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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 16.02.2026

Traurig schön

Life's Too Short
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Eigentlich führt Adrian ein ruhiges Leben in festen Bahnen als Partner einer Anwaltssozietät. Doch lautes Babygeschrei aus der Wohnung nebenan führt ihn zu seiner Nachbarin Vanessa. Die war eigentlich ...

Eigentlich führt Adrian ein ruhiges Leben in festen Bahnen als Partner einer Anwaltssozietät. Doch lautes Babygeschrei aus der Wohnung nebenan führt ihn zu seiner Nachbarin Vanessa. Die war eigentlich eine erfolgreiche Bloggerin, findet sich nun aber als überforderte Betreuung für das Baby ihrer Halbschwester. Und das ist nur die Spitze des Eisbergs von Problemen in Vanessas Leben.

Mit dem straff organisierten Adrian und der im Chaos ertrinkenden Vanessa hat Abby Jimenez eine turbulente Ausgangslage für eine wunderbare RomCom geschaffen, die sie aber in gewohnter Manier mit jeder Menge Tiefgang und ehrlichem Drama ausstattet. Denn in Vanessas Familie wird ALS vererbt und nach dem Tod ihrer Mutter und ihrer Schwester lebt Vanessa ihr Leben, als könne es jeden Tag zu Ende gehen. Was es auch durchaus kann:

„…dankbar zu sein für das zu sein, was ich erleben durfte, statt Verlorenes zu betrauern.“

Bei aller Schwere dieses Themas und aller weiteren Probleme in Vanessas Familie – und oh ja, das sind einige! – erzählt die Autorin auf die ihr ganz eigene warmherzige und humorvolle Geschichte von Vanessa und Adrian. Dabei spart sie auch nicht mit Situationskomik und absolut passenden spicy Passagen.

Allerdings gab es für mich einen einzigen Punkt der Unglaubwürdigkeit: Vanessa ist erfolgreiche Bloggerin und ruft zu Spenden für ALS auf, kommuniziert das ganz offen. Nur Adrian schnallt das so gar nicht. Dafür verbiegt und verdreht die Autorin ihren Plot und lässt Adrian sozusagen unter einem Stein leben. Ich verstehe, dass sie das für ihre Handlung so brauchte, aber für mich als Leserin wirkte es realitätsfern.

Insgesamt aber wieder einmal eine RomCom, die ans Herz geht, voll wunderbarer Lesemomente!

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Veröffentlicht am 15.02.2026

Leah Page lässt sich nicht aufs Glatteis führen

Eine mörderische Pirouette
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Nachdem in Old Alley Town so viel geschehen ist und so viele Mordfälle aufzuklären waren, möchten Leah und Harvey einfach nur ein paar schöne Tage in trauter Zweisamkeit im beschaulichen Snow Shire Valley ...

Nachdem in Old Alley Town so viel geschehen ist und so viele Mordfälle aufzuklären waren, möchten Leah und Harvey einfach nur ein paar schöne Tage in trauter Zweisamkeit im beschaulichen Snow Shire Valley verbringen. Eine Eislaufshow soll zum künstlerischen Highlight werden, doch dann geschieht ein entsetzliches Unglück. Aber war es überhaupt ein Unfall oder steckt doch mehr dahinter? Zum Glück ist Leah Page bereits vor Ort und ermittelt.

Bereits zum sechsten Mal wird das Ermittlerinnentrio aus Leah, Ruth und Betty auf einen Fall losgelassen, doch inzwischen haben die drei Ladys jede Menge tatkräftige Hilfe bekommen. Außer Leahs Partner Harvey steht nun auch der einst so gefürchtete Inspector Rodney Dowling an ihrer Seite. Ich fand es wirklich schön, die Fortentwicklung des Verhältnisses der Akteure untereinander im Verlauf aller sechs Bände mitzuverfolgen. Vor allem weil die Charaktere die Chance bekommen, sich weiterzuentwickeln.

Ich muss gestehen, dass mir dieser Teil tatsächlich am besten von allen gefiel. Er war schön erzählt, das Setting in der Eislaufszene fand ich richtig spannend, die Charaktere interessant und den Fall überzeugend. Auch der Humor war wohldosiert und Leahs Wellensittiche hatten wieder einige lustige Auftritte. Hier stimmte für mich die ganze Linie vom Auftakt bis zur Auflösung, so dass es einfach nur purer Lese- und Mitrategenuss war.

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Veröffentlicht am 13.02.2026

Was mache ich, wenn du nicht mehr da bist?

Ich möchte zurückgehen in der Zeit
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Nur 156 Seiten umfasst Judith Hermanns neuer Roman, und doch habe ich über eine Woche daran gelesen. Mir die einzelnen Abschnitte wie feinste Häppchen auf der Zunge zergehen lassen, auf harten Wahrheiten ...

Nur 156 Seiten umfasst Judith Hermanns neuer Roman, und doch habe ich über eine Woche daran gelesen. Mir die einzelnen Abschnitte wie feinste Häppchen auf der Zunge zergehen lassen, auf harten Wahrheiten gekaut und so manche kluge Formulierung geschluckt.

Seit vielen Jahren lese ich Judith Hermann, war schon bei ihrem Debüt „Sommerhaus, später“ 1998 verzaubert von ihrer einzigartigen Stimme. Beim Lesen ihrer aktuellen Erzählung kam mir der Gedanke, dass ich sie wohl als Autorin erkannt hätte, auch wenn das Buch ohne ihren Namen dahergekommen wäre. Es ist die besondere Sprachführung, aber es sind auch ihre besonderen Gedanken und Motive, die immer wieder auftauchen. Daher war der Text wie ein vertrauter Sessel, auf dem ich schon zuvor wohlige Lesestunden mit klugen Gedanken eingeatmet habe.

Gar so wohlig wird es aber gar nicht, sondern durchaus unbequem. Denn Judith Hermann reist ins polnische Radom auf den Spuren der Geschichte ihres Großvaters. Und so ist es zwar eine zutiefst persönliche Reise, auf die sie uns mitnimmt, und zugleich doch ein gesellschaftliches Thema, das uns alle in irgendeiner Form berührt und betrifft. Es geht um das Verdrängen der Vergangenheit und die Frage, ob man sich hinter scheinbarer Unwissenheit verstecken darf. Um die Strukturen und ungeschriebenen Regeln. Und es geht um Orte, die heute noch den Geist der Geschichte atmen, auch wenn man ganz leise sein muss, um ihn zu hören.

Ein wichtiges Buch, das gerade noch zur rechten Zeit kommt, solange Fragen noch gestellt werden können, auch wenn es nicht immer Antworten gibt. Und zugleich eine intensive Lektüre mit Sätzen, die im Kopf ein eigenwilliges Eigenleben entwickeln.

Ganz große Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 09.02.2026

Roadtrip nach Wales

Im Meer der Himmel
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Manchmal lösen Bücher ganz wunderbare Erinnerungen beim Lesen aus. So erging es mir mit dieser schönen Geschichte aus der Feder der lieben Helen M. Sand. Von Beginn an habe ich so viel Vertrautes in diesem ...

Manchmal lösen Bücher ganz wunderbare Erinnerungen beim Lesen aus. So erging es mir mit dieser schönen Geschichte aus der Feder der lieben Helen M. Sand. Von Beginn an habe ich so viel Vertrautes in diesem Roman gefunden, der von der Reise zweier Freundinnen nach Wales erzählt.

Genau genommen werden Zoe und Lily erst auf ihrem gemeinsamen Roadtrip zu wahren Freundinnen und von den Erlebnissen zusammengeschweißt. Sie begeben sich auf Spurensuche in der Heimat von Lilys verstorbener Mutter und treffen dabei ganz unerwartet Menschen, die in ihr Leben treten und dieses bereichern. Gleichzeitig stehen sie aber auch gemeinsam dramatische Ereignisse durch. Gehalten werden sie durch das tiefe Gefühl, von Engeln begleitet zu werden, das immer wieder aufflammt.

Mit Wales habe ich mich immer eng verbunden gefühlt, hatte als Jugendliche eine Freundin dort, die ich auch länger besucht habe. Und hier kommt der Brückenschlag zu meiner jetzigen Heimat in der Pfalz, denn in beiden Gegenden sind die Rotmilane beheimatet, die im Roman eine so wichtige Rolle spielen. Und auch von weiteren Aufenthalten dort kenne ich viele Kleinigkeiten wie das Welsh Rarebit oder Welsh Cakes, die im Roman auftauchen und der Geschichte Leben einhauchen.

Gerne habe ich mich auf diesen Roadtrip entführen lassen und habe verfolgt, wie Lilly und Zoe füreinander da waren in Ängsten und Hoffnung:

„Und wenn es dunkel ist in mir und in der Welt, dann will ich ein Feuerfunke sein und ein Feuer entzünden, an dem ich mich wärmen kann und andere auch.“

Der Roman ist übrigens die Fortsetzung des überwältigend guten Buchs „Im See der Himmel“, kann aber ohne Probleme unabhängig davon gelesen werden. Ich persönlich mochte die Idee sehr, dass hier eine Linie fortgesetzt wird und habe mir auch gerne immer wieder den Stammbaum aus dem ersten Buch zu Rate gezogen.

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Veröffentlicht am 05.02.2026

Als das Nichtwissen ein Segen war

Die Verlorene
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Das Leben zeigt es: Oft liegen Glück und Unglück ganz nah beieinander. Während Laura gerade erfährt, dass sie nach vielen Jahren des Hoffens endlich schwanger ist, landet ihre Großmutter Änne nach einem ...

Das Leben zeigt es: Oft liegen Glück und Unglück ganz nah beieinander. Während Laura gerade erfährt, dass sie nach vielen Jahren des Hoffens endlich schwanger ist, landet ihre Großmutter Änne nach einem tragischen Sturz im Koma.

Plötzlich müssen Laura und ihre Mutter Ellen sich um alles kümmern und alles regeln und stoßen dabei auf Ungereimtheiten, die sie sich nicht erklären können. Während Änne nicht mehr ansprechbar ist, kommen Fragen ans Tageslicht, die niemals gestellt wurden. So bricht Laura zu einer Reise auf. Nach Schlesien. In eine Vergangenheit, die niemals aufgedeckt werden sollte.

Das Zusammenspiel der Generationen von Frauen war faszinierend zu betrachten in all den feinen Nuancen und Spiegelungen. Überhaupt packte mich die Erzählung von Beginn an, denn es mag eine persönliche Geschichte sein, doch diese steht exemplarisch für ein kollektives Erleben ganz vieler. Letztendlich müssen wir alle uns doch die Frage stellen, was unsere Großeltern uns vielleicht nie erzählt haben und warum.

Zur tiefen Wirkung des Romans trägt dessen wunderbar kluger Aufbau bei. Die Autorin versteht es meisterhaft, Fragen aufzuwerfen und zum genau richtigen Zeitpunkt zu beantworten. Manche Motive wie zwei besondere Porzellanpferde ziehen sich durch die gesamte Erzählung und werden zum bedeutenden Symbol. Dazu wirken die Charaktere plastisch und authentisch. Ständige Perspektivwechsel ermöglichen uns, sich in wirklich jede Figur hineinzufühlen, ihre Gefühle und Motivationen vollständig zu erfassen. Dadurch konnte ich tief ins Geschehen eintauchen und wurde emotional dermaßen eingebunden, dass ich mitgelitten und es mich bei manchen Passagen beinahe innerlich zerrissen hätte.
Eine Geschichte über Wissen und Nichtwissen und die Frage, welche Geschichte erzählt werden soll. Vor allem aber ein wichtiges Stück Historie, das auf zutiefst emotionale und packende Weise vermittelt wird.

Ganz große Leseempfehlung für diesen wertvollen Roman.

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