Absolut lesenswert
Die Reise der verlorenen WorteMeinung: Wie viele Worte gehen verloren, nur weil sie nie ausgesprochen werden? Das Cover und der Titel haben mich sofort angesprochen. Und genau so leise und berührend ist auch die Geschichte. Kein lautes ...
Meinung: Wie viele Worte gehen verloren, nur weil sie nie ausgesprochen werden? Das Cover und der Titel haben mich sofort angesprochen. Und genau so leise und berührend ist auch die Geschichte. Kein lautes Buch, sondern eines, das sich still ins Herz schleicht. Janne arbeitet in einer Poststation und hat eine ungewöhnliche Aufgabe: Sie versucht, unzustellbare Briefe doch noch an ihren Empfänger zu bringen. Dabei taucht sie immer wieder in fremde Leben ein, fühlt mit Unbekannten mit, liest von Liebe, Verlust und gebrochenen Herzen. Diese Briefe sind für sie kleine Lichtblicke in einem Leben, das sich seit dem Zerwürfnis mit ihrem Großvater oft einsam anfühlt. Doch eines Tages bringt ein besonderer Brief alles ins Wanken.
Janne verlässt ihre gewohnte Sicherheit und macht sich auf den Weg, um ihn persönlich zu überbringen. Denn an diesem Brief hängt mehr, als sie zunächst ahnt, vielleicht sogar ihr eigenes Schicksal.
Der Schreibstil ist unglaublich bildhaft und flüssig. Es ist kein Buch, das man einfach nur schnell durchliest, man erlebt und fühlt es mit. Die Gedanken und Gefühle der Figuren wirken dabei so authentisch und nahbar, dass man sich ihnen kaum entziehen kann. Besonders berührt haben mich die Rückblicke in Jannes Kindheit. Sie ist erst acht Jahre alt, als sie nach dem Unfalltod ihrer Eltern zu ihrem Großvater geschickt wird. Zwischen Trauer, Sprachlosigkeit und unausgesprochenen Gefühlen entsteht langsam eine vorsichtige Verbindung zwischen den beiden zart, zerbrechlich und gleichzeitig unglaublich berührend.
Die Autorin beschreibt dieses vorsichtige Annähern mit wunderschönen Worten und nimmt uns dabei tief mit in Jannes Innerstes. Das Buch zeigt eindrucksvoll, wie schnell man Dinge loslässt und wie schwer es sein kann, alte Verletzungen wirklich zu heilen. Es geht um Familie, um Zusammenhalt und darum, wie wichtig Offenheit ist. Darum, wie leicht falscher Stolz zwischen Menschen stehen kann und wie befreiend es sein kann, sich der eigenen Vergangenheit zu stellen.
Eine leise Geschichte über Verantwortung, Vergebung und darüber, den eigenen Weg zu finden.
Ein Buch, das Mut macht, Hoffnung schenkt und sich wie eine kleine Reise zu sich selbst anfühlt.
Absolute Leseempfehlung