Wenn Begeisterung zur Lebensform wird
Die EnthusiastenWas für ein Ritt. Ein Roman, der so tut, als hätte er drei Espressi zu viel getrunken – und genau deshalb unfassbar lebendig ist.
„Die Enthusiasten“ von Markus Orths, erschienen bei Galiani Berlin (Kiepenheuer ...
Was für ein Ritt. Ein Roman, der so tut, als hätte er drei Espressi zu viel getrunken – und genau deshalb unfassbar lebendig ist.
„Die Enthusiasten“ von Markus Orths, erschienen bei Galiani Berlin (Kiepenheuer & Witsch), ist kein Buch, das man mal eben so wegliest. Es ist ein erzählerisches Feuerwerk, das ständig Funken schlägt. Da hängen Bücherplateaus von der Decke, da jagt ein Sterne-Fan dem angeblichen zehnten Band von „Tristram Shandy“ hinterher, als hinge das Seelenheil daran, und irgendwo tief unter der Erde lauscht eine Teilchenforscherin der Dunklen Materie. Klingt verrückt? Ist es auch. Und genau das macht so einen Spaß.
Diese Familie ist ein Kosmos für sich. Drei Geschwister, verbunden durch Liebe und Verlust, eine Mutter, die so sehr in Büchern lebt, dass sie irgendwann selbst zur Legende wird, und ein Vater, der nur auf Fragen antwortet, die noch nie gestellt wurden. Man liest das und denkt: Das ist komplett drüber. Und gleichzeitig trifft es mitten ins Herz.
Orths lotet die Grenzen des Erzählens aus, spielt, übertreibt, stapelt Ideen übereinander wie Bücher auf einem wackeligen Tisch – und trotzdem fällt nichts um. Hinter all dem literarischen Wahnsinn steckt eine zarte Geschichte über Familie, Begeisterung, Verlust und diese brennende Liebe zur Kunst, die manchmal alles verschlingt.
Manchmal musste ich kurz Luft holen, weil der Roman so viel will. Aber genau dieses Wollen, dieses hemmungslose Draufloserzählen, macht ihn besonders. Kein glattgebügelter Wohlfühlroman, sondern ein wildes, kluges, mutiges Stück Literatur.
Ein Buch für alle, die Geschichten nicht nur lesen, sondern feiern.