Profilbild von sursulapitschi

sursulapitschi

Lesejury Star
offline

sursulapitschi ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit sursulapitschi über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 17.02.2026

Ein ganz besonderes Buch

Die Namen
2

Dieses Buch kommt auf meine Liste für ganz besonderen Bücher. Es hat schlicht alles, was ein tolles Buch braucht.

Es erzählt eine Familiengeschichte in Variationen. Cora und Gordon sind verheiratet, aber ...

Dieses Buch kommt auf meine Liste für ganz besonderen Bücher. Es hat schlicht alles, was ein tolles Buch braucht.

Es erzählt eine Familiengeschichte in Variationen. Cora und Gordon sind verheiratet, aber nicht glücklich. Gordon hat zwei Gesichter, nach außen ist er Arzt, angesehen, beliebt, hilfsbereit, zu Hause unterdrückt und quält er seine Frau, wo er nur kann. Zarte Gemüter sollten das Buch lieber nicht lesen.

Als Cora den Namen ihres frisch geborenen Sohns beim Standesamt angeben soll, sträubt sich alles in ihr, der Familientradition zu folgen und den Stammhalter nach dem Vater zu benennen. Kann man glücklich werden, wenn man Gordon heißt und auch noch Gordon zum Vater hat? Julian würde ihr viel besser gefallen, ihre kleine Tochter Maia schlägt vor, ihn Baer zu nennen.

Gordon, Julian oder Baer, was wäre wenn? In Schritten von immer 7 Jahren spielt Florence Knapp das durch und schafft es, immer wieder zu überraschen.

Das Buch ist unglaublich intensiv und hat Sogwirkung von der ersten Seite an. Jeder einzelne dieser Lebensentwürfe wird liebevoll ausgestaltet und durchdacht. Die Figuren sind lebendig und es ist faszinierend, wie unterschiedlich diese Leben verlaufen, die alle die gleichen Startvoraussetzungen hatten. Der jeweilige Name beeinflusst nicht nur die Geschichte eines Jungen, auch Mutter, Vater, Schwester, sogar die Großeltern werden mitgezogen, Freundschaften verlaufen anders, Liebschaften finden statt oder auch nicht. Und tatsächlich ist jede Version der Geschichte fesselnd, sie haben alle was und sind alle immer wieder unerwartet. Es ist fordernde Lektüre, aber sie macht Spaß, berührt und bereichert, ist zauberhaft, dramatisch, schockierend und auch spannend.

Der Erzählstil ist grandios, fein, klug und originell, voller sprechender Bilder. Florence Knapp beobachtet genau, seziert einen Charakter im Nebensatz, liebevoll, treffend und pointiert.

Ich bin begeistert und habe ein neues Lieblingsbuch gefunden.

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Themen
Veröffentlicht am 14.02.2026

Spannend und originell

Das Signal
0

Dies Buch fängt schon an wie ein übler Alptraum. Viola wacht im Krankenhaus auf und weiß nicht, was ihr passiert ist. Sie hat ein Bein verloren und gebrochene Rippen, aber sie lebt immerhin.

Als sie wieder ...

Dies Buch fängt schon an wie ein übler Alptraum. Viola wacht im Krankenhaus auf und weiß nicht, was ihr passiert ist. Sie hat ein Bein verloren und gebrochene Rippen, aber sie lebt immerhin.

Als sie wieder zuhause ist, muss sie ihr Leben neu gestalten. Mit einem Bein ist alles anders. Noch dazu hat ihr Mann ihr eine Pflegerin besorgt, die sich mehr wie eine Wächterin benimmt. Viola wird auf Schritt und Tritt überwacht und ihr Mann benimmt sich seltsam. Was ist bloß los? Sie verteilt gezielt GPS Tracker um herauszufinden, was sie so tun, die Menschen um sie herum, die behaupten, nur ihr Bestes zu wollen.

Ich wollte eigentlich nur mal kurz in das Buch reinhören, dann konnte ich es aber nicht mehr weglegen. Man wird zusammen mit Viola hineingezogen in eine originelle Geschichte, die immer finsterer wird. Da ist eine Frau mit Handicap, die sich nicht unterkriegen lässt, finstere Gestalten, unerwartete Helfer, einige Überraschungen, gegen Ende sogar ein ganzer Packen davon.

Das neue Buch von Ursula Poznanski ist ein spannender Pageturner, eine ganz neue Geschichte mit einigem Thrill, originellen Ideen und Frauenpower, allerbeste Unterhaltung.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 11.02.2026

Kurz, eindrucksvoll und pure Poesie

Der letzte Sommer der Tauben
0

Eigentlich ist dieses Buch eine beklemmende Momentaufnahme. Ein islamistisches Regime übernimmt die Macht. Noah und seine Familie müssen sich anpassen. Wo genau das passiert, wird nicht konkretisiert. ...

Eigentlich ist dieses Buch eine beklemmende Momentaufnahme. Ein islamistisches Regime übernimmt die Macht. Noah und seine Familie müssen sich anpassen. Wo genau das passiert, wird nicht konkretisiert. Leider fallen einem viele mögliche Schauplätze für exakt so ein Szenario ein.

Noah ist vierzehn und versucht zu verstehen, was um ihn herum geschieht. Plötzlich gelten andere Spielregeln. Das neue Regime versteht keinen Spaß und ein „Das war nicht so gemeint“ kann man sich schenken. Ein falsches Wort und du kommst ins „Ferienlager“, das ist seinem Freund Rasul passiert. Von seinem alten Leben sind ihm nur noch die Tauben geblieben, Noah züchtet sie und liebt jede von ihnen. Aber selbst Tauben sind dem Regime irgendwann ein Dorn im Auge. Überall flattern sie herum, sehen alles, man muss ihnen die Flügel stutzen. „Tauben werden die neuen Hühner des Kalifats“

Ich hätte nie gedacht, welche Symbolkraft Tauben haben können. Sie ziehen als poetisches Stilmittel durch dieses Buch sind allgegenwärtig, friedlich, beständig, liebevoll, und bieten trotzdem Zündstoff. Die Kapitel sind kurz und haben sprechende Überschriften. Sie wirken fast wie Gedichte. „Acht Quadratmeter Angst“, da mag man fast nicht weiterlesen, so beklemmend ist es.

Dieses Buch ist kurz, eindrucksvoll und pure Poesie. Es vermittelt kunstvoll Trauer, Abschied und Verzweiflung, wirkt wie ein Abgesang an ein Leben, das sich grundlegend geändert hat.

Ich bin beeindruckt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 22.01.2026

Jeder, der die Welt retten will, sollte dieses Buch lesen

Hoffnung für Verzweifelte
0

Wir stecken mitten in einem selbstverschuldeten Klimawandel, der nicht mehr aufzuhalten ist, denken viele, eigentlich alle, oder? Dr. Hannah Ritchie erforscht ihn, untersucht alle Aspekte und sieht nicht ...

Wir stecken mitten in einem selbstverschuldeten Klimawandel, der nicht mehr aufzuhalten ist, denken viele, eigentlich alle, oder? Dr. Hannah Ritchie erforscht ihn, untersucht alle Aspekte und sieht nicht ganz so schwarz, das ist erstaunlich. Sie behauptet sogar, wir können die Erde noch retten, wir müssen nur den Fokus auf die richtigen Maßnahmen lenken.

Erst einmal sagt sie, wir sehen die Situation generell viel zu schwarz, weil schlechte Nachrichten die besseren Schlagzeilen bringen und weil Prognosen nicht berücksichtigen, dass man Maßnahmen ergreift. Ich habe im Kopf, dass die Wälder durch sauren Regen sterben und dass man wegen des Ozonlochs nicht in die Sonne gehen sollte. Dass das längst nicht mehr so ist, weil die Welt was dagegen getan hat, ist nicht bei mir angekommen.

Dann untersucht sie jeden einzelnen Punkt, der das Klima schädigt, berechnet den Wirkungsgrad und kommt zu erstaunlichen Ergebnissen. Beispielsweise ist Plastik nicht grundsätzlich zu verdammen. Es ist sinnvoller, Nahrungsmittel durch Plastikverpackungen länger haltbar zu machen, als dass man sie herstellt und sie schnell vergammeln oder mit Konservierungsmitteln versetzt werden. Das leuchtet ein.

Palmöl ist ein sehr ergiebiges Öl, das platzsparend erzeugt werden kann. Für Sojaöl muss sehr viel mehr Regenwald sterben. Wir könnten Anbauflächen für Ölherstellung sparen, wenn wir Öl nur als Nahrungsmittel benutzen und nicht für Biokraftsoff. Guck an!

Wenn wir wirklich etwas für die Umwelt tun wollen sagt sie, sollten wir unseren Fleischkonsum überdenken. Dabei muss nicht jeder Vegetarier werden, aber es würde schon helfen, auf Rind- und Lammfleisch zu verzichten. Mal ehrlich, das ist nicht schwer.

All solche Dinge rechnet sie uns vor, vergleicht, entlarvt Umweltmythen und gibt Ratschläge. Jeder, der die Welt retten will, sollte dieses Buch lesen!

Hannah Ritchie macht uns tatsächlich Hoffnung, was die Klimakrise angeht. Was sie nicht berücksichtigt ist die Zerstörung, die sinnlose Kriege bewirken und wie umweltschädigend irre Diktatoren agieren. Das stand wohl 2024, als sie das Buch geschrieben hat, noch nicht so zentral im Fokus. Und das sind auch Faktoren, die man weder untersuchen noch berechnen kann.

Sie hat gerade ein neues Buch geschrieben, indem sie Tipps gibt, wie man mit Klimaskeptikern umgehen kann. Das lese ich als Nächstes!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 20.01.2026

Buch mit Sogwirkung und viel Inhalt

Real Americans
0

Die Rezension zu diesem Buch habe ich ein bisschen vor mir hergeschoben. Es ist ein fesselndes Buch mit Sogwirkung, aber das Geschehen lässt sich schwer auf den Punkt bringen. Vielleicht hat es mehrere ...

Die Rezension zu diesem Buch habe ich ein bisschen vor mir hergeschoben. Es ist ein fesselndes Buch mit Sogwirkung, aber das Geschehen lässt sich schwer auf den Punkt bringen. Vielleicht hat es mehrere Punkte, vielleicht fehlt mir das Etikett?

Es erzählt die Geschichte einer chinesischen Familie, nur nicht chronologisch. Es beginnt mit der märchenhaften Liebesgeschichte von Lily Chen und Matthew Maier 1999, die ein durch und durch ungleiches Paar sind. Matthew ist Sohn einer reichen Familie, die ein Pharmaunternehmen betreibt und Lily ist Tochter chinesischer Einwanderer, die nie auf Rosen gebettet waren. Wir bekommen ein bisschen Cinderella in China Town, armes Mädchen trifft Traumprinz, der die Familiendynastie weiterführen soll, aber lieber ein echtes Leben ohne Privilegien und Milliarden hätte. Nur ist Cinderella auch noch Chinesin. Also, was will er, der Prinz? Eine exotische Freundin, um seinen Vater zu ärgern oder ist da wirklich mehr?

Dann erzählt Lilys Sohn Nick aus seinem Leben. Er hatte eine sehr behütete Kindheit, lebte allein mit seiner Mutter auf einer abgelegenen Insel, wer sein Vater ist, wusste er lange nicht. Und als Erwachsener trifft er tatsächlich zum ersten Mal seine Großmutter und erfährt deren Geschichte. May Chen hat die Kulturrevolution in China durchlebt, ist geflohen und wurde später Wissenschaftlerin bei einem großen Pharmaunternehmen. Da schließt sich dann der Kreis, ein Kreis, der Schicksale verknüpft und voller Rätsel ist.

Am Ende habe ich das Gefühl, ich weiß deutlich mehr aber längst nicht alles. Ich habe eine ungewöhnliche Familiengeschichte gelesen, mehrere Liebesgeschichten, ich habe die chinesische Kulturrevolution plastisch miterlebt und ich habe erfahren, wie man sich als Chinese in Amerika fühlt. Ich denke über Wurzeln nach und was einen prägt, Familienbande, Vererbung, Tradition, kann man daran etwas ändern oder ist das Bestimmung? Und wie gut fährt man damit, Wurzeln radikal zu kappen?

„Real Americans“ ist ein fesselndes Buch mit sehr viel Inhalt. Mir fehlt ein kleiner Kick Irgendwas, um ganz begeistert zu sein, aber selbst darauf kann ich nicht den Finger legen. Das Buch bekommt von mir 4,5 Sterne, die ich gerne aufrunde.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere