Jahreshighlight
Spiegelland❓️Warum wollte ich das Buch lesen?
Mit Stromlinien hat mich Rebekka Frank damals vollkommen überwältigt. Es war mein erstes Buch der Autorin, landete 2025 auf meiner Jahreshighlightsliste und wurde mit ...
❓️Warum wollte ich das Buch lesen?
Mit Stromlinien hat mich Rebekka Frank damals vollkommen überwältigt. Es war mein erstes Buch der Autorin, landete 2025 auf meiner Jahreshighlightsliste und wurde mit meinem persönlichen Prädikat „Lieblingsbuch“ ausgezeichnet. Entsprechend hoch waren meine Erwartungen an Spiegelland, das ohnehin schon lange auf meiner Wunschliste stand.
Als ich gefragt wurde, ob ich es lesen möchte, dachte ich, wenn es auch nur ansatzweise so gut wird wie Stromlinien, bin ich glücklich. Was ich zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht ahnte, wie sehr mich diese Geschichte begeistern und gleichzeitig erschüttern und nachhaltig beschäftigten wird .
🧠 Meine Meinung:
Ich bin wieder einmal vollkommen beeindruckt vom Schreibstil von Rebekka Frank. Schon bei Stromlinien hat mich ihre Sprache gefesselt, aber hier hatte ich das Gefühl, noch tiefer einzutauchen. Atmosphärisch dicht, bildgewaltig und gleichzeitig so feinfühlig erzählt, dass ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte.
Die verschiedenen Zeitebenen, von 2025, 1995 und das 18. Jahrhundert, sind klug miteinander verwoben. Jeder Perspektivwechsel bringt neue Fragen mit sich:
Was genau hat Elias getan?
Warum hat Cato das Haus im Moor geerbt?
Welche Botschaft verbirgt sich im gewebten Wandteppich?
Und vor allem, was geschah 1756, das bis heute Spuren hinterlässt?
Obwohl das Buch über 500 Seiten umfasst, gab es für mich keinen einzigen Moment der Langeweile. Im Gegenteil, der Spannungsbogen zieht sich stetig an, bis sich die Ereignisse in der Vergangenheit dramatisch zuspitzen. Besonders die Kapitel im Jahr 1756 haben mich irgendwann regelrecht atemlos zurückgelassen. Ich wollte unbedingt weiterlesen und hatte gleichzeitig Angst vor dem, was kommen könnte.
Die historischen Passagen zeigen schonungslos, wie hart das Leben im Moor war, geprägt von Witterung, harter körperlicher Arbeit und gesellschaftlichen Zwängen. Das Patriarchat ist nicht nur ein Hintergrundrauschen, sondern ein zentrales Thema, damals wie heute. Die Zeitreise offenbart Entwicklungen, aber auch Beständigkeit. Und genau das macht die Geschichte so wichtig. Wir befinden uns immer noch in einem Lernprozess und Bücher wie dieses halten uns den Spiegel vor.
Meine persönliche Heldin ist Cato. Ihre Stärke, ihre Verletzlichkeit, ihr Mut, sie hat mich tief berührt. Und ich ertappte mich bei dem Gedanken, wie schön es gewesen wäre, hätten Cato und Aletta sich begegnen können. Jede Figur ist so lebendig gezeichnet, dass sie weit über die Seiten hinaus nachwirkt.
Der Wechsel zwischen den Zeitebenen ist so klug gesetzt, dass ich mich in jeder einzelnen zuhause fühlte. Es gab keine „Lieblingszeit“, es fühlte sich an, als würde ich einem roten Faden folgen, einer langen, emotionalen Zeitreise, bei der alles unaufhaltsam auf einen gemeinsamen Ursprung zuläuft.
Auch das Nachwort hat mich noch einmal tief berührt. Die spürbare, intensive Recherche verleiht der Geschichte zusätzliche Tiefe und Authentizität. Man merkt auf jeder Seite, wie viel Herzblut in diesem Roman steckt.
Ob es daran liegt, dass ich diese Geschichte gerade erst beendet habe, ich weiß es nicht, aber ich würde behaupten, Spiegelland war noch intensiver als Stromlinien. Nicht besser, nicht spannender, einfach intensiver.
✅️ Fazit:
Ein atmosphärischer, klug konstruierter und emotional tiefgehender Roman über Schuld, Herkunft, weibliche Stärke und die langen Schatten der Vergangenheit.
Für mich erneut ein Jahreshighlight und wieder mit meinem höchsten Prädikat ausgezeichnet: Lieblingsbuch!
Wer Geschichten liebt, die unter die Haut gehen und noch lange nachhallen, sollte unbedingt ins Moor reisen und tief graben.
🔎 Worum geht’s?
Elias flieht nach einem schweren Fehler zu seiner Großmutter ins Moor – doch auch sie hütet ein Geheimnis.
Während sie Jahre zuvor dort einen Neuanfang wagte, reichen die Wurzeln der Geschichte bis ins 18. Jahrhundert zurück. Was 1756 geschah, wirft bis heute lange Schatten und verbindet die Schicksale über Generationen hinweg.