt angemessen und modern.

Das Sachbuch schildert einerseits die Herausforderungen der Pubertät und andererseits die Allgegenwärtigkeit der digitalen Welt, die für diese Entwicklungsphase besondere Risiken birgt. Wie können Eltern ihre heranwachsenden Kinder vor Gewalt und anderen ungeeigneten Inhalten schützen? Wie können sie ihre Söhne und Töchter im Digitalen begleiten und wie für einen gesunden Umgang mit den sozialen Medien befähigen? Diesen Fragen geht das Buch nach. Dabei sind wissenschaftliche Arbeiten, neueste Studien und die Kenntnisse von Experten eingeflossen.

Auf den mehr als 200 Seiten werden einzelne Apps vorgestellt. Es geht aber auch ums Gaming, ums Streaming, um Fake News, um Internetbetrug, um Cybermobbing und einiges mehr. Zwar deckt das Buch damit eine umfassende Palette an Aspekten ab. Allerdings hätte ich mir an der einen und anderen Stelle etwas mehr inhaltliche Tiefe gewünscht.

Als besonders hilfreich habe ich die Anleitungen und Erklärungen dazu empfunden, mit welchen Einstellungen das Smartphone und die App sicherer für Jugendliche werden, welche weiteren technischen Möglichkeiten bestehen und worauf Elternteile achten sollten. Dem Versprechen, konkrete Tipps und praktische, konstruktive Lösungen zu liefern, wird das Buch gerecht.

Es gibt zudem immer wieder Empfehlungen zu weiterführenden Informationen: Webseiten, Accounts, Dokumentationen und Büchern. Darüber hinaus befinden sich im Anhang Listen mit nützlichen Apps und Anlaufstellen für den Bedarfsfall.

Mein Fazit:
In ihrem Sachbuch „Verstehen statt verlieren - Erste Hilfe für die Smartphone-Pubertät“ verdeutlichen Leonie Lutz und Mareike Brede, welche Rolle das Internet und digitale Welten für Jugendliche spielen. Die Autorinnen geben Eltern nützliche Anleitungen und Hinweise an die Hand, wie sie ihre Kinder in einer schwierigen Phase begleiten können, ohne den Zugang zu ihnen zu riskieren.

Veröffentlicht am 19.01.2026

Das perfekte Opfer?

Hazel sagt Nein
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Die Kleinstadt Riverburg im US-Bundesstaat Maine: Rund 500 Schülerinnen und Schüler besuchen die Riverburg Senior High School. Hazel Greenberg Blum (18) ist neuerdings eine von ihnen. Seitdem ihr Vater ...

Die Kleinstadt Riverburg im US-Bundesstaat Maine: Rund 500 Schülerinnen und Schüler besuchen die Riverburg Senior High School. Hazel Greenberg Blum (18) ist neuerdings eine von ihnen. Seitdem ihr Vater Gus (49), ein Amerikanistikprofessor, eine neue Stelle angenommen hat und ihre Familie umgezogen ist, soll sie dort ihr letztes Jahr vor dem College absolvieren. Sie ist ehrgeizig und sehr motiviert. Doch schon am ersten Schultag nach den Sommerferien wird sie ins Büro des Direktors Richard White (41), genannt Dick, gerufen. Seine Forderung, mit der er sie unvermittelt konfrontiert, schockt sie: Er hat sie für eine sexuelle Beziehung auserkoren. Hazel antwortet mit „Nein“ und löst damit eine Kette von Ereignissen aus…

„Hazel sagt Nein“ ist der Debütroman von Jessica Berger Gross.

Der Roman umfasst vier Teile mit insgesamt 46 kurzen Kapiteln. Erzählt wird aus wechselnder Perspektive aus der Sicht von Mutter Claire (47), von Vater Gus, von Bruder Wolf (11) und vor allem von Hazel. Die Handlung umspannt etwa ein Jahr und spielt vorwiegend an der Ostküste der USA.

Die Sprache ist ungekünstelt und wenig spektakulär, aber anschaulich. Die Dialoge wirken authentisch. Stilistisch ist der Text durchaus abwechslungsreich, denn es sind Zeitungsartikel, Mails und andere Nachrichten eingefügt. Die Übersetzung von Angela Koonen ist nur an wenigen Stellen etwas holprig.

Sexuelle Belästigung und Übergriffe sind das Hauptthema des Romans. Dabei zeigt die Geschichte einerseits, dass solcher Vorfälle weite Kreise ziehen können. Andererseits ermutigt sie eben dazu, sich gegen die Täter zu wehren. Allerdings hätte das Thema gründlicher ausgearbeitet werden können.

Nach einigen Kapiteln geht der rote Faden stattdessen immer wieder verloren, denn die Geschichte ist mit weiteren Themen und Nebensträngen überfrachtet. Das macht den Roman zwar facettenreich. Zugleich nimmt es aber dem Hauptthema die Intensität und führt dazu, dass sich die Geschichte so verzettelt, dass mehrere offene Enden zurückbleiben.

Nicht nur Hazel, sondern auch die übrigen drei Mitglieder werden mit vielen Details beschrieben und sind mit psychologischer Tiefe ausgestattet. Ihre Gedanken und ihr Verhalten sind nachvollziehbar und lebensnah.

Auf den fast 400 Seiten weist die Handlung keine nennenswerten Längen auf. Die Geschichte hält überraschende Entwicklungen parat. Sie bleibt durchweg kurzweilig und ist größtenteils glaubwürdig. Nur zum Ende hin erscheint manches ein wenig überzogen.

Der deutsche Titel ist wortgetreu aus dem Englischen („Hazel Says No“) übertragen. Er passt sehr gut zum Inhalt. Das Cover, das das Haus der Familie zeigt, wirkt für meinen Geschmack zu harmonisch.

Mein Fazit:
Mit „Hazel sagt Nein“ hat Jessica Berger Gross eine kurzweilige Geschichte geschrieben, die ein wichtiges Thema aufgreift und mich zugleich gut unterhalten hat. Dennoch schöpft der Roman leider nicht sein komplettes Potenzial aus.

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  • Cover
  • Atmosphäre
Veröffentlicht am 06.01.2026

Showdown auf der Schäreninsel

Die Insel meiner Schwester
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Mirjam und Nia sind gleichaltrige Halbschwestern, die sich erst mit 14 Jahren in Stockholm zum ersten Mal begegnet sind. Einige Zeit waren sie beste Freundinnen. Nun sind beide 40 Jahre alt und haben sich ...

Mirjam und Nia sind gleichaltrige Halbschwestern, die sich erst mit 14 Jahren in Stockholm zum ersten Mal begegnet sind. Einige Zeit waren sie beste Freundinnen. Nun sind beide 40 Jahre alt und haben sich seit mehr als einem Jahr nicht mehr gesehen. Da erhält Mirjam, die noch unter einer Trennung von ihrem Ex Juan leidet, eine Einladung von Nia: Sie soll auf die Schäreninsel Tallholmen kommen. Mit einem mulmigen Gefühl nimmt sie die Einladung an…

„Die Insel meiner Schwester“ ist ein Spannungsroman von Sara B. Elfgren.

Die Geschichte wird in 21 Kapiteln erzählt, denen ein kurzer Prolog vorangestellt wird. Es gibt mehrere zeitliche Sprünge. Erzählt wird dabei in der Ich-Perspektive aus der Sicht von Mirjam.

Die Sprache ist ungekünstelt und unspektakulär, aber dem Genre angemessen und nicht zu platt. Die Beschreibungen sind atmosphärisch und anschaulich.

Die beiden Schwestern stehen im Mittelpunkt des Romans. Die Protagonistinnen sind mit viel psychologischer Tiefe angelegt. Vor allem Mirjams Gedanken und Gefühle werden sehr deutlich. Zwar bleiben sie und die weiteren Charaktere ein wenig undurchsichtig, um die Spannung aufrechtzuerhalten. Dennoch erscheinen sie glaubwürdig.

Die Geschichte ist eine Mischung von Drama und Kammerspiel. Auf den rund 300 Seiten ist sie von einer Spannung durchzogen, die mal subtil, mal ausgeprägter vorhanden ist. Vor allem zum Ende hin steigert sich die Dramatik und überrascht mit plötzlichen Wendungen.

Der Roman behandelt mehrere ernste Themen wie Verlust, Tod, Hassgefühle, Verrat und verschiedene Formen von Gewalt. Die Konfrontation mit menschlichen Abgründen macht die Lektüre immer wieder beklemmend. Geheimnisse spielen eine wichtige Rolle.

Sowohl das stimmungsvolle Covermotiv als auch der deutsche Titel wirken auf mich zu harmonisch und daher etwas irreführend. Beides weicht auch etwas von der schwedischen Originalausgabe („Ö“) ab.

Mein Fazit:
Mit „Die Insel meiner Schwester“ hat mich Sara B. Elfgren größtenteils überzeugt. Ihr lesenswertes Debüt in der Erwachsenenliteratur ist eine unterhaltsame Lektüre.

Veröffentlicht am 05.12.2025

Litas ungewöhnliche Geschichte

Mr. Saitos reisendes Kino
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Fabiola Cordero de Dios wurde im Jahr 1910 in Buenos Aires geboren. Nur 17 Jahre später wird sie schwanger. Ihre Tochter Carmelita, genannt Lita, wächst ohne ihren Vater auf. Als die beiden die Heimatstadt ...

Fabiola Cordero de Dios wurde im Jahr 1910 in Buenos Aires geboren. Nur 17 Jahre später wird sie schwanger. Ihre Tochter Carmelita, genannt Lita, wächst ohne ihren Vater auf. Als die beiden die Heimatstadt in Argentinien verlassen müssen, landen sie bei ihrer Flucht mit dem Schiff auf Upper Puffin, einer abgelegenen Insel vor Neufundland. Dort trifft Lita auf ungewöhnliche Menschen, die ihr Leben nachhaltig beeinflussen…

„Mr. Saitos reisendes Kino“ ist ein Roman von Annette Bjergfeldt.

Der Roman umfasst sieben Teile, die wiederum aus kurzen Kapiteln bestehen. Erzählt wird - mit mehreren Zeitsprüngen - in der Ich-Perspektive aus der Sicht von Lita. Die Handlung umspannt mehrere Jahrzehnte, beginnend im Jahr 1910.

Der Schreibstil ist anschaulich und atmosphärisch, sodass der Roman viele Bilder vor dem inneren Auge erscheinen lässt. Mit seinen ausschweifenden Passagen und dem langsamen Erzähltempo habe ich mich teilweise allerdings etwas schwergetan.

Die Figuren, allen voran Protagonistin Lita, sind interessant und werden mit warmherzigen Blick gezeichnet. Auffallend ist jedoch, dass einige Charaktere sehr speziell dargestellt werden.

Auf der inhaltlichen Ebene ist gleich zu Beginn von einer Liebesgeschichte die Rede. Doch der Roman beinhaltet noch viel mehr. Es geht unter anderem um Themen wie Herkunft, Abstammung und Heimat, aber auch um Träume, Zusammenhalt und Freundschaften. Das macht die Geschichte facettenreich und besonders.

Auf den mehr als 500 Seiten hält die Handlung einige Überraschungen bereit, die mal mehr, mal weniger realistisch wirken. Die Geschichte ist sehr emotionsbetont und weiß zu berühren, ohne zu sehr ins Kitschige abzudriften.

Das hübsche Covermotiv mit dem Papageientaucher und der Filmrolle fängt den Inhalt und die Stimmung des Romans gut ein. Der deutsche Titel weicht ein wenig vom dänischen Original („Mr. Saitos Rejsebiograf“) ab, was ich in diesem Fall für unerheblich halte.

Mein Fazit:
Meine hohen Erwartungen hat „Mr. Saitos reisendes Kino“ von Annette Bjergfeldt zwar nicht in Gänze erfüllt. Dennoch habe ich den unterhaltsamen Roman gerne gelesen und kann ihn durchaus bedenkenlos weiterempfehlen.