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Veröffentlicht am 30.03.2026

Zusammengebogenes Ende

Kiss of the Broken – Seine Liebe ist ihre Verdammnis
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Mit „Kiss of the Broken“ endet schon wieder die Romantasy-Reihe von Julia Pauss, die ich im vergangenen Herbst entdeckt habe. Da ich die männliche Hörbuchstimme für Ren nicht so passend fand, habe ich ...

Mit „Kiss of the Broken“ endet schon wieder die Romantasy-Reihe von Julia Pauss, die ich im vergangenen Herbst entdeckt habe. Da ich die männliche Hörbuchstimme für Ren nicht so passend fand, habe ich diesmal zur Buchausgabe gegriffen. Es war ungewöhnlich, ein paar der Namen ausgeschrieben zu sehen, dafür hatte ich aber noch viel vom Inhalt präsent, sodass ich schnell in einen Lesefluss gekommen bin. Wie war der Abschluss?

Abgesehen von der Hörbuchstimme war für mich die größte Kritik an Band 1 das World Building, das ich als sehr knapp empfunden habe, weil wir uns nur in Lethia befinden und weil klar ist, dass darüber hinaus noch viel in der Fantasywelt los sein muss. Das wird hier natürlich etwas aufgefangen, weil wir mit den Enthüllungen rund um Scar/Ophelia in eine andere Welt eintauchen: Tenebria. Es ist dann eher die Fantasy-typische Welt, weil es nicht die Menschenwelt ist, sondern die der Dämonen. Es war hier auch doppelt clever, dass ich zum Buch gegriffen habe, denn es gibt ein Glossar und so konnte ich die verschiedenen Wesen besser sortieren. Gleichzeitig muss man aber auch wieder sagen, dass wir nicht übertrieben intensiv in diese Welt eintauchen. Diesmal haben wir das Geschehen zweigeteilt, weil Ren und Scar lange getrennt voneinander sind. Während wir bei ihm also auf altbekannte Figuren vertrauen können, gäbe es bei Scar wesentlich mehr zu entdecken, aber es war doch eher wenig. Neben Aurelian, der in Band 1 schon seinen Auftritt hatte und nun natürlich mehr beleuchtet werden kann, haben wir dann Evadne und Nymara, die für mich rausgestochen haben, aber das ist für eine neue Welt doch eigentlich wenig.

Ich habe auch unweigerlich gemerkt, dass ich mich mit Lethia mehr identifiziert habe, obwohl es dort ebenso Vorurteile wie auf der anderen Seite gibt. Aber wir haben eben einen vollen ersten Band in Lethia und da ist was entstanden, was Tenebria hier nicht auffangen kann, aber ich hatte auch nicht den Eindruck, dass Pauss das überhaupt wollte. Ein großer Teil des Geschehens spielt dann auch in der Schattenwelt und ich muss gestehen, dass ich hier nicht immer inhaltlich folgen konnte, was wie möglich ist. Weiterhin ist mir immer mehr aufgefallen, dass die Autorin es sich einfach macht. Immer mehr Sachen gingen zu einfach. Zwar wurde Leerlauf so vermieden, aber gleichzeitig fühlte es sich auch immer mehr zurechtgebogen an. Vor allem weil irgendwann klar war, wie Pauss die Dilogie beenden will. Bei verfeindeten Reichen ist das immer schwierig, denn wir müssen nur in unsere aktuelle Welt blicken, da ist auch keine Diplomatie zu entdecken. Also klar, es war eine Aufgabe, aber herschenken muss man es deswegen noch lange nicht.

Bleiben wir aber zuvor noch bei einem positiven Aspekt. Die gemeinsame Chemie zwischen Scar und Ren hat in Band 1 so gut funktioniert, also war ich gespannt, wie es mit der Enthüllung zwischen ihnen steht. Es gibt natürlich viel verbrannte Erde, aber man hat dennoch gemerkt, wie viel sich zwischen ihnen entwickelt hat, sodass Missverständnisse gut ausgeräumt werden konnte. Und wenn sie beieinander waren, da war da viel Innigkeit, auch Necken war drin, aber es fühlte sich ehrlich tief an, ohne aber den Inhalt des Buchs zu bestimmen. Doch ich muss auch sagen, dass Scar mich im letzten Viertel doch sehr verloren hat. Ich verstehe, dass sie wegen ihrer Geschichte nur wenig Verantwortung empfinden wollte, aber dadurch wirkte sie umgekehrt so egoistisch. Dass ihr das nicht mehr zum Verhängnis geworden ist, lag dann nur an dem einfach gestrickten Ende, denn für sie ging alles gut aus, obwohl sie das Schicksal eigentlich gar nicht wollte.

Fazit: Julia Pauss hat mit „Kiss of the Broken” für mich klar nachgelassen. Obwohl wir eine zweite Welt hätten kennenlernen können, kam da wenig. Auch wenn die Chemie des zentralen Paares stimmt, aber irgendwann war sehr offensichtlich, dass es sich die Autorin zu einfach gemacht hat, um einen Abschluss zu finden. Es über die Ziellinie zu schaffen, ist die allergrößte und schwierigste Aufgabe und die hätte ich mir hier größer erhofft und gewünscht.

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Veröffentlicht am 27.03.2026

Qualitative Zweiteilung

The Night We Met
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Nachdem zuletzt vor allem Neuauflagen von Abby Jimenez den Buchmarkt überschwemmt haben, gibt es mit „The Night We Met“ tatsächlich aktuellen Nachschub und ich fand es im Nachwort dann sehr interessant, ...

Nachdem zuletzt vor allem Neuauflagen von Abby Jimenez den Buchmarkt überschwemmt haben, gibt es mit „The Night We Met“ tatsächlich aktuellen Nachschub und ich fand es im Nachwort dann sehr interessant, dass das Buch ursprünglich vor „Say You’ll Remember Me“ erscheinen sollte. Ja, das sind so die kleinen, ehrlichen Infos, die eine Autorin dann auch sehr nahbar machen, denn nicht jedes Buch geht so leicht von der Hand, wie man es sich wünschen würde. Aber auch Bücher, an denen man lange sitzt, können echte Herzensprojekte werden, wie ist es bei „The Night We Met“?

Ich muss sagen, dass „The Night We Met” für mich sehr komplex und schwierig gestartet ist, um dann gerade im letzten Viertel aber einen absoluten Sog zu entfalten. Das hat mich schon länger darüber nachdenken lassen, wo es vielleicht für Jimenez gehakt hat und ob ich vielleicht genau die Stellen dann so holprig fand. Wissen werde ich es nicht. Das Erste, was mich aber sehr gestört hat, das ist eigentlich der Titel gepaart mit dem Inhalt. Es ist schon klar, worauf der Titel anspielt, aber im Grunde wird diese Nacht nie wirklich erzählt. Stattdessen bekommen wir nur von beiden Hauptfiguren, Chris und Larissa, erzählt, was da war und wie es gelaufen ist, aber es wird uns nicht als die bedeutungsvolle Nacht inszeniert, wie es der Titel hätte vermuten lassen. Die Nacht war bedeutungsvoll, denn ja, sie hat die Geschichte völlig verändert und für beide genannte Figuren etwas entstehen lassen, was sie sich in der folgenden Zeit gerne anders gewünscht hätten, aber genau deswegen wäre ich in dieser Nacht gerne intensiv dabei gewesen.

Das Zweite, was mich doch arg genervt hat, das ist definitiv der Hund. Es passiert extrem selten, dass ich in Literatur dargestellte Tiere nicht leiden kann, aber hier war es soweit. Ich fand diesen Hund viel zu extrem, ich fand die beschriebenen Szenen zu ihm und seiner Art oft regelrecht ekelhaft und wie die Figuren dann auch noch entspannt und mit Lachen darauf reagiert haben, nein, das fand ich nicht schön. Ja, es ist alles Natur, aber im domestizierten Bereich kann es doch anders laufen. Und ich muss einfach sagen, dass solche Szenen für mich nicht in ein solches Buch passen. Anderes Genre und ich hätte es wohl anders aufgenommen. Dann ist für die Contra-Seite noch zu nennen, dass es einige sehr seltsame Figuren in diesem Buch gibt und es sind wieder mal zwei Mutterrollen. Also man kann echt zur Annahme kommen, dass Jimenez ein Mutterkomplex hat, weil bei ihr viele Mütter sehr extrem und seltsam sind. Hier waren es dann vor allem Larissas Mutter und die von Mike. Letztere hatte eine doch sehr kleine Rolle, aber ich habe mir sie weit weg gewünscht. Larissas Mutter wiederum war für mich irgendwo zwischen Wärme und Wahnsinn. Sie ist sehr wichtig für Larissa und wie sie Beziehungen für sich definiert, aber die Frau war manchmal so furchtbar ichbezogen, nur um dann doch wieder sinnvolle Einschätzungen abzugeben. Aber das waren alles zusammengenommen Faktoren, die mich doch lange nicht so richtig haben einsteigen lassen, vor allem auf der emotionalen Ebene nicht.

Mit der Liebesgeschichte sind wir im Freundeskreis von Xavier und Chris, Mike und Jesse sowie Becca haben wir natürlich schon kennengelernt. Da es in „Say You’ll Remember Me“ aber viel in Kalifornien spielte, war es jetzt cool, diese Freundesgruppe besser kennenzulernen. Mike ist da sicherlich der, der die komplexeste Charakterentwicklung bekommt. Ich fand das stark, weil er beispielsweise im Gegensatz zu Larissas Mutter mehr Profil hatte. Ich habe ihn oft weggewünscht und verurteilt, aber er war so dominant in der Handlung, dass ich sehr viel zu ihm gelernt habe. Zudem ist er existentiell wichtig dafür, wie sich die Liebesgeschichte von Larissa und Chris entwickelt. Wäre er nur eine von beiden Seiten gewesen, dann hätte ich das Buch an die Wand gepfeffert, aber so war er sehr entscheidend, dass ich am Ende Frieden gefunden habe. Denn Bro Code, Girl Code, das ist ein Thema, was man doch eher selten liest, weil man sich daran echt die Finger verbrennen kann. Ich bin auch ein sehr loyaler Mensch, aber ich bin auch oft bei dem Motto dabei „was das Herz will, das will es“. Die Balance dazwischen wurde hier anschaulich erzählt und zum Glück war die Chemie von Larissa und Chris auch so stark, denn ich wollte den Erhalt der Freundesgruppe genauso wie das Happyend für die beiden. Dementsprechend war irgendwann der Sog da, denn ich musste unbedingt wissen, wie Jimenez das löst und sie hat es gut gelöst.

Fazit: „The Night We Met“ hat für mich zwei Gesichter. Gerade am Anfang habe ich an ungewöhnlichen Stellen eingehakt. Einiges war falsch gewichtet, ein Tier hat mich in den Wahnsinn getrieben und auch sonst gab es zu viele unsympathische Zeitgenossen. Aber letztlich waren es die Thematik, die sensible Art von Jimenez und die Chemie zwischen Chris und Larissa, die mich doch mitgerissen haben.

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Veröffentlicht am 09.03.2026

Komponenten passen nicht zueinander

Falling for No. 89
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Nachdem ich bei der Reihe von Alicia Sommer erst sehr spät aufgesprungen bin, habe ich den zweiten Band, „Falling For NO. 89“, sehr schnell nachgezogen und habe mich wieder an das Hörbuch gegeben. Da kann ...

Nachdem ich bei der Reihe von Alicia Sommer erst sehr spät aufgesprungen bin, habe ich den zweiten Band, „Falling For NO. 89“, sehr schnell nachgezogen und habe mich wieder an das Hörbuch gegeben. Da kann ich sagen, dass mir die weibliche Stimme, Anna Döing, nicht zugesagt hat. Auch wenn ich Protagonistin Shaila als zart wahrgenommen hat, aber ich fand, dass die Stimme das zu übertrieben aufgefangen hat. Ich konnte mich in dem Hörbuch auf jeden Fall nicht verlieren und glaube auch, dass die Stimme zusätzlich einen Beitrag zu dem geleistet hat, was ich dann inhaltlich kritisieren würde.

Mir hatte an dem ersten Band so gut gefallen, dass Sommer sich im Bereich der Sports Romance mit Randthemen beschäftigt, indem in Band 1 die Protagonistin es als Coach schaffen will oder wie hier in Band 2, dass mit Kayce das Thema mentale Gesundheit im Profisport aufgegriffen wird. Das lasse ich auch hier gerne als fetten Bonus stehen, denn Kayces Situation ist mit allen Ausflüchten, mit allen Rückschlägen und auch mit den Hochs überzeugend dargestellt worden. Da gerade die olympischen Spiele wieder mal über die Bühne gegangen sind, wo dieses Thema auch immer wieder sehr präsent ist, fand ich es sehr passend und anschlussfähig und habe deswegen auch gedacht, dass es sehr realistisch rüberkam. Wie Kayce sich fühlt, wie andere darauf reagieren und was die Konsequenzen daraus sind.

Aber Kayces Geschichte hat nichts daran geändert, dass ich ihn als Figur leider nicht wirklich mochte. Damit hatte ich vorab nicht gerechnet, da er in Band 1 schließlich auch schon eine Rolle spielte und ich ihn dort als sehr offen und unterstützend für seine Teamkameraden empfunden habe. Das Buch nun durch seine Perspektive zu verfolgen hat, hat zwangsweise mehr Profil möglich gemacht, aber es waren mir zu viele Ecken und Kanten, vor allem dann auch rückblickend, wenn ich am Ende weiß, was ihn aus seiner Heimatstadt Ojai vertrieben hat, dann ist das Bild für mich einfach nicht rund. Es ist für mich einfach unlogisch, dass über die ganzen Jahre nach seiner Flucht da nie Begegnungen erzwungen wurde. Für mich wirkt der Grund, warum Shaila über ihren Schatten springt und für die LA Vipers spielt, total konstruiert und unrealistisch. Und wenn man die Auflösung kennt, dann verhält er sich oft genug wie ein kompletter Idiot, gerade im Hinblick darauf, dass wir in Rückblenden einen sehr empathischen Kayce erleben, der Shaila immer besser als alle anderen verstanden hat. Davon ist in der Gegenwart nicht viel übrig und gerade weil Sheila sehr schüchtern und unerfahren ist, wirkt es sehr hart, wie er manchmal denkt und agiert.

Das war dann auch die Diskrepanz, wo die gewählte Stimme für Shaila, besonders auffiel, denn sie klang immer so hilflos, obwohl die Figur durchaus ihren Weg finden wollte. Aber die Stimme hat mein Empfinden zu ihr sehr stark beeinflusst. Dennoch hatte ich den Blick offen dafür, dass sie sich sehr entwickelt hat. Gleichzeitig geht ihre Entwicklung nicht ohne Kayce, weil sie ihm durchgängig verfallen ist. Da hätte ich mir einfach mehr Resilienz an manchen Stellen gewünscht, damit Kayce mal sein Fett wegbekommt. Stattdessen wirkte sie eher hörig und hat dann nur bei gemeinsamen Aktivitäten immer mehr Mut gefunden. All das nun im Rahmen von mentaler Gesundheit macht es noch schwieriger, weil es unweigerlich zu dem Thema führt, wann jemand krank ist, ob man dadurch Verhaltensweisen entschuldigen kann oder will. In Band 1 hätte ich mir gerne von allem etwas mehr gewünscht, hier hätte ich mir eher einen konkreten Austausch von einzelnen Elementen gewünscht, um die Charaktere mehr feiern zu können und dem Thema mentale Gesundheit eine stärkere Plattform geben zu können.

Fazit: „Falling for NO. 89“ hat für mich leider den guten Eindruck des Auftakts der LA Vipers nicht bestätigen können. Ich fand die einzelnen Komponenten nicht ideal gewählt, sodass das von Sommer so wichtig gewählte Thema der mentalen Gesundheit einen Beigeschmack bekommen hat. Ich bin leider nicht verliebt gewesen.

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Veröffentlicht am 03.03.2026

Klappentext beeinflusst

This Story Might Save Your Life
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An der Coverfarbgebung von „This Story Might Save Your Life” vorbeizukommen, das war ein Ding der Unmöglichkeit. Es sah einfach leuchtend aus und wenn das schon geschafft ist, dann ist der Klappentext ...

An der Coverfarbgebung von „This Story Might Save Your Life” vorbeizukommen, das war ein Ding der Unmöglichkeit. Es sah einfach leuchtend aus und wenn das schon geschafft ist, dann ist der Klappentext nicht fern und im Nachhinein muss ich sagen, dass ich ihn mal besser nicht gelesen hätte, weil ich finde ihn nicht geschickt gewählt, was ich in meiner folgenden Rezension etwas näher ergründe.

In dem Genre des Buchs habe ich in den letzten drei Jahren wirklich viel gelesen und dass ich immer noch dazu greife, zeigt, dass ich es gerne lese, auch wenn schon fast logisch nicht alle Bücher die gleiche Qualität habe. Umso reizvoller sind dann neue Autoren, wie nun Tiffany Crum. Denn wenn man den Stil von Autoren kennt, dann wird es schon mal vorhersehbar, weswegen ich auch schon ewig nichts mehr Sebastian Fitzek gelesen habe. Jetzt war aber Crum dran, die im Gepäck auch viele sehr Modernes hat. Die besten Freunde Joy und Benny haben zusammen einen Podcast, der ihnen den Durchbruch beschert hat, sodass sie keine Unbekannten mehr sind. Zudem arbeitet die Autorin sehr geschickt mit verschiedenen Perspektiven und Zeitebenen. Es ist also ein komplexer Aufbau, den es für solche Geschichten auch braucht, weil man die ganze Zeit Informationen bekommt und sie nur schwer sortieren kann. Dadurch liegen nicht alle Lösungen sofort auf der Hand.

Der Klappentext hat sich nun darauf gestützt, Benny als besten Freund als suspekt zu betrachtende Figur zu inszenieren. Wenn ich nun den gesamten Inhalt kenne, kann ich es irgendwie verstehen, dann aber wiederum gar nicht. Denn die Skepsis ihm gegenüber kommt erst sehr spät in der Geschichte vor, weswegen es sich wie ein ständiges Warten anfühlt, nur um dann im Zeitpunkt der Geschichte sich schon wieder enttäuscht zu fühlen. Ich bin mir echt sicher, dass ich das Buch anders gelesen hätte, wenn es den Klappentext in der Tonart nicht gegeben hätte. Denn so war ich angeleitet, alles zu Benny abzuwägen und zu hinterfragen und habe dadurch einen Fokus gehabt, der wiederum anders verhüllt hat.

Das ist dann letztlich so ärgerlich, weil das Buch von Crum wohl so nicht angelegt war. Ich habe extra auch mal den Original-Klappentext verglichen, der nicht so eindeutig Benny in den Vordergrund schiebt. Dementsprechend werde ich so beeinflusst das Leseerlebnis nicht mehr für mich neu rekreieren können. Wenn ich jetzt den Teil etwas ausblende, dann kann ich aber erkennen, dass Crum gewisse Enthüllungen clever gesetzt hat. Sie hat immer Fragezeichen schwebend im Raum gehalten, sodass es immer ein Ziel für mich als Leserin gab. Ich finde auch, dass die Autorin ein sehr wichtiges Thema einbindet, was für mich durch die Perspektive wie eine Nebenbaustelle wirkte, was aber wohl eher als Zentrum gedacht war. Insgesamt denke ich daher, dass mir das Buch wohl viel besser gefallen hätte, aber ich habe mich zwischendurch zu sehr geärgert und das ist leider nicht einfach auszublenden.

Ich habe das Geschehen durch die Stimmen von Christiane Marx und Richard Barenberg begleitet. Es sind beides Stimmen, die in dem Genre sehr erfahren sind, gleichzeitig habe ich mir die Figuren aber etwas jünger vorgestellt und hätte wohl andere Stimmen gewählt. Dennoch sind beide letztlich zu Joy und Benny geworden.

Fazit: Für mich hat „This Story Might Save Your Life” dank des missglückten Klappentextes leider nicht die Wirkung entfaltet, die vielleicht ohne möglich gewesen wäre. Im Versuch zu verschleiern wurde irregeführt. Bei Thrillern leider einfach sehr schwierig, weil es ein anderes Lesegefühl ist, wenn man nur mit dem eigenen Päckchen an eine Geschichte rangeht. Äußere Einflüsse können dann schon eine Richtung mitgeben, die schadet. Das ist hier passiert, aber ich habe über meinen persönlichen Ärger hinweg doch erahnen können, dass der Thriller zu den guten gehört. Also an alle andere: Nicht den Klappentext lesen!

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Veröffentlicht am 17.02.2026

Wird Stil zu vorhersehbar?

Sophie L.
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Nach „Anna O.“ von Matthew Blake habe ich „Sophie L.“ nun auch kennenlernen wollen. Ich habe den Thriller als Hörbuch gelesen und bin durch die Handlung von den Stimmen von Vera Teltz und Achim Buch geführt ...

Nach „Anna O.“ von Matthew Blake habe ich „Sophie L.“ nun auch kennenlernen wollen. Ich habe den Thriller als Hörbuch gelesen und bin durch die Handlung von den Stimmen von Vera Teltz und Achim Buch geführt worden. Sie habe ich schon öfters gehört und sie war als Stimme von Olivia sehr angenehm. Bei Buch fand ich schade, dass er alle Männerperspektiven übernehmen musst. Es wurde aber immer gleich am Anfang des Kapitels gesagt, wer nun folgt, deswegen war das nicht tragisch, aber ich merke immer mehr, dass ich auch so viele Stimmen wie Perspektiven habe, weil dann auch ein Sprecher oder eine Sprecherin leichter zu einer Figur werden kann.

An „Anna O.“ fand ich die Thematik mit dem Schlafen sehr interessant und ich wurde auch mehrfach überrascht, dementsprechend wollte ich den Stil unbedingt nochmal entdecken. Ich kann jetzt aber schon sagen, dass sich Blake möglicherweise schnell abnutzt. Zwar war das Hörbuch nicht lang, somit war fehlende Kurzweiligkeit nicht das Problem, aber ich fand das Geschehen diesmal sehr vorhersehend und ich fand auch die angerissene Thematik mit vergrabenen Erinnerungen nur unzureichend dargestellt. Ich bin dementsprechend dran geblieben, weil ich wissen wollte, ob meine Theorien stimmten. Ich habe letztlich nicht alle Details erwischt, aber die großen Ideen, da lag ich komplett korrekt mit und das bereits sehr, sehr früh und das ist für einen Thriller immer gefährlich.

Im ersten Buch von Blake ist die wissenschaftliche Seite sehr interessant beleuchtet worden, aber Olivias Berufsfeld ist hier gar nicht ähnlich adäquat aufgegriffen worden. Stellenweise fand ich sogar, dass sie relativ dilettantisch erschien, manche Aspekte zu durchschauen, obwohl sie angeblich Expertin ist. Ich fand Olivia nicht unsympathisch, aber ich fand sie auch nicht sonderlich clever, sondern eher hilflos. Andere Figuren wiederum haben bei mir gar keinen Eindruck hinterlassen. Beim Rest sollte aufgrund der Handlung alles undurchschaubar bleiben und das hilft nicht gerade, um einen emotionalen Anker zu finden.

Mein liebster Teil waren dann tatsächlich die Rückblenden in die Zeit in Paris unmittelbar nach Kriegsende 1945. Das war so ein Kapitel Geschichte, das ich so noch nicht kannte. Das war also sehr interessant. Alles andere blieb wie gesagt vorhersehbar. Was ich nun nicht weiß, war „Sophie L.“ einfach zu vorhersehbar geschrieben, oder ist der Stil und wie man bei Blake um die Ecke denken muss, zu ähnlich wie „Anna O.“? Ich weiß wirklich nicht, ob ich den Autor weiter verfolgen möchte. Wahrscheinlich entscheidet der nächste Klappentext oder Eindrücke von Rezensenten, die ich schätze.

Fazit: „Sophie L.“ war zwar ein kurzweiliges Hörerlebnis, aber nicht wegen der Qualität des Inhalts. Die verschiedenen Baustellen haben neugierig gemacht, aber es gab zu wenig interessante Figuren und die meisten Handlungen am Ende habe ich zu früh gewusst. Da waren also zu wenig Zutaten für einen guten Thriller dabei.

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